The Grand Tour – 6 Wochen in der Hochsaison mit dem alten Wohnmobil durch Italien

Tag 1 – Mit dem vollgestopften Mercedes nach Loreto

6 Wochen Urlaub. Das ist mal ein Wort. Geplant ist eine Reise nach Marokko, aber unser Wohnmobil steht seit Pfingsten in Italien. Motorschaden. Wie durch ein Wunder und dank eines mittleren vierstelligen Eurobetrags hat es die Werkstatt Fratelli Zallocco gerade noch rechtzeitig fertig bekommen. Seit Mittwoch ist es angeblich abholbereit mit einem Tauschmotor aus einem alten Polizeifahrzeug und einer neuen Kupplung. 30.000 km soll er erst gelaufen haben. Wir sind gespannt und setzten alles auf diese eine Karte.

Unser Auto haben wir bis unters Dach vollgepackt, 6 Wochen sind eine lange Zeit, und starten am Sonntag kurz nach 6 Uhr morgens Richtung Italien. Rosalie und Crissi begleiten uns, bringen den Mercedes wieder zurück nach Deutschland. Es läuft. Am Ende merkt man die 300 PS mehr und die 1,5 t weniger dann doch irgendwie. Nach gut 8 Stunden sind wir in Loreto angekommen und checken kurz in unserem Agriturismo Conero Ranch ein.

Keine 10 Minuten später geht es ab ans Meer. Alles kommt uns so vertraut vor. Und tatsächlich, hier waren wir schon mal vor 3 Jahren. Gefallen hat es uns damals nicht. Das kann ja gut werden.

Egal, wir sitzen am Strand, trinken Wein, die Mädels schwimmen.

Die Stimmung ist angespannt. Hoffentlich funktioniert das Womo wieder.

Den Abend verbringen wir im Il Battibecco Ristorante Pizzeria. Eine riesige Gaststätte, voll bis unters Dach.

Der Besuch lohnt sich.

Tag 2 – Wohnmobil in der Werkstatt abholen und erstmal Grundreinigen

Aufregung pur. Heute holen wir das Womo ab. Dementsprechend sind wir früh wach und treffen uns mit den Mädels beim Frühstück. Die superfreundliche Wirtin bietet uns Eier nach Art des Hauses an. Wir bestellen 2 Portionen und bereuen es sofort. Die rohen Eier werden mit Zucker aufgeschlagen und es ensteht eine kalte Zabaione in der Tasse. Wir können das nicht essen.

Der Wirt nimmt eine Tasse und zeigt uns wie lecker es schmeckt. Ein Rezept seiner Mutter. Wir haben ein sehr schlechtes Gewissen, können es aber immer noch nicht essen. Zum Glück haben wir die Mädels dabei. Aus Höflichkeit erbarmt sich Crissi und würgt sich ein paar Löffel der cremigen Masse runter. Die Situation ist gerettet. Danke Crissi.

Gegen 9 Uhr sind wir bei Fratelli Zallocco. Da steht es, das Wohnmobil. Alessio, Mit dem ich die ganze Zeit per E-Mail kommuniziert habe, erkennt mich sofort wieder. Ein Glück. Er holt den Mechaniker und wir starten eine Probefahrt. Ich glühe vor und starte den Motor. Irgendetwas ist komplett anders. Wo ist das laute Nageln? Wo sind die Vibrationen? Wieso ist es so leise im Auto?

Meine erste Befürchtung ist, dass sie ein Benzinmotor eingebaut haben. Der Mechaniker versichert mir, es sei ein 2,5 l Saugdiesel. Bei einem Turbodiesel sei alles viel einfacher gewesen. Mehr Auswahl, mehr Ersatzteile. Denke ich mir auch, zumindest was Endgeschwindigkeit und Durchzug anbelangt. Dafür hält er saugt Diesel ja ewig. Ha Ha Ha. Selten so gelacht. Sei es wie es will, wir starten auf die Probefahrt. In Summe fahren wir 20 km auf der Landstraße hin und her. Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen, die Kupplung greift beherzt zu. Alles prima.

Während ich die kaufmännische Abwicklung erledige und meine immensen Bargeldbestände los werde, packen Christina und die Mädels unser Gepäck aus dem Kofferraum in das Wohnmobil um. Frohen Mutes schippern wir die 4 km zum Campingplatz Bellamare.

Hier ist alles beim alten. Wir bekommen Chips, die wir aufladen und mit denen wir dann die Duschen und die Waschmaschine und den Strand benutzen dürfen. So sieht das italienische Camping-Paradies aus. Pool, Mini Club, Animation, Restaurant, Mini Markt. Kein Wunsch bleibt unausgesprochen. In Windeseile haben wir das Womo geparkt und die Campingutensilien aufgebaut. Selbst der Roller springt problemlos mit Kickstart an. Ein Wunder.

Den restlichen Tag verbringen wir zu 1/3 am Strand mit den Mädels, zu 1/3 mit der Grundreinigung des Wohnmobils und zu 1/3 mit Wäsche waschen. Zwischendurch schleppe ich noch 10 Gießkannen Wasser vom nächstgelegenen Wasserhahn zum Wohnmobil. Das hatten wir irgendwie vergessen. Es geht aber alles schneller als gedacht. Unsere Helfer Rosalie und Crissi machen sich auf den Weg nach Bologna und wir auf den Weg ins Campingplatz-Restaurant.

Wir erinnern uns, die Karte ist ambitioniert. Wir haben aber überhaupt keine Lust auf ambitionierte Küche heute und bestellen Insalata Mista und Pasta Pommodoro. Beides nicht auf der Karte. Der Kellner empfiehlt uns vegetarische Spaghetti Carbonara. Wir diskutieren und bleiben standhaft. Zum erst mal in den vielen Jahren in Italien setzen wir uns durch und verzichten auf die Empfehlung des Hauses. Wir feiern uns selbst! Endlich ist es uns gelungen, wir haben uns durchgesetzt.

Tag 3 – Toller Strandtag in Loreto mit guten Freunde

Die erste Nacht im Wohnmobil war eine gute Nacht. Wir haben tief und fest bis kurz vor 9:00 Uhr geschlafen. Länger hätte es auch nicht sein dürfen, denn wir treffen uns heute mit alten Freunden, die ein Ferienhaus in der Nähe haben, bei uns am Strand. Und die sind pünktlich. Während wir noch dösen bekommen wir die erste Nachricht. „Wir sind losgefahren“. Ab jetzt läuft unsere Uhr. Wir haben noch 60 Minuten Zeit. Und die reichen uns auch gerade um zu frühstücken, zu spülen und zu duschen.

Wir verbringen einen großartigen Tag am Strand, unterbrochen von einem kurzen Mittagessen im Stabilimento Balneare Blu Bar. Und weil es so schön ist, essen wir auch noch gemeinsam bei uns am Wohnmobil mit unseren allerersten Campinggästen zu Abend.

Zum Glück haben wir die Dreibeinhocker dabei. Perfekter Tag.

Tag 4 – Faulenzen am Strand von Loreto

Wieder haben wir gut geschlafen und starten in unseren ersten richtigen Urlaubstag. Endlich. 6 Wichen. Treiben lassen. Nichts vorhaben. In den Tag hinein leben. Der Weg ist das Ziel. Apropos Weg, eigentlich wollen wir ja nach Marokko. Wir zücken unsere iPads und schauen uns die Routen an, wägen ab. Das süße italienische Nichtstun versus Flamenco und Toreros, Spaghetti und Pizza versus Paella und Tapas, kurze Etappen am Meer entlang versus 3.000 km durch Frankreich und Spanien. Mit einem Handstreich wischen wir Afrika aus unseren Köpfen und entscheiden uns für Bella Italia. 6 ganze Wochen. Einmal rundrum, wenn es so sein soll. Wir starten gleich heute mit einem ruhigen Tag am Meer und brechen morgen auf in den Süden.

Tag 5 – Erste Bewährungsprobe für den neuen Motor – von Loreto bis Bisceglie

Bisher ist unser Womo mit neuem Motor gerade einmal 25 km weit gefahren. Heute steht die Bewährungsprobe an. Gespannt starten wir die Reise und fahren erst mal 50 km die Landstraße entlang. Fast schon paranoid überwache ich Motorgeräusche, Wassertemperatur und Ansprechverhalten. Wenn man bei diesem Auto von so etwas überhaupt sprechen kann. Hilft ja nichts, wir müssen auf die Autobahn. Und es fährt. Und es hält. Wir schwimmen mit 100 km/h im Strom mit, LKWs sind, zumindest auf der Geraden und bergab, auf einmal wieder Opfer und der Geräuschpegel ist auf einem Niveau, dass wir uns wieder unterhalten können. Wir lassen das Gargano links liegen und fahren noch vor Bari an die Küste Richtung Trani. Hier waren wir noch nie. Steineland. Überall sind Steinhändler am Straßenrand. Kalkstein soweit das Auge reicht. Leider haben wir unser zulässiges Gesamtgewicht schon deutlich überschritten und düsen weiter zum Camping La Batteria. Hoffentlich hat der noch freie Plätze. Unsere größte Sorgen Italien ist ja, dass wir in der Hauptsaison keinen Stellplatz mehr finden. Aber hier haben wir Glück. Freie Auswahl, entweder im Schatten oder direkt vorne an der Klippe zum Meer.

Irgendwo muss ein Haken sein. Zaghaft frage ich „Warum ist es so leer hier am Meer?“ „Im Mai und Juni war es hier vorne voll, im Moment haben wir nur Dauercamper auf dem Platz. Die bevorzugen den Schatten.“ Komisch denken wir uns, dass an so einem tollen Platz so wenig los ist und richten uns mit sagenhaften Ausblick auf das Meer häuslich ein. Und das Meer ist auch toll. Von einem Steinplateau aus gelangt man ins klare Meer. Sagenhafte Kulisse.

Unsere Küche bleibt heute kalt. Wir watscheln direkt über die Straße und sind im Pizzaparadies La Campana angekommen.

Auf Plastiktellern wird eine der besten Pizza Buffala aller Zeiten serviert, die wir mit einer Flasche lokalem Wein runterspülen.

Gegen 10 Uhr fallen wir schlaftrunken in die Kissen.

Tag 6 – Horrornacht auf dem Camping The Battery Camping Bisceglie

Es ist Freitag früh, 0:30 Uhr. Wir sind hellwach. Um uns rum ist das Inferno ausgebrochen. Wummernde Bässe aus allen Himmelsrichtungen. Mindestens 3 Openair-Diskos beschallen uns wahlweise mit Techno, Italo-Pop und Eurodance. Die kreischenden Ansagen der DJs sind markerschütternd und werden durch wildes Gejohle der Partypeople ekstatisch gefeiert. Wir versuchen uns mit unseren Kopfkissen von dem Lärm zu schützen. Es ist zwecklos. Die Bässe dringen unbarmherzig bis in die Knochen durch. Wir liegen im Halbkoma. Auf einmal fangen unsere Arme und Beine an zu jucken. Massenhaft laben sich Stechmücken an unserem Blut. Das muss die Apokalypse sein. Wir verbrauchen die letzten Reserven an Autan. Es nützt nichts. Gegen 4 Uhr ist endlich Ruhe, die Musik endet, gegen 5 Uhr sind die Stechmücken und ihre herbeigerufenen Freunde satt gefressen und wir schlafen endlich ein. Punkt 9 Uhr werden wir wach. Kindergejohle gepaart mit unerträglich lauter Kindermusik reißen uns aus der REM-Phase. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt die Vermutung. Unser Campingplatz ist der zentrale Miniclub für den ganzen Ort. Lauthals rennen Kinder über den Platz und planschen in ihrem eigenen Pool. Angestachelt durch übereifrige Animateure powern sie sich mal so richtig aus, damit ihre Eltern nachts in Ruhe in die Disko gehen können.

Wir ergebe uns unserem Schicksal und summen während des Frühstücks fröhlich die italienischen Kinderreime mit. Jetzt können wir immerhin auf Italienisch sicher bis 10 zählen.

Der Steinplateau am Meer entschädigt uns für unsere Pein. Wir chillen am Meer, die Stiche haben aufgehört zu jucken und der Miniclub ist ab 13 Uhr geschlossen.

So eine Nacht wollen wir aber nicht mehr erleben. Wir fahren mit der Sfera nach Bisceglie um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Wenigstens dort wo wir Einfluss haben. In der Drogerie unseres Vertrauens kaufen wir Autan und alternative Produkte – wer weiß schon, ob die hier gegen Autan nicht inzwischen immun sind. Außerdem landet die chemische Keule von Bayer in unserem Warenkorb. Ein Produkt das in Deutschland sicher verboten ist. Wäre doch gelacht, wenn wir zumindestens die Stechmücken nicht besiegen können.

Bei einem kurzen Abstecher am Hafen von Bisceglie trinken wir uns mit Gin und Tonic Mut für unser Vorhaben an.

Gesagt, getan. Während wir draussen, von oben bis unten mit Autan eingesprüht, kochen, wirkt innen das Teufelszeug von Bayer. Während unserer abendlichen Rommee – Partie wiederhole ich die Anwendung und sprühe auch alle Fliegengitter prophylaktisch ein. Und was soll ich sagen. Es wirkt. Zumindestens bis 4 Uhr morgens, als endlich die Diskos erstummen, können wir stichfrei den süßen Klängen lauschen. Bis 5 Uhr sind wir dann wieder ein gefundenes Fressen für unsere neuen Freunde.

Tag 7 – Mit der Sfera nach Trani

Samstag. Wochenende. Wohl auch für den Miniclub. Unser Glück, wir schlafen bis 10 Uhr. In der Zwischenzeit sind auch die Schnakenstiche abgeschwollen, so dass einem großartigen Strandtag nichts im Wege steht. Leider haben wir die Rechnung ohne den Wind gemacht. Das Vorzelt wackelt, das Meer schäumt, die Wellen machen das Baden am Steinstrand unmöglich.

Wir schwingen uns auf die Sfera und düsen nach Trani. Hier waren wir auch noch nie. Ganz im Gegensatz zu den Normannen und Staufern, die hier vor Jahrhunderten die Gegend unsicher gemacht und sich mit monumentalen Bauten verewigt haben.

Coole Location ist der Wellenbrecher vor dem Hafen mit kleinem grünem Leuchtturm, an dem man auch bei rauer See schön Baden kann. Die Stadt selbst besteht aus Steinen. Große Pflastersteine als Strassenbelag, Steinfassaden, Steinmauern.

Zurück am Campingplatz ist es ruhig. Wahrscheinlich bereiten sich alle Gäste auf eine weitere ausgelassene Partynacht vor. Wir nutzen die Gunst der Stunde und holen den verpassten Schlaf im Schatten der Markise nach. Mit einem mal schreit ein Verstärker gellend auf. Wie vom Blitz getroffen schieße ich hoch. „Check, check“ ertönt es laut, Gitarren quietschen.

Anscheinend Soundcheck direkt bei uns ums Eck. Und tatsächlich, 50 Meter Luftlinie von uns entfernt präpariert sich eine italienische Coverband für den Abend. Perfekte Voraussetzungen für einen gelungenen letzten Abend.

Wir kochen bei Sonnenuntergang und genießen bis 1 Uhr nachts ein Medley aus italienischen und englischsprachigen Evergreens.

Wobei die Regel gilt: „je später der Abend, umso mehr Songs von Queen werden gespielt.“ Christina gefällt es. Dank ausgeklügelter Prophylaxe verläuft unsere Nacht heute stichfrei. An die Diskos haben wir uns inzwischen gewöhnt und haben eher Sorge, dass wir ohne wummernde Bässe gar nicht mehr schlafen können.

Tag 8 – Immer am Meer entlang – von Bisceglie nach Gallipoli

Wir wollen weg hier. Wir sind schnell. Frühstücken, Duschen, Einräumen, Wasserversorgung und -entsorgung, Toilette leeren, 120 € zahlen. Wir brauchen keine Stunde und sind schon unterwegs auf der Küstenstraße nach Süden. Wir passieren Bari und Monopoli und Capitolo. Aber nirgends gefällt es uns so richtig. Also fahren wir bis Gallipoli, der italienischen Partyhochburg mit dem türkisen Wasser. Christina googelt während der Fahrt nach Campingplätzen. Mangelware hier und dazu noch Hochsaison. Wir sind leicht panisch, als wir beim Agricamping „Parco deli Ulivi“ vorfahren. Hoffentlich finden wir noch einen Platz. Alle Aufregung umsonst. Wir teilen uns die weitläufige und neue Anlage mit 5 anderen Campern. So kann es weiter gehen.

Wir bauen flux auf, schwingen uns auf den Roller und düsen zum nächstgelegenen Strand Baia Verde.

Hier tanzt auch um 17 Uhr noch der Bär. Beschallung von allen Seiten, die Menschen tanzen im Wasser. Der DJ singt die italienischen Gassenhauer live mit. Das Wasser türkis und klar, der Sand extrem hell, fast schon weiß.

Tag 9 – Strandtag in Gallipoli -Lido Cotriero

Wir haben geschlafen als gebe es kein morgen mehr. Keine Disko, keine Stechmücken, keine Livemusik. Ruhe pur. Herrlich. Wir schlafen durch bis 10 Uhr. Es ist heiss. Wir quälen uns aus dem Wohnmobil. Schatten haben wir hier nur tagsüber und abends. Andererseits natürlich eine gute Gelegenheit für Christina mal wieder Wäsche zu waschen. Die Handtücher haben wir ja auch schon zweimal benutzt.

Während die Maschine läuft fahren wir mit dem Roller zum Einkaufen. Der erste Laden den wir entdecken ist ein Eurospin. Kann schon nicht so schlimm sein. Denkste. Vor und im Laden herrscht Ausnahmezustand im italienischen Norma. Es gibt keinerlei Markenprodukte. Dafür ist das Gemüse schlecht und die Auswahl gering. Die Kunden packen ihre Wagen randvoll. Muss wirklich günstig sein. Wir sind mürbsten Krabbeltischen heillos überfordert und beschränken uns auf das Nötigste. Insbesondere Wasser und Wein im Tetrapack. Den packen wir später in die Gefriertruhe des Campingplatzes, so dass wir immer auf eine kühle Erfrischung zurückgreifen können. Großartige Idee.

Die Wäsche ist noch lange nicht fertig. Ich habe ja auch pflichtbewusst das Ökoprogramm gewählt. Also ab an den Strand. Die Sfera wird vom Einkaufswagen zum Strandchopper umgebaut und wir brausen durch die Landschaft und über Stock und Stein. Die Küste ist sehr felsig, immer wieder durchzogen mit kleinen Strandabschnitten, die allerdings nur durch Stickstrassen und über ein ausgeklügeltes, aber für ortsfremde vollkommen unverständliches Einbahnstraßensysten, zu erreichen sind.

Schnell wird klar, dass man in dieser Region ohne fahrbaren Untersatz heillos verloren ist. Wir landen schlussendlich irgendwo bei Pizzo und richten uns so gutes geht auf den kantigen Steinen ein.

Wir fühlen uns frei und cool, allerdings ist es absolut unbequem und anstrengend eine halbwegs annehmbare Sitzposition zu finden. Von Liegen kann gar keine Rede sein. Unser mitgebrachtes Picknick essen wir halb im Stehen und halb im Sitzen, so gut es eben geht und an welcher Stelle man seinen Körper gerade entlasten muss.

Der Ort ist aber natürlich eine Sensation, und im angrenzenden Lido Cotriero sitzt es sich dann auch deutlich bequemer als am Meer.

Zurück am Platz ist dann auch endlich die Wäsche fertig und wir begießen den schönen Tag mit Weißwein – Sorbet!

Tag 9 – Strandtag im typischen italienischen Strandbad – Lido San Giovanni

Unser Strandroller ist gepackt und wir fahren heute Richtung Stadt. Kilometerlang reiht sich ein Lido an den andern. Wir landen schlussendlich im Lido San Giovanni. Ein wohl organisiertes Strandbad, das 6 Euro Eintritt pro Person kostet. Für weitere 27 € mieten wir uns zwei Liegen und einen Sonnenschirm und liegen mitten in der italienischen Herrlichkeit.

Hier gibt es alles: Musik, Bar, Restaurant, Duschen – alles vorhanden. Hier gibt es auch keine Strandverkäufer, wahrscheinlich liegt das Monopol für Ramschware hier beim Strandbad selbst. Allerdings erstreckt sich das Bad bei einer Tiefe von 30 m auf mindestens 500 m Länge Strand-Abschnitt. Lange Wege sind vorprogrammiert, dafür ist es zum Wasser kurz. Das Wasser ist glasklar, türkis gefärbt. Es ist heiss. Die 10 m zum Wasser werden zur Qual. Kaum ist man aus dem Wasser draußen ist man schon wieder trocken und muss wieder ins Wasser gehen, ein stetiges rein und raus. Die italienischen Badegäste sind da cleverer, sie bleiben einfach im Wasser.

Zur Mittagszeit verziehen wir uns in den zentral gelegenen Barbereich. Ein großes Rondell mit Bühne wir von unzähligen Plastiktischen und Plastikstühlen ein gesäumt. An allen Tischen wird Karten gespielt. Perfekt, wir spielen Rommee, essen Panini und trinken Wein und viel Wasser.

Neben uns zwei zwölfjährige, die Uno spielen und dabei Eis essen. Das Mädchen gönnt sich ab und zu noch ein Zigarette. Wir fragen uns, wann unsere Emma tatsächlich mit dem Rauchen angefangen hat. Bestimmt erst mit 19, sind wir uns sicher.

Der Nachmittag verstreicht Im Handumdrehen und wir düsen mit dem Roller zurück zum Campingplatz. Nur welche Einbahnstraße soll ich nehmen? Wir verfahren uns mehrfach und brauchen für die 2 km gefühlt 30 Minuten.

Endlich angekommen reserviere wir für Christina erst einmal eine Waschmaschine und nutzen diese für Weiß- und Buntwäsche. Ich gehe davon aus, dass wir mit komplett frisch gewaschener Kleidung wieder nach Hause kommen werden. Verrückt eigentlich, dass ich mehr als 3 T-Shirts dabei habe.

Zur Abwechslung von der täglichen Pasta Pomodoro koche ich heute Risotto mit Erbsen und Safran. Liebevoll schwitze ich Knoblauchs an, röste den Reis, giesse mit Weißwein auf, rühre stetig und arbeite die Erbsen, den Safran und den Parmesan ein. Es entsteht ein schönes schlunziges Risotto mit perfekter Konsistenz. Aber es schmeckt nicht. Wir gehen heute hungrig ins Bett.

Tag 10 – Strandtag am Spaggia della Puritate im Herzen von Gallipoli

Mit knurrendem Magen wachen wir auf. Das mit dem Risotto mache ich nie mehr. Nach dem Frühstück ist vor dem Strand. Unser heutiges Ziel ist der Stadtstrand von Gallipoli, der auf der vorgelagerten Halbinsel liegt. Beherzt stürzen wir uns unserer Sfera in den italienischen Verkehr. Wie durch ein Wunder verfahre ich mich nicht, schlängle mich um alle Verkehrshindernisse herum und parke gekonnt oberhalb des Spiaggia Puritate. Ein fahrender Händler hat sich hier mit seinem Verkaufswagen strategisch geschickt positioniert. Er bietet kalte Getränke und Sonnenschirme an. Cleverer Kerl.

Das ist toll hier. Das Wasser wieder glasklar, Türkis, angenehm warm. Der Strand chillig. Zum Mittag erkunden wir das alte Gallipoli. Bei gefühlten 40 Grad Celsius quälen wir uns durch die pralle Sonne. Hier ist alles voller Touristen und natürlich tipici. Uns gefällt es, wir essen Panini, verzichten auf Alkohol und schleppen uns anschließend wieder zum Strand zurück.

Es ist unerträglich heiß. Das Meer reicht zur Kühlung kaum mehr aus, unsere Wasservorräte sind verbraucht. Mehrfach quäle ich mich die Rampe zum Getränkeladen meines Vertrauen hoch um für kalten Nachschub zu sorgen. Erst ganz zum Schluss merke ich, dass er auch über eine raffinierte Seilwinde die Getränke direkt an den Strand unter ihm liefert.

Zurück am Campingplatz passiert dann das, was immer passiert. Unserer Intimsphäre wird verletzt. Ein Wohnmobil parkt direkt neben uns, obwohl auf dem wahrscheinlich 6 Fußballfelder großen Platz in Summe nur 10 Parzellen besetzt sind.

Muss man nicht verstehen. Uns auch egal, weil morgen geht es weiter nach Matera. Wir esssen früh, Christina hat Hunger. Kein Wunder bei dem Vorabend. Heute bloß keine Experimente. Pasta Pomodoro und Zucchini. Es schmeckt, und flux sind dann auch Aussenküche, Roller und Liegen verstaut.

Tag 11 – Tag der Kultur – Matera und die Sassi

Wir sind früh wach. Wie immer herrscht aufgeregte Vorfreude. Nach einem schnelle Frühstück und einem vollen Service sind wir kurz nach 10 Uhr abfahrbereit.

Kurz noch zahlen. Ich Tücke freudig meine Mastercard, für die ich inzwischen sogar einen Pin habe, und treffe auf absolutes Unverständnis. Cash is King hier auf dem Agricamping. Landwirtschaft gibt es hier übrigens, außer den Olivenbäumen, keine. Ich werde zum nächsten Bancomat gefahren, zahle 40 € / Nacht, anscheinend der aktuelle Einheitspreis, und um 11:15 Uhr sind wir wieder auf der Straße. Es geht am Meer entlang nach Norden. Immer entlang der Küste mit herrlichen Stränden und Städtchen. Wir halten nur kurz an um Tomaten zu kaufen, denn wir habe ein Ziel. Matera. Stadt der Sassi und Kulturhauptstadt 2019. Der Hunger und Mangel an Nahrungsmitteln, Alkohol und Zigaretten zwingen uns jedoch zu einem Zwischenstopp im Einkaufszentrum bei Taranto.

Hier gibt es alles was das Herz begehrt. Wir schlagen beim Mittagessen zu. Pizza, Salat, Pasta. Sieht alles lecker aus, wir wollen alles haben. Während ich auf die Essensausgabe warte, sichert Christina unsere Sitzplätze gegen zahlreiche Übergriffe eifriger Familien. Wie Wildtiere, die ihre Beute vor der Meute schützen, sitzen wir anschließend über unserem Essen, schlingen es in uns hinein, immer auf der Hut vor Übergriffen. Die Blicke immer in alle Richtungen. Das Hungergefühl ist schon lange gewichen. Egal, nur nichts den anderen übrig lassen. Tröge und schlapp schleppen wir uns anschließend durch den Ipermarche, unfähig einen klaren Gedanke zu fassen. Sinnfrei werfen wir unnütze Artikel in unseren Einkaufswagen und verstauen diese dann in den Tiefen unseres Wohnmobils.

Es ist 15:30 Uhr als wir schlussendlich am Wohnmobilparkplatz in Matera ankommen. Das ist gut organisiert. Wir zahlen 50 Cent/h und sind ruck zuck mit dem Pendelbus am Ort des Geschehens, den Höhlenwohnungen der Sassi.

Nahezu unvorstellbar, dass hier noch bis Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts Menschen gelebt haben. Und das von der Landwirtschaft. Hier gibt es nichts. Wir laufen ehrfürchtig durch die schöne alte Stadt, schauen uns interessiert die Wohn-Höhlen an, trinken, zusammen mit Kulturtouristen lecker Café.

Um 17:30 Uhr sind wir wieder zurück auf dem Wohnmobilparkplatz. Hier könnte man auch über Nacht stehen. Nichts für uns. Wir fahren 30 Minuten weiter zum Agriturismo Farmhouse San Marco und mieten uns für eine Nacht ein. Auch hier sind wieder ausreichen Plätze vorhanden, es ist leer. Reisen in der italienischen Hauptsaison haben wir uns deutlich schwieriger vorgestellt. An der Rezeption erhalten wir beim Check-In Bademützen, mit denen wir schnurstracks zum Pool laufen. Heikle Angelegenheit. Die Pumpen sind aus, im Wasser schwimmen Fremdkörper, an der Wasserlinie haben sich Algen auf der Poolfolie abgesetzt. Uns egal. Wir klettern vorsichtig in den Pool, den Kopf immer über Wasser, und genießen die angenehmen 30 Grad Wassertemperatur.

Dafür sind die Duschen prima. Endlich mal wieder selbstständig über Wassermenge und Temperatur entscheiden zu dürfen empfinden wir inzwischen als Luxus. Wir kosten das minutenlang aus. Mensch, was brauchst Du mehr. Die Küche im Agriturismo bleibt heute kalt. Unsere auch. Wir snacken unsere Einkäufe vom Nachmittag und spielen Rommee.

Tag 12 – Immer an der Küste entlang bis Isca Marina in Kalabrien

Freitag, 8 Uhr, 32 Grad Celsius im Wohnmobil. Der Ventilator läuft auf Hochtouren. Jede Bewegung verursacht Schweißausbrüche. Wir frühstücken und packen zusammen. Leider können wir unser Arbeitstempo nicht an die Umgebungsbedingungen anpassen. Nach 30 Minuten sind wir abfahrbereit aber auch komplett nass geschwitzt und außer Atem. Der Pool ist keine, die Badekappen habe ich zusammen mit 30€ schon an der Rezeption abgegeben. Wir duschen kalt, stellen uns in die Sonne und sind nach 5 Minuten wieder komplett trocken um anschließend unsere Kleidung wieder nass zu schwitzen. Bei 40 Grad fahren wir weiter in den Süden. Immer auf der Bundesstraße, immer Richtung Reggio Calabria. Literweise trinken wir Wasser und Cola Zero, strecken Hände und Füße in den Fahrtwind um Kühlung zu erhalten. Bei Corigliano halten wir an und essen lecker Panini in einer Bäckerei.

Unterwegs sind wir jetzt 2 Stunden, gefühlt sind es 2 Tage. Weiter geht es auf die E90. Wir halten genau weitere 2 Stunden aus und springen bei Cutro kurz ins Wasser. Nicht schön hier. Überall liegt Müll am Strand. Wir fahren weiter und landen eine gute Stunde später in Isca Marina auf dem Camping Mimosa.

Die Rezeption ist leer. Ich wende mich an den Barmann. Der freundliche Junge sagt, er müsse seinen Chef holen. Keine 5 Minuten später ist der Chef da. Vielleicht 30 Jahre alt, mit Hund im Schlepptau. Ich frage nach einem Platz für 4-5 Nächte. Er schaut mich mit großen Augen an, meint er müsse seinen Vater holen. Keine 5 Minuten später ist der wirkliche Chef da. Ja, er habe einen freien Platz. Und die Platzzuteilung hier ist Chefsache. Er marschiert voraus, wir watscheln wie Küken hinter ihrer Entenmama hinterher und dürfen uns aus anscheinend wahllos vorgeschlagenen Plätzen einen passenden aussuchen.

Ruck Zuck haben wir uns eingerichtet, springen ins klare Wasser und schließen direkt Bekanntschaft mit unserem Nachbarn. Der war vor ewigen Zeiten als Lehrling in Erding und hat sich danach mit einem Fischrestaurant in Venedig selbstständig gemacht. Bewährt hat er sich ein sehr freundliches „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Guten Abend“, welche uns ab sofort zu allen passenden und unpassenden Gelegenheit freudig entgegenschallen.

Die Anlage hat den Charme vergangener Tage. Eine Mischung aus Camping und Ferienhäusern. Alles sehr gepflegt und sauber mit größerem Investitionsstau. Die Atmosphäre ist großartig entspannt.

Direkt ums Eck, am Lido SetteBello, essen wir dann in klimatisierten Räumen zu Abend. Ein Glück. Selbst um 21:00 Uhr Ist es noch unerträglich heiß und unsere nassen Kleider können endlich bei angenehmen 25 Grad Celsius an unseren Körpern trocknen. Es gibt lecker Pizza und Pasta, alles ganz entspannt. Wir haben Glück. Es ist schön hier.

Tag 13 bis Tag 19 – und täglich grüßt das Mumeltier

Die Musik geht an, wir sind wach. Ein neuer Tag beginnt. Die Tage auf dem Mimosacamping verlaufen gleichförmig, einem immer wieder kehrenden Muster folgenden, unterbrochen nur von kurzen Abweichungen, um sich dann wieder in den gewohnten, vorbestimmten Ablauf einzupendeln. Wir sind Teil eines Größeren „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Jeden Morgen werden wir sanft, aber bestimmt entweder von der italienischen Großfamilie schräg links hinter uns oder von der schräg rechts hinter uns geweckt. Auf beiden Seiten sind riesige Zeltburgen entstanden.

Zentraler Versammlungsort ist jeweils ein riesiger hölzerner Tisch, um den mindestens 10 Stühle aus 50 Jahren Campingerfahrung drapiert sind. Für Gäste stehen weitere Klappstühle immer im Hintergrund bereit. Über den Tischen hängen in 3 Metern Höhe nackte Birnen direkt in der Fassung. Gute, alte Birnen, die auch noch in 20 Metern Entfernung ausreichen Licht erzeugen und alle angrenzenden Plätze die ganze Nacht mit gleißender Helligkeit versorgen. Das zweite zentrale Element der Burg ist ein ausrangierter, kleiner Wohnwagen, der auf platten Reifen und mit zugeklebten Fenstern sein Dasein unter einem schmutzigen Foliendach fristet. Direkt daneben steht das dritte zentrale Element auf einer Europalette. Die überdimensionierte Kühl-/Gefrierkombination, deren Kompressor tagein, tagaus schwer ächzend gegen die Außentemperaturen ankämpft. Komplettiert wird das Ensemble durch zahlreiche Zelte unterschiedlicher Größe, einer zentralen Aussenküche, deren Gasflaschen den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen, sowie durch eine laute, aber unterdimensionierte Musikanlage.

Diese bescheren uns dann auch unseren morgendlichen Weckruf. Entweder melancholisch-italienisch von links oder fröhlich-Italienisch mit Gesangsunterstützung von rechts. Je nachdem, wer am jeweiligen Tag die musikalische Leitung des Morgen übernimmt. Wir wachen so oder so fröhlich auf, denn Stechmücken gibt es hier keine. Was für eine Wohltat! Beflügelt von der Musik frühstücken wir im Bett. Bei melancholischen Klängen eher bescheiden mit Tomate Mozzarella, bei fröhlicher Musik von rechts schlagen wir auch gerne, mit einem Rührei, über die Stränge.

Inzwischen ist es dann auch schon nach 10 Uhr und wir sind bereit für den Tag. Ein kurzer Abstecher zum Spülbecken hilft uns die Routine zu bewahren, der sorgsam getrennte Müll wird gemeinschaftlich zum Container gebracht. Auf dem Rückweg trinken wir eine Café bei Anton an der Bar und wählen unser Mittagessen aus. Vorbestellung, Prenotazione!

Er kennt unsere Gepflogenheiten inzwischen sehr gut. Kein Zucker zum Café, dafür ein Cornetto mit Schokolade. Kein Cola mit Zucker, dafür ein Bier. Um ja nicht durcheinander zu kommen wählen wir zum Mittagessen immer Pasta Pomodoro und Salat. An verrückten Tagen kombinieren wir noch eine Krokette und ein Arancini dazu. An ganz verrückten Tagen auch mal 2 Kroketten. Inzwischen ist es dann auch schon 11 Uhr. Strandzeit. Als Dauergäste haben wir unser Revier natürlich mit 2 Schirmen in der 1.Reihe markiert.

Es ist ein perfekter Platz. 70 Meter vom Wohnmobil entfernt, abends werfen die Bäume Schatten, das Meer ist klar, der Strand aus feinen Kieseln. Links von uns liegt eine Familie mit debilem Großvater, magersüchtiger Mutter und aktiven Kindern.

Der Vater hält alles zusammen. Er badet liebevoll den Vater mit einem Schwimmreif und beschäftigt seine Kinder, während seine Frau permanent damit beschäftigt ist unnötig aufgenommene Kalorien wieder zu verbrennen. Tag für Tag. Rechts von uns liegt eine weitere italienische Großfamilie. Ein sehr freundlicher, enorm großer, sehr dicker, glatzköpfiger und sehr brauner Italo-Meister Proper hat seine Kinder und seine Frau, deren Körperfettanteil bei 0 % liegen muss, sowie unzählige Verwandte und Bekannte um sich geschart und gemeinsam verbringen sie den gesamten Tag im flachen Wasser. Das ist auch unsere Beschäftigung für die nächsten 2 Stunden. Wahlweise mit und ohne Luftmatratze schleppen wir uns ins Wasser und planschen, trocknen innerhalb von 5 Minuten am Strand wieder komplett ab, um dann sofort wieder im Wasser Linderung zu finden. Unterbrochen wird unsere Strandgemeinschaft dabei nur von den zwei hauptamtlichen Animateuren des Campingplatzes, die nicht nur für die Beschallung des Strands mit italienischen Klassikern sorgen, sondern auch lustige Strandspiele mit den Gästen veranstalten.

Als unser Lieblingsspiel stellt sich, im Laufe der Zeit, das Ansaugen und Transportieren von Tischtennisbällen mittels eines Strohhalms heraus. Das hat bisher noch keiner geschafft. Selbst Meister Proper ist daran gescheitert, obwohl er über ein immenses Lungenvolumen verfügen muss.

Wie im Flug vergeht die Zeit und schon ist es 13 Uhr. Zeit für das vorbestellte Mittagessen.

Wir schleppen uns in der Mittagshitze zur Bar, wo schon unser gedeckter Tisch auf uns wartet. Wir setzen uns und wie durch Zauberhand findet unsere Pasta den Weg auf unseren Tisch. Wir bestellen parallel Getränke bei Anton. Alternativ eine große 2 Liter-Flasche Wasser und 1 Liter-Flasche Weißwein, oder jeweils nur 1/2 Liter. Meistens haben wir großen Durst. Nach der Pasta ist vor dem Salat und den frittierten Köstlichkeiten, die ebenfalls prompt den Weg an unseren Tisch finden.

Die Köchin freut sich jedes Mal, wenn sie uns sieht, winkt freudig. Sie scheint die Mutter des kleinen Chef und Frau des wirklichen Chef zu sein. Wir sind gute Gäste und beschließen das Essen mit Café und Gelato. Viel zu heiss für den Strand, die Flaschen sind noch nicht leer und wir befinden uns zudem am einzigen Ort mit Wifi. Wir vertrödeln unsere Zeit mit App-Updates unserer mobilen Endgeräte, der Spekulation um das Wetter und der weiteren Reiseplanung. Unsere Flaschen leeren sich zunehmend, wir sind außerstande irgendwelche Entscheidungen zu treffen und schleppen uns ergebnislos gegen 15 Uhr wieder zurück an den Strand. Es ist extrem heiß, Zeit für die Luftmatratze, unsern besten Freund am Nachmittag. Wir befinden uns für 3 Stunden in einer Endlosschleife in der Endlosschleife. 15 Minuten mit der Luftmatratze in Wasser, bis der Körper ausreichend gekühlt ist, 15 Minuten unter dem Sonnenschirm „Jack Reacher“ lesen und Gameboy spielen, bis der Körper die Hitze nicht mehr von selbst ausgleichen kann, 15 Minuten ins Wasser, usw.

Der ganze Strand bewegt sich in diesem überlebensnotwendigen Rhythmus. Der ganze Strand? Nein! Einer unserer Campingfreunde trotzt der Hitze und scheint eine andere Physiognomie zu haben. Pünktlich um 16:30 Uhr rückt er seinen Strandstuhl zurecht und verbringt die nächsten Stunden als Sonnenanbeter.

Er wird später im Büro sagen „das Wetter war so toll, schaut wie braun ich geworden bin, obwohl ich immer nur im Schatten saß!“ Unterbrochen wird unsere Routine täglich durch einen kurzen Plausch mit unserem venezianischen Freund. Sein freundliches „Guten Tag“ nimmt er zum Anlass uns an seinem Leben in italienischer Sprache teilhaben zu lassen, während seine Frau im Hintergrund bleibt. Wir verstehen nur jedes zweite Wort, sind uns aber sicher, dass wir es mit einem Playboy alter Schule tun zu haben, der heute noch seiner deutschen Liebe Ursula nachtrauert. Es könnte sich dabei aber auch um seinen Bruder handeln, der momentan in Marburg/Lahn Polenta kocht. Bei 19 Grad Celsius. Das muss man sich mal vorstellen. Wir sind hier am Strand und er kocht Polenta. Bei 19 Grad Celsius! Gegen 18 Uhr beenden wir den Strandtag und bereiten uns für den Abend vor. Wir schälen Pfirsiche, schneiden sie in kleine Stücke, mischen diese mit Prosecco und spielen Karten vor unserem Wohnmobil bis gegen 19 Uhr die Hitze zurück geht und wir wieder unser Grundlevel erreicht haben. Zeit für die tägliche Toilette. Erst ist das Wohnmobil dran, dann wir selbst. Unser Motto „sei der Erste, dann hast Du warmes Wasser und saubere Duschen.“

Unsere Abend verlaufen gleichermaßen routiniert wie unser gesamter Tag. Christina wäscht Wäsche. Ein Paradies ist das hier. 3 Maschinen, 3 € / Wäsche. Das muss man auch ausnutzen. 2 Maschinen parallel sind jetzt allabendlich automatisch für uns reserviert. An unserem Platz ertönt aus den zwei benachbarten Zeltburgen melancholische Musik von links und fröhliche Musik von rechts, wir kochen oder gehen zu Anton, falls wir mittags schon vorbestellt haben, oder in die benachbarte, klimatisierte Pizzeria zum Abendessen. Unser Speisenauswahl zeugt dabei von einer enorm hohen Flexibilität. Als Vorspeise wählen wir entweder Insalata Mista oder Verdure Grigliata, als Hauptpreise entweder Pasta Pomodoro, Pasta Arrabiata, Pizza Margarita oder Pizza Bufala. Bei einem einmaligen Ausrutscher haben wir unsere Routine verlassen und zusätzlich noch Patate Frites als Vorspeise gewählt und die Pizza Bufala mit Rucola kombiniert. Das war ein crazy Erlebnis. Crazy sind dann auch die Abendveranstaltungen der Animateure unseres Campingplatzes. Bei extrem lauter und verzerrter italienische Musik werden die in Formation tanzende Kinder von ihren zunehmend alkoholisierten Eltern angefeuert und gefeiert.

Wir schauen ebenfalls begeistert zu und beenden später unseren Abend bei Weißwein und Kartenspiel und versuchen uns ab 23:30 Uhr in den Schlaf zu schwitzen. Mit einem Schlag verändert sich alles. Die Schleife wird durchbrochen. Es ist der Vorabend zu Ferragosto, 0 Uhr, um uns herum scheint die Welt unterzugehen. Grelle Lichter blitzen am Himmel auf, gewaltige Kanonenschläge explodieren am Himmel. Wir schrecken aus unserem Dämmerzustand auf und sind mit einem Schlag hellwach. Unser echter Campingplatz-Chef scheint Ferragosto vorzufeiern. Wir hatten damit erst einen Tag später gerechnet. Zu Richard Wagners Ring der Nibelungen veranstaltet er ein fulminantes, fünzehnminütiges Feuerwerk über Meer und Campingplatz.

Wir sind beeindruckt und schlummern mit diesem tollen Erlebnis beseelt ein.

Die Musik geht an, wir sind wach. Ein neuer Tag beginnt.

Pfingsten 2019 – Auf nach Apulien und ins Gargano mit dem alten Wohnmobil

Prelude

Begeisterung pur. Es ist Freitag 14 Uhr und wir packen das Wohnmobil. Um bis hierher zu kommen haben wir allerdings eine wochenlange Odyssee hinter uns.

Alles begann an einem lieblichen Tag im April. Wir holen das Womo aus dem Winterschlaf und bringen es, wie vereinbart, direkt zum BOSCH – Dienst unseres Vertrauens. Ölwechsel und Behebung des öltropfenden Motors sind vereinbart.

Nach einer Wochen ist das Auto fertig. Mit dem Ölwechsel. „Was ist mit dem tropfenden Öl?“ frage ich vorsichtig. „Müssen wir Teile bestellen“. Wir einigen uns auf Anfang Mai. Dichtungen wechseln und gleich mal den Zahnriemen wechseln. Auch gut, denke ich, kann ich gleich noch zur Näherin unseres Vertrauens und Gardinen ausmessen lassen. Denn unser Wohnmobil soll schöner werden.

Gesagt getan, ausgemessen, Stoff gekauft, Wohnmobil zurück in die Werkstatt. Eine Woche später hole ich es wieder ab. Bezahle einen deutlich vierstelligen Betrag und fahre guter Dinge nach Hause. Weiter komme ich leider nicht. Beim Aussteigen bemerke ich einen riesigen Ölfleck unter dem Womo. Meine Fahrt lässt sich ebenfalls, ohne Fährtensucher zu sein, anhand der Ölspur leicht nachvollziehen.

60 Minuten später ist der Wekstattbesitzer da, er ist panisch als er den Ölverlust und den Zustand der Strasse sieht. Hektisch versucht er die Flecken mit Bremsenreiniger zu vertuschen. Ein sinnloses Unterfangen. Zum Glück für ihn und zu Lasten unserer Natur, fängt es an zu regnen. Die ganze Strasse schimmert in Regenbogenfarben. An Fahren ist nicht mehr zu denken. Ich rufe den ADAC und keine 3 Stunden später steht das Womo wieder in der Werkstatt.

Eine Woche später hole ich es ab. Eine Dichtung ist wohl beim Einbau beschädigt worden. 1000 Entschuldigungen. Ich mache gute Miene zum bösen Spiel. Wird ja jetzt funktionieren. Es fährt und ist trocken. Aber macht extreme Geräusche und russt ohne Ende. Das ist nicht normal. Ich fahre wenige Tage später wieder zur Werksatt. Wir sind uns einig, man muss an den Einstellungen arbeiten. Gesagt, getan. Eine weitere Woche später hole ich es wieder ab, fahre die 3 km nach Hause. Natürlich nagelt es immer noch und es russt auch noch. Mir egal – noch eine Woche bis zur Abfahrt. Da müssen wir jetzt durch. Brauchen ja auch Zeit zum putzen und einräumen. Und am Donnerstag werden ja auch die Gardinen montiert. Am nächsten morgen entdecke ich etwas wohl bekanntes. Ein großer, frischer Ölfleck zeichnet sich ab.

Mich wundert nichts mehr. Routiniert schreibe ich eine WhatsApp, stelle das Womo vor die Werkstatt, werfe den Schlüssel ein. Donnerstag Abend soll es fertig sein. Ich bin da, das Womo ist da, aber sie schrauben daran. Irgendwas haben sie wieder verbockt. Der Werkstattbesitzer weint fast. Er zittert am ganzen Körper. Ich habe Angst, dass er gleich platzt. Eigentlich meine Rolle. Ich habe Mitleid, beruhige ihn. Versprochen wird es uns auf Freitag morgen. Ich verschiebe den Gardinentermin auf Freitag 16 Uhr.

Und tatsächlich, am nächsten Morgen gegen 11 Uhr wird es geliefert. Alles in Ordnung. Angeblich.

Tag 1 – Wir quälen uns über die Alpen bis nach Mailand

Begeisterung pur. Es ist Freitag 14 Uhr und wir packen das Womo. Christina ist schon seit 11 Uhr ununterbrochen dabei zu putzen und einzuräumen und es fehlen noch Werkzeug, der Roller und meine Kleider. Hektisch packe ich den Roller auf die Bühne, sammle das notwendige Werkzeug ein, werfe Klamotten in Wäschekörbe und stopfe alles in die mir zugeteilten Fächer. Unsere Gardinen warten schon auf uns. Um 15:45 Uhr kommen wir los. Erste Etappe: 8 km. Gardinen montieren. Katja, die estnische Näherin, ist ein Sonnenschein. Ihr positive Art steckt uns an. Ihr Mann sei nicht in der Lage im Haushalt zu helfen. Dieser tolle Mann sei einfach zu gemütlich. Nehme mir vor gemütlicher zu werden.

Schwups die Wutsch sind die Gardinen drin. Hätte nicht gedacht, dass das so schnell geht und in Summe so teuer ist. Sieht aber toll aus. Zufrieden tuckern wir los Richtung Süden. Am Albaufstieg bei Deggingen wird uns schnell klar, dass das Womo nicht in Ordnung ist. Im 1. Gang, eine immense Russfahne hinter uns herziehend, rattern wir den Berg nach oben. Der Ducato hat keine Leistung und kein Drehmoment mehr. Es fehlen bestimmt 10 von 75 PS. Dafür ist er doppelt so laut wie sonst schon.

Ganz kurz überlegen wir aufzugeben. Aber das ist keine Option. Und so machen wir uns, ob der Lautstärke, schweigend auf Richtung Alpen. Christina formt sich Ohropax aus Watte, ich versuche den Lärm zu ignorieren. Wir rattern mit 90 km/h über die Autobahn, sind an jedem leichten Anstieg auf der Autobahn ein Hindernis für die LKWs und vernebeln dabei den Überholenden die Sicht.

Den San Bernardino passieren wir spielerisch im 2.Gang. Alles ohne Stau, der ist nämlich hinter uns. Wir schaffen es bis Mailand. Irgendwie. 450 km blanker Terror.

Am Autogrill A50 – Assago Ovest finden wir ein freies und romantisches Plätzchen zwischen Tankstelle und Restaurant und fallen nach einer Flasche Prosecco gegen 1:30 Uhr in ein tiefes Koma.

Tag 2 – von Mailand bis in die Marken nach Lido di Fermo

Die erste Nacht in diesem Jahr im Wohnmobil haben wir fantastisch geschlafen. Kein Wunder, das Geräusch der Fahrzeuge auf der 25 Meter entfernten Autobahn erinnert an die Brandung des Meeres. Um 9:00 Uhr machen wir uns auf Richtung Adria um das in Echt zu erleben.

„Der Weg ist das Ziel“ hat für uns eine neue Bedeutung gewonnen. Durch das laute wummern des Motors tritt nach spätestens 90 Minuten Fahrt ein tranceartiger Geisteszustand ein, dessen Intensität sich mit jedem gefahrenen Kilometer steigert. Jäh werden wir bei Bologna aus unserer Welt gerissen. Stau. Mit der Ruhe des Staus werden wir klar im Kopf und entscheiden uns in der Eatalyworld einen Zwischenstopp zu machen.

Es ist Samstag an Pfingsten und noch leerer als vor 1 Jahr. Das Konzept aus Show-Kochen, Mitmachkursen, Restaurants und Shops scheint nicht aufzugehen. Auch uns ist es viel zu weitläufig, die kleineren Läden in Turin und Bologna-Centro gefallen uns deutlich besser.

Lecker ist es trotzdem hier.

Eine gute Entscheidung war das. Der Stau ist passé und wir haben ungetrübte Fahrt ins persönliche Glück. Tief in uns selbst gekehrt dösen wir auf der Autobahn vor uns hin, bis wir das Meer bei Fano entdecken. Wir dösen bis hinter Ancona weiter und verlassen, in einem lichten Augenblick, die Adriatica auf der Suche nach einem Campingplatz am Meer. Leider hatten wir vergessen, dass wir hier schon mehrfach nach Campingplätzen gesucht hatten und eher nördlich oder südlich fündig wurden, weil die Bahnlinie Meer und Land kilometerlang voneinander trennt. Aber unser Anspruch ist heute gering und wir landen schlussendlich auf dem Camping 4cerchi am Lidi di Fermo, ein sehr einfacher Platz, mit viel Schatten und neuem Sanitärbereich. Getrennt durch eine beruhigte Strasse vom 100 Meter entfernten Meer. Uns gefällt es, wir stehen gut.

Ein kurzer Sprung ins Meer entschädigt für alles. Zum Glück sind wir hier, auch wenn die komplette Linke hintere Seite des Womos durch den Russ schwarz eingefärbt ist. Ich schildere meine Erlebnisse unserem Werkstattbesitzer per WhatsApp. Er schreibt zurück. „…sorry die endgeschwindigkeit habe ich nicht getestet wenn Sie aus dem Urlaub zurückkommen werde ich den wagen nochmal persönlich einstellen,…, schönen urlaub noch“ Darauf stoßen wir an.

Um dem muffigen Geruch der vor Wochen nass eingerollten Markise und dem müffelnden Vorzeltteppich zu entgehen watscheln wir 200 Meter weiter ins L‘Aragosta Capricciosa und essen, bei Wohnzimmeratmosphäre, die wohl beste Pizza seit Jahren! Sehr dünn, sehr kross und trotzdem saftig.

Dem Champagner und dem Vino Frizzante sei Dank. Direkt nach dem Essen legen wir uns hin und schlafen direkt ein. Morgen bleiben wir hier. Strandtag!

Tag 3 – Strandtag am Lido di Fermo

Wir haben super geschlafen. Die Sonne scheint. Es ist viel zu schade um weiter zu fahren. Strandtag ist angesagt. Wir packen unser Sammelsurium zusammen und machen uns auf den kurzen Weg am Flusslauf entlang unter der Brücke zum Strand. Vorsicht ist angesagt. Wir scheinen die inoffizielle Toilette des Strandabschnitts entdeckt zu haben.

Der Strand ist sehr flach, Ebbe und Flut sind deutlich zu spüren. Überall liegen Muscheln. Wir liegen den ganzen Tag am Strand, unterbrochen nur von einem kurzen Snack am Wohnmobil. Gekonnt schlängeln wir uns an den Fäkalien vorbei.

Amüsiert lese ich das neue Buch von Martin Sonneborn. „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“. Lache mehrmals laut auf, könnte mich tot lachen. Gut, dass die Partei „Die Partei“ mit zwei Sitzen ins neue EU-Parlament eingezogen ist. Wenigstens jemand der den ganzen Lobbyismus mit dem notwendigen Humor begegnet und immer wieder auf Missstände hinweist.

Das Wasser ist noch angenehm kühl, auch wenn es so flach ist. Interessanterweise nerven die Strandverkäufer dieses Jahr überhaupt nicht. Vielleicht liegt es ja daran das hier ausschließlich Italiener sind. Einzig die Wagen mit Bademoden, die hier verteilt stehen, werden umzingelt von kaufsüchtigen italienischen Frauen.

Auf unserem Weg zu einer Strandbar wird auch Christina magisch davon angezogen. Wir laufen an drei Bagnos vorbei und entdecken keine Bar. Als wir fast schon aufgeben wollten entdecken wir in der Ferne eine Terrasse mit Stühlen. Ein Glück, hier gibt es alles was das Herz begehrt.

Zurück laufen wir an der Straße entlang, die gesäumt ist von lauter kleinen schnuckligen Bars. Anscheinend ist Meerblick hier keine Notwendigkeit.

Den Abend verbringen wir gechillt am Wohnmobil. Kochen, Essen, Rommee.

Ich gewinne 7:1.

Was ein erfolgreicher Tag!

Tag 4 – von Lido Di Fermo nach Vieste

Schon wieder eine perfekte Nacht. Das Wohnmobil scheint uns gut zu tun. Das Wetter ist prima, unsere Stimmung ebenso – wir entscheiden uns weiterzufahren. Nur noch 350 km bis Vieste. Ein Klacks.

An der Rezeption bekomme ich heute ausnahmsweise mal Geld raus. Mein Pfand für den „Stromschlüssel“ reicht aus um die 2 Tage zu bezahlen. 18 Euro. Glaube Sie hat sich verrechnet. Heute habe ich keine Lust ein Gutmensch zu sein. Ich akzeptiere schweigend, innerlich lächelnd. Eigentlich fast schon triumphierend fahre ich nach Süden. Endlich mal dem System ein Schnippchen geschlagen. Nach 2 Stunden röhrendem vor sich hinschleichen ist die Euphorie gewichen, ein schlechtes Gewissen stellt sich unterschwellig ein. Zum Glück kommt ein Stau, der meine ganze Aufmerksamkeit benötigt. Im Tunnel vor uns ist ein Womo, das uns gerade noch aggressiv überholt hat in ein Auto gecrasht. Schade, war ein schönes Ding.

Beim Tanken entdecke ich dann den Vorteil unserer erzwungen schleichenden Fahrt. Wir benötigen gerade mal 12,5 Liter / 100 km. Das sind 2,5 Liter weniger als sonst. Bei 2.700 km geplanter Reisestrecke sind das immerhin 67,5 Liter. Die Inkompetenz unserer Werkstatt erspart uns einen kompletten Tankstopp und ca. 100 Euro an Spritkosten. Bin mir jetzt unsicher ob ich das an unsere Werkstatt auszahlen soll, auch vor dem Hintergrund der Übernachtungskosten am Campingplatz. Vielleicht hilft es ja meinem Gewissen?!

Kaum zu glauben, aber es geht noch langsamer als wir selbst. Von Peschici bis Vieste schleichen wir hinter zwei Bussen die Serpentinen hoch und runter. Gerade wurde die mittlere Fahrbahnmarkierung erneuert und mit Pylonen markiert. Die Busse ignorieren das konsequent. Jeder zweite Pylon wird mit den Hinterreifen überfahren, die Dinger liegen Kreuz und Quer auf der Straße verteilt. Kreuz und Quer ziehen sich jetzt auch weiße Streifen über die Fahrbahn, weil alle Autos den Pylonen ausweichen müssen.

In Vieste angekommen machen wir uns auf die Suche nach einer Rollerwerkstatt. Unsere Piaggio Sfera funktioniert nämlich nicht. Pünktlich eine Woche vor Urlaubsbeginn hat sie kein Gas mehr angenommen und trotz aller Bemühungen von Marco, unserem Schwiegersohn in spe, funktioniert sie immer noch nicht. Er hat den Vergaser gereinigt, den Kaltstarter gewechselt, Membrane kontrolliert, nichts hat geholfen. Allerdings ist er auch nur Halbitalienier und kein Zweiradmechaniker. Seine und unsere Hoffnung ist nun kompetente Hilfe im Mutterland der Sfera. Sehr schnell werden wir fündig. Es gibt nur einen Zweiradmechaniker in Vieste. Michele. Und Michele ist bestens ausgestattet. Mit Hebebühne und Bremsprüfstand für Motorräder und Roller kann nichts schief gehen.

Allerdings ist Michele nicht da. Mit Händen und Füßen verständige ich mich mit einem seiner Mechaniker. Ich soll morgen zwischen 10:00 und 1:00 Uhr wieder vorbeikommen, dann sei alles erledigt. Das würde an ein Wunder heranreichen.

Befreit von der Last des Rollers machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Platz für eine Woche. Am Molinella-Strand, den wir früher sehr genossen haben, ist es uns inzwischen zu hektisch. Wir fahren weiter Richtung Peschici zum Holiday Village, wo wir schon vor knapp 15 Jahren zum Essen waren und damals gesagt hatten, hier müsste man mal Urlaub machen, weil es so lecker schmeckt und man direkt am Meer sei. Und so kommt es auch. Wir finden einen Platz und stehen direkt am Meer.

Den Abend beenden wir im Campingplatz – Restaurant, unsere Kinder haben es früher „Mama Lucía“ genannt, mit viel zu viel Wein, Caciocavallo, Bruschetta und handgemachten Orichiette.

Tag 5 – Ein Tag voller Überraschungen in Vieste oder „Der Tag der Sfera“

Wir werden durch das Rauschen der Wellen wach. Ein herrliches Gefühl. Frühstück im Bett mit direktem Blick auf das Meer.

Aber da war doch was! Irgendwie müssen wir nach Vieste kommen, den Roller holen. An der Rezeption wird mir der Busfahrplan erklärt. 7:38, 13:08, 16:38. Das hilft uns. so nicht weiter. Wir müssen ja zwischen 10 und 1 Uhr bei Michele sein. Ich lasse uns ein Taxi bestellen und keine 20 Minuten später fährt eine unauffällige graue Toyota-Limousine vor. Es ist unser Taxi. Weder außen, noch innen deutet irgendetwas auf ein Taxi hin. Könnte eher das Auto eines Tierarztes sein. Überall weiße Hundehaare. Ich zeige ihm unser Ziel auf dem Handy. „Ah Michele, un mio buon amico”. Es läuft. Was soll da noch schief gehen. Für die 11 km zahle ich 20 Euro. Keine Quittung. Dafür kommt er mit rein, begrüßt Michele überschwänglich, stellt uns vor. Michele hat den Roller leider nicht fertig, das Problem inzwischen aber identifiziert. Der Auspuff, den muss er aber bestellen. Ich gebe mein okay und bestehe auf einen „scappamento sportivo“. Er lacht, ich solle froh sein, dass es bei so einem alten Ding überhaupt noch Ersatzteile gibt. Aber er wird heute noch fertig, gegen 20 Uhr. Keine Ahnung wo die Ersatzteile her kommen. Vielleicht wird hier schon mit Drohen geliefert? Wir tauschen Telefonnummern. Das wird ein witziges Telefonat. Ich kann kein Italienisch, er kein Englisch. Leider vermietet er keine Roller, wir haben keine Badesachen dabei und unser Taxi ist wieder weg.

Spontan entschließen wir uns dazu in Vieste shoppen zu gehen und uns dann ans Meer zu legen. Zeit totschlagen bis 20 Uhr. Wir werden fündig. Bei Benetton. Bikini, Badehose, kurze Hose, Hemd, T-Shirts, Handtücher, Sonnencreme – wir kaufen so lange ein, bis nichts mehr in unsere Tasche passt. Shopping macht hungrig, und hier gibt es überall Leckereien.

Alfred, ein in Vieste lebender Schwabe, bei dem wir vor fast 15 Jahren zum ersten Mal und dann immer wieder mal Ferienhäuser in Vieste gemietet haben und immer wieder lecker Olivenöl kaufen, meldet sich telefonisch. Ich hatte ihm vormittags eine SMS geschickt. Vor 5 Jahren haben wir ihn und seien Amore Nella zu letzten Mal gesehen. Wir verabreden uns für den Abend. Praktisch, da wird das Telefonat mit Michele eine leichte Übung für mich.

Mit vollgestopftem Bauch und Taschen laufen wir Richtung Strand. Mühsam. Wir kommen nicht weiter als zum ersten Strandbad Cristalda Beach und mieten uns für 10 Euro bei freundlichen Menschen in der ersten Reihe ein.

Wir dösen vor uns hin. Der typische Strand-Rhythmus stellt sich ganz automatisch ein. Liegestuhl, Meer, Liegestuhl, Meer, Bar, Liegestuhl, Meer, Liegestuhl. Unser Pech, wir liegen in einem Dreieck befreundeter oder verfeindeter, wer weiß das schon genau, italienischer Familien. Frauen, Männer und Kinder rotieren von einem Sonnenschirm zum nächsten in immer unterschiedlichen Konstellationen und tuscheln, schreien, diskutieren. Alle 20 Minuten unterbrochen durch einen gemeinschaftlichen Gang ins Meer, wenn selbst den Eltern das Geschrei der Kleinkinder zu laut wird. Faszinierend wo die die Kraft hernehmen.

Auf einmal stürmen Männer in Neopren und Hunde mit rotem Geschirr den Strand. Es sind Wasserrettungshunde und ihre Trainer. Grandioses Schauspiel, wie die Hunde Spaß im Wasser haben und die Rettungsschwimmer unterstützen. Der Hund wir vom Schwimmer auf einem Surfbrett sitzend aufs Meer gezogen. Dort werden die Rollen vertauscht. Der Schwimmer legt den Verletzten auf das Board, gibt 1.Hilfe, der Hund zieht das Board zurück an Land. Die hätten Spendenkassen dabei haben sollen. Tolles Konzept.

Gegen 18:30 Uhr holen uns Alfred und Nella mit ihren beiden Hunden am Bagno ab. Alfred telefoniert mit Michele, den er selbstverständlich auch kennt – „Ah Michele, da habe ich früher immer Reifen gekauft“ – und wir können den Roller später tatsächlich abholen. Aber erst mal gehen wir essen, viel Wein trinken, 4 Jahre aufarbeiten. Im Restaurant des Camping Umbramare, wo es tatsächlich sagenhafte Pizza gibt. Fast hätten wir den Roller vergessen. Nella ruft nochmal bei Michele an. „Wo seid ihr? Wir schließen in 10 Minuten!“ Hektik ist angesagt. Nella und Christina bleiben sitzen und Alfred fährt mich zu Michele. Tatsache, der Roller steht auf der Straße, der Auspuff ist neu und leider sehr unsportlich. Sieht aus wie das Original. Schade, so ein wenig Hoffnung hatte ich. Ich zahle 140 Euro in bar. Mal wieder keine Rechnung. Klar, ist ja auch ein guter Freund des Taxifahrers.

Ich setze den Helm auf wie immer, setze mich auf den Roller wie immer, starte den Motor wie immer, und auf einmal ist alles ganz anders! Ich traue meinen Ohren nicht. Endlich knattert die Sfera so wie es sich gehört. Klassische 2-Takter-Geräusche. Unangenehm, aggressiv. Ich drehe den Gashahn auf und bin perplex. Ganz neues Ansprechverhalten und Beschleunigung. Auf dem Weg zurück ins Restaurant überschreite ich 60 km/h deutlich auf der Geraden. Keine Ahnung was die gemacht haben, bei Michele, der Auspuff alleine kann das nicht sein. Lange vor Alfred treffe ich im Restaurant ein. Glück kann so einfach sein. Danke Michele!

Ganz euphorisiert bestelle ich gleich nochmal 1 Liter offenen Weißwein und wir quatschen bis nach 23 Uhr. Nella und Alfred haben sich entschieden ganz in Vieste zu bleiben und ein tolles abgeschiedenes aber renovierungsbedürftiges Haus erstanden. Tolle Entscheidung, anstrengendes Projekt. Wir beneiden die Beiden. Dann ist es schon Zeit zum Abschied nehmen.

Wir werden uns wieder sehen! Christina und ich schwingen uns auf den erstärkten Roller und mit sagenhafter Power düsen wir zurück zum Campingplatz. Danke Michele!

Tag 6 – Sandsturm am Meer

Heute frühstücken wir ausnahmsweise draußen, so wie es der korrekte Wohnmobilist normalerweise macht. Fühlt sich auch gut an. Wir stehen ja auch direkt am Strand.

Chillen ist angesagt. Ja nicht zu viel Aktionen heute, am Camping-Platz bleiben.

Wir marschieren mit unserer kompletten Ausrüstung an den Strand. Handtücher, Liege, Getränke, Lektüre und den extra in der Metro neu gekauften, großen Strandschirm. Da war doch was! Genau – Wind! Wir erinnern uns. Am Strand wirbelt er immer wieder den Sand auf, böenartig kommt und geht er von links und rechts. Wir sind ja gut präpariert. Tapfer bauen wir auf. Leider passt der Schirm nicht in die praktische Stahlhülse, das Rohr ist zu dünn. Muss man sicher nur tief genug eingraben, denke ich. Beim ersten Gang ins Wasser werden wir eines besseren belehrt, der Schirm wird ausgehebelt und über den Strand geschleudert. Christina sprintet hinterher und rettet ihn und die anderen Gäste vor weiterem Schaden.

Zum Glück haben wir ja noch zwei weitere Schirme dabei. Ein sinnloses Unterfangen. Wir bauen uns eine Burg, die uns vor Sand und Sonne schützen soll. Unbefriedigend.

Zum Mittagessen gehen wir ans Wohnmobil. Die verkorkste Sonnenschirmaktion macht lustlos. Ich röste Brot in Olivenöl, wir schneiden Tomaten und Gurken und Mozarella. Lustlos. Schmeckt auch alles nicht. Das Brot ist weiß und hart und mit Olivenöl getränkt, schmeckt nicht.

Um dem Sandsturm zu entkommen gehen wir am Strand, dem Spagio Sfinalicchio spazieren. Ziel ist die nächste Bar. Alles geschlossen, also marschieren den kompletten Strandabschnitt entlang. Schön ist es schon hier. Überall alte Küstenwachtürme und Fischerhütten mit langen Auslegern und großen Netzen.

Endlich ist es soweit, ich kann wieder Sfera fahren. Geschickt kaufe ich immer wenig ein, so dass ich möglichst oft an der Küstenstraße entlangdüsen kann. Mit der Neu erstarkten Sfera bin ich auf einmal kein Verkehrshindernis mehr, kann sogar überholen. Danke Michele!

Zum Abendessen machen wir uns schick (Zwinkersmiley) und laufen zum nahe gelegenen Restaurant, ein Tip von Alfred. Leider stehen wir vor verschlossenen Türen – es ist eben doch noch Vorsaison. Also dann doch wieder bei Mama Lucía auf dem Campingplatz essen. Wir nehmen uns fest vor Spaghetti Pommodoro zu essen und uns auf keinen Fall wieder bequatschen zu lassen, irgendwelche besonderen Köstlichkeiten zu probieren.

Der Chef, bestimmt der Sohn von Mama Lucia, hat über letzten Jahre kräftig zugelegt. War mal ein drahtiges Bürschchen. Jetzt hat er einen mächtigen Wanst. Mama Lucia ist auch nirgends zu sehen, kurzerhand wird das Restaurant umgetauft. Ab heute sind wir beim „Wanst“. Beim Wanst schmeckt es gut und wir können tatsächlich durchsetzen. Insalata Mista und Spaghetti Pommodoro. Danke Wanst! Wir kommen wieder!

Tag 7 – Mit der Sfera an der Küste entlang Richtung Peschici

Heute ist Ausflugstag, und Ausflugstag ist Sfera-Tag! Die Sfera ist ein Raumwunder, hat wahrscheinlich den größten Stauraum ihrer Klasse. Wir packen 4 Handtücher, Badebekleidung, Bücher, Sonnencreme, zwei Taschen und mindestens 1.000 andere Dinge unter die Sitzbank und in den Heckkoffer und starten Richtung Peschici auf der Suche nach einem schönen Strand. Tapfer trägt uns der Rolle die Serpentinen an Küste entlang. Es geht stetig auf und ab. Nach 11 km sind wir fast in Peschici und sehen ein Schild das ins Nirgendwo führt, zum Baia Zaiana. Behende schlängeln wir uns die steile Straße hinunter und landen an einem Bezahl-Parkplatz. Scheint kein Geheimtipp zu sein.

Egal das sieht schön aus und ist uns 3 Euro Parkgebühr und 10 Euro für Liegen in Schirm wert.

Wie chillen den ganzen Tag am Baia Zaiana, der nachts anscheinend eine riesige Freiluftdisco ist. Das scheinen religiöse Tänzer zu sein, zumindest wacht eine Madonna-Statue in einer kleinen Felshöhle und eine am Restaurant über die Gäste der netten Bucht.

Im Restaurant schmeckt es wie überall lecker. Insbesondere der Wein, der hier ganz praktisch in Urinmessbechern (1 Liter!) serviert wird.

Wahrscheinlich kann man nachts auch Gin Tonic bestellen. Der Strand wohl allemal eine Empfehlung wert.

Zurück geht es dann viel schneller, dank Michele, Sito Plus und größerer Risikobereitschaft schaffen wir selbst zu zweit die Steigungen lässig und Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 50 km/h.

Wir gewinnen so viel Zeit, dass Christina noch ihrem natürlichen Waschzwang fröhnen kann. Sie hat es immerhin 6 Tage „trocken“ ausgehalten. Hektisch werden sämtliche weißen schmutzigen Wäschestücke eingesammelt und frische schmutzig gemacht, um eine Maschine zu füllen.

Ich kann sie gerade noch davon abhalten auch Buntwäsche zu waschen. Das Essen ist fertig. Der erste Einsatz unserer Aussenküche ist ein voller Erfolg, besser bekommt der Wanst das Tomatensugo auch nicht hin.

Tag 8 – Ein Tag am Spiaggia di San Lorenzo

Unser heutiges Ziel ist der Spiaggia San Lorenzo, ein kleiner Stadtstrand direkt bei Vieste gelegen. Wir packen die Sfera – heute passt noch mehr rein als gestern – und düsen an der Küste entlang, wenigstens so wie es Christina zulässt. Ihre Komfortzone hört leider bei 30 km/h auf, was teilweise zu aggressiven Überholmanövern von Autofahren führt. Wenn die nur wüssten, was Michele hier gezaubert hat.

Der Strand ist eine kleine Sensation. Wir waren hier auch schon im Sommer.

Bei Flut steht er, im Bereich des Lido, zu großen Teilen leicht unter Wasser und man liegt mit dem Liegestuhl mitten drin. Der Vorteil heute ist, das der Sand feucht ist und er sich deswegen nicht in jeder Pore des Körpers, der Taschen und der Handtücher festsetzen kann. Dafür sind wir gerne bereit 12 Euro zu bezahlen.

Zum Mittagessen bemühen wir uns 10 Meter ins Restaurant. Lecker Salat und Pommes hier. Alles auf Bambusgeschirr, die Aschenbecher aus Kokosnüssen selbst gebastelt. Waldorfschulen – Feeling in Vieste. Morgen gehen wir Waldbaden.

Unser anschließender Verdauungsspaziergang führt uns am öffentlichen Strandbad vorbei. Viel Schatten unter Pinien, sanft am Hügel gelegen. Ein netter Platz hier.

Irgendwann ist genug am Strand. Wir packen und düsen mit 30 km/h nach Vieste in die Stadt. Die Sfera fühlt sich wohl zwischen ihren Artgenossen.

Wir fühlen uns nicht so wohl. Zwischen den 10 Eisdielen die man hier zur Auswahl hat, suche ich ausgerechnet jene aus, die aktuell nur 5 Eissorten im Angebot hat. Wenigstens ist der Cafe lecker. Ich wähle Amarena. Naja, geht auch besser.

Was allerdings nicht besser geht, sind die frischen Orecchiette, die wir anschließend bei La Massaia kaufen. Ein Laden, der traditionelle regionale Produkte verkauft, insbesondere Käse. Überall Pecorino. Mag ich nicht. Ich frage nach Parmesan. Er lacht und meint, ich solle in die Emilia-Romagna fahren, oder alternativ zum Supermarkt 100 Meter entfernt. Ich wähle zweites.

Zurück am Platz haben wir neue Nachbarn bekommen. Wir stehen Seite an Seite.

Tagelang haben wir uns darüber aufgeregt, dass unsere Nachbarn, die nach uns kamen, sich so zu uns hingestellt haben, dass es keine Privatsphäre gibt und wir permanent mit Welterklärungen aus Lehrerperspektive beschallt werden. Jetzt wird klar wir lagen falsch. Wir sind, wie schon so oft, das Problem sind und nicht die anderen. Sympathischer werden die bayrischen Alleserklärer deswegen aber auch nicht.

Mit unserem Einkauf ist jedenfalls klar, dass der Wanst heute leer ausgehen wird. Die Aussenküche ist Zentrum des Geschehens bis in den späten Abend. Wir essen, spielen Rommee und genießen die Farbspiele unserer auf diesem Platz einmaligen LED-Solar-Stehleuchte. Ein tolles Ding. Sie zieht die neidvollen Blicke der anderen Camper Abend für Abend auf sich.

Um 22:30 Uhr ist der Akku dann aber leer und wir beenden das Rommee-Spiel mit einem gerechten Unentschieden im Schein unserer Handys.

Tag 9 – ein Tag am Spiaggia Sfinalicchio und ein Abend in Vieste

Es ist Samstag, 7 Uhr und sehr warm. Ein Blick auf das Thermometer bestätigt es. 30 Grad Celsius im Womo. Wir reißen alle Luken auf und schwitzen bis 8:30 Uhr weiter. Mit schwitzigen Körpern wagen wir den Schritt ins Freie. Hier ist gefühlt noch heißer. Hilft ja nichts, wir frühstücken draußen.

Ein fataler Fehler. Unsere Lehrernachbarn dozieren im Beisein ihrer pubertierenden Töchter über die Einstellung der Schüler zu Leistung und Engagement beim Lernen. Der Wortführer, ein sich locker gebender und besonders jung gebliebener bayrischer T3 -Fahrer (anscheinend fahren auch Idioten tolle Autos) ist sicher Mathelehrer. Mit sonorer und unangenehmer Stimme hält er Monologe. Er habe sich alles erarbeitet. Aber heute sei das keine Tugend mehr, insbesondere wo die Mütter ihren Kindern suggerieren, dass man eine Begabung für Mathe benötigte und akzeptieren würden, dass hier die auch intensives Lernen nichts bringt. Außerdem würden die jungen Mädchen, hör gut zu Jule (seine Tochter), sich gar nichts selbst erarbeiten und jedes kleine Problem von anderen erledigen lassen. Er selbst habe sich damals durchgekämpft und so weiter und so fort. Selbst der eigentlich nette bayrische Dialekt wirkt hier unfassbar unsympathisch. Unerträglicher Mensch. Flucht! Wir gehen an den Strand.

Dort ist es nicht auszuhalten, viel zu heiss. Zurück am Platz wird gerade Jule zusammengeschissen. Anscheinend hat sie ihr Müsli falsch zusammengestellt. Arme Jule.

Wir schalten auf Durchzug und irgendwann gehen ihm die Themen oder wahrscheinlich eher die Zuhörer aus. Ein Glück. Kühler wird es allerdings nicht. Heute fehlt der Wind. Wir laufen immer wieder vom Platz ins Meer und zurück. Das verschafft kurzfristig Erleichterung. Unsere Körper brauchen Flüssigkeit. Aus Verzweiflung trinken wir unseres Vorräte an kaltem Lemon Soda und Cola Zero im Unverstand leer.

Jetzt hilft nur noch eins. Waldbaden!

Mit der Sfera bummeln wir (Geschwindigkeitsbegrenzung Christina bei 30 km/h) Richtung Foresta Umbra und marschieren in kurzen Shorts und mit unseren FlipFlops in den Wald. Wir schlängeln uns unter Stacheldraht hindurch, überqueren gefallene Riesen und stachlige Bodendecker. Herrliche Stille. Wald pur. Wir genießen die Abgeschiedenheit und die Natur. Waldbaden eben. Bald auch bei Christina in Göppingen.

Nur so richtig kühler ist es auch hier nicht.

Abends geht es nach Vieste. Es ist ja Samstag und ich muss ja auch mal meine neuen Sachen von Benetton tragen. Leider kommen wir zu spät zu Corso, dem vorabendlichen italienischen Stadtspaziergang-Ritual. Die Hauptstraße wird gesperrt und Familien mit Kindern spazieren die Straßen hoch und runter, palavern, essen Eis im Gehen und genießen die Zeit.

Wir ergattern den letzten Platz in einem kleine Lokal am Corso, wo wir schon mit unseren Kindern oft waren. Nettes Plätzchen, wie überall in Vieste lecker Essen hier. Nach Gin Tonic und Mojito in der Bar Gelateria Ruggieri machen wir uns durch die Nacht zurück zum Campingplatz.

Ein schwieriges Unterfangen, wie sich herausstellt. Der Geschwindigkeitsbegrenzer Christina reduziert die Höchtsgeschwindigkeit um weitere 10 km/h auf nunmehr 20 km/h. Heimlich, wenn ich mich sicher fühle beschleunige ich vorsichtig und langsam auf 40 km/h. Die Freude ist allerdings immer nur von sehr kurzer Dauer.

Tag 10 – Sonntags am Spiaggia di Molinella

Save the best for last! Morgen verlassen wir das Gargano, heute geht es an den Molinella – Strand. Mit der Sfera natürlich.

Perfektes Timing. Es ist Sonntag und der Strand und das Bagno voller italienischer Familien. Hier ist es perfekt für Kinder, weil der Strand mindestens 150 Meter sehr flach verläuft. Eine einzige große salzige Badewanne. Auch unsere Kinder lagen da schön des öfteren drin. Für 12 Euro werden uns Liegen und Schirm in der 4. Reihe zugewiesen.

Um uns herum ein bunter Mix an italienischer Frohnatur. Ein junges Pärchen, das hektischen italienischen HipHop laut auf dem Handy hört. Eine Familie mit 4 Kindern, die sich gemeinsam einen Schirm und Stuhl und Liege teilen. Sich komischerweise aber nicht streiten. Der einzige Sohn hat natürlich einen eigen Stuhl, alle Frauen auf der Liege, der Vater steht und bewacht sein Rudel. Junge Eltern mit einer Tochter, die in ihrem eigenen Planschbecken Plastiktiere sortiert, tätowierte Jugendliche, die Ausgang von Mama haben. Wenn man die Augen schließt umgibt ein ein sonores italienisches Stimmengewirr, gepaart mit extremer Hitze und dem Duft von Meer und Sonnencreme. Und wir sind mittendrin, schlängeln uns immer wieder von Sonnenschirm-Schatten zu Sonnenschirm-Schatten zur Badewanne vor. Abkühlung.

Endlich ist es Mittagsessenszeit. Der eigentliche Grund warum wir hier sind. Das Ristorante Mezzaluna und deren Penne Mezzaluna. Seit wir die vor Ewigkeiten zum ersten Mal gegessen haben, sind sie fester Bestandteil unseres heimischen Speiseplans: Penne. Frische Tomaten. Rucola. Parmesan. Olivenöl. Pinienkerne. Ein großartiges Nudelgericht.

Auf der Karte finden wir es allerdings nicht. Es wurde ersetzt! Statt Penne gibt es jetzt Orecchiette. Auch gut. Sehr gut sogar. Wir verschlingen das Zeug.

An einen Spaziergang ist nach dem Mittagessen nicht zu denken. Zu träge, zu heiss. Für mich startet Jack Reacher in ein neues Abenteuer. Pflichtlektüre am Strand. Und jedesmal ein Schmunzeln wert, wenn man über eine 195 cm große und 120 kg schwere Kampfmaschine liest und dabei dann die Verfilmung mit Tom Cruise vor Augen hat. So lümmeln wir bis weit kurz vor 18 Uhr am Strand rum, während um uns rum das Leben tobt und Jack Reacher das eine oder andere Leben nimmt.

Wir tuckern die paar Kilometer zurück zum Campingplatz (30 km/h) und sind beeindruckt. Schräg gegenüber hat sich eine italienische Familie ein Sommerschlösschen gebaut. Wohnwagen. Vorzelt. Vorzelt des Vorzelts. Küchenzelt. Terrasse mit 2 Stühlen. Jeder Quadratzentimeter des Platzes ist genutzt. Kein Grashalm mehr zu sehen. Und es sind viele. Oma, Opa, Kinder, Enkelkinder. Alle haben Spaß und freuen sich. Wir versuchen auch zu beeindrucken und packen in Windeseile unser seinen Sachen zusammen und verstauen die Sfera in unter 30 Minuten. Interessiert leider keinen.

Außer dem sympathischen Mitcamper aus Sigmaringen, der mich wegen meines Rollerträgers anspricht. Welche Marke das sei, wieviel kg? Er habe hier ja einen Wohnwagen stehen, der immer auf den Platz gezogen wird, wenn er hier ist. Zuhause habe er aber noch ein altes Bürstner-Wohnmobil, Wohnwagen ist ja hier, und eine Harley. Das würde er gerne kombinieren. Ich rate ab, rate zu einem Roller, mehr brauche man ja auch nicht. Roller hat er auch einen. Ich versuche sein „mein Wohnwagen, mein Wohnmobil, meine Harley“ mit der neuen Endgeschwindigkeit meiner Sfera zu kontern. „65 km/h ? Das fährt mein Roller heute schon. Und ich wüsste auch, wie ich ihn auf über 80 km/h bekomme.“ Ich gebe mich geschlagen. Ein bisschen tröstet es mich dann, dass seine Tochter diese Woche 18 wird und er nicht weiß, ob er eingeladen ist. Für mehr Lebensgeschichte und Freundschaft bleibt leider keine Zeit, wir müssen ja noch fertig packen und dem Wanst einen Besuch abstatten.

Der Wanst freut sich und wir freuen uns auch.

Am letzten Abend in Vieste nochmal Salat und sehr sehr leckere Pizza und viel zu viel Wein. Den Todesstoß versetzt uns dann der hier immer zum Abschluss servierte Limoncello auf Kosten des Hauses. Wir torkeln aus dem Restaurant, wortlos grüsse ich dabei meinen neuen Freund aus Sigmaringen und seine Frau, die im Barbereich sitzen – wahrscheinlich wäre das die perfekte Möglichkeit zum Sozialisieren und für mehr intime Details zu seiner Familiensituation gewesen. Leider ist aber dafür heute der falsche Tag. Danke Wanst.

Tag 11 – Arrivederci Vieste, Benvenuto a Ortona

Heute heisst es Abschied nehmen von Vieste und vom Camping Holiday Village. Das geht ganz schnell. Markise einrollen, Stühle und Tisch einräumen, Strom trennen. Leider hat unser unangenehmer Lehrernachbar unser Stromkabel unter seinen Fahrrädern und dem andren Geraffelt vergraben. Das dauert. Er ist auch nichts er Schnellste. Klar, wenn man mit zwei Autos und 5 Personen einen Platz bezahlt, dass man sich dann in alle Richtungen ausdehnt. Bin ich froh, wenn ich dem seine Belehrungen nicht mehr hören muss. Keine 10 Minuten später fahren wir los.

Ich stoße aus dem Platz und lenke ein. Ohrenbetäubender Lärm. Metall auf Metall. War ja klar, dass ich mit dem Motorradträger den Metallpfosten streife. Schock, schwere Not. Ein kurzer Blick entspannt die Lage jedoch. Keine sichtbaren Schäden.

Wir zahlen um die 30 Euro / Nacht und sind zurück auf der Straße. Die Küste entlang Richtung Peschici. Es müffelt im Wohnmobil. Sehr stark. Nicht auszuhalten. Der gleiche Fehler, den wir schon letztes Jahr auf Ischia gemacht haben. Wir haben 1 Woche das Grauwasser nicht geleert. Sobald das in Bewegung kommt wird es eklig. Wir halten an geeigneter Stelle und entsorgen halb legal, wir hatten ja im Womo kein Spülmittel oder Duschschaum oder Seife benutzt, mit schlechtem Gewissen.

Nach getaner Arbeit reist es sich gleich viel angenehmer. Zumindest riecht es wieder gut. Allerdings hat die Motoreinstellung leider keine spontane Heilung erfahren. Wir ziehen eine Russfahne hinter uns her und kämpfen uns im 2. Gang die Berge hoch. Mit der Sfera waren wir an dem einen oder anderen Anstieg schneller.

Hinter Peschici dann Stau, Polizei. Ein riesiges österreichisches Offroadwohnmobil, wahrscheinlich haben die den Foresta Umbra kartographiert, hat wohl eine Kollision mit einem Wohnwagen und mehreren Fahrzeugen gehabt. So ein Pech. Ich verstehe allerdings immer noch nicht den Sinn dieser Fahrzeuge in Regionen, wo wir auch mit unserem alten Hymercamp überall hinkommen. Wir schlängeln uns vorbei und fahren – zwangsweise – gemächlich zur Autobahn und rollen dort mit 80-90 km/h in den Norden. Gehabtes Bild. Christina hat sich wieder Ohrenstöpsel gebastelt, die LKWs überholen uns an jeder leichten Steigung. Ich versuche gar nicht mehr Schritt zu halten. Nach knapp 4 Stunden kommen wir in Ortona an und gehen erst mal einkaufen.

Das ist ein Fest hier. Überall Sonderangebote im Iper Conad. Wir greifen willenlos zu und bezahlen über 200 Euro. Gut, dass wir endlich echte Ohropax, eine neue Sonnenliege und so viele unterschiedliche Nudelsorten und CocaCola mit Caffee haben, aber was soll ich eigentlich mit der Zitruspresse im Wohnmobil anfangen?

Weiter gehts das letzte Stück zum Camping Ripari Di Giobbe, den wir bisher auf fast jeder Italientour besucht haben. Es hat sich was geändert. Wir bekommen gelbe Bändchen mit QR – Code ausgehändigt für den Eintritt zu Meer und zum neuen Pool. Zudem ist es relativ voll und es hat augenscheinlich viele Holländer hier. Vor 3 Jahren waren wir hier fast alleine. Trotzdem ist es weitläufig genug, dass wir uns einen perfekten Platz mit breitem Meeresblick aussuchen können. Das ist das beste Argument für diesen Platz. Ein unfassbares tolles Meerespanorama und chillige Ruhe.

Alles aufbauen in 30 Minuten und ab ans Meer. Die Bändchen legen wir nicht an. Aus Protest. An der Pforte zum Meer sitzt ein Salvataggio und erklärt uns, dass wir die eigentlich tragen sollen und wie wir richtig scannen müssen. Das dauert. In der Zeit hätte er uns das Tor auch 20 mal öffnen und wieder schließen können.

Am Strand dann endlich mal wieder Kiesel und kein Sand. Eine Wohltat, keine verdreckten Handtücher. Verdreckt ist allerdings das aufgewühlte Meer. In bestimmten Zonen bilden sich Ansammlungen von Hausmüll, die in den Wogen hin und her gespült werden. Am Strand selbst liegt im hinteren Bereich getrockneter Müll. Schade, wir hatten darauf gehofft, dass es dieses bekannte Problem nicht mehr gibt. Uns egal, wir stürzen uns in die Fluten und halten eben die Luft an!

Zurück am Platz nutzen wir gleich unsere neu gekauften Gadgets. Christina packt neuen Bimsstein und neuen Hornhauthobel aus und bearbeitet ihre Füße. Das kann ich auch! Beherzt greife zum Hobel und erziele phänomenale Ergebnisse. Bin euphorisch und hoble was das Zeug hält. Allerdings bin ich kein Podologe, rutsche ab und schneide mir ein 10 Cent großes Loch in die Ferse. Es blutet, es pocht, es blutet stark. Schmerzen stellen sich ein. Nach 60 Minuten gejammere sind mehrere Zewas rot, die Blutung gestillt und ein professioneller Verband angelegt, den ich mit einem Socken Schütze.

An Kochen ist nicht zu denken. Aber wir haben ja genug eingekauft. Oliven, Tomaten, Brot, Käse. Weißwein und Prosecco gegen den Schmerz.

Beim Rommee verliere ich haushoch. Kann mich nicht konzentrieren. Wie auch, mit einem ständigen Pochen im Fuss und der Gewissheit, dass ich mindestens 1 Woche humpeln werde.

Tag 12 – ein Tag auf dem Campingplatz Ripari Di Giobbe

Trotz pochender Schmerzen im rechten Fuß war das die beste Nacht seit Beginn der Reise. Das Mikroklima scheint ideal zu sein. Tagsüber brütende Hitze und in der Nacht dann massive Abkühlung. Ab 4:30 Uhr war es fast schon zu kalt. Wir waren wach und haben gefröstelt.

Heute ist jedenfalls mal Nichtstun angesagt. Beste Möglichkeit die vielen Holländer zu beobachten. Links neben uns steht ein älteres Pärchen, das ebenfalls seit gestern hier ist. Die zwei haben an ihrem riesigen Halbintegrierten noch nicht mal die Markise ausgefahren und bewegen sich somit den ganzen Tag, dem Schatten folgend, mit ihren Liegestühlen um das Wohnmobil herum. Morgens startet die Tour hinter dem Wohnmobil.

Rechts neben uns steht ein italienisches älteres Paar, daneben dann weitere Holländer mit einem Wohnwagen. Punkt 8 Uhr fängt der holländische Mann an sein Vorzelt zu montieren. Dazu benutzt er einen Akkuschrauber, bohrt Löcher, schraubt Heringe ein, bohrt wieder. Beim Italiener sind alle Luken noch dicht. Doch dann öffnet sich schwungvoll die Tür. Der Italiener tritt erbost aus seinem Womo und schüttelt ungläubig den Kopf. Resigniert, wahrscheinlich auch aufgrund der sprachlichen Barriere, verzieht er sich wieder nach innen und hält den morgendlichen Lärm einfach aus. Parallel läuft der dritte Holländer mit einer Rolle Klopapier Richtung Toilette. Komisch die holländischen Frauen fallen garnicht auf.

Wir marschieren zum Strand. D.h. Christina marschiert und ich humple hinterher. Wir sind wie Lastesel bepackt und haben unser komplettes Equipment mit dabei. 2 Liegen, 2 Sonnenschirme, Decken, Handtücher, Taschen. Man weiß ja nie. Probleme macht dabei nur das Tor zum Meer. Der Salvataggio schaut uns genüsslich zu, wie wir alles abladen und in unseren Taschen nach den QR-Code-Bändern suchen. „Hätten sie die doch mal besser angelegt“ wird er innerlich triumphieren.

Am Strand treffen wir unsere holländische Gemeinde wieder. Die haben es schlauer gemacht und nutzen die Liegestühle und Sonnenschirme des Campingplatz.

Zum Mittag gehen wir ans Restaurant. Leider hat nur die Bar geöffnet. A la carte gibt es hier nur abends. So ein Mist. Wir nehmen zwei Panini Caprese und einen mezzo litro vino bianco. Sukzessive laufen italienische Badegäste mit allerlei Leckereien an uns vorbei. Nudeln, Gemüse, Calamari, Pizza. In einer verborgenen Ecke des Restaurants gibt es anscheinend doch die Möglichkeit sich, wie in einer Rosticceria, Speisen zusammenzustellen. Wir sind neidisch und spülen das trockene Brot mit unserem Weißwein runter.

Den restlichen Nachmittag dösen wir am Strand. Jack Reacher muss diesmal dem FBI helfen eine komplizierte Mordserie an attraktiven Frauen zu lösen. Das FBI besteht dabei fast ausschließlich auch aus attraktiven Frauen, wie auch jede Diner-Bedienung und seine Freundin und jede andere Frau in diesem Buch. Ich liebe die Vielschichtigkeit dieses Charakters und der Figuren von Lee Child.

Vielschichtig sind auch unsere holländischen Nachbarn. Der Mann mit dem morgendlichen Toilettengang fängt an sein Auto zu waschen.

Erst reinigt er ringsum die Scheiben, dann geht er an den Lack und in den Innenraum. Die umliegenden Camper verfolgen das Geschehen irritiert. Auf einmal züngeln lodernde Flamme Unterboden Vorzelt des anderen Holländers hervor. Er hat seinen Gasgrill aufgebaut und brät Fleisch scharf an. Es qualmt und stinkt. Der Italiener neben ihm schüttelt mal wieder den Kopf, schliesst alle Fenster an seinem Wohnmobil und knallt die Tür zu. Darin hat er ja inzwischen Erfahrung.

Wir kochen auch. Ganz vorsicht und leise schneide ich Gemüse und brate es nur leicht an. Will ja nichts falsch machen.

In der Zwischenzeit hat das dritte holländische Pärchen seine Reise um das Wohnmobil beendet und sitzt an richtiger Stelle. Allerdings läuft da irgendwas komplett schief bei den beiden. Sie sitzen getrennt voneinander und reden kein Wort. Er geht duschen, sie bleibt sitzen. Er kommt zurück, schweigend, geht rein. Sie bleibt sitzend. Ganz spannend, wenn man noch 2 Wochen auf 18 Quadratmeter vor sich hat. Schlussendlich retten die zwei die Situation erstmal mit zwei Cocktails und langen Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Wir kochen mit Blick über das Meer weiter. Ein Bagger fährt vorbei.

Beim abendlichen Romme kehrt meine Glückssträhne wieder zurück. Christina gibt entnervt auf und zum ersten Mal in diesem Urlaub schauen wir abends einen Film an. Maverick. In der Neuverfilmung. Zumindest mal die ersten 10 Minuten….

Tag 13 – am Strand von Francavilla al Mare

Die Nächte sind angenehm kühl, der Morgen unerträglich heiß. Wir stehen aber auch mal wieder ziemlich blöd da. Breite Seite zum Meer, Richtung SüdOst. Die Sonne prallt unbarmherzig auf uns nieder und wir suchen unter unserem Sonnensegel Zuflucht. Das holländische Streitpaar ist früh abgefahren, der Autowäscher marschiert mit einer Rolle Klopapier Richtung Toilette, das Grillpaar ist schwer beladen Richtung Meer unterwegs, der Italiener neben uns hat alle Luken geschlossen und wir frühstücken. Business as usual in unserer kleinen Gemeinschaft.

Auf einmal ertönt der Klang von über Split schleifenden Plastikrollen aus den Tiefen des Campingplatzes. Die Morgenswechsler sind unterwegs und frönen ihrem täglichen Ritual. Chemietoilette leeren und säubern. Das ist Männersache. Auch bei uns. Allerdings bin ich Abendswechsler. Und habe jetzt deswegen noch locker 10 Stunden Zeit.

Heute ist das Meer wieder aufgewühlt und wir wollen nicht im Müll baden. Wir packen die Sfera und fahren Richtung Norden bis Francavilla al Mare. Am Bagni Bella Vita gefällt es uns augenscheinlich. Bastschirme und Oma, Mutter, Enkelin betreiben den Laden. Die Oma verteilt die Strandplätze. Wir bekommen eine riesigen Bastschirm in der

1. Reihe zugewiesen. Hier haben mindesten 6 Leute Platz. Schatten statt.

Jackpot. Ich marschiere hinter ihr her, zurück zur Kasse und werde unsanft aus meiner romantischen Idylle zurück in die Realität italienischer Marktwirtschaft gerissen. 30 Euro. Ich versuche mit Händen und Füßen zu handeln. Kein Erbarmen. Entweder in der 1. Reihe für 30 Euro, was heute noch ein Schnäppchen sei, da es ab morgen 50 Euro kosten würde, oder für 15 Euro in die 5. Reihe unter normalen Schirmen. Unser Barvermögen schrumpft auf 39 Euro, dafür liegen wir sehr schön.

Der Strand ist extrem flach, das Wasser sehr sauber, Wellenbrecher halten die Brandung ab und sorgen für ruhiges Wasser im Strandbereich. Perfekt.

In Anbetracht unserer Bargeldsituation und weil wir schon ein bisschen stinkig auf die Lido-Oma sind, gehen wir dort nicht essen. Strafe muss sein. Wir machen es wie die italienischen Familien und holen uns was. Mit dem Roller düse ich durch die Stadt und erstehe in einem Supermarkt Getränke, Früchte und andere Leckereien. Hier kann ich ja mit Karte zahlen und schöpfe aus dem Vollen. In einer kleinen Rosticceria am Straßenrand kaufe ich noch Pasta mit Gemüse und zwei Panini Caprese. Unser Bargeldbestand sinkt auf 29 Euro.

Dafür fühlen wir uns extrem italienisch und schlemmen unter unserem 30 Euro – Schirm die mitgebrachten Köstlichkeiten. Leider ist es so lecker, dass das Vergnügen gerade mal 10 Minuten dauert. Von schlemmen keine Rede, wir schlingen!

Der Strand hier ist, wie auch unser Campingplatz, informationstechnisches Niemandsland. Keine Funkabdeckung. Kein Internet, keine Telefonate. Immer wieder findet man spezielle Stellen am Strand, wo man einen Balken 3G hat. Diese erkennt man ganz automatisch. Es stehen mindestens immer 3 Leute zusammen, die ihre Handys in die Luft halten. „Bei 30 Euro gibt es hier bestimmt auch Wifi“, stichelt mich Christina an. „Frag doch mal!“ Ich befürchte schlimmes und werde nicht enttäuscht. Die Lido-Mutter zuckt freundlich mit den Achseln, „Wifi, non abbiamo“.

Dann bleibt nur Jack Reacher. Ich bin tief versunken in der Welt der Frauenmorde, als Christina neben mir hektisch die Strandsachen zusammenpackt. Der Himmel hinter uns ist schwarz. Von den Abruzzen zieht schlechtes Wetter heran. Wir können die 30 Euro – Liegen leider nicht voll auskosten und fliehen vor dem

Regen auf der Sfera. Im Rückspiegel schwarze Wolken, nach vorne strahlender Sonnenschein.

Kurzer halt am Tabacchi. Noch 19 Euro übrig. Kurzer halt an der Cantine Roveri. Christina ist nervös. „Muss das jetzt sein? Das Wetter kommt! Wir haben genug Wein!“ Ich bin mir nicht sicher und marschiere in die Abfüllhalle. Hier wird gearbeitet. Weißwein in Flaschen abgefüllt und etikettiert. Perfekt. Ich wedle mit unserem letzten Schein. 10 Euro. Dafür bekomme ich 2 Flaschen kalten Weißen und dazu noch einen Korkenzieher geschenkt. 9 Euro Bargeld sind uns geblieben. Überschwänglich bedanken wir uns. Muss ein komisches Bild sein, die zwei großen hektischen Deutschen auf der kleinen Sfera, die vor dem Regen flüchten, aber dringend noch Wein brauchen.

Das Wetter kommt weiter auf uns zu. Am Campingplatz herrscht schon überall hektische Betriebsamkeit. Die Markisen werden gesichert, Stühle unter die Markisen geräumt, Handtücher verstaut.

Nur einem italienischem Opa und seiner Enkelin scheint das nichts anzuhaben. Sie schlendern über den Platz und er erklärt ihr wie die Welt funktioniert. Bei uns bleiben sie auch stehen und er zeigt auf den Alkoven. „Dort kann man schlafen“, erklärt er, „es gibt eine Küche und eine Toilette“. Ungläubig starrt das Mädchen auf unser altes Hymercamp und sie ziehen weiter. Schönes Bild.

Der schlechte Wetter verschont uns. Außer etwas Wind und ein paar Regentropfen bleibt alles ruhig. Gerade aber genug, so dass der Holländer seine Autoscheiben nochmal reinigen kann, nachdem er vorher seinen abendlichen Toilettengang absolviert hat. Lustiger Kerl.

Wir machen erstmal eine der neuen Weinflaschen auf und kochen.

Auf einmal sehe ich einen weißen Fiat Punto mit offener Heckklappe in unseren Campingbereich einbiegen. Da war doch was! Richtig! Gestern hatte ich die Gemüsefrau, die jeden Abend ihre Runde zieht, gebeten uns Zitronen mitzubringen. Wir haben ja jetzt eine Zitronenpresse. Sie hält bei uns an und winkt mit 4 Zitronen! Ein Glück nicht mehr. Ich habe ja nur noch 9 Euro. Neben den Zitronen nehmen wir noch Tomaten. Sie rechnet. Macht 6 Euro zusammen. Ich gebe ihr meine letzten 3 Euro, zeige den nun leeren Geldbeutel und deute auf die Feigen. Sie füllt auf, ist glücklich und wir pleite.

Nach dem Abendwechselritual spielen wir wieder Rommee im Schein unserer Stehlampe. Auch hier ist sie ein absoluter Hingucker. Vielleicht kaufe ich noch eine aufblasbare Couch und einen Couchtisch für die nächsten Reisen. Das wäre passend dazu. Das Rommee-Spiel ist eine einseitige Sache zu meinen Gunsten. Entnervt gibt Christina auf und wir starten den nächsten Versuch mit der neuen Verfilmung von Maverick. Wir scheitern bei Minute 20.

Tag 14 – karibischer Strandtag in Ripari di Giobbe

Wer hätte gedacht, dass es noch heißer werden kann. Um 8:30 Uhr herrschen 32 Grad Celsius im Wohnmobil. Die Sonne brennt ungeschützt auf die volle Breitseite. Routiniert bringe ich schlaftaumelnd das Sonnensegel an und setze Teewasser und Kaffee in der Aussenküche auf. Um mich rum das übliche Treiben mit einer Ausnahme. Gestern kam ein junges Schweizer Paar mit VW Bus und Kleinkind an. Das Mädchen, schätzungsweise zwischen 6 bis 9 Monaten alt, scheint kein Campingfan zu sein. Es nörgelt, es schreit, es weint. Die engagierten Eltern tragen es abwechselnd auf dem Arm, bauen gemeinsam das Vorzelt mit ihm auf, können es aber nicht so recht vom Leben in der freien Natur überzeugen. Wir und unserer Nachbarn betrachten das Geschehen vom Frühstückstisch aus bei Kaffee und Tee. Heute geht dabei alles etwas schneller, das Geschrei ist nicht auszuhalten.

Wir machen uns auf den Weg zum Strand. In Anbetracht unserer finanziellen Situation packen wir Unmengen an Getränken ein und nehmen auch die Schirme wieder mit. Vielleicht muss man ja doch was bezahlen. Nur kein Risiko eingehen. Windstille bedeutet hier normalerweise sauberes Wasser. Und so ist es auch.

Großartiges Wasser, glasklar, glitzernd Türkis – so stellen wir uns Karibikfeeling vor. Und auf einmal wissen wir wieder, weshalb dies einer unserer Lieblingsorte in Italien ist.

Italien bedeutet auch an lauten Gesprächen ungewollt teilzuhaben. Heute trifft es uns frontal. Keine 3 Meter von uns entfernt entfacht sich zwischen einem Rentner und einem jungen Kerl ein politisches Streitgespräche am Strand.

Der Renter verfährt nach dem Motto „wer am lautesten redet hat am meisten Recht!“ Sukzessive leert sich der Strand um die beiden herum, aber niemand greift ein. Wir sitzen die Situation 90 min, bis zur Mittagsessenszeit, gekonnt aus und verbringen dabei viel Zeit im Wasser.

Zum Mittagessen müssen wir wieder zurück zum Wohnmobil. Kein Geld. Leider, denn wir entdecken an der Bar das Buffet der Köstlichkeiten, das uns vor 2 Tagen nicht aufgefallen war.

Wir hätten heute hier so gerne gegessen, mussten unser Bargeld ja aber unbedingt in einen riesigen Bastschirm investieren. Wir schleppen uns bei gefühlten 40 Grad Celsius den Berg nach oben und werden dort freudig durch Babygequäke begrüßt. Unsere italienische Nachbarn grüßen uns ebenfalls mit einem freundlichen „good Morning“ und lächeln gequält.

Die Küche bleibt kalt. Auf den Tisch kommen die gestern erworbenen Tomaten, Käse, Brot, Wein. Die Tomaten sind phantastisch, sehr reif, sehr schmackhaft. Ein weiterer Vorteil des Südens. Unsere Tomaten haben einfach zu wenig Sonne.

Als Hitze und Babygequäke zu stark werden ziehen wir uns wieder in die Karibik zurück. Jack Reacher ermittelt weiter, fängt bestimmt noch was mit der Co-Heldin an, und wir wechseln zwischen Wasser und Schatten hin und her. Neben uns liegt auch der grillende Holländer mit Frau. Die beiden sind wahrscheinlich ein autistisches Paar. Anders ist es nicht zu erklären, weshalb sie stundenlang nebeneinander, stumm und regungslos mit Kopfhörern in selbst mitgebrachten Stühlen verharren und dabei ihre Sandalen anbehalten. Selbst bei den kurzen gemeinsamen Wasserausflügen lassen sie ihre Sandalen an.

Naja – jeder wie er will, vielleicht wollen sie ja zuhause ihren Freunden auch nur ein lustiges Streifenmuster auf ihren Füßen zeigen.

Kurz vor 18 Uhr sind wir wieder am Wohnmobil. Ein guter Zeitpunkt. Das Kind schläft. Endlich Ruhe. Dafür machen wir jetzt Lärm. Wir packen zusammen, morgen geht es für uns weiter. Aber egal wie laut wir auch sind, das Gör wacht nicht auf. Außerdem sind wir viel zu schnell. In 15 Minuten ist alles verstaut.

Kurz duschen, das Wasser ist wie in 50% der Fälle kalt, und ab auf die Sfera. Ziel ist Ortona, Abendessen. Erster Stopp ist der Geldautomat der lokalen Post.

Mit einem Schlag sind wi wieder liquide. 200 Euro, mehr gibt es bei der Post nicht! Wir schlendern durch die Stadt und erinnern uns. Hier gibt es keine Restaurants! Insbesondere keine, wo man draußen sitzen kann.

Nach 45 Minuten ziellosen umherirren landen wir in der Galeria Perdono und lassen uns überraschen was wir bekommen werden. Eine Karte gibt es nicht und wir vertrauen darauf, dass alles – wie versprochen – vegetarisch ist.

Und ja, das ist es. Lauter kleine Leckereien werden serviert, 3 unterschiedliche Gänge. Und wir erinnern uns wieder, wir waren schon mal hier. Damals auch aus Verzweiflung. Auch damals hast es uns sehr geschmeckt.

Zurück geht es mit der Sfera durch die Nacht. Mit 20 km/h tuckern wir zum Campingplatz zurück, wo uns unsere italienischen Nachbarn kartenspielend mit hell erleuchtetem Vorzelt erwarten. Fast so als sei die Sonne aufgegangen. An allen streben des Vorzelts hängen schwere große LED – Leisten. Kaltweiss. Wir packen auch unsere Karten aus und schalten die Stehlampe an. Kein Unterschied. Aus reinem Trotz lasse ich sie an und vernichte Christina kurz aber schmerzvoll.

Tag 15 – warten auf den Abschleppdienst auf der A15 bei Ancona

Der Tag startet fantastisch. Wir sind schon um 7:00 Uhr wach und um 8:30 Uhr startklar. Nur noch ein kurzer Voll-Service für das Wohnmobil. Heute bin ich Morgenswechsler.

Wir fahren die Staatsstraße Richtung Autobahn, nehmen Proviant und Diesel auf und reihen uns dann in die Flut der LKW ein. Immer schön 90 auf der rechten Spur. Das geht genau 165 km gut. Auf einmal wird der Motor lauter, die Öldruckanzeige leuchtet rot auf.

Ein Glück die nächste Tankstelle ist nur 200 m entfernt. Ich schalte den Motor aus, Rolle bis zur Ausfahrt weiter und öffne die Motorhaube. Im Motorraum überall Wasser.

Christina ruft „gleich brennt es!“ Es dampft. Hektisch krame ich den Feuerlöscher aus dem letzten Winkel des Autos hervor. Man kann ja nie wissen. Ein Glück, wir brauchen ihn nicht.

Ein routinierter Anruf beim ADAC und eine WhatsApp an unseren Boschdienst und die Kinder ist alles was wir jetzt, außer Warten, tun können. Die Kinder stehen zur Abholung bereit. Unser Boschdienst ruft an und versucht uns zu beruhigen. „Ist ja nur Wasser.“ „ Der ADAC schleppt das nach Deutschland.“ Klar, damit kennen wir uns beide ja aus.

Nach 2 Stunden in der prallen Sonne, verlässt uns allerdings so langsam die gute Laune.

September 2018 – mit dem Wohnmobil nach Ischia

Tag 1 – über den Fernpass bis an den Gardasee

Wie durch Zauberhand schaffe ich es das Büro um Punkt 15:10 Uhr zu verlassen. Heute gehts los Richtung Ischia.

Zuhause angekommen überraschen mich Simon und Philipp, die vergnügt auf unserer Couch rumlümmeln und FIFA spielen. Die sind gerade aus ihrem Pärchenurlaub zurück gekommen. Selten habe ich mich so gefreut die beiden zu sehen – der Roller muss ja noch verladen werden.

Parallel hat uns Emma Brötchen für die Fahrt belegt. Dank unserer vielen Helfer starten wir noch vor 17 Uhr Richtung Süden.

Diesmal habe ich mir geschworen alles anders zu machen um dem Stau zu entkommen. Genau die Strecken zu fahren, die ich normalerweise meide. Schnurstracks düsen wir zur A8 und stehen nach 5 km zügiger Fahrt direkt im Stau bei Gruibingen. Beherzt umfahre ich den hinteren Teil des Staus indem ich durch die Autobahnraststätte abkürze. Das verschafft uns locker einen Zeitbonus von 5 Minuten!

Weiter geht es Richtung Alpen. Den San Bernardino lasse ich rechts liegen, der Fernpass ist heute erste Wahl. Es fühlt sich fantastisch an gegen den Strom zu fahren. Die Sommerferien in Deutschland sind zu Ende und auf der Gegenfahrbahn reihen sich die Urlauber aneinander und schauen uns wehmütig nach. Wir haben noch alles vor uns. Erst mal haben wir ab Reutte einen schleichenden Kleinbus vor uns. Der geleitet uns brav durch den Stop and Go – Verkehr. Angeblich Tiere auf der Fahrbahn.

Später haben wir bis zur Autobahn einen Wohnwagen, dessen Fahrer unerfahren, betrunken oder sehr alt sein muss, direkt vor uns. Vielleicht liegt es auch daran, dass er von der Ostalb kommt. Aalen. Die kommen selten raus. Halsbrecherisch beschleunigt er an den falschen Stellen, um dann bei Gegenverkehr mit einer Vollbremsung zu reagieren. Ich warte nur darauf, dass das schief geht. Aber der Gegenverkehr und der Fahrer scheinen Schutzengel zu haben. Ich kann den Fernpass nicht leiden. Erst auf der Autobahn kann ich ihn überholen. Goldener Mercedes! Der Fahrer ist sehr alt. Wahrscheinlich auch betrunken.

Wir erklimmen den Brenner, fahren durch das schöne Südtirol und landen am Gardasee gegen Mitternacht auf der Autobahnraststätte Adige Ovest. Immerhin ein 81er Schnitt bei gut 13 Liter / 100 km.

Wir sind fast alleine. Nichts geht mehr außer den leckeren Brötchen von Emma und einem Schluck Prosecco.

Tag 2 – Immer weiter in den Süden bis nach Terracina

Die Nacht war unruhig. Ein Wechsel zwischen erschöpftem Tiefschlaf und schreckhafter Achtsamkeit. Irgendetwas stimmt hier nicht. Seltsam brummende Geräusche und dann wieder Totenstille. Vertraut irgendwie. Nach der vierten oder fünften Sequenz lüftet sich das Geheimnis. Es ist mal wieder ein Kühl-LKW, nur viel viel lauter als jemals zuvor. Wir scheinen die Dinger anzuziehen.

Über Nacht ist die Raststätte voll geworden. Überall wuseln Menschen als ich komplett gerädert 2 Cappuccini hole.

Für uns geht es weiter. Ganz kurz überlegen wir, ob wir einen Abstecher nach Livorno machen, wo Freunde gerade campen. Nette Idee, aber wir wollen heute Strecke machen. Stumpf fahren wir die A1 in Richtung Süden. Es läuft, das Gute alte Womo wird immer schneller, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit steigt bis zum Abend auf sagenhafte 88 km/h über alles. Heute haben wir damit fast eine dreistellige Zahl geschafft.

Autobahn ist Langeweile pur. Zum Glück haben wir eine Dockin D gekauft. Mit Spotify und Christina als DJ wird die Fahrt durch Italien auch zu einer Reise durch die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Hinter Rom verlassen wir die A1 – bin begeistert, das hat keine 55 Euro Maut gekostet bis hier her – und zuckeln hinter einem silbernen Polo bei 50 km/h Richtung Terracina. Das fällt mir sowieso auf, hier sind seit neuestem alle sehr bedacht darauf die Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten. Ich schließe mich dann besser mal an.

Kurz vor 17 Uhr treffen wir auf dem Camping Settebello ein. Toll, die akzeptieren meine magische ASCI – Karte. Heute haben wir so richtig Strecke gemacht, 15 Liter /100 km sei dank, es sind grade noch 170 km zur Fähre. Ruckzuck haben wir aufgebaut und drängen ans Meer. Seit Mai ist eine Ewigkeit vergangen.

Nach dem Meer ist vor dem Abendessen.

Dazwischen noch schnell duschen. Ein Glück, kein kompliziertes Verfahren mit Münzen oder Chip. Dafür gibt es aber nur 2 Einstellungen. An und Aus. Anscheinend ist der Campingplatz auf die universell gültige Formel für Wassermenge und Wasserwärme gestoßen und setzt diese konsequent und zum Wohl seiner Gäste ein. Wir akzeptieren das mit stillem Protest und spülen mit Pfälzer Wein vom Herrengut St. Martin nach.

Unsere Küche bleibt kalt. Wir gehen ins Restaurant. Das ist ein riesiges Ding, jedoch gähnend leer. Nachsaison. Auch der Service hat Nachsaisoncharakter. Lustlos nimmt der Kellner unsere Bestellung entgegen und lustlos serviert seine Kampflesbenkollegin unser Essen in der falschen Reihenfolge. Wir sind zu müde und zu gut gelaunt um uns aufzuregen.

Tag 3 – Überfahrt nach Ischia mit Hindernissen

Heute geht es nach Ischia. Wir haben die Fährzeiten gecheckt. 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr. Das muss ja irgendwie klappen. Kurz nach 9 Uhr, nachdem wir nochmal die universell gültige Duscheinstellung genossen haben, geht es los. Immer der Küste entlang nach Pozzuoli. Hier fahren die Fähren nach Ischia ab. Wir kommen gerade rechtzeitig an, um die 12 Uhr-Fähre abfahren zu sehen.

Verwirrt von den engen Gassen und den vielen Menschen gehen wir auf die Suche nach dem Terminal, so wie wir das von der Fähre nach Sizilien gewohnt sind. Fehlanzeige. Ein freundlicher Polizist klärt uns auf. Runter an den Hafen fahren, in die Reihe stellen und dann oben am Schalter ein Ticket kaufen.

Gesagt, getan. Gemeinsam mit anderen Kunden stehe ich vor verschlossener Tür.

Nach 15 Minuten kommt der Reedereimitarbeiter wieder. Weitere 15 Minuten später wird mir klar, dass die Fähre voll ist. Der Mann gibt mir ein Ticket. Wir sind Platz 4 auf der Warteliste. Er meinte, das sei ja keine schlechte Position und ich würde mein Geld auch wieder zurück bekommen. Das kann ja heiter werden. Genau unser Ding.

Wir werden mit den anderen Wartelistenkandidaten in einer separaten Reihe aufgestellt.

Argwöhnisch beäugt man sich gegenseitig. Wer hat welche Nr., wie groß ist welches Fahrzeug. Man rechnet sich seine Chancen aus.

Es ist unfassbar heiß, aber keiner will den Moment verpassen, an dem die Plätze vergeben werden. Wir schmoren in der Sonne und essen lecker Pizza.

Endlich ist es soweit, 90 Minuten gewartet. Wir dürfen drauf. Rückwärts. Der Schweiß rinnt. Hektisch positioniere ich das Womo und stoße beherzt zurück, auf die Fährrampe zu. Blind, denn meine Rückfahrkamera funktioniert natürlich immer nur in übersichtlichen Situationen.

Auf einmal werde ich brutal gestoppt. Ein heftiger Aufprall, ohrenbetäubender Lärm. „Mein Gott, ich habe ein Auto übersehen“, denke ich. Vorwärtsgang und wieder runter von der Rampe. Es kracht und scheppert. Quietschendes Metall.
Panik um mich herum. Christina kreidebleich. Ich steige aus und bin paralysiert. War ja klar – ich bin mir der Motorradbühne voll in die Rampe der Fähre gefahren. Der Winkel war viel zu steil. Die Bühne ist auf der rechten Seite abgebrochen und schleift auf dem Boden. Panisch, wie in Trance schnalle ich den Roller ab. Die Matrosen wollen den Rollerschlüssel. Wir suchen panisch und finden ihn nicht.

Auf Anweisung des ganz in weiß gekleideten und ketterauchenden Kapitäns, einer Mischung aus Freddie Mercury und Tony Curtis in seiner Rolle als „der große Leslie“ , wird der Roller nunmehr direkt von den Matrosen auf das Boot getragen.
Ich bin zu nichts mehr in der Lage. Um mich rum Anarchie. Die Autos werden weiter verladen, der Kapitän will los. Ein Gebrülle und Gezeter. Wär ich nur mal Allianz versichert. Wenigstens findet Christina in der Zwischenzeit den Rollerschlüssel in meiner neuen Anglerweste. Ich sag’s ja, praktisches Ding. Hat ganz viele nützliche Taschen.
Ein schlauer Matrose bindet die Motorrad-Bühne mit einem Schnellgurt an der Womo-Leiter hoch und ich werde angewiesen vorwärts aufzufahren.

Kaum bin ich drin geht die riesige Klappe auch schon zu. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich mit schleifender Bühne und Christina hinter mir auf dem Roller durch die Serpentinen von Ischia fahren.

Die Fähre legt ab, Christina geht an Deck, ich lege mich unter das Womo. Um mich rum fangen die Alarmanlagen der Autos an lautstark zu tönen. Der Schaden ist beträchtlich. Die Aufhängung der Bühne ist rausgebrochen, die Aufnahme am Querrohr komplett verbogen, die ganze Bühne verzogen, die Stosstange eingedrückt. Mir bleiben 40 Minuten für eine Lösung.
Zum Glück sind lauter freundliche Matrosen um mich herum, die mir tatkräftig zur Seite stehen. Wir schieben und drücken, ziehen mit Spanngurten die Bühne wieder nach außen. Aber wir schaffen es nicht, sie wieder so in Position zu bringen, dass ich sie wieder anschrauben kann. Dann der erlösende Einfall – zum Glück habe ich genügend Spanngurte. Damit fixiere ich das abgebrochene Gestänge der Bühne am Rahmen des Womo. Und siehe da. Es hält bombenfest.

Gemeinsam wuchten wir den Roller wieder drauf, schnallen ihn fest. Sieht so aus, als wäre nicht passiert.

Komplett nassgeschwitzt, von oben bis unten verschmiert fällt mir erst auf, wie durstig ich bin als ich mich zu Christina aufs Deck setze und die letzten 10 Minuten Überfahrt genieße.

Im Hafen angekommen müssen wir ja auch wieder runter von dem Boot. Vorsicht manövriere ich schräg rückwärts runter. Klappt wieder nicht. Ein Matrose holt eine Bastmatte, die er unters Hinterrad legt. So funktioniert es. Freue mich schon auf die Rückfahrt.

Gezeichnet von der Überfahrt vertraue ich stumpf meinem Camper- Navi und nicht den Wegweisern. Das Navi wird schon wissen wo der richtige Weg für 3,1 Tonnen ist. Kurze Rede langer Sinn – es weiß es nicht!

Wir sind durch die Inselmitte gelotst wurden, durch Straßen gerade mal 250cm breit. Einmal musste ein Jeep knapp 2 km rückwärts fahren, bis eine Ausweichstelle kam.

Irgendwie gelingt es uns dann, uns zum Moronti-Strand durchzuschlagen. Das entschädigt für fast alles.

Freundlich werden wir kurz nach 16 Uhr am Camping Mirage begrüßt.

Auf meine äußere Erscheinung angesprochen antworte ich kurz und knapp mit „Autopanne“. „Motor?“ „Nein, Rollerbühne!“ Erst jetzt sehe ich, wie komplett verdreckt ich bin.

Schnell haben wir wieder aufgebaut und legen uns an den Strand, an dem wir letztes Jahr im Oktober schon waren. Heute ist es voll, aber genauso schön wie damals.

Wir versuchen von den Ereignissen des Tages runter zu kommen und genießen die Sonne. Die Stimmung bessert sich, bis zu dem Zeitpunkt als wir duschen gehen. Man muss Geld einwerfen und wir haben keine Euro-Stücke dabei. 1 Euro gibt dann 30 Liter. Eine wahnwitzig geringe Menge an Wasser nach so einem Tag. Wir akzeptieren und weinen innerlich. Ich verstehe es nicht und würde lieber 10 Euro mehr Stellplatzgebühr bezahlen.

Der Abend klingt dann schön aus bei Vino und Pasta direkt am Maronti-Strand.

Tag 4 – Sonne satt am Maronti-Strand

Es ist Montag und wir sind eingekesselt. Rechterhand steht ein Peugeot- Bus, offene Luke zu uns. Alle stehen links, die stehen rechts. Wir verstehen es nicht, bekommen jede Aktion der Insassen mit. Älteres Ehepaar. Franzosen. Christina sichert mit Wäscheleine und einer Vielzahl von Handtüchern ab. Über uns der grossflächige Sonnenschutz des Campingplatz. Vor uns Österreicher, die sich wiederum mit einer Phalanx von Handtüchern vor uns schützen. Blöd nur, dass wir damit das Meer nicht sehen, sondern in einer dunklen Handtuchhöhle in den Tag starten.

Und der Tag ist heiss. Schon morgens um 10 Uhr. Wir haben keine Getränke und Lebensmittel, und hier gibt es keinen Supermercato in der Nähe. Die perfekte Gelegenheit um auf Ischia Roller zu fahren. Während Christina spült, düse ich die Serpentinen nach Barano hoch. Freiheit pur mit 50ccm. Bin Italienier. Kaufe Zigaretten im Tabacchi, Lebensmittel im Carrefour und rolle schwer beladen zurück in unsere Höhle. Wagemutig mit einem 6er Pack Wasser zwischen den Füßen.

Den traumhaften Tag verbringen wir am Strand. Es hat gefühlte 40 Grad Celsius, der Sand ist zu heiss zum laufen, die Hitze erdrückt einen. Kaum ist man aus dem Wasser draußen, ist man auch schon wieder trocken. Perfekt!

Weniger perfekt ist die Duschsituation. 30 Liter sind definitiv zu wenig. Das belastet uns. Und nachwerfen geht nur von außen. Fehlkonstruktion.

Am Abend chillen wir. Kochen in der Aussenküche, Musik mit der neuen Box, Rommee. Christina will unbedingt aufschreiben. Selber schuld. 420 Punkte zu 200 Punkte für mich.

Tag 5 – ein Umzug und die neue Duschstrategie machen uns glücklich

Mitten in der Nacht schrecke ich hoch. Mein gesamter rechter Arm und meine rechte Kniekehle scheinen zu verbrennen. Es juckt fürchterlich. Stechmückenalarm. Panisch krame ich das Fenistil und das Autan raus. Aber welche Reihenfolge ist richtig? Okay – erstmal Schmerz lindern und dann vorbeugen. Es sind fiese kleine Stiche, solche, die man am nächsten Tag nicht mehr sieht und spürt, um dann wieder in die Falle zu tappen. Schlaue Viecher.

Gegen 9 Uhr ist von Schnakenstichen nichts mehr zu spüren, es wird warm auf Ischia. Um 10 Uhr springen wir in die Fluten und entdecken auf dem Rückweg zu unserer Handttuchhöhle einen gerade frei gewordenen Stellplatz direkt am Meer. Einer von 6 auf der ganzen Insel. Top-Exklusiv. Wahrscheinlich gibt es mehr Bentleys als Stellplätze direkt am Meer hier. Kurz diskutieren wir, ob der Aufwand eines Umzugs tatsächlich lohnt. Aber klar doch! Jetzt gilt es schnell zu sein bevor uns den einer wegschnappt. Ich marschiere hurtig zur Rezeption und werde belohnt. Erster. Der Platz gehört uns!

Wir ziehen um und sind uns einig, dass das jetzt auf einmal ein ganz andere Urlaub ist.

Den Tag verbringen wir am Strand, direkt vor unserem Wohnmobil. Das ist der eigentliche Grund Camping zu machen. Wir haben enorme Lust auf Pommes. Passt irgendwie immer am Meer. Mittagessen deshalb in der Strandbar Mirage, die zum Campingplatz gehört.

Wir bleiben am Strand bis nach 18 Uhr. Es ist so unfassbar heiß, dass die FlipFlops in der Sonne schmelzen. Um uns rum lauter italienische Gäste, die stundenlang im Wasser sitzen, knien, stehen und sich dabei über Gott und die Welt unterhalten. Ich frag mich immer, was die sich so zu erzählen haben. Den ganzen Tag in einem fort. Und dann müssen das ja auch echt wichtige Themen sein, so leidenschaftlich die sich da in Rage reden. Ich lese stumm das nächste Jack Reacher Abenteuer auf meinem Kindle, unterbrochen nur von viertelstündigen Abkühlversuchen im Meer.

Meine Siegesserie im Rommee hält auch am Stand an, aufgeschrieben wird natürlich nicht mehr. Christina hat die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. 4:0 Spiele für mich heute.

Nach dem Strand ist vor der Dusche. Angstzustände. Aber wir sind schlau und haben tagsüber eine komplett neue Duschstrategie entwickelt. Erst mal an der unbegrenzt freien Aussendusche ohne Duschschaum vorduschen. Dann an den unbegrenzt warmes und kaltes Wasser spendenden Waschbecken rasieren und dann kommt der Clou! Statt einem Euro gleich zwei Euro pro Duschkabine einwerfen. Das gibt dann satte 60 Liter. Ein Traum. Dank des nie versiegenden Wechselgeldvorrats der Rezeption sind wir die glücklichsten Menschen auf der Welt.

Wir haben keine Lust zu kochen und schlendern den Maronti- Strand Richtung Sant‘ Angelo. In der Taverna Pietro Paolo said Stalino bleiben wir hängen. Tolles Lokal, in den Felsen gehauen, eine Höhle. Wir fühlen uns natürlich direkt wohl, erinnert es uns doch ein bisschen an unseren alten Stellplatz. An den Wänden überall Bilder von Stalin. Wem es gefällt.

Wir übernehmen uns komplett mit unfassbar leckeren Speisen. Frittierter Mozarella, Zucchini in Öl und Knoblauch, Salat, Pasta.

Auch Grappa und Averna helfen danach nicht mehr. Und ist schlecht, viel zu viel in viel zu kurzer Zeit gegessen. Ich habe aber noch genug Kraft einen Tischnachbarn zu beobachten. Sehr köstlich. Schweizer Ehepaar mit offensichtlich schwulem Anhängsel. Stil-Ikone!

Magisch werde ich von seiner rechten Hand angezogen und mir wird klar, dass ich auch einen Siegelring benötige. Der würde wunderbar mit meiner neuen Anglerweste harmonieren.

Wir schleppen uns nach Hause und sind, trotz erster Reihe Stellplatz, zu nichts mehr in der Lage und fallen in einen komatösen Dämmerschlaf.

Tag 6 – mit der Piaggio Sfera über die Berge von Ischia nach Sorgeto

Sie haben mich tatsächlich schon wieder überlistet. Mitten in der Nacht werde ich von Schnaken angegriffen. Doch ich kann mich direkt zur Wehr setzen. Wir haben ja von der vorherigen Nacht alles notwendige in Griffnähe.

Unsere Morgenroutine haben wir grundlegend umgestellt. Gehört zu unserer neuen Duschstrategie. Um 9 Uhr springen wir ins Meer. Sind nicht die Ersten, aber die Jüngsten. Verkehrte Welt in Ischia. Danach geht es unter die Aussendusche. Wir sind sauber und haben 2 Euro gespart.

Heute ist der Tag des Ausflugs. Wir wollen mit dem Roller an einen anderen Strand fahren, Richtung Sant‘ Angelo und Forio. Das sind ca. 5 km Berg- und Talfahrt. Luftlinie maximal 1 km.

Gesagt, getan. Wir packen das nötigste ein und erklimmen die Insel Ischia. Unsere 50 ccm -Sfera leistet ganze Arbeit und wir schwimmen im Strom der Busse, Fiat 600, Apes und Geländewagen mit. Alles verdammt eng, steil und kurvig hier. Die grundsätzliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30-40km/h hilft uns.

Am Gipfel angekommen genießen wir den Ausblick im Belvedere di Serrara.

Toller Ort, leider dumme und affige Kellner. Hatte das Gefühl dankbar sein zu müssen, dass ich hier 12 Euro ausgebe. Schon lange nicht mehr habe ich so wenig Lust gehabt irgendwohin zurückzukehren.

Schlussendlich landen wir an einen der berühmtesten und bekanntesten Strände auf Ischia. Spiaggia di Sorgeto. Hier hat bestimmt auch schon Angela Merkel gebadet. Die soll ja lange Jahre jedes Saison hier gewesen sein.

Über unzählige Stufen erreichen wir das Bagno und ergattern für 30 Euro die vorletzten Liegen mit Schirm.

Das ist sehr beeindruckend – es gibt gar keinen Strand hier. Fehlanzeige. Felsen soweit das Auge reicht. Das Meer ganz schwarz. Aus unterirdischen heißen Quellen strömt Süß-Wasser ins Meer und verwandelt die Bucht in ein großes Thermalbecken. Stoßweise strömt das heiße Wasser nach. Man fühlt sich sofort gesünder.

Kaum liegen wir wieder auf unsere Sonnenterasse, hier liebevoll Solarium genannt, entdeckt Christina ihre Kollegin Sarah aus Stuttgart, die mit ihrem Freund an uns vorbei Richtung „Strand“ marschiert. Sie wurde von ihm zu einem „Geheimurlaub“ eingeladen, wusste nicht wo es hingeht. Verlobungsgerüchte kursieren. Was ein Zufall die Beiden hier zu treffen. Wir ducken uns erst mal. Die wollen ja sicher alleine sein. Vielleicht macht er ja jetzt den Antrag. Mitten im Thermal – Meer. Spannend.

Wir gehen erst mal essen. Ins Ristorante La Sorgente, ein Stock unter dem Solarium. Wir überlegen noch kurz, ob es reicht T-Shirts anzuziehen, oder ob wir auch die Hosen wechseln sollen.

Aber in Italien ist es wirklich egal wo du bist und wer du bist. An jedem Ort, selbst am Super-Touristen-Spot wie hier, gibt es was leckeres zu essen. Ich habe ein Menü gewählt: Bruschetta, Salat, Schnaps. Unser Bademeister aus dem Solarium bedient auch hier. Nur in der Badehose. Großes Kino.

Später stolpern wir auf dem Weg aus dem Wasser über Sarah und ihren Zukünftigen. Scheint noch nichts passiert zu sein. Die Freude ist groß und kurz. Wir lassen die Liebenden alleine und gehen ins Solarium.

Mit dem Roller geht es zurück über die Berge. Brave Sfera. Die Bar mit dem affigen Personal lassen wir links liegen und finden dafür einen sensationellen Blick auf Sant‘ Angelo, Capri und das Festland. Ein italienisches Pärchen mit einer alten, großen Vespa bittet uns Bilder zu machen.

Sie tuscheln über uns und unsere Sfera. „Ist es eine 50er?“ fragt sie ihn leise. „Si,Si!“ antwortet er. Könnte Mitleid sein, oder auch sehr großer Respekt. Wir gehen von zweitem aus.

Stolz rollen wir ins Tal zu unserem Stellplatz am Meer, wo wir noch lecker kochen und unsere Duschroutine absolvieren. Wobei, ich komme heute sogar mit 1 Euro aus.

Tag 7 – Campingalltag auf Ischia

Der Donnerstag beginnt gut. Keine Schnakenstiche. In einem Anflug von klarem Verstand habe ich am Abend noch Autan benutzt und habe perfekt geschlafen.

Um uns rum herrscht hektische Betriebsamkeit. Die Mit-Camper bereiten ihr Frühstück im Freien und speisen draußen. Wir bleiben wie jeden Tag im Womo und frühstücken im Bett.

Tee, Kaffee und Eier kochen. Das Innen-Thermometer steigt dabei auf angenehme 30 Grad Celsius, die Luft steht – es gibt keinerlei Luftaustausch.

Dafür geht just in dem Moment unser Frischwasser aus.

Die nächste Wasserstelle ist deutlich zu weit für meine Schläuche. Habe ja seit neustem 2 dabei. Den vollkommen unpraktischen Flachschlauch, aus dem nur Wasser kommt, wenn er absolut gerade liegt, aus dem Campingladen und meinen neuen, TipTop Zauberschlauch. Schade, schade. Hätte gerne eine Schlauchparade gemacht. Dafür kommt jetzt mein allerbestes Stück zum Einsatz. Die grüne 10 Liter Gießkanne. Gemacht genau für diese Situationen. 12 Füllungen, 1.000 Meter, 120 Liter und 50 Minuten später habe ich keine Lust mehr. Das muss erst mal reichen. Keine Ahnung was ich mache, wenn das Grauwasser voll ist. Habe ich jetzt schon Angst davor.

Gegen 12 Uhr sind wir am Strand. Hunde beobachten. Besser gesagt Cocker-Spaniels beobachten. Ein Pärchen hat zwei davon dabei, seltsamerweise sehen sich Hund und Herrchen garnicht ähnlich. Vielleicht doch nur ausgeliehen? Die Hunde haben enormen Spass am und im Meer. Permanent werden Stöckchen ins Meer geworfen und wieder rausgefischt.

Das geht ohne Unterbrechung. Rein, raus, rein, raus. Der Hund ist voll konzentriert auf das Stöckchen, lässt es keine Sekunde aus den Augen. Wir könnten stundenlang zusehen.

Aber leider verschwindet die Sonne und es wird schattig. Heiß und schattig. Und wir haben Hunger. Ho fame!

Mit dem Roller quälen wir uns die Serpentinen nach Barano hoch. Im Café a Pazzarell bleiben wir hängen. Es gibt keinen offenen Wein. Mist. Es gibt keinen Aperol. Schade. Dafür gibt es ausreichend Gin! Sehr gut!

Mit dem spülen wir die Bruschetta, den Salat und die Pommes runter. Lecker.

Zurück am Platz sind neue Nachbarn eingetroffen. Ehepaar 60 plus mit Land Rover Defender mit Wüstenkabine. Er erinnert mich stark an Jamie Hyneman von den Mythbusters. Spricht aber bayrisch und kommt aus der Nähe von München. Mist, das wäre ein Ding gewesen. Experimente am Strand. Jedenfalls haben die bestimmt keine Problem mit der Bodenfreiheit auf der Fähre gehabt. Vielleicht sind die ja mit dem Landi auch hierher gewatet? Verstehe immer noch nicht was man mit diesen Autos auf Campingplätzen macht, wo man auch mit unserem fast 30 Jahre alten Hymercamp 64 problemlos hinkommt. So richtige Offroadtrails gibts auf Ischia ja auch nicht. Cool aussehen tuts allemal.

Am Abend watscheln wir am Strand entlang, mal wieder auf der Suche nach einer Pizzeria. Juhu, direkt an der Wendeplatte finden wir unser Glück. Bar, Schnellimbiss, lecker.

Interessiert beobachten wir eine einsamen und offensichtlich traurigen Hund auf der Wendeplatte. Er scheint erschöpft zu sein. Er legt sich immer wieder mitten auf die Straße, döst ein, solange bis ein vorbeifahrendes Auto oder Bus ihn wieder aufweckt. Er scheint hier bekannt zu sein. Der Pizzabäcker, die Taxifahrer und Anwohner reden mit ihm und versuchen ihn immer wieder von der Wendeplatte zu locken. Kurz gelingt das auch, doch dann ist er wieder da und wartet.

Wir spekulieren über treue Hunde, die den Tod ihres Herrchens oder Frauchens nicht verkraften können und immer wieder an bestimmte Orte zurückkehren und dort auf diese warten, solange bis sie selbst vor Einsamkeit sterben. Traurige Sache, die wir hier heute erleben. Das Essen schmeckt schal. Auf einmal kommt Leben in den Hund. Ein Auto fährt vor. Der Hund wedelt wild mit seinen Schwanz. Ein junger Kerl steigt aus, begrüßt den Hund und die beiden ziehen vergnügt von dannen. Wir bestellen Amarischia und spülen unsere Freude hinunter.

Zurück am Platz spielen wir Rommee. Macht keinen Spaß, ich bin unschlagbar, selbst wenn ich versuche absichtlich schlecht zu spielen.

Tag 8 – Linguine con limone

Unser Campingplatz leert sich so langsam. Er ist terrassenförmig angelegt und im Prinzip klassisch geteilt. In Strandnähe sind die Touristen angesiedelt, auf der darüberliegenden Terrasse die Dauercamper und Durchgangsgästen. Gemischt alles mit Plätzen für Zelte.

Zwischen den Terrassen herrscht keinerlei Kommunikation. Argwöhnisch werden wir beobachtet, sobald wir duschen gehen oder den Müll wegbringen. Ob wir wohl auch alles richtig machen? Kann natürlich sein, dass es daran liegt, dass wir konsequent die Mülltrennung missachten.

Wir selbst haben auch keinerlei Kontakt innerhalb unserer Terrasse. Auch die anderen kommunizieren nicht miteinander. Irgendwie seltsam hier. Kann auch sein dass es daran liegt, dass die Leute so heterogen zusammengesetzt sind.

Es gibt ein österreichisches lesbisches Pärchen mit zwei Hunden, könnten auch Mutter und Tochter sein, die jeden Tag um 15:00 Uhr an den Strand kommen. Besser gesagt an den Strand stolzieren. Vorher ist von denen nichts zu sehen. Wahrscheinlich Okkultismus im Wohnwagen.

Neben uns steht ein Schweizer Ehepaar, von dem wir nicht mal wissen wie sie aussehen. Sind wohl den ganzen Tag in ihrem Camper.

Daneben ein älteres Ehepaar aus Deutschland, von den sieht man immer nur die Frau oben ohne am Strand liegen. Keine Ahnung wie der dazugehörige Mann aussieht. Er hat aber seine Sat-Antenne ausgefahren, wahrscheinlich schaut er den ganzen Tag sinnfrei RTL2 an.

Und jetzt auch noch das Paar mit dem Land Rover, die wohl bei 35 °C im Schatten einen Fahrradausflug unternehmen. City Bikes. Passen zum Landy.

Wir legen uns an den Strand. Business as usual. Heute ist eine Kombination aus Russen-Tag und Hundetag. Die russischen Familien verhalten sich still, die Cocker-Spaniel jagen dem Stöckchen nach, wir verkriechen uns in den Schatten der Sonnenschirme und kühlen uns immer wieder im glasklaren Wasser ab. Kiesstrand ist schon was tolles.

Wie jeden Tag bleiben wir bis 18:00 Uhr am Meer. Die Sonne geht langsam unter, der Kieselstrand ist aufgeheizt, das Wasser erfrischend kühl. Fast die beste Zeit des Tages.

Zurück am Platz genehmigen wir uns einen Gin Tonic. Was im Café a Pazzarell richtig war, kann hier nicht falsch sein. Urplötzlich erklingen unrhythmische Percussion – Klänge. Leider liegt es nicht am Gin, sondern an 3 weiß gewandete Gestalten, die in der Pergola neben uns singen, tanzen und trommeln.

Könnte Yoga sein, oder afrikanische Selbstverteidigung? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen. Für uns bedeutet es, es ist Zeit zu duschen. 30 Liter / Euro reine Freude.

So ein Tag ist anstrengend. Keine Kraft zum kochen. Wir orientieren uns am Strand heute nach links und landen, als einzige Gäste des Abend, in einem von weiblichen Zwillingen geführten Ristorante. Sieht irgendwie urig und ursprünglich aus.

Wir stören den Chefzwilling im weißen T-Shirt beim Kartenspielen. Aber kein Problem. Aperto. Aus der bestimmt 30 Jahre alten Speisekarte bestellen wir Insalata Caprese und Insalata Mista und zweimal Spaghetti Pomodoro bei ihr. Mit einem „Das soll es gewesen sein?“ – Gesichtsausdruck schaut sie uns an. Wir zucken mit den Schultern. Mit „Vegetariano“ entschuldigen wir uns bei ihr. „Ah Vegetariano! Da habe ich doch noch ganz tolle Nudelvarianten. Penne Sorrentino und Linguine con panna e limone!“ Mist, die ist so nett, wir sind überrumpelt. Feige folgen wir den Empfehlungen. Christina nimmt die Penne und ich die Linguine. Wir hätten so gerne Spaghetti Pomodoro gehabt. Leise flüstert Christina mir mit sorgendem Blick zu „du hast schon verstanden, dass das mit Sahne und Zitrone ist!?“ „Klar“ antworte ich mit fester Stimme, „ ich mag das.“ Schon in diesem Augenblick bin ich mir der Selbstlüge bewusst, ich hasse die Kombination Zitrone und Sahne. Erinnert mich an Urinsteine in Urinalen.

Es kommt, wie es kommen muss. Ich mag es nicht. Aus Höflichkeit würge ich die Nudeln hinunter. Ja nicht beißen, nur schlucken. Zuerst dachte ich ja, dass es mit ausreichend Parmesan besser schmecken würde. War aber ein eklatanter Trugschluss. Es erschwert nur das Schlucken. Christina lacht, irgendetwas zwischen tiefem Mitleid und „ich habe dich ja gewarnt“. Bietet sich sogar an, die Linguine zu essen. Aber da muss ich jetzt selber durch. Ihr geht es mit ihren Penne allerdings auch nicht viel besser. Zum 100 mal schwören wir uns, ja nie wieder solchen Empfehlungen zu folgen. Klappt bestimmt, wie immer. Café und Amarischia lindern später die Schmerzen.

Ein unsägliches Völlegefühl gepaart mit leichten Würgreizen begleitet uns aber noch die ganze Nacht.

Tag 9 – la dolce famiente

Heute ist ein sehr fauler Tag. Nach dem Frühstück gehen wir direkt ins Meer – es ist 9 Uhr, wir sind fast allein am Strand. Danach an der Aussendusche das Salz loswerden und nochmal hinlegen im Wohnmobil. Wir sind platt. Vom Nichtstun. Dösen vor uns hin, bis uns die Hitze nach draußen treibt. Der Strand wird voll – es ist Samstag und die Ischianer genießen ihr Meer.

Zeit zum Mittagessen. Schwere Entscheidung. Strandbar oder selber kochen. Christina will unbedingt die restliche Kartoffel verwerten, ist ja auch eine bekennende Kartoffelliebhaberin. 😜Voller Tatendrang marschiert sie zum Womo.

Zusammen mit Zucchinis und Ei und altem, in Olivenöl angebratenem Brot, entsteht eine Art Bauernfrühstück oder Tiroler Gröstl. Letztendlich zählt ja der gute Wille. Wir schließen die Augen und benutzen viel Ketchup!

Zurück am Strand beende ich meinen aktuellen Jack Reacher – Roman. Wie immer klare Freund- und Feindbilder und jede Menge Selbstjustiz. Diesmal musste sogar ein Senator und dessen Sohn dran glauben. Schade eigentlich, dass die Filme mit Tom Cruise da komplett am Thema vorbeigehen.

Jetzt ist mir langweilig. Ich schlage eine Partie Rommee am Strand vor. Ganz ganz kurzes Vergnügen. Nach 5 Minuten gewinne ich die erste Partie und nach weiteren 3 Minuten auch die zweite Partie. Jeweils mit Hand. Als ich nach kurzer Zeit in der dritten Partie als Erster auch noch Karten rauslege, schmeißt Christina ihr Blatt wutentbrannt auf das Handtuch und beendet unsere nachmittägliches Entspannungsspiel. „Es kann nicht sein, dass ICH immer dieselben Karten ziehe, die ich schon auf der Hand habe, und DU schon rauslegen kannst.“ Beleidigt rollt sich die schlechteste Verliererin der Welt in den Schatten. Ich packe das Spiel zusammen und triumphiere innerlich.

Zum Glück erschallt ein freundliches „Halli-Hallo“ über den Strand. Es sind Sarah, die Kollegin von Christina und Robert, ihr Zukünftiger. Scheinen aber noch keine Veränderung in ihrem Beziehungsstatus zu haben. Kein neuer Ring am Finger. Christina hatte das anders erwartet. Anscheinend lagen die den ganzen Tag 100 Meter rechts von uns. Das ist jetzt aber mal eine gute Gelegenheit endlich mal einen ganzen Liter offenen Weißwein zu bestellen. Gesagt getan – 60 Minuten später fahren die Beiden bedüdelt in ihr Hotel und wir beiden marschieren beschwingt zur Entleerung der Chemie-Toilette und zum täglichen Duschritual.

Zurück am Womo hält die gute Stimmung an, unter Umständen auch unterstützt durch eine Gin Tonic, den wir uns noch gönnen. An selberkochen ist heute garnicht mehr zu denken. Während ich noch draußen das Meer beobachte, macht sich Christina im Wohnmobil fertig für den Abend und nutzt dabei auch die Toilette.

Blöd nur, das der Toiletteneinsatz noch schräg hinter mir steht. Noch nicht wieder eingebaut. Egal. Damit haben wir ja inzwischen Erfahrung. Routiniert wird das kleine Geschäft weggewischt.

Endlich ist das Toilettenfach auch mal wieder steril sauber und wir marschieren Richtung Wendeplatte am Maronti-Strand.

Nach den Schwierigkeiten gestern verlassen wir uns heute auf etwas bekannt gutes. Im Chalet Del Sole hat es schon am ersten Abend gut geschmeckt.

Als die freundliche Kellnerin den Insalata Mista bringt, erahnen wir es schon an dem zarten Hauch von Fisch, der uns auf einmal umgibt. Tonno! Auf dem Salat ist Thunfisch! Unser beliebter Anfängerfehler hier in dieser Region. Mit trauriger Miene bringe ich den Salat zurück. Ich entschuldige mich, die Kellnerin entschuldigt sich, alle entschuldigen sich. Das zieht sich ab jetzt den ganzen Abend durch. Christina entschuldigt sich, der zweite Kellner entschuldigt sich. Wir essen sehr lecker, Salat ohne Fisch, Tomaten mit Mozarella, Spaghetti mit Pesto und Spaghetti Pomodoro.

So müde wie wir heute früh schon waren gehen wir gegen 10 Uhr auch schon wieder ins Bett. Von Rock Hudson in Ein Goldfisch an der Leine bekommen wir maximal noch 10 Minuten mit und schlafen tief und fest.

Tag 10 – mit dem Roller nach Ischia Ponte

Der Sonntag beginnt so, wie der Samstag geendet hat. Rock Hudson geht fischen.

Praktisch – ein Gemüsewagen steht quasi vor unserem Wohnmobil. Gute Gelegenheit endlich mal an was scharfes für die Pastasauce zu bekommen. Ich frage den Verkäufer, ob er Peperoni picante hätte. Mit einem lässigen „no“ gibt er mir eine feuerrote kleine Peperoni und meinte ich solle einfach mal probieren, ob die nicht zu „dolce“ sei. Ein Mann, ein Wort – ich beiße kräftig rein und mein Mund explodiert. Schnappatmung, mein Gesicht hat mit einem Schlag dieselbe Farbe wie die Peperoni in meinen Mund. Zum Glück habe ich keine Kerne erwischt. Lasse mir nichts anmerken und kaufe den ganzen Strauch.

Nach einem Sprung ins Wasser gehen wir zum zweiten Frühstück nach Barono d‘Ischia. Ins Ferrari 2000. Christina hat es gewusst. 2000 war das erste Jahr nach den 70ern, in dem Ferrari wieder den Fahrertitel in der Formel 1 geholt hat. Besser gesagt Michael Schumacher für Ferrari.

Spontan entschließen wir uns, eine kleine Tour mit der Sfera zu machen. Nach einem Kilometer erfolgt der erste Stopp. Eine kleine Bäckerei zieht uns magisch an. Es riecht schon im vorbeirollen ganz typisch nach Mehl und Backwaren.

Wir ergattern die letzten Pizza-Schnitten, die vom Meister selbst mit einer altertümlichen Maschine foliert werden und ein Pane integrale. Damit ist er ausverkauft.

Weiter treibt es uns den Berg hinunter bis nach Ischia Ponte. Vor der Einfahrt in die Stadt steht eine Traube an Rollern und Autos. Wir stellen uns einfach mal dazu und beobachten, wie alle anderen auch, die Digitaluhr, die auf 12:59 Uhr steht. Um 13 Uhr darf man wieder rein fahren. Der obrigkeitshörige Italiener scheint das sehr ernst zu nehmen. Punkt 13 Uhr schießen alle gemeinsam los und ein wildes Rennen um die schnellste Stadtdurchquerung ist gestartet. Wir verlieren, werden rechts und links überholt.

Das ist nett hier. Das Örtchen liegt direkt am Meer, vorgelagert das Castello Aragonese.

Wir parken den Roller vorschriftsgemäß auf einem Roller-Parkplatz uns schlendern durch das Örtchen. Mit einem Schlag wird uns bewusst, was wir die ganzen Tage vermisst haben. Eis! Und bei Ice da Luciano gibt es sogar Granita Fragola von Panna und Pinguin-Eis! Fast wie beim alten Bertazzoni in Esslingen. Kindheitserinnerungen werden wach. Schmeckt nur ganz anders. Schade, hätte mich so gefreut.

Zurück am Maronti-Strand lösen wir Kreuzworträtsel und bemalen unsere Körper aus lauter Langeweile.

Es wird wieder spät am Strand und wir wollen die neuen Peperoni ausprobieren. Deshalb kochen wir Spaghetti Arrabiata. Fatale Entscheidung meinerseits auf 2 Dosen Tomaten 2 Peperoni zu verwenden.

Mein Mund brennt die ganze Nacht.

Tag 11 – einmal um die Insel mit dem Roller

Heute ist Action angesagt. Wir müssen zum Hafen, Tickets für die Fähre kaufen. Auf der Rückfahrt wollen wir nicht mehr auf der Warteliste stehen.

Da wir am Roller kein Navi haben, folgen wir einfach mal den Straßenschildern. Hätten wir auf der Hinfahrt mit dem Wohnmobil mal machen sollen. Im Gegensatz zur Anreise, wo wir uns durch enge Bergstraßen geschlängelt haben, rollen wir entspannt auf gut ausgebauten Hauptstraßen nach Ischia Porte.

Am Counter entscheide ich spontan, dass wir am Donnerstag zurückfahren. Fähre 11:30 Uhr, wieder Caremar. Wir hoffen auf dieselbe Crew wie auf der Hinfahrt, die kennen das Problem mit der Motorradbühne ja schon. Die Rückfahrt kostet über 100 Euro, bei der Hinfahrt war das günstiger. Habe irgendwas mit 70 Euro im Kopf. Ein Grund scheint die Reservierung zu sein. Clevere Leute bei Caremar.

Vom Hafen aus folgen wir der nördlichen Küstenstraße und landen in Cassamiciole Terme. Zeit für einen kleinen Happen. Wir durchkreuzen das gesamte Dorf und irgendwie passt uns nichts so richtig. Dafür gibt es gar keinen vernünftigen Grund, ist eher die Sorge davor, die falsche Entscheidung zu treffen. Wir landen in der Bar Calise. Definitiv die falsche Entscheidung. War ja klar. Kellner komisch, Karte mit komischen Bildern, kein offener Wein. Christina bestellt ein Panini Vegetariano, ich Bruschetta.

Ich mag diese Panini mit gegrilltem Gemüse nicht. Die sind innen so schleimig und weich. Warum gibt es nicht überall einfach ein Panini Caprese?

Christina beißt herzhaft in das schleimige Ding rein, ihr schmeckt das ja, und fängt direkt an zu würgen. „Schafskäse, das ist Schaf drin. Oder Ziege! Warum müssen die überall Ziege rein machen? Das ist jetzt modern. Welcher Vegetarier isst den Ziegenkäse?……“ „Probier mal!“

Ich beiße am Rand ab und kann nichts herausschmecken. Alles so schleimig. Mit den Worten „ nö, das ist kein Schaf, sondern Mozzarella, wahrscheinlich geräuchert, und das Gemüse ist eben angebrannt“ , gebe ich ihr das Panini zurück.

Meine kleine Finte wirkt leider nicht. Wir tauschen. Ich esse schleimiges Panini, Christina leckere Bruschetta. Mit viel Wasser und Weißwein spüle ich die Masse hinunter.

Weiter gehts um die Insel rum. Immer Richtung Forio. Wir schlängeln uns nach Lacco Ameno den Berg hoch und entdecken rechts unter uns eine bezaubernde Bucht. Kehrwende Marsch. Am Baia di San Montano machen wir einen Zwischenstopp. Es ist brennend heiß und hier gibt es Sandstrand. Das Wasser fällt sehr flach ab, wie in einer riesigen Badewanne liegen die Menschen im Wasser.

Nach einer guten Stunde kribbelt es schon wieder in der rechten Hand. Ich will wieder Roller fahren.

Weiter geht es nach Forio, durch die kleinen Strassen am Strand entlang. Sehr schön hier. Zeit zu tanken. Wir halten an der nächsten Tankstellen an, um festzustellen, dass die Zapfsäulen nicht funktionieren. Ein italienischer Autofahrer und wir ziehen unverrichteter Dinge wieder von dannen.

Leichte Panik stellt sich bei mir ein. Der Tank ist noch 1/4 voll und wir müssen über die Berge zurück. „Wird schon reichen, wenn keine Tanke mehr kommt. Bloß nichts Christina sagen“ denke ich. Die hatte mich ja am Tag zuvor schon darauf angesprochen, einfach mal zu tanken. Da hatten wir ab noch 1/2 voll und ich habe das geflissentlich mit den Worten „das reicht noch morgen“ ignoriert.

Wir fahren weiter zum weißen Strand, zum Spiaggia di Citara. Keine Tankstelle weit und breit. Weiß ist hier auch nicht an diesem Strand, zumindest vom Roller aus. Mir gefällt es nicht, bin unentspannt und dränge auf schnelle Weiterfahrt. Christina ist genervt, hat keine Lust den ganzen Tag auf dem Roller rumzufahren und nirgends länger zu bleiben. Fatale Kombination für mich. Ich male mir aus, wie genervt sie erst ist, wenn der Sprit ausgeht.

Von hier aus sind es 16 km. 8 km den Berg hoch, bis auf knapp 500 Meter Höhe und 8 km den Berg wieder runter.

Wir starten wieder, und schnell merkt Christina, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich fahre sehr vorsichtig, spritsparend, immer mit dem Versuch kein Vollgas zu geben. Der Tanknadel ist das egal. Sie nähert sich unweigerlich der Null-Linie. Primäres Ziel – den Gipfel erreichen, dann kann man es ja rollen lassen. Aber er will und will nicht kommen, der Gipfel. Die Reserveanzeige fängt wild an zu blinken und hinter mir fängt Christina an wild zu singen „was macht der Dirki nur, wenn das Benzin ausgeht, was macht er nur?“ Mist erwischt. „Alles gut“, sage ich – „das reicht“. Inzwischen signalisiert die Reserveanzeige in Dauergelb, dass es bald vorbei mit Rollerfahren ist. Panik. Zum Glück haben wir aber den Gipfel auch erreicht. Im Leerlauf rollen wir den Berg hinunter, jede kleine Steigung wird zur innerlichen Tortur.

Dankbar und glücklich erreichen wir die Tankstelle kurz vor Ischia Ponte.

Der Tankwart füllt 5,5 Liter für 10 Euro nach. Hey, da war ja noch Luft nach oben. Da passen angeblich 6,5 Liter rein. Wissen will ich das nicht.

Puh, jetzt erst mal wieder runterkommen. In der Strandbar essen wir Pommes und trinken Wein und legen uns dann ganz entspannt noch an unseren Strand.

In Gedanken bin ich allerdings schon bei meiner heutigen Ver- und Entsorgungsaufgabe, die direkt im Anschluss auf mich wartet. Das Grauwasser ist voll, das Trinkwasser fast leer und ich will auf keinen Fall das Wohnmobil bewegen.

Ich entleere erstmal ordnungsgemäß die Chemietoilette und spüle besonders gut nach. Den leeren Container nutze ich, um darin das Grauwasser aus dem Tank abzulassen. Unfassbar wie das stinkt. Mit dem Container trotte ich zur Grauwasserentsorgung und leere das Ding. Das stinkt noch mehr. Beim zweiten Gang werde ich hektisch von einem italienischen Rentner unterbrochen. „No, no, no“ Mein Gott, er denkt ich entsorge illegal die Chemietoilette. Er kollabiert fast, ich schrei zurück „ Tutto bene, no kimik“ – er schreit weiter „no,no,no“. In der Zwischenzeit läuft das Abwasser in den Gully. Es stinkt. Seine Tochter kommt angerannt und irgendwann haben sie es kapiert. 1000 Entschuldigungen und 2 weitere Entleerungen später sind wir Freunde geworden.

Da es gerade so gut läuft mit der Entsorgung zücke ich noch die grüne Gießkanne und fülle 60 Liter Frischwasser nach. Das verschwindet wie in einem schwarzen Loch im Bauch unseres Womos. Interessant wieviel Wasser man so für alltägliche Dinge braucht.

Um den Tag vollends abzurunden vernichten wir den restlichen Gin und Grappa, trinken Wein aus Tetra Paks, kochen leckere Nudeln mit Radiccio-Tomaten-Sauce und einigen uns beim Rommee auf einen Sieg von Christina.

Tag 12 – Kindheitserinnerungen im Hotel La Gondola

Die Schnaken sind eine echte Plage hier. Und sie sind sehr schlau. Sie warten genau den Zeitpunkt ab, an dem man in der REM-Phase und völlig ausgeliefert ist und an dem das Autan aufhört zu wirken. Schlau auch, dass sich die Schnaken hier nahezu geräuschlos nähern. Sie schwirren nicht um den Kopf herum, sondern schleichen sich über die Beine zu den Armen vor. Schlau auch, dass es nur wenige, kleine Stiche sind, die man lange Zeit versucht zu ignorieren. Und dann ist es einfach zu spät.

Wir suchen schon um 9 Uhr Linderung im Meer und markieren zum ersten Mal einen Platz in der ersten Reihe. Wir quetschen uns in eine Lücke. Es ist die Letzte. Da sind uns schon viele zuvor gekommen, 50% der Handtücher sind leer. Damit ist mal wieder bewiesen, dass es ein internationales Phänomen ist. Ein italienisches Phänomen ist allerdings der gut frequentierte Strandverkauf. Wenn die Menschen nicht zum Markt kommen, dann kommt der Markt eben zu den Menschen.

Der gute Platz nützt uns nur kurz. Es fängt an zu tröpfeln und wir packen wieder zusammen. Gute Gelegenheit für einen Strandspaziergang bis zum Hotel La Gondola. Kindheitserinnerungen – Christina war hier 1976 und 1977 schon mit ihren Eltern im Sommerurlaub. Hat sich wohl nicht viel verändert.

Die Sonne kommt wieder raus, es wird unfassbar heiß. Wir marschieren zurück. Mit einem Schlag unvermittelt Harndrang bei Christina. Wir laufen schneller, überholen links und rechts, rennen fast. Geschafft. Gerade noch.

Zum Glück haben wir unsere Mitcamper als Vorbilder genommen und mit unseren Sonnenschirmen unser morgendliches Revier markiert. Damit haben wir jetzt einen Platz in der 1. Reihe und genießen es.

Zurück am Platz bekommen wir Gesellschaft. Direkt hinter uns richten sich zwei ältere italienische Ehepaare mit großen Wohnmobilen für einen längerfristigen Aufenthalt ein. Sie bauen eine Wohnmobilburg. Haben sich sogar einen sand- und schmutzfreien Verbindungsweg gebaut. Schade, dass wir bald abreisen. Das wäre sicher noch großes Kino geworden.

Wir brauchen Bargeld. Zeit für den letzten Ausflug mit dem Roller. Nach dem gestrigen Tag kann ich Christina nicht mehr zu einer Mitfahrt überreden. Komisch, Sprit haben wir ja wieder genug.

Ich schwinge mich die Serpentinen nach Barano hoch und ziehe Geld. Direkt daneben eine Böckerei. Es riecht wieder sehr lecker. Da muss ich rein. Ausverkauft. Ich kaufe trotzdem das letzte Brot und erhalte praktischerweise gleich Duschmünzen zurück. Wieder draußen entdecke ich am Gemüsestand riesige Basilikum-Pflanzen. Magisch werde ich angezogen und nehme gleich noch kiloweise Datteltomaten, Zucchini und Pfirsiche mit. Der Verkäufer schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, wofür ich das alles brauche. Dieselbe Frage stelle ich mir in dem Moment auch.

Heute gehen wir nochmal Pizza essen. Sind gespannt, ob der einsame Hund wieder da ist. Ja, ist er. Wie auch die anderen Stammgäste vom letzten Mal. Darauf kann man sich eben verlassen. Anscheinend gehören wir auch schon dazu. Unsere Rechnung wird gekürzt und wir bekommen noch zwei Amaro aufs Haus. Danke Café ‚Libeccio.

Zurück am Wohnmobil erwartet uns ein ganz neues Bild. Alles ist hell erleuchtet. Die Wohnmobilisten der Wohnmobilburg setzen Leuchtstrahler ein, um ihr Territorium abzusichern. Wir schließen alle Luken und vergessen mal wieder das Autan.

Tag 13 – zu Fuß nach Sant‘ Angelo

8:30 Uhr. Sanft werden wir geweckt. „Tock.Tock.Tock.“ Stille. „Tock.Tock. Vaffanculo,“ Unsere italienischen Nachbarn basteln an ihrer Wohnmobilburg. Scheint nicht alles so zu funktionieren wie es soll, zu dieser frühen Uhrzeit. Hält die beiden Senioren aber nicht davon ab weiter zu hämmern und zu fluchen. Damit hat unser Tag auch begonnen. Es hat nachts ganz leicht geregnet und jetzt wird es heiss. Das Womo gleicht einer Sauna.

Nichts wie ab ins Meer, unter die kalte und kostenfreie Aussendusche und weiterchillen. Wir schauen La Cage au Folles an und sind enttäuscht. Der Film wurde mittendrin neu synchronisiert und wir hatten ihn deutlich lustiger in Erinnerung. Mag auch an der Baustelle neben uns liegen. Trotzdem ein unvergessliches Paar. Ugo Tognazzi und Michel Serrault.

Als wir uns nach draußen quälen ist es schon 12 Uhr und die Sonne ist weg. Der Fortschritt an der Burg ist enttäuschend. Viel Lärm um nichts.

Christina will aus unerfindlichen Gründen keinen Roller mehr fahren. Zu Fuß machen wir uns auf nach Sant‘ Angelo. Den Hinweg zur Eingewöhnung erstmal soweit wie möglich am Strand entlang.

In Sant‘ Angelo trotten wir den andern Touristen hinterher, immer den Berg hinauf. Alle um uns rum sind älter als wir. Wir überholen links und rechts. Fühlen uns richtig frisch und jugendlich.

Im Dolce e la Vita machen wir halt. Hier gibt es Kringel! Graffa auf italienisch. Köstliche Leckereien, kann man nie genug davon bekommen.

Gute Stimmung hier. Unser Kellner greift schnell ein, als wir mit unserem Halbitalienisch bestellen wollen. Er war in Deutschland auf der Hotelfachschule, in Niederbayern irgendwo. Für seine Prüfung hat er was schwäbisches gekocht. Spätzle. Er redet 5 Minuten weiter. Wir verstehen zwar nicht mehr den Sinn seiner Worte, nicken aber freudig mit den Köpfen. Haben wir uns bei den Italienern angeschaut, wenn wir mit ihnen auf italienisch sprechen.

Zurück geht es diesmal auf die harte Tour. Erstmal vom Hafen hoch ins Dorf, runter zum Strand, wieder hoch auf die Klippen und nochmal runter zum Strand. Bei der ersten Bergetappe will Christina unbedingt ihr grünes Trikot und ihr Bergtrikot vereidigen. Zahlreiche Damenkränzchen, die sich den Berg langsam einteilen, werden unwirsch attackiert, zersprengt und überholt. Erste am Gipfel, fühlt sich gut an. Ich hechle hinterher.

Aber die zweite Bergankunft folgt sogleich. Jetzt muss sie Tribut zollen. Hungerloch, kennen wir ja von Jan Ullrich nur zu gut. Träge schlürfen wir den Berg hoch und reißen uns die Trikots vom Leib.

Just in den 10 Minuten, wo wir Höchstleistung bringen mussten hat die Sonne ein Loch in den Wolken gefunden und es ist wieder heiß geworden.

Zurück am Camping Mirage wartet schon der neue Bärli sehnsüchtig auf uns. Er erinnert mich ein wenig an den Hund von der Wendeplatte. Nur das mit dem Schwanzwedeln muss er noch lernen.

Morgen geht es weiter, nach Capalbio. Fähre um 11:30 Uhr. Habe jetzt schon Bammel. Wir räumen auf und packen zusammen. Die Motorradbühne sichere ich nochmal zusätzlich mit Spanngurten ab. Wäre fatal, wenn die auf der Fahrt runterbricht. Als wir fertig sind fängt es leicht an zu regnen. Glück gehabt. Bei uns ist alles in trockenen Tüchern. Das Meer ist stürmisch und mit dem Nieselregen bin ich der Einzige am Strand, der die Wellen genießt. Selber schuld, die Anderen. Die müssen sich aber wahrscheinlich auch nicht die vom Spanngurte montieren komplett verdreckten Hände und Arme sauber machen. Cool – der feine Kies funktioniert wie Waschpaste.

Wir sitzen unter der Markise, es tröpfelt. Da war doch was? Richtig, Pfirsiche! Wir haben Pfirsiche und noch eine Flasche Prosecco. In Kombination mit Spielkarten eine hervorragende Art sich die Zeit bei leichtem Regen zu vertreiben.

Pfirsiche weg, Flasche leer. Es regnet stark. Keine Ahnung wer gewonnen hat. Wir verprassen unsere letzten Eurostücke im Unverstand in der Dusche, ziehen legere Campingkleidung an und sprinten die 30 Meter ins Restaurant des Campingplatz Mirage.

Kuschlig hier, alle haben es sich unter dem Vordach gemütlich gemacht. Alles Gäste des Platzes. Wir sind von Wahnsinnigen eingekreist. Uns gegenüber zwei deutsche Paare, die sich hier wohl kennengelernt haben. Es spricht nur einer an diesem Tisch. Wobei sprechen falsch ausgedrückt ist, er doziert. Erst liest er die morgigen Fährverbindungen aus seinem Smartphone vor, dann kommentiert er die Reedereien, erklärt das Essen, erklärt die Welt, das Universum.

Dabei hat er seine, an einem Band befestigte Lesebrille, auf halber Nasenlänge sitzen und nimmt sie immer wieder runter, wenn er schweigt. Das ist das klare Signal für seine Zuhörer ihm dann bewundernd zuzustimmen. Wir sitzen mit offenen Mündern da. Nicken zustimmend. Das muss ein pensionierter Lehrer sein. Berufsschule wahrscheinlich, denken wir.

In unserem Rücken Sitz ein italienisches Paar. Auch hier spricht nur eine Person. Die Frau. Könnte von der Stimmlage her durchaus auch als Mann auf die Welt gekommen sein. Sie redet nicht, sie schreit. Sie schreit sehr viel und ohne Unterbrechung.

Sie schreit mit dem Kellner, mit ihrem Partner, mit den Leuten vom Nachbartisch. Ihr Bass lässt das Geschirr auf unserem Tisch leicht beben, das ganze Lokal vibriert leise mit ihrer Stimme vor sich hin.

Toller Laden hier. Was man da alles erleben kann. Schade, dass wir erst am letzten Abend hier waren. Neben den Gästen wie aus einer Slapstick-Komödie war das Essen zudem noch grandios. Die besten Spaghetti Pomodoro die wir seit langem gegessen haben.

Mit zwei Café und zwei Rucolino, dem Ischia-Amaro, den wir zuhause unbedingt selbermachen wollen, beschließen wir den Abend.

Waren ja auch immerhin 35 Stockwerke heute.

Tag 14 – Arrivederci Ischia

Plitsch platsch, plitsch platsch. Es hat die ganze Nacht geregnet. Wir sind früh wach. Aufgeregt. Abreisetag. Fähre geht ja schon um 11:30 Uhr.

Aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Nur mit Badehose bekleidet räume ich die letzten Utensilien nach innen und kurble die Markise ein.

Ein Sprung ins Meer, Aussendusche, trockene Klamotten anziehen. Wir sind fertig. Es ist 8:45 Uhr. Die Rezeption öffnet allerdings erst um 9 Uhr. Tolle Gelegenheit meinen Wohnmobil-Regenschirm einzuweihen. Ich stolziere über den Platz, nur um festzustellen, dass meiner der kleinste und langweiligste ist. Es ist Dynamik eingekehrt auf unserem Platz. Überall wuselt es von Menschen mit Schirmen, die hektisch ihre Vorzelte kontrollieren und prüfen ob die schön säuberlich zusammengefalteten Tische und Stühle auch trocken geblieben sind.

Punkt 9 Uhr stehe ich vor der Rezeption und begleiche meinen Obulus. 36 Euro / Nacht plus italienische Phantasie-Tourismusabgabe. „Ganz schön viel für Nachsaison“ denke ich, zumal die Duschen ja extra bezahlt werden müssen.

Irgendwie schaffen wir es den Stellplatz ohne Blessuren und Schrammen an Fahrzeug und Menschen zu verlassen und starten nach Ischia Porto.

Auf einmal, während wir die Serpentinen nach Barano hochfahren, ertönt ein riesiger Aufschrei neben mir. „Riechst Du das auch, da gibts doch nicht, hier riechst nach Gülle!“ Ich öffne das Fenster, „könnte von draußen kommen.“ sage ich. „Nein, das ist hier drin, das Wohnmobil stinkt!“ Wir halten an. Wie ein Spürhund untersucht Christina den Innenraum. Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Wir fahren weiter Richtung Hafen und halten an der ersten Stelle, wo wir das Grauwasser halblegal ablassen können. Und siehe da, Problem gelöst. Es riecht wieder nach Veilchen und wir fahren vergnügt weiter.

Um 9:45 Uhr stehen wir pünktlich am Hafen, so wie wir es auf der Herfahrt gelernt haben. Der Einweiser lacht und winkt uns an den wartenden Autos vorbei. Wir sollen um 11 Uhr wieder kommen. Der kennt uns nicht. 10:45 Uhr sind wir wieder da und reihen uns pflichtbewusst ein. Allerdings ist die Fähre, die da steht von der falschen Reederei. Wo ist den unsere? Wir stehen natürlich in der falschen Schlange. Der Einweiser wird so langsam sauer auf uns. Gebieterisch weißt er uns an, sofort die Schlange zu verlassen und weiter zu fahren. Jetzt wird auch klar warum, unsere Fähre hat sich nämlich hinter der anderen versteckt.

Leider sind es andere Matrosen als das letzte mal, so dass wir erstmal erklären müssen, dass wir nicht rückwärts sondern schräg vorwärts auffahren müssen. Das gelingt mit einem gemeinsamen Blick auf die Motorradbühne. Er hat sofort verstanden. Wahrscheinlich tragen wir seit 11 Tagen zum Vergnügen der Vereinigung der Matrosen bei, die sich jeden Abend treffen und über die dümmsten Autofahrer und Passagiere lustige Geschichten und Anekdoten erzählen. Wir stehen momentan sicher auf Platz 1. Der Rekord könnte für die Ewigkeit sein.

Alles geht gut und wir genießen die Überfahrt. Möwen begleiten uns. Interessant, die gleiten tatsächlich nur. Müssen keinen Flügelschlag machen, werden vom Schiff mitgezogen.

Mit unserer neuen Technik kommen wir auch prima wieder von der Fähre runter. Ganz schräg und rückwärts. Wobei wir drei Matrosen für uns beanspruchen. Einer vorne und zwei hinten. Es muss sich rumgesprochen haben, sonst würden die uns hier nie soviel Aufmerksamkeit gönnen.

Nach 300 Metern direkt der erste Halt. Wir brauchen unbedingt die leckeren Kringel und die leckere Pizza von der Hinfahrt wieder. Die Bäckerei am Hafen von Pozzuoli ist eine Sensation. Immer voll, immer frisch.

Wir machen uns auf in die Toskana ans Meer, nach Capalbio. Immer schön die A1 Richtung Norden entlang und dann bei Rom am Meer weiter. 360 km, 4 Stunden. Und der Plan geht auf. Trotz Stau in Rom und einem kleinen Missgeschick mit der Motorradbühne geht es immer der Sonne entgegen.

Als ich zum tanken angehalten habe, habe ich nochmal die Spanngurte kontrolliert. War sehr zufrieden, alles war fest. Nur am hinteren Teil ist mir aufgefallen, dass ich den Gurt über die Verkabelung angebracht hatte und diese jetzt gequetscht wird. Kein großes Ding für Findikus Dirk. „Der hintere Gurt ist ja nur zur Absicherung da“, bin ich mir sicher. „Habe ich ja auch ganz am Schluss erst hingemacht.“ Fluchs unter das Wohnmobil gekrochen und den Gurt gelöst. Das ganze Womo wackelt, ein riesiger Schlag, die Bühne mitsamt Roller hängt wieder unten und schwebt in der Luft. „Ups, hätte Physik mal nicht in der 12.Klasse abwählen sollen“. Ich schreie wild um Hilfe. Der Tankwart eilt herbei und ich bitte ihn die Bühne anzuheben, während ich drunter liege und versuche den Spanngurt wieder einzufädeln. Nach 5 Minuten geht ihm die Kraft aus, meine Nerven liegen blank. Sein Kollege lamentiert oder kommentiert lautstark aus sicherer Entfernung. Kriege den Gurt nicht eingefädelt, meine Hände zittern wie Espenlaub. Christina schläft im Womo und bekommt von alledem zum Glück nichts mit. In der Sekunde habe ich einen Geistesblitz! Ich hole einen Stützbock, gebe ihn dem Tankwart, hebe die Bühne hoch und er schiebt den Bock unter das Gestänge der Bühne. Juhu das klappt. Ich fädle in Ruhe ein, ziehe fest, Christina schläft, die Fahrt geht weiter.

Später fragt sie mich, was da so gerumpelt hätte auf der Fahrt. Ob sie sich das nur eingebildet hätte. „Kleines Problem mit der Motorradbühne, alles wieder gut“, antworte ich.

Kurz vor 6 sind wir angekommen am Campeggio Di Capalbio, haben uns eingerichtet und springen nochmal ins Meer.

 

Tag 15 – LA DOGANA DI CAPALBIO – il dolce far niente

Heute ist chillen angesagt. Nichtstun den ganzen Tag. Strand. Sonne. Essen. Das geht nirgends besser als bei LA DOGANA DI CAPALBIO.

Wir mieten uns Liegestühle und Schirm und genießen den ganzen Tag das Wetter, das Meer, das Essen. Konsequent genehmigen wir uns um 10:30 Uhr den ersten Campari-Spritz und gehen direkt zum Mittagessen mit Weißwein über.

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Unterbrochen wird unser Nichtstun durch ausgedehnte Sonnenbäder und Abkühlung in der schönen Gischt.

Auch die Abendgestaltung fällt uns leicht. Unser Aufenthalt an diesem schönen Flecken Erde wird nur durch eine kurze Dusche unterbrochen.

 

Tag 15 – Schneller als gedacht sind wir wieder zu hause

Aufbruchstimmung. Es ist Samstag. Wir wollen noch einen Zwischenstopp in Österreich einlegen und gemütlich nach Hause tuckern. es sind ja noch knapp 1.000 km. Routiniert verstauen wir unser Hab und Gut wieder im Wohnmobil und springen ein letztes Mal ins kühle Nass in diesem Jahr.

Um 11 Uhr starten wir in den Norden. Und es läuft. Kein Stau, kein Problem mit dem Womo, der Roller hält bombenfest. Wir fahren und fahren und fahren. Alles ganz entspannt. Wir fahren immer weiter, und ehe wir uns versehen ist es 22.45 Uhr, und wir sind zu Hause angekommen.

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Wohnmobil – Wochenende im Allgäu – Lechbruck am See

Freitag – willkommen im schönen Allgäu

Nach unserem letzten Erlebnis haben wir die Campingplatz-Auswahl komplett umgestellt. Wir suchen nicht mehr nach schönen Plätzen, sondern gehen strikt nach Bewertungen und Sternen vor. Gesagt getan, wir landen auf dem Camping Via Claudia. Selbstverständlich haben wir einen Komfortplatz reserviert. Es soll ja nichts schief gehen.

Hier ist der Kunde König. Wir checken bei wohlorganisierten und freundlichen Menschen ein und erhalten umfangreiches Dokumentationsmaterial über den Campingplatz, das Allgäu, Vouchers, alles was das Herz begehrt.

Ruck Zuck haben wir unser Mobil geparkt und aufgebaut, auf unserem riesigen Komfortplatz.

Und da dies ein Komfortplatz ist, mussten wir zu Hause auch gar kein Wasser tanken. Bestimmt haben wir deutlich weniger Spritverbrauch gehabt. Das mit dem Wasser können wir hier erledigen. Eine perfekte Gelegenheit, um den neu angeschafften Zauberschlauch, den ich schon so lange haben wollte, auszuprobieren. Das Fernsehen verspricht nicht zu viel. Er ist großartig.

Schade nur, dass die Komfortplätze so weit vom See entfernt sind. Wir müssen bestimmt 500 m laufen.

Belohnt werden wir allerdings durch einen wirklich schönen Stausee, der zum Baden einlädt.

Zum Glück stehen wir nicht am See, flüstern wir uns leise zu. Hier wimmelt es ja von Kindern. Wir erinnern uns an alte Zeiten und empfinden tiefstes Mitleid mit den überforderten Eltern.

Überfordert sind wir heute auch mit kochen. Aber nicht so wichtig, denn auf einem so tollen Platz gibt es bestimmt auch ein tolles Restaurant. Wir ignorieren die negativen Bewertungen bei Google und sind auf das Schlimmste vorbereitet. Wir werden nicht enttäuscht. Google hat Recht. Hier müssen wir nicht mehr her. So nett die Leute auch sind, so schlecht ist das Essen und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Samstag ist Badetag

Es ist bestes Wetter im Allgäu. Und wir sind zum entspannen hier. Wir verbringen den gesamten Tag am See, der vormittags lecker klar und nachmittags eklig aufgewühlt und trübe ist.

Als wir es nicht mehr aushalten in der Hitze, schwingen wir uns auf den Roller und erkunden die nähere Umgebung. Weit kommen wir nicht. Wir bleiben hängen, na wo wohl? Na klar im Eiscafé Venezia!

Das ist ganz nett und lecker hier. Uns geht es gut. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich ein Handelsvertreter mit seinen zwei Kindern zu uns an den Tisch setzt und anfängt uns zu beeindrucken. Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Job.

Fluchtartig verlassen wir das Lokal und landen am Bootsverleih am See. Hier ist es schön. Und ein bisschen wie in der Pfalz. Die Weißweinschorle wird in großen Gläsern serviert.

Uns gefällt es an diesem Ort. Eine Mischung aus Einheimischen und Touristen hat sich hier gefunden um den Abend zu genießen.

Sonntag ist schon wieder Badetag

Jahrhundert-Sommer. Wir sind so dankbar. Versteh einer die Leute die über die Hitze klagen. Wir genießen es.

Was wir nicht genossen haben sind unsere Nachbarn auf den Komfort-Stellplätzen. Anscheinend haben sich mehrere Familien hier verabredet um mit ihrer Horde von Kindern Kanu zu fahren. Die stehen natürlich direkt um uns rum. Wir sind eingekreist. Helikoptereltern. Aber ganz coole.

Aber was soll es, es ist Sommer. Wir legen uns an den See und chillen bis 15:00 Uhr.

Oops, da war doch was. Wir hätten eigentlich bis 12:00 Uhr Check out gehabt und sind einfach stehen geblieben. Irgendwie hatten wir das den ganzen Tag im Hinterkopf aber wohl wissend verdrängt. Da haben wir aber die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht.

An unserem Wohnmobil prangert ein riesiges Schild auf dem steht das wir uns unverzüglich mit der Rezeption in Verbindung setzen sollen. Ein Blick auf mein Handy verrät, dass ich unzählige verpasste Anrufe und E-Mails hatte. Alle vom Campingplatz.

Der aufgebaute Druck ist enorm. Panisch packen wir alles zusammen. In Windeseile, so schnell wie noch nie. Vollkommen verschwitzt rollen wir zur Rezeption um Abbitte zu leisten.

Aber dort ist das gar kein Thema. Eine kurze Entschuldigung genügt, und wir sind ausgecheckt auf diesem Luxus – Campingplatz. Schön war’s. Gefällt uns.

Fast ein Wohnmobil – Wochenende am Illmensee bei Pfullendorf

Freitag – das Grauen hat einen Namen

Hoffnungsfroh starten wir am frühen Nachmittag nach Pfullendorf. Diesmal ist alles geplant und sogar reserviert. Es geht zum Illmensee. Dort soll es schön sein.

Angekommen am Camping Seewiese ist davon aber nicht zu sehen. Irgendwie ist das alles sehr improvisiert und in die Jahre gekommen hier.

Wir stellen unser Womo ab und erkunden See und Campingplatz. Don’t like. Der See ist ein Tümpel und der Platz viel zu voll. Die sanitären Einrichtungen sind die schlimmsten, die wir je erlebt haben.

Unsere Stimmung ist am Tiefpunkt. Wir holen Pizza und Pommes beim örtlichen Pizzaservice, der fest in indischer Hand ist, und spülen alles mit Prosecco herunter. Deprimiert gehen wir früh ins Bett.

Samstag – nichts wie weg hier

Wir sind früh wach und packen schnell zusammen – nichts wie weg hier. Das war ein kurzes Vergnügen. Wir schwören uns zukünftig besser zu planen und die Plätze sorgfältiger raus zu suchen.

Auf der Rückfahrt kommen wir in Trochtelfingen bei Alb Gold Nudeln vorbei und halten spontan an.

Das ist überraschend nett hier. Restaurant, Kräutergarten, Verkauf.

Wir essen erst mal zu Mittag. Extrem leckere Kässpätzle mit Salat bei bestem Wetter.

Im Anschluss dann ein Spaziergang durch den Kräutergarten. Coole Sache. Im Kopf gestalten wir unseren Garten um.

Zum Glück haben wir hier noch angehalten. Depressionen vertrieben.

Wohnmobil – Wochenende in Rülzheim (Pfalz)

Freitag – eigentlich wollten wir ja nach Philippsburg

Von langer Hand haben wir uns Campingplätze an Baggerseen in der Pfalz raus gesucht. Nachdem wir uns im Vorfeld nicht entscheiden konnten sind wir dann spontan nach Philippsburg gefahren, da steht ja auch das Kernkraftwerk.

Was eine grandiose Kombination. Anscheinend denken dass auch viele andere, denn der Platz war komplett belegt. Hilft ja nichts, wir sind mobil und fahren weiter nach Rülzheim. Dort soll es das Mobydick Bad geben, direkt an einem Baggersee gelegen.

Auf dem Camping am Moby Dick tauchen wir in die sagenhafte Welt des Dauercampings ein. Schon an der Rezeption mit angeschlossenem Miniverkauf wird das klar. Hier gibt es nur das Notwendigste. Alkohol in jeder Konstellation. Perfekt. Kaufe direkt Bier und Jägermeister.

Samstag – Sonne tanken am Baggersee

Den Samstag genießen wir am Badesee Rülzheim, der ist direkt ums Eck und eine kleine Sensation mit Sandstrand.

Sensationell sind auch die Maßeinheiten in der Pfalz. Die Weissherbstschorle wird in 0,5 Liter Plastikbechern ausgeschenkt. Dazu gibt es Pommes satt. Der Badesee-Kiosk besticht durch seine reichhaltiges Angebot. Es gibt alles was das Herz begehrt, hauptsache es ist frittiert.

Später düsen wir mit dem Roller zum Eiscafé Venezia. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Wir entscheiden uns gegen den politisch unkorrekt Eisbecher und genießen den späten Nachmittag bei Eis Kaffee und Prosecco.

Sonntag – wir sind illegal auf dem Platz

Es ist heiß am Sonntag. Wir genießen den Tag wieder Badesee und bleiben illegal auf dem Campingplatz stehen. Gezahlt haben wir ja schon.

Am Baggersee kommen wir uns vor wie in einer Russendisko. Irgendwo muss hier in der Nähe ein Nest sein.