September 2018 – mit dem Wohnmobil nach Ischia

Tag 1 – über den Fernpass bis an den Gardasee

Wie durch Zauberhand schaffe ich es das Büro um Punkt 15:10 Uhr zu verlassen. Heute gehts los Richtung Ischia.

Zuhause angekommen überraschen mich Simon und Philipp, die vergnügt auf unserer Couch rumlümmeln und FIFA spielen. Die sind gerade aus ihrem Pärchenurlaub zurück gekommen. Selten habe ich mich so gefreut die beiden zu sehen – der Roller muss ja noch verladen werden.

Parallel hat uns Emma Brötchen für die Fahrt belegt. Dank unserer vielen Helfer starten wir noch vor 17 Uhr Richtung Süden.

Diesmal habe ich mir geschworen alles anders zu machen um dem Stau zu entkommen. Genau die Strecken zu fahren, die ich normalerweise meide. Schnurstracks düsen wir zur A8 und stehen nach 5 km zügiger Fahrt direkt im Stau bei Gruibingen. Beherzt umfahre ich den hinteren Teil des Staus indem ich durch die Autobahnraststätte abkürze. Das verschafft uns locker einen Zeitbonus von 5 Minuten!

Weiter geht es Richtung Alpen. Den San Bernardino lasse ich rechts liegen, der Fernpass ist heute erste Wahl. Es fühlt sich fantastisch an gegen den Strom zu fahren. Die Sommerferien in Deutschland sind zu Ende und auf der Gegenfahrbahn reihen sich die Urlauber aneinander und schauen uns wehmütig nach. Wir haben noch alles vor uns. Erst mal haben wir ab Reutte einen schleichenden Kleinbus vor uns. Der geleitet uns brav durch den Stop and Go – Verkehr. Angeblich Tiere auf der Fahrbahn.

Später haben wir bis zur Autobahn einen Wohnwagen, dessen Fahrer unerfahren, betrunken oder sehr alt sein muss, direkt vor uns. Vielleicht liegt es auch daran, dass er von der Ostalb kommt. Aalen. Die kommen selten raus. Halsbrecherisch beschleunigt er an den falschen Stellen, um dann bei Gegenverkehr mit einer Vollbremsung zu reagieren. Ich warte nur darauf, dass das schief geht. Aber der Gegenverkehr und der Fahrer scheinen Schutzengel zu haben. Ich kann den Fernpass nicht leiden. Erst auf der Autobahn kann ich ihn überholen. Goldener Mercedes! Der Fahrer ist sehr alt. Wahrscheinlich auch betrunken.

Wir erklimmen den Brenner, fahren durch das schöne Südtirol und landen am Gardasee gegen Mitternacht auf der Autobahnraststätte Adige Ovest. Immerhin ein 81er Schnitt bei gut 13 Liter / 100 km.

Wir sind fast alleine. Nichts geht mehr außer den leckeren Brötchen von Emma und einem Schluck Prosecco.

Tag 2 – Immer weiter in den Süden bis nach Terracina

Die Nacht war unruhig. Ein Wechsel zwischen erschöpftem Tiefschlaf und schreckhafter Achtsamkeit. Irgendetwas stimmt hier nicht. Seltsam brummende Geräusche und dann wieder Totenstille. Vertraut irgendwie. Nach der vierten oder fünften Sequenz lüftet sich das Geheimnis. Es ist mal wieder ein Kühl-LKW, nur viel viel lauter als jemals zuvor. Wir scheinen die Dinger anzuziehen.

Über Nacht ist die Raststätte voll geworden. Überall wuseln Menschen als ich komplett gerädert 2 Cappuccini hole.

Für uns geht es weiter. Ganz kurz überlegen wir, ob wir einen Abstecher nach Livorno machen, wo Freunde gerade campen. Nette Idee, aber wir wollen heute Strecke machen. Stumpf fahren wir die A1 in Richtung Süden. Es läuft, das Gute alte Womo wird immer schneller, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit steigt bis zum Abend auf sagenhafte 88 km/h über alles. Heute haben wir damit fast eine dreistellige Zahl geschafft.

Autobahn ist Langeweile pur. Zum Glück haben wir eine Dockin D gekauft. Mit Spotify und Christina als DJ wird die Fahrt durch Italien auch zu einer Reise durch die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Hinter Rom verlassen wir die A1 – bin begeistert, das hat keine 55 Euro Maut gekostet bis hier her – und zuckeln hinter einem silbernen Polo bei 50 km/h Richtung Terracina. Das fällt mir sowieso auf, hier sind seit neuestem alle sehr bedacht darauf die Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten. Ich schließe mich dann besser mal an.

Kurz vor 17 Uhr treffen wir auf dem Camping Settebello ein. Toll, die akzeptieren meine magische ASCI – Karte. Heute haben wir so richtig Strecke gemacht, 15 Liter /100 km sei dank, es sind grade noch 170 km zur Fähre. Ruckzuck haben wir aufgebaut und drängen ans Meer. Seit Mai ist eine Ewigkeit vergangen.

Nach dem Meer ist vor dem Abendessen.

Dazwischen noch schnell duschen. Ein Glück, kein kompliziertes Verfahren mit Münzen oder Chip. Dafür gibt es aber nur 2 Einstellungen. An und Aus. Anscheinend ist der Campingplatz auf die universell gültige Formel für Wassermenge und Wasserwärme gestoßen und setzt diese konsequent und zum Wohl seiner Gäste ein. Wir akzeptieren das mit stillem Protest und spülen mit Pfälzer Wein vom Herrengut St. Martin nach.

Unsere Küche bleibt kalt. Wir gehen ins Restaurant. Das ist ein riesiges Ding, jedoch gähnend leer. Nachsaison. Auch der Service hat Nachsaisoncharakter. Lustlos nimmt der Kellner unsere Bestellung entgegen und lustlos serviert seine Kampflesbenkollegin unser Essen in der falschen Reihenfolge. Wir sind zu müde und zu gut gelaunt um uns aufzuregen.

Tag 3 – Überfahrt nach Ischia mit Hindernissen

Heute geht es nach Ischia. Wir haben die Fährzeiten gecheckt. 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr. Das muss ja irgendwie klappen. Kurz nach 9 Uhr, nachdem wir nochmal die universell gültige Duscheinstellung genossen haben, geht es los. Immer der Küste entlang nach Pozzuoli. Hier fahren die Fähren nach Ischia ab. Wir kommen gerade rechtzeitig an, um die 12 Uhr-Fähre abfahren zu sehen.

Verwirrt von den engen Gassen und den vielen Menschen gehen wir auf die Suche nach dem Terminal, so wie wir das von der Fähre nach Sizilien gewohnt sind. Fehlanzeige. Ein freundlicher Polizist klärt uns auf. Runter an den Hafen fahren, in die Reihe stellen und dann oben am Schalter ein Ticket kaufen.

Gesagt, getan. Gemeinsam mit anderen Kunden stehe ich vor verschlossener Tür.

Nach 15 Minuten kommt der Reedereimitarbeiter wieder. Weitere 15 Minuten später wird mir klar, dass die Fähre voll ist. Der Mann gibt mir ein Ticket. Wir sind Platz 4 auf der Warteliste. Er meinte, das sei ja keine schlechte Position und ich würde mein Geld auch wieder zurück bekommen. Das kann ja heiter werden. Genau unser Ding.

Wir werden mit den anderen Wartelistenkandidaten in einer separaten Reihe aufgestellt.

Argwöhnisch beäugt man sich gegenseitig. Wer hat welche Nr., wie groß ist welches Fahrzeug. Man rechnet sich seine Chancen aus.

Es ist unfassbar heiß, aber keiner will den Moment verpassen, an dem die Plätze vergeben werden. Wir schmoren in der Sonne und essen lecker Pizza.

Endlich ist es soweit, 90 Minuten gewartet. Wir dürfen drauf. Rückwärts. Der Schweiß rinnt. Hektisch positioniere ich das Womo und stoße beherzt zurück, auf die Fährrampe zu. Blind, denn meine Rückfahrkamera funktioniert natürlich immer nur in übersichtlichen Situationen.

Auf einmal werde ich brutal gestoppt. Ein heftiger Aufprall, ohrenbetäubender Lärm. „Mein Gott, ich habe ein Auto übersehen“, denke ich. Vorwärtsgang und wieder runter von der Rampe. Es kracht und scheppert. Quietschendes Metall.
Panik um mich herum. Christina kreidebleich. Ich steige aus und bin paralysiert. War ja klar – ich bin mir der Motorradbühne voll in die Rampe der Fähre gefahren. Der Winkel war viel zu steil. Die Bühne ist auf der rechten Seite abgebrochen und schleift auf dem Boden. Panisch, wie in Trance schnalle ich den Roller ab. Die Matrosen wollen den Rollerschlüssel. Wir suchen panisch und finden ihn nicht.

Auf Anweisung des ganz in weiß gekleideten und ketterauchenden Kapitäns, einer Mischung aus Freddie Mercury und Tony Curtis in seiner Rolle als „der große Leslie“ , wird der Roller nunmehr direkt von den Matrosen auf das Boot getragen.
Ich bin zu nichts mehr in der Lage. Um mich rum Anarchie. Die Autos werden weiter verladen, der Kapitän will los. Ein Gebrülle und Gezeter. Wär ich nur mal Allianz versichert. Wenigstens findet Christina in der Zwischenzeit den Rollerschlüssel in meiner neuen Anglerweste. Ich sag’s ja, praktisches Ding. Hat ganz viele nützliche Taschen.
Ein schlauer Matrose bindet die Motorrad-Bühne mit einem Schnellgurt an der Womo-Leiter hoch und ich werde angewiesen vorwärts aufzufahren.

Kaum bin ich drin geht die riesige Klappe auch schon zu. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich mit schleifender Bühne und Christina hinter mir auf dem Roller durch die Serpentinen von Ischia fahren.

Die Fähre legt ab, Christina geht an Deck, ich lege mich unter das Womo. Um mich rum fangen die Alarmanlagen der Autos an lautstark zu tönen. Der Schaden ist beträchtlich. Die Aufhängung der Bühne ist rausgebrochen, die Aufnahme am Querrohr komplett verbogen, die ganze Bühne verzogen, die Stosstange eingedrückt. Mir bleiben 40 Minuten für eine Lösung.
Zum Glück sind lauter freundliche Matrosen um mich herum, die mir tatkräftig zur Seite stehen. Wir schieben und drücken, ziehen mit Spanngurten die Bühne wieder nach außen. Aber wir schaffen es nicht, sie wieder so in Position zu bringen, dass ich sie wieder anschrauben kann. Dann der erlösende Einfall – zum Glück habe ich genügend Spanngurte. Damit fixiere ich das abgebrochene Gestänge der Bühne am Rahmen des Womo. Und siehe da. Es hält bombenfest.

Gemeinsam wuchten wir den Roller wieder drauf, schnallen ihn fest. Sieht so aus, als wäre nicht passiert.

Komplett nassgeschwitzt, von oben bis unten verschmiert fällt mir erst auf, wie durstig ich bin als ich mich zu Christina aufs Deck setze und die letzten 10 Minuten Überfahrt genieße.

Im Hafen angekommen müssen wir ja auch wieder runter von dem Boot. Vorsicht manövriere ich schräg rückwärts runter. Klappt wieder nicht. Ein Matrose holt eine Bastmatte, die er unters Hinterrad legt. So funktioniert es. Freue mich schon auf die Rückfahrt.

Gezeichnet von der Überfahrt vertraue ich stumpf meinem Camper- Navi und nicht den Wegweisern. Das Navi wird schon wissen wo der richtige Weg für 3,1 Tonnen ist. Kurze Rede langer Sinn – es weiß es nicht!

Wir sind durch die Inselmitte gelotst wurden, durch Straßen gerade mal 250cm breit. Einmal musste ein Jeep knapp 2 km rückwärts fahren, bis eine Ausweichstelle kam.

Irgendwie gelingt es uns dann, uns zum Moronti-Strand durchzuschlagen. Das entschädigt für fast alles.

Freundlich werden wir kurz nach 16 Uhr am Camping Mirage begrüßt.

Auf meine äußere Erscheinung angesprochen antworte ich kurz und knapp mit „Autopanne“. „Motor?“ „Nein, Rollerbühne!“ Erst jetzt sehe ich, wie komplett verdreckt ich bin.

Schnell haben wir wieder aufgebaut und legen uns an den Strand, an dem wir letztes Jahr im Oktober schon waren. Heute ist es voll, aber genauso schön wie damals.

Wir versuchen von den Ereignissen des Tages runter zu kommen und genießen die Sonne. Die Stimmung bessert sich, bis zu dem Zeitpunkt als wir duschen gehen. Man muss Geld einwerfen und wir haben keine Euro-Stücke dabei. 1 Euro gibt dann 30 Liter. Eine wahnwitzig geringe Menge an Wasser nach so einem Tag. Wir akzeptieren und weinen innerlich. Ich verstehe es nicht und würde lieber 10 Euro mehr Stellplatzgebühr bezahlen.

Der Abend klingt dann schön aus bei Vino und Pasta direkt am Maronti-Strand.

Tag 4 – Sonne satt am Maronti-Strand

Es ist Montag und wir sind eingekesselt. Rechterhand steht ein Peugeot- Bus, offene Luke zu uns. Alle stehen links, die stehen rechts. Wir verstehen es nicht, bekommen jede Aktion der Insassen mit. Älteres Ehepaar. Franzosen. Christina sichert mit Wäscheleine und einer Vielzahl von Handtüchern ab. Über uns der grossflächige Sonnenschutz des Campingplatz. Vor uns Österreicher, die sich wiederum mit einer Phalanx von Handtüchern vor uns schützen. Blöd nur, dass wir damit das Meer nicht sehen, sondern in einer dunklen Handtuchhöhle in den Tag starten.

Und der Tag ist heiss. Schon morgens um 10 Uhr. Wir haben keine Getränke und Lebensmittel, und hier gibt es keinen Supermercato in der Nähe. Die perfekte Gelegenheit um auf Ischia Roller zu fahren. Während Christina spült, düse ich die Serpentinen nach Barano hoch. Freiheit pur mit 50ccm. Bin Italienier. Kaufe Zigaretten im Tabacchi, Lebensmittel im Carrefour und rolle schwer beladen zurück in unsere Höhle. Wagemutig mit einem 6er Pack Wasser zwischen den Füßen.

Den traumhaften Tag verbringen wir am Strand. Es hat gefühlte 40 Grad Celsius, der Sand ist zu heiss zum laufen, die Hitze erdrückt einen. Kaum ist man aus dem Wasser draußen, ist man auch schon wieder trocken. Perfekt!

Weniger perfekt ist die Duschsituation. 30 Liter sind definitiv zu wenig. Das belastet uns. Und nachwerfen geht nur von außen. Fehlkonstruktion.

Am Abend chillen wir. Kochen in der Aussenküche, Musik mit der neuen Box, Rommee. Christina will unbedingt aufschreiben. Selber schuld. 420 Punkte zu 200 Punkte für mich.

Tag 5 – ein Umzug und die neue Duschstrategie machen uns glücklich

Mitten in der Nacht schrecke ich hoch. Mein gesamter rechter Arm und meine rechte Kniekehle scheinen zu verbrennen. Es juckt fürchterlich. Stechmückenalarm. Panisch krame ich das Fenistil und das Autan raus. Aber welche Reihenfolge ist richtig? Okay – erstmal Schmerz lindern und dann vorbeugen. Es sind fiese kleine Stiche, solche, die man am nächsten Tag nicht mehr sieht und spürt, um dann wieder in die Falle zu tappen. Schlaue Viecher.

Gegen 9 Uhr ist von Schnakenstichen nichts mehr zu spüren, es wird warm auf Ischia. Um 10 Uhr springen wir in die Fluten und entdecken auf dem Rückweg zu unserer Handttuchhöhle einen gerade frei gewordenen Stellplatz direkt am Meer. Einer von 6 auf der ganzen Insel. Top-Exklusiv. Wahrscheinlich gibt es mehr Bentleys als Stellplätze direkt am Meer hier. Kurz diskutieren wir, ob der Aufwand eines Umzugs tatsächlich lohnt. Aber klar doch! Jetzt gilt es schnell zu sein bevor uns den einer wegschnappt. Ich marschiere hurtig zur Rezeption und werde belohnt. Erster. Der Platz gehört uns!

Wir ziehen um und sind uns einig, dass das jetzt auf einmal ein ganz andere Urlaub ist.

Den Tag verbringen wir am Strand, direkt vor unserem Wohnmobil. Das ist der eigentliche Grund Camping zu machen. Wir haben enorme Lust auf Pommes. Passt irgendwie immer am Meer. Mittagessen deshalb in der Strandbar Mirage, die zum Campingplatz gehört.

Wir bleiben am Strand bis nach 18 Uhr. Es ist so unfassbar heiß, dass die FlipFlops in der Sonne schmelzen. Um uns rum lauter italienische Gäste, die stundenlang im Wasser sitzen, knien, stehen und sich dabei über Gott und die Welt unterhalten. Ich frag mich immer, was die sich so zu erzählen haben. Den ganzen Tag in einem fort. Und dann müssen das ja auch echt wichtige Themen sein, so leidenschaftlich die sich da in Rage reden. Ich lese stumm das nächste Jack Reacher Abenteuer auf meinem Kindle, unterbrochen nur von viertelstündigen Abkühlversuchen im Meer.

Meine Siegesserie im Rommee hält auch am Stand an, aufgeschrieben wird natürlich nicht mehr. Christina hat die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. 4:0 Spiele für mich heute.

Nach dem Strand ist vor der Dusche. Angstzustände. Aber wir sind schlau und haben tagsüber eine komplett neue Duschstrategie entwickelt. Erst mal an der unbegrenzt freien Aussendusche ohne Duschschaum vorduschen. Dann an den unbegrenzt warmes und kaltes Wasser spendenden Waschbecken rasieren und dann kommt der Clou! Statt einem Euro gleich zwei Euro pro Duschkabine einwerfen. Das gibt dann satte 60 Liter. Ein Traum. Dank des nie versiegenden Wechselgeldvorrats der Rezeption sind wir die glücklichsten Menschen auf der Welt.

Wir haben keine Lust zu kochen und schlendern den Maronti- Strand Richtung Sant‘ Angelo. In der Taverna Pietro Paolo said Stalino bleiben wir hängen. Tolles Lokal, in den Felsen gehauen, eine Höhle. Wir fühlen uns natürlich direkt wohl, erinnert es uns doch ein bisschen an unseren alten Stellplatz. An den Wänden überall Bilder von Stalin. Wem es gefällt.

Wir übernehmen uns komplett mit unfassbar leckeren Speisen. Frittierter Mozarella, Zucchini in Öl und Knoblauch, Salat, Pasta.

Auch Grappa und Averna helfen danach nicht mehr. Und ist schlecht, viel zu viel in viel zu kurzer Zeit gegessen. Ich habe aber noch genug Kraft einen Tischnachbarn zu beobachten. Sehr köstlich. Schweizer Ehepaar mit offensichtlich schwulem Anhängsel. Stil-Ikone!

Magisch werde ich von seiner rechten Hand angezogen und mir wird klar, dass ich auch einen Siegelring benötige. Der würde wunderbar mit meiner neuen Anglerweste harmonieren.

Wir schleppen uns nach Hause und sind, trotz erster Reihe Stellplatz, zu nichts mehr in der Lage und fallen in einen komatösen Dämmerschlaf.

Tag 6 – mit der Piaggio Sfera über die Berge von Ischia nach Sorgeto

Sie haben mich tatsächlich schon wieder überlistet. Mitten in der Nacht werde ich von Schnaken angegriffen. Doch ich kann mich direkt zur Wehr setzen. Wir haben ja von der vorherigen Nacht alles notwendige in Griffnähe.

Unsere Morgenroutine haben wir grundlegend umgestellt. Gehört zu unserer neuen Duschstrategie. Um 9 Uhr springen wir ins Meer. Sind nicht die Ersten, aber die Jüngsten. Verkehrte Welt in Ischia. Danach geht es unter die Aussendusche. Wir sind sauber und haben 2 Euro gespart.

Heute ist der Tag des Ausflugs. Wir wollen mit dem Roller an einen anderen Strand fahren, Richtung Sant‘ Angelo und Forio. Das sind ca. 5 km Berg- und Talfahrt. Luftlinie maximal 1 km.

Gesagt, getan. Wir packen das nötigste ein und erklimmen die Insel Ischia. Unsere 50 ccm -Sfera leistet ganze Arbeit und wir schwimmen im Strom der Busse, Fiat 600, Apes und Geländewagen mit. Alles verdammt eng, steil und kurvig hier. Die grundsätzliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30-40km/h hilft uns.

Am Gipfel angekommen genießen wir den Ausblick im Belvedere di Serrara.

Toller Ort, leider dumme und affige Kellner. Hatte das Gefühl dankbar sein zu müssen, dass ich hier 12 Euro ausgebe. Schon lange nicht mehr habe ich so wenig Lust gehabt irgendwohin zurückzukehren.

Schlussendlich landen wir an einen der berühmtesten und bekanntesten Strände auf Ischia. Spiaggia di Sorgeto. Hier hat bestimmt auch schon Angela Merkel gebadet. Die soll ja lange Jahre jedes Saison hier gewesen sein.

Über unzählige Stufen erreichen wir das Bagno und ergattern für 30 Euro die vorletzten Liegen mit Schirm.

Das ist sehr beeindruckend – es gibt gar keinen Strand hier. Fehlanzeige. Felsen soweit das Auge reicht. Das Meer ganz schwarz. Aus unterirdischen heißen Quellen strömt Süß-Wasser ins Meer und verwandelt die Bucht in ein großes Thermalbecken. Stoßweise strömt das heiße Wasser nach. Man fühlt sich sofort gesünder.

Kaum liegen wir wieder auf unsere Sonnenterasse, hier liebevoll Solarium genannt, entdeckt Christina ihre Kollegin Sarah aus Stuttgart, die mit ihrem Freund an uns vorbei Richtung „Strand“ marschiert. Sie wurde von ihm zu einem „Geheimurlaub“ eingeladen, wusste nicht wo es hingeht. Verlobungsgerüchte kursieren. Was ein Zufall die Beiden hier zu treffen. Wir ducken uns erst mal. Die wollen ja sicher alleine sein. Vielleicht macht er ja jetzt den Antrag. Mitten im Thermal – Meer. Spannend.

Wir gehen erst mal essen. Ins Ristorante La Sorgente, ein Stock unter dem Solarium. Wir überlegen noch kurz, ob es reicht T-Shirts anzuziehen, oder ob wir auch die Hosen wechseln sollen.

Aber in Italien ist es wirklich egal wo du bist und wer du bist. An jedem Ort, selbst am Super-Touristen-Spot wie hier, gibt es was leckeres zu essen. Ich habe ein Menü gewählt: Bruschetta, Salat, Schnaps. Unser Bademeister aus dem Solarium bedient auch hier. Nur in der Badehose. Großes Kino.

Später stolpern wir auf dem Weg aus dem Wasser über Sarah und ihren Zukünftigen. Scheint noch nichts passiert zu sein. Die Freude ist groß und kurz. Wir lassen die Liebenden alleine und gehen ins Solarium.

Mit dem Roller geht es zurück über die Berge. Brave Sfera. Die Bar mit dem affigen Personal lassen wir links liegen und finden dafür einen sensationellen Blick auf Sant‘ Angelo, Capri und das Festland. Ein italienisches Pärchen mit einer alten, großen Vespa bittet uns Bilder zu machen.

Sie tuscheln über uns und unsere Sfera. „Ist es eine 50er?“ fragt sie ihn leise. „Si,Si!“ antwortet er. Könnte Mitleid sein, oder auch sehr großer Respekt. Wir gehen von zweitem aus.

Stolz rollen wir ins Tal zu unserem Stellplatz am Meer, wo wir noch lecker kochen und unsere Duschroutine absolvieren. Wobei, ich komme heute sogar mit 1 Euro aus.

Tag 7 – Campingalltag auf Ischia

Der Donnerstag beginnt gut. Keine Schnakenstiche. In einem Anflug von klarem Verstand habe ich am Abend noch Autan benutzt und habe perfekt geschlafen.

Um uns rum herrscht hektische Betriebsamkeit. Die Mit-Camper bereiten ihr Frühstück im Freien und speisen draußen. Wir bleiben wie jeden Tag im Womo und frühstücken im Bett.

Tee, Kaffee und Eier kochen. Das Innen-Thermometer steigt dabei auf angenehme 30 Grad Celsius, die Luft steht – es gibt keinerlei Luftaustausch.

Dafür geht just in dem Moment unser Frischwasser aus.

Die nächste Wasserstelle ist deutlich zu weit für meine Schläuche. Habe ja seit neustem 2 dabei. Den vollkommen unpraktischen Flachschlauch, aus dem nur Wasser kommt, wenn er absolut gerade liegt, aus dem Campingladen und meinen neuen, TipTop Zauberschlauch. Schade, schade. Hätte gerne eine Schlauchparade gemacht. Dafür kommt jetzt mein allerbestes Stück zum Einsatz. Die grüne 10 Liter Gießkanne. Gemacht genau für diese Situationen. 12 Füllungen, 1.000 Meter, 120 Liter und 50 Minuten später habe ich keine Lust mehr. Das muss erst mal reichen. Keine Ahnung was ich mache, wenn das Grauwasser voll ist. Habe ich jetzt schon Angst davor.

Gegen 12 Uhr sind wir am Strand. Hunde beobachten. Besser gesagt Cocker-Spaniels beobachten. Ein Pärchen hat zwei davon dabei, seltsamerweise sehen sich Hund und Herrchen garnicht ähnlich. Vielleicht doch nur ausgeliehen? Die Hunde haben enormen Spass am und im Meer. Permanent werden Stöckchen ins Meer geworfen und wieder rausgefischt.

Das geht ohne Unterbrechung. Rein, raus, rein, raus. Der Hund ist voll konzentriert auf das Stöckchen, lässt es keine Sekunde aus den Augen. Wir könnten stundenlang zusehen.

Aber leider verschwindet die Sonne und es wird schattig. Heiß und schattig. Und wir haben Hunger. Ho fame!

Mit dem Roller quälen wir uns die Serpentinen nach Barano hoch. Im Café a Pazzarell bleiben wir hängen. Es gibt keinen offenen Wein. Mist. Es gibt keinen Aperol. Schade. Dafür gibt es ausreichend Gin! Sehr gut!

Mit dem spülen wir die Bruschetta, den Salat und die Pommes runter. Lecker.

Zurück am Platz sind neue Nachbarn eingetroffen. Ehepaar 60 plus mit Land Rover Defender mit Wüstenkabine. Er erinnert mich stark an Jamie Hyneman von den Mythbusters. Spricht aber bayrisch und kommt aus der Nähe von München. Mist, das wäre ein Ding gewesen. Experimente am Strand. Jedenfalls haben die bestimmt keine Problem mit der Bodenfreiheit auf der Fähre gehabt. Vielleicht sind die ja mit dem Landi auch hierher gewatet? Verstehe immer noch nicht was man mit diesen Autos auf Campingplätzen macht, wo man auch mit unserem fast 30 Jahre alten Hymercamp 64 problemlos hinkommt. So richtige Offroadtrails gibts auf Ischia ja auch nicht. Cool aussehen tuts allemal.

Am Abend watscheln wir am Strand entlang, mal wieder auf der Suche nach einer Pizzeria. Juhu, direkt an der Wendeplatte finden wir unser Glück. Bar, Schnellimbiss, lecker.

Interessiert beobachten wir eine einsamen und offensichtlich traurigen Hund auf der Wendeplatte. Er scheint erschöpft zu sein. Er legt sich immer wieder mitten auf die Straße, döst ein, solange bis ein vorbeifahrendes Auto oder Bus ihn wieder aufweckt. Er scheint hier bekannt zu sein. Der Pizzabäcker, die Taxifahrer und Anwohner reden mit ihm und versuchen ihn immer wieder von der Wendeplatte zu locken. Kurz gelingt das auch, doch dann ist er wieder da und wartet.

Wir spekulieren über treue Hunde, die den Tod ihres Herrchens oder Frauchens nicht verkraften können und immer wieder an bestimmte Orte zurückkehren und dort auf diese warten, solange bis sie selbst vor Einsamkeit sterben. Traurige Sache, die wir hier heute erleben. Das Essen schmeckt schal. Auf einmal kommt Leben in den Hund. Ein Auto fährt vor. Der Hund wedelt wild mit seinen Schwanz. Ein junger Kerl steigt aus, begrüßt den Hund und die beiden ziehen vergnügt von dannen. Wir bestellen Amarischia und spülen unsere Freude hinunter.

Zurück am Platz spielen wir Rommee. Macht keinen Spaß, ich bin unschlagbar, selbst wenn ich versuche absichtlich schlecht zu spielen.

Tag 8 – Linguine con limone

Unser Campingplatz leert sich so langsam. Er ist terrassenförmig angelegt und im Prinzip klassisch geteilt. In Strandnähe sind die Touristen angesiedelt, auf der darüberliegenden Terrasse die Dauercamper und Durchgangsgästen. Gemischt alles mit Plätzen für Zelte.

Zwischen den Terrassen herrscht keinerlei Kommunikation. Argwöhnisch werden wir beobachtet, sobald wir duschen gehen oder den Müll wegbringen. Ob wir wohl auch alles richtig machen? Kann natürlich sein, dass es daran liegt, dass wir konsequent die Mülltrennung missachten.

Wir selbst haben auch keinerlei Kontakt innerhalb unserer Terrasse. Auch die anderen kommunizieren nicht miteinander. Irgendwie seltsam hier. Kann auch sein dass es daran liegt, dass die Leute so heterogen zusammengesetzt sind.

Es gibt ein österreichisches lesbisches Pärchen mit zwei Hunden, könnten auch Mutter und Tochter sein, die jeden Tag um 15:00 Uhr an den Strand kommen. Besser gesagt an den Strand stolzieren. Vorher ist von denen nichts zu sehen. Wahrscheinlich Okkultismus im Wohnwagen.

Neben uns steht ein Schweizer Ehepaar, von dem wir nicht mal wissen wie sie aussehen. Sind wohl den ganzen Tag in ihrem Camper.

Daneben ein älteres Ehepaar aus Deutschland, von den sieht man immer nur die Frau oben ohne am Strand liegen. Keine Ahnung wie der dazugehörige Mann aussieht. Er hat aber seine Sat-Antenne ausgefahren, wahrscheinlich schaut er den ganzen Tag sinnfrei RTL2 an.

Und jetzt auch noch das Paar mit dem Land Rover, die wohl bei 35 °C im Schatten einen Fahrradausflug unternehmen. City Bikes. Passen zum Landy.

Wir legen uns an den Strand. Business as usual. Heute ist eine Kombination aus Russen-Tag und Hundetag. Die russischen Familien verhalten sich still, die Cocker-Spaniel jagen dem Stöckchen nach, wir verkriechen uns in den Schatten der Sonnenschirme und kühlen uns immer wieder im glasklaren Wasser ab. Kiesstrand ist schon was tolles.

Wie jeden Tag bleiben wir bis 18:00 Uhr am Meer. Die Sonne geht langsam unter, der Kieselstrand ist aufgeheizt, das Wasser erfrischend kühl. Fast die beste Zeit des Tages.

Zurück am Platz genehmigen wir uns einen Gin Tonic. Was im Café a Pazzarell richtig war, kann hier nicht falsch sein. Urplötzlich erklingen unrhythmische Percussion – Klänge. Leider liegt es nicht am Gin, sondern an 3 weiß gewandete Gestalten, die in der Pergola neben uns singen, tanzen und trommeln.

Könnte Yoga sein, oder afrikanische Selbstverteidigung? Wir wissen es nicht und wollen es auch nicht wissen. Für uns bedeutet es, es ist Zeit zu duschen. 30 Liter / Euro reine Freude.

So ein Tag ist anstrengend. Keine Kraft zum kochen. Wir orientieren uns am Strand heute nach links und landen, als einzige Gäste des Abend, in einem von weiblichen Zwillingen geführten Ristorante. Sieht irgendwie urig und ursprünglich aus.

Wir stören den Chefzwilling im weißen T-Shirt beim Kartenspielen. Aber kein Problem. Aperto. Aus der bestimmt 30 Jahre alten Speisekarte bestellen wir Insalata Caprese und Insalata Mista und zweimal Spaghetti Pomodoro bei ihr. Mit einem „Das soll es gewesen sein?“ – Gesichtsausdruck schaut sie uns an. Wir zucken mit den Schultern. Mit „Vegetariano“ entschuldigen wir uns bei ihr. „Ah Vegetariano! Da habe ich doch noch ganz tolle Nudelvarianten. Penne Sorrentino und Linguine con panna e limone!“ Mist, die ist so nett, wir sind überrumpelt. Feige folgen wir den Empfehlungen. Christina nimmt die Penne und ich die Linguine. Wir hätten so gerne Spaghetti Pomodoro gehabt. Leise flüstert Christina mir mit sorgendem Blick zu „du hast schon verstanden, dass das mit Sahne und Zitrone ist!?“ „Klar“ antworte ich mit fester Stimme, „ ich mag das.“ Schon in diesem Augenblick bin ich mir der Selbstlüge bewusst, ich hasse die Kombination Zitrone und Sahne. Erinnert mich an Urinsteine in Urinalen.

Es kommt, wie es kommen muss. Ich mag es nicht. Aus Höflichkeit würge ich die Nudeln hinunter. Ja nicht beißen, nur schlucken. Zuerst dachte ich ja, dass es mit ausreichend Parmesan besser schmecken würde. War aber ein eklatanter Trugschluss. Es erschwert nur das Schlucken. Christina lacht, irgendetwas zwischen tiefem Mitleid und „ich habe dich ja gewarnt“. Bietet sich sogar an, die Linguine zu essen. Aber da muss ich jetzt selber durch. Ihr geht es mit ihren Penne allerdings auch nicht viel besser. Zum 100 mal schwören wir uns, ja nie wieder solchen Empfehlungen zu folgen. Klappt bestimmt, wie immer. Café und Amarischia lindern später die Schmerzen.

Ein unsägliches Völlegefühl gepaart mit leichten Würgreizen begleitet uns aber noch die ganze Nacht.

Tag 9 – la dolce famiente

Heute ist ein sehr fauler Tag. Nach dem Frühstück gehen wir direkt ins Meer – es ist 9 Uhr, wir sind fast allein am Strand. Danach an der Aussendusche das Salz loswerden und nochmal hinlegen im Wohnmobil. Wir sind platt. Vom Nichtstun. Dösen vor uns hin, bis uns die Hitze nach draußen treibt. Der Strand wird voll – es ist Samstag und die Ischianer genießen ihr Meer.

Zeit zum Mittagessen. Schwere Entscheidung. Strandbar oder selber kochen. Christina will unbedingt die restliche Kartoffel verwerten, ist ja auch eine bekennende Kartoffelliebhaberin. 😜Voller Tatendrang marschiert sie zum Womo.

Zusammen mit Zucchinis und Ei und altem, in Olivenöl angebratenem Brot, entsteht eine Art Bauernfrühstück oder Tiroler Gröstl. Letztendlich zählt ja der gute Wille. Wir schließen die Augen und benutzen viel Ketchup!

Zurück am Strand beende ich meinen aktuellen Jack Reacher – Roman. Wie immer klare Freund- und Feindbilder und jede Menge Selbstjustiz. Diesmal musste sogar ein Senator und dessen Sohn dran glauben. Schade eigentlich, dass die Filme mit Tom Cruise da komplett am Thema vorbeigehen.

Jetzt ist mir langweilig. Ich schlage eine Partie Rommee am Strand vor. Ganz ganz kurzes Vergnügen. Nach 5 Minuten gewinne ich die erste Partie und nach weiteren 3 Minuten auch die zweite Partie. Jeweils mit Hand. Als ich nach kurzer Zeit in der dritten Partie als Erster auch noch Karten rauslege, schmeißt Christina ihr Blatt wutentbrannt auf das Handtuch und beendet unsere nachmittägliches Entspannungsspiel. „Es kann nicht sein, dass ICH immer dieselben Karten ziehe, die ich schon auf der Hand habe, und DU schon rauslegen kannst.“ Beleidigt rollt sich die schlechteste Verliererin der Welt in den Schatten. Ich packe das Spiel zusammen und triumphiere innerlich.

Zum Glück erschallt ein freundliches „Halli-Hallo“ über den Strand. Es sind Sarah, die Kollegin von Christina und Robert, ihr Zukünftiger. Scheinen aber noch keine Veränderung in ihrem Beziehungsstatus zu haben. Kein neuer Ring am Finger. Christina hatte das anders erwartet. Anscheinend lagen die den ganzen Tag 100 Meter rechts von uns. Das ist jetzt aber mal eine gute Gelegenheit endlich mal einen ganzen Liter offenen Weißwein zu bestellen. Gesagt getan – 60 Minuten später fahren die Beiden bedüdelt in ihr Hotel und wir beiden marschieren beschwingt zur Entleerung der Chemie-Toilette und zum täglichen Duschritual.

Zurück am Womo hält die gute Stimmung an, unter Umständen auch unterstützt durch eine Gin Tonic, den wir uns noch gönnen. An selberkochen ist heute garnicht mehr zu denken. Während ich noch draußen das Meer beobachte, macht sich Christina im Wohnmobil fertig für den Abend und nutzt dabei auch die Toilette.

Blöd nur, das der Toiletteneinsatz noch schräg hinter mir steht. Noch nicht wieder eingebaut. Egal. Damit haben wir ja inzwischen Erfahrung. Routiniert wird das kleine Geschäft weggewischt.

Endlich ist das Toilettenfach auch mal wieder steril sauber und wir marschieren Richtung Wendeplatte am Maronti-Strand.

Nach den Schwierigkeiten gestern verlassen wir uns heute auf etwas bekannt gutes. Im Chalet Del Sole hat es schon am ersten Abend gut geschmeckt.

Als die freundliche Kellnerin den Insalata Mista bringt, erahnen wir es schon an dem zarten Hauch von Fisch, der uns auf einmal umgibt. Tonno! Auf dem Salat ist Thunfisch! Unser beliebter Anfängerfehler hier in dieser Region. Mit trauriger Miene bringe ich den Salat zurück. Ich entschuldige mich, die Kellnerin entschuldigt sich, alle entschuldigen sich. Das zieht sich ab jetzt den ganzen Abend durch. Christina entschuldigt sich, der zweite Kellner entschuldigt sich. Wir essen sehr lecker, Salat ohne Fisch, Tomaten mit Mozarella, Spaghetti mit Pesto und Spaghetti Pomodoro.

So müde wie wir heute früh schon waren gehen wir gegen 10 Uhr auch schon wieder ins Bett. Von Rock Hudson in Ein Goldfisch an der Leine bekommen wir maximal noch 10 Minuten mit und schlafen tief und fest.

Tag 10 – mit dem Roller nach Ischia Ponte

Der Sonntag beginnt so, wie der Samstag geendet hat. Rock Hudson geht fischen.

Praktisch – ein Gemüsewagen steht quasi vor unserem Wohnmobil. Gute Gelegenheit endlich mal an was scharfes für die Pastasauce zu bekommen. Ich frage den Verkäufer, ob er Peperoni picante hätte. Mit einem lässigen „no“ gibt er mir eine feuerrote kleine Peperoni und meinte ich solle einfach mal probieren, ob die nicht zu „dolce“ sei. Ein Mann, ein Wort – ich beiße kräftig rein und mein Mund explodiert. Schnappatmung, mein Gesicht hat mit einem Schlag dieselbe Farbe wie die Peperoni in meinen Mund. Zum Glück habe ich keine Kerne erwischt. Lasse mir nichts anmerken und kaufe den ganzen Strauch.

Nach einem Sprung ins Wasser gehen wir zum zweiten Frühstück nach Barono d‘Ischia. Ins Ferrari 2000. Christina hat es gewusst. 2000 war das erste Jahr nach den 70ern, in dem Ferrari wieder den Fahrertitel in der Formel 1 geholt hat. Besser gesagt Michael Schumacher für Ferrari.

Spontan entschließen wir uns, eine kleine Tour mit der Sfera zu machen. Nach einem Kilometer erfolgt der erste Stopp. Eine kleine Bäckerei zieht uns magisch an. Es riecht schon im vorbeirollen ganz typisch nach Mehl und Backwaren.

Wir ergattern die letzten Pizza-Schnitten, die vom Meister selbst mit einer altertümlichen Maschine foliert werden und ein Pane integrale. Damit ist er ausverkauft.

Weiter treibt es uns den Berg hinunter bis nach Ischia Ponte. Vor der Einfahrt in die Stadt steht eine Traube an Rollern und Autos. Wir stellen uns einfach mal dazu und beobachten, wie alle anderen auch, die Digitaluhr, die auf 12:59 Uhr steht. Um 13 Uhr darf man wieder rein fahren. Der obrigkeitshörige Italiener scheint das sehr ernst zu nehmen. Punkt 13 Uhr schießen alle gemeinsam los und ein wildes Rennen um die schnellste Stadtdurchquerung ist gestartet. Wir verlieren, werden rechts und links überholt.

Das ist nett hier. Das Örtchen liegt direkt am Meer, vorgelagert das Castello Aragonese.

Wir parken den Roller vorschriftsgemäß auf einem Roller-Parkplatz uns schlendern durch das Örtchen. Mit einem Schlag wird uns bewusst, was wir die ganzen Tage vermisst haben. Eis! Und bei Ice da Luciano gibt es sogar Granita Fragola von Panna und Pinguin-Eis! Fast wie beim alten Bertazzoni in Esslingen. Kindheitserinnerungen werden wach. Schmeckt nur ganz anders. Schade, hätte mich so gefreut.

Zurück am Maronti-Strand lösen wir Kreuzworträtsel und bemalen unsere Körper aus lauter Langeweile.

Es wird wieder spät am Strand und wir wollen die neuen Peperoni ausprobieren. Deshalb kochen wir Spaghetti Arrabiata. Fatale Entscheidung meinerseits auf 2 Dosen Tomaten 2 Peperoni zu verwenden.

Mein Mund brennt die ganze Nacht.

Tag 11 – einmal um die Insel mit dem Roller

Heute ist Action angesagt. Wir müssen zum Hafen, Tickets für die Fähre kaufen. Auf der Rückfahrt wollen wir nicht mehr auf der Warteliste stehen.

Da wir am Roller kein Navi haben, folgen wir einfach mal den Straßenschildern. Hätten wir auf der Hinfahrt mit dem Wohnmobil mal machen sollen. Im Gegensatz zur Anreise, wo wir uns durch enge Bergstraßen geschlängelt haben, rollen wir entspannt auf gut ausgebauten Hauptstraßen nach Ischia Porte.

Am Counter entscheide ich spontan, dass wir am Donnerstag zurückfahren. Fähre 11:30 Uhr, wieder Caremar. Wir hoffen auf dieselbe Crew wie auf der Hinfahrt, die kennen das Problem mit der Motorradbühne ja schon. Die Rückfahrt kostet über 100 Euro, bei der Hinfahrt war das günstiger. Habe irgendwas mit 70 Euro im Kopf. Ein Grund scheint die Reservierung zu sein. Clevere Leute bei Caremar.

Vom Hafen aus folgen wir der nördlichen Küstenstraße und landen in Cassamiciole Terme. Zeit für einen kleinen Happen. Wir durchkreuzen das gesamte Dorf und irgendwie passt uns nichts so richtig. Dafür gibt es gar keinen vernünftigen Grund, ist eher die Sorge davor, die falsche Entscheidung zu treffen. Wir landen in der Bar Calise. Definitiv die falsche Entscheidung. War ja klar. Kellner komisch, Karte mit komischen Bildern, kein offener Wein. Christina bestellt ein Panini Vegetariano, ich Bruschetta.

Ich mag diese Panini mit gegrilltem Gemüse nicht. Die sind innen so schleimig und weich. Warum gibt es nicht überall einfach ein Panini Caprese?

Christina beißt herzhaft in das schleimige Ding rein, ihr schmeckt das ja, und fängt direkt an zu würgen. „Schafskäse, das ist Schaf drin. Oder Ziege! Warum müssen die überall Ziege rein machen? Das ist jetzt modern. Welcher Vegetarier isst den Ziegenkäse?……“ „Probier mal!“

Ich beiße am Rand ab und kann nichts herausschmecken. Alles so schleimig. Mit den Worten „ nö, das ist kein Schaf, sondern Mozzarella, wahrscheinlich geräuchert, und das Gemüse ist eben angebrannt“ , gebe ich ihr das Panini zurück.

Meine kleine Finte wirkt leider nicht. Wir tauschen. Ich esse schleimiges Panini, Christina leckere Bruschetta. Mit viel Wasser und Weißwein spüle ich die Masse hinunter.

Weiter gehts um die Insel rum. Immer Richtung Forio. Wir schlängeln uns nach Lacco Ameno den Berg hoch und entdecken rechts unter uns eine bezaubernde Bucht. Kehrwende Marsch. Am Baia di San Montano machen wir einen Zwischenstopp. Es ist brennend heiß und hier gibt es Sandstrand. Das Wasser fällt sehr flach ab, wie in einer riesigen Badewanne liegen die Menschen im Wasser.

Nach einer guten Stunde kribbelt es schon wieder in der rechten Hand. Ich will wieder Roller fahren.

Weiter geht es nach Forio, durch die kleinen Strassen am Strand entlang. Sehr schön hier. Zeit zu tanken. Wir halten an der nächsten Tankstellen an, um festzustellen, dass die Zapfsäulen nicht funktionieren. Ein italienischer Autofahrer und wir ziehen unverrichteter Dinge wieder von dannen.

Leichte Panik stellt sich bei mir ein. Der Tank ist noch 1/4 voll und wir müssen über die Berge zurück. „Wird schon reichen, wenn keine Tanke mehr kommt. Bloß nichts Christina sagen“ denke ich. Die hatte mich ja am Tag zuvor schon darauf angesprochen, einfach mal zu tanken. Da hatten wir ab noch 1/2 voll und ich habe das geflissentlich mit den Worten „das reicht noch morgen“ ignoriert.

Wir fahren weiter zum weißen Strand, zum Spiaggia di Citara. Keine Tankstelle weit und breit. Weiß ist hier auch nicht an diesem Strand, zumindest vom Roller aus. Mir gefällt es nicht, bin unentspannt und dränge auf schnelle Weiterfahrt. Christina ist genervt, hat keine Lust den ganzen Tag auf dem Roller rumzufahren und nirgends länger zu bleiben. Fatale Kombination für mich. Ich male mir aus, wie genervt sie erst ist, wenn der Sprit ausgeht.

Von hier aus sind es 16 km. 8 km den Berg hoch, bis auf knapp 500 Meter Höhe und 8 km den Berg wieder runter.

Wir starten wieder, und schnell merkt Christina, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich fahre sehr vorsichtig, spritsparend, immer mit dem Versuch kein Vollgas zu geben. Der Tanknadel ist das egal. Sie nähert sich unweigerlich der Null-Linie. Primäres Ziel – den Gipfel erreichen, dann kann man es ja rollen lassen. Aber er will und will nicht kommen, der Gipfel. Die Reserveanzeige fängt wild an zu blinken und hinter mir fängt Christina an wild zu singen „was macht der Dirki nur, wenn das Benzin ausgeht, was macht er nur?“ Mist erwischt. „Alles gut“, sage ich – „das reicht“. Inzwischen signalisiert die Reserveanzeige in Dauergelb, dass es bald vorbei mit Rollerfahren ist. Panik. Zum Glück haben wir aber den Gipfel auch erreicht. Im Leerlauf rollen wir den Berg hinunter, jede kleine Steigung wird zur innerlichen Tortur.

Dankbar und glücklich erreichen wir die Tankstelle kurz vor Ischia Ponte.

Der Tankwart füllt 5,5 Liter für 10 Euro nach. Hey, da war ja noch Luft nach oben. Da passen angeblich 6,5 Liter rein. Wissen will ich das nicht.

Puh, jetzt erst mal wieder runterkommen. In der Strandbar essen wir Pommes und trinken Wein und legen uns dann ganz entspannt noch an unseren Strand.

In Gedanken bin ich allerdings schon bei meiner heutigen Ver- und Entsorgungsaufgabe, die direkt im Anschluss auf mich wartet. Das Grauwasser ist voll, das Trinkwasser fast leer und ich will auf keinen Fall das Wohnmobil bewegen.

Ich entleere erstmal ordnungsgemäß die Chemietoilette und spüle besonders gut nach. Den leeren Container nutze ich, um darin das Grauwasser aus dem Tank abzulassen. Unfassbar wie das stinkt. Mit dem Container trotte ich zur Grauwasserentsorgung und leere das Ding. Das stinkt noch mehr. Beim zweiten Gang werde ich hektisch von einem italienischen Rentner unterbrochen. „No, no, no“ Mein Gott, er denkt ich entsorge illegal die Chemietoilette. Er kollabiert fast, ich schrei zurück „ Tutto bene, no kimik“ – er schreit weiter „no,no,no“. In der Zwischenzeit läuft das Abwasser in den Gully. Es stinkt. Seine Tochter kommt angerannt und irgendwann haben sie es kapiert. 1000 Entschuldigungen und 2 weitere Entleerungen später sind wir Freunde geworden.

Da es gerade so gut läuft mit der Entsorgung zücke ich noch die grüne Gießkanne und fülle 60 Liter Frischwasser nach. Das verschwindet wie in einem schwarzen Loch im Bauch unseres Womos. Interessant wieviel Wasser man so für alltägliche Dinge braucht.

Um den Tag vollends abzurunden vernichten wir den restlichen Gin und Grappa, trinken Wein aus Tetra Paks, kochen leckere Nudeln mit Radiccio-Tomaten-Sauce und einigen uns beim Rommee auf einen Sieg von Christina.

Tag 12 – Kindheitserinnerungen im Hotel La Gondola

Die Schnaken sind eine echte Plage hier. Und sie sind sehr schlau. Sie warten genau den Zeitpunkt ab, an dem man in der REM-Phase und völlig ausgeliefert ist und an dem das Autan aufhört zu wirken. Schlau auch, dass sich die Schnaken hier nahezu geräuschlos nähern. Sie schwirren nicht um den Kopf herum, sondern schleichen sich über die Beine zu den Armen vor. Schlau auch, dass es nur wenige, kleine Stiche sind, die man lange Zeit versucht zu ignorieren. Und dann ist es einfach zu spät.

Wir suchen schon um 9 Uhr Linderung im Meer und markieren zum ersten Mal einen Platz in der ersten Reihe. Wir quetschen uns in eine Lücke. Es ist die Letzte. Da sind uns schon viele zuvor gekommen, 50% der Handtücher sind leer. Damit ist mal wieder bewiesen, dass es ein internationales Phänomen ist. Ein italienisches Phänomen ist allerdings der gut frequentierte Strandverkauf. Wenn die Menschen nicht zum Markt kommen, dann kommt der Markt eben zu den Menschen.

Der gute Platz nützt uns nur kurz. Es fängt an zu tröpfeln und wir packen wieder zusammen. Gute Gelegenheit für einen Strandspaziergang bis zum Hotel La Gondola. Kindheitserinnerungen – Christina war hier 1976 und 1977 schon mit ihren Eltern im Sommerurlaub. Hat sich wohl nicht viel verändert.

Die Sonne kommt wieder raus, es wird unfassbar heiß. Wir marschieren zurück. Mit einem Schlag unvermittelt Harndrang bei Christina. Wir laufen schneller, überholen links und rechts, rennen fast. Geschafft. Gerade noch.

Zum Glück haben wir unsere Mitcamper als Vorbilder genommen und mit unseren Sonnenschirmen unser morgendliches Revier markiert. Damit haben wir jetzt einen Platz in der 1. Reihe und genießen es.

Zurück am Platz bekommen wir Gesellschaft. Direkt hinter uns richten sich zwei ältere italienische Ehepaare mit großen Wohnmobilen für einen längerfristigen Aufenthalt ein. Sie bauen eine Wohnmobilburg. Haben sich sogar einen sand- und schmutzfreien Verbindungsweg gebaut. Schade, dass wir bald abreisen. Das wäre sicher noch großes Kino geworden.

Wir brauchen Bargeld. Zeit für den letzten Ausflug mit dem Roller. Nach dem gestrigen Tag kann ich Christina nicht mehr zu einer Mitfahrt überreden. Komisch, Sprit haben wir ja wieder genug.

Ich schwinge mich die Serpentinen nach Barano hoch und ziehe Geld. Direkt daneben eine Böckerei. Es riecht wieder sehr lecker. Da muss ich rein. Ausverkauft. Ich kaufe trotzdem das letzte Brot und erhalte praktischerweise gleich Duschmünzen zurück. Wieder draußen entdecke ich am Gemüsestand riesige Basilikum-Pflanzen. Magisch werde ich angezogen und nehme gleich noch kiloweise Datteltomaten, Zucchini und Pfirsiche mit. Der Verkäufer schüttelt mit dem Kopf und fragt sich, wofür ich das alles brauche. Dieselbe Frage stelle ich mir in dem Moment auch.

Heute gehen wir nochmal Pizza essen. Sind gespannt, ob der einsame Hund wieder da ist. Ja, ist er. Wie auch die anderen Stammgäste vom letzten Mal. Darauf kann man sich eben verlassen. Anscheinend gehören wir auch schon dazu. Unsere Rechnung wird gekürzt und wir bekommen noch zwei Amaro aufs Haus. Danke Café ‚Libeccio.

Zurück am Wohnmobil erwartet uns ein ganz neues Bild. Alles ist hell erleuchtet. Die Wohnmobilisten der Wohnmobilburg setzen Leuchtstrahler ein, um ihr Territorium abzusichern. Wir schließen alle Luken und vergessen mal wieder das Autan.

Tag 13 – zu Fuß nach Sant‘ Angelo

8:30 Uhr. Sanft werden wir geweckt. „Tock.Tock.Tock.“ Stille. „Tock.Tock. Vaffanculo,“ Unsere italienischen Nachbarn basteln an ihrer Wohnmobilburg. Scheint nicht alles so zu funktionieren wie es soll, zu dieser frühen Uhrzeit. Hält die beiden Senioren aber nicht davon ab weiter zu hämmern und zu fluchen. Damit hat unser Tag auch begonnen. Es hat nachts ganz leicht geregnet und jetzt wird es heiss. Das Womo gleicht einer Sauna.

Nichts wie ab ins Meer, unter die kalte und kostenfreie Aussendusche und weiterchillen. Wir schauen La Cage au Folles an und sind enttäuscht. Der Film wurde mittendrin neu synchronisiert und wir hatten ihn deutlich lustiger in Erinnerung. Mag auch an der Baustelle neben uns liegen. Trotzdem ein unvergessliches Paar. Ugo Tognazzi und Michel Serrault.

Als wir uns nach draußen quälen ist es schon 12 Uhr und die Sonne ist weg. Der Fortschritt an der Burg ist enttäuschend. Viel Lärm um nichts.

Christina will aus unerfindlichen Gründen keinen Roller mehr fahren. Zu Fuß machen wir uns auf nach Sant‘ Angelo. Den Hinweg zur Eingewöhnung erstmal soweit wie möglich am Strand entlang.

In Sant‘ Angelo trotten wir den andern Touristen hinterher, immer den Berg hinauf. Alle um uns rum sind älter als wir. Wir überholen links und rechts. Fühlen uns richtig frisch und jugendlich.

Im Dolce e la Vita machen wir halt. Hier gibt es Kringel! Graffa auf italienisch. Köstliche Leckereien, kann man nie genug davon bekommen.

Gute Stimmung hier. Unser Kellner greift schnell ein, als wir mit unserem Halbitalienisch bestellen wollen. Er war in Deutschland auf der Hotelfachschule, in Niederbayern irgendwo. Für seine Prüfung hat er was schwäbisches gekocht. Spätzle. Er redet 5 Minuten weiter. Wir verstehen zwar nicht mehr den Sinn seiner Worte, nicken aber freudig mit den Köpfen. Haben wir uns bei den Italienern angeschaut, wenn wir mit ihnen auf italienisch sprechen.

Zurück geht es diesmal auf die harte Tour. Erstmal vom Hafen hoch ins Dorf, runter zum Strand, wieder hoch auf die Klippen und nochmal runter zum Strand. Bei der ersten Bergetappe will Christina unbedingt ihr grünes Trikot und ihr Bergtrikot vereidigen. Zahlreiche Damenkränzchen, die sich den Berg langsam einteilen, werden unwirsch attackiert, zersprengt und überholt. Erste am Gipfel, fühlt sich gut an. Ich hechle hinterher.

Aber die zweite Bergankunft folgt sogleich. Jetzt muss sie Tribut zollen. Hungerloch, kennen wir ja von Jan Ullrich nur zu gut. Träge schlürfen wir den Berg hoch und reißen uns die Trikots vom Leib.

Just in den 10 Minuten, wo wir Höchstleistung bringen mussten hat die Sonne ein Loch in den Wolken gefunden und es ist wieder heiß geworden.

Zurück am Camping Mirage wartet schon der neue Bärli sehnsüchtig auf uns. Er erinnert mich ein wenig an den Hund von der Wendeplatte. Nur das mit dem Schwanzwedeln muss er noch lernen.

Morgen geht es weiter, nach Capalbio. Fähre um 11:30 Uhr. Habe jetzt schon Bammel. Wir räumen auf und packen zusammen. Die Motorradbühne sichere ich nochmal zusätzlich mit Spanngurten ab. Wäre fatal, wenn die auf der Fahrt runterbricht. Als wir fertig sind fängt es leicht an zu regnen. Glück gehabt. Bei uns ist alles in trockenen Tüchern. Das Meer ist stürmisch und mit dem Nieselregen bin ich der Einzige am Strand, der die Wellen genießt. Selber schuld, die Anderen. Die müssen sich aber wahrscheinlich auch nicht die vom Spanngurte montieren komplett verdreckten Hände und Arme sauber machen. Cool – der feine Kies funktioniert wie Waschpaste.

Wir sitzen unter der Markise, es tröpfelt. Da war doch was? Richtig, Pfirsiche! Wir haben Pfirsiche und noch eine Flasche Prosecco. In Kombination mit Spielkarten eine hervorragende Art sich die Zeit bei leichtem Regen zu vertreiben.

Pfirsiche weg, Flasche leer. Es regnet stark. Keine Ahnung wer gewonnen hat. Wir verprassen unsere letzten Eurostücke im Unverstand in der Dusche, ziehen legere Campingkleidung an und sprinten die 30 Meter ins Restaurant des Campingplatz Mirage.

Kuschlig hier, alle haben es sich unter dem Vordach gemütlich gemacht. Alles Gäste des Platzes. Wir sind von Wahnsinnigen eingekreist. Uns gegenüber zwei deutsche Paare, die sich hier wohl kennengelernt haben. Es spricht nur einer an diesem Tisch. Wobei sprechen falsch ausgedrückt ist, er doziert. Erst liest er die morgigen Fährverbindungen aus seinem Smartphone vor, dann kommentiert er die Reedereien, erklärt das Essen, erklärt die Welt, das Universum.

Dabei hat er seine, an einem Band befestigte Lesebrille, auf halber Nasenlänge sitzen und nimmt sie immer wieder runter, wenn er schweigt. Das ist das klare Signal für seine Zuhörer ihm dann bewundernd zuzustimmen. Wir sitzen mit offenen Mündern da. Nicken zustimmend. Das muss ein pensionierter Lehrer sein. Berufsschule wahrscheinlich, denken wir.

In unserem Rücken Sitz ein italienisches Paar. Auch hier spricht nur eine Person. Die Frau. Könnte von der Stimmlage her durchaus auch als Mann auf die Welt gekommen sein. Sie redet nicht, sie schreit. Sie schreit sehr viel und ohne Unterbrechung.

Sie schreit mit dem Kellner, mit ihrem Partner, mit den Leuten vom Nachbartisch. Ihr Bass lässt das Geschirr auf unserem Tisch leicht beben, das ganze Lokal vibriert leise mit ihrer Stimme vor sich hin.

Toller Laden hier. Was man da alles erleben kann. Schade, dass wir erst am letzten Abend hier waren. Neben den Gästen wie aus einer Slapstick-Komödie war das Essen zudem noch grandios. Die besten Spaghetti Pomodoro die wir seit langem gegessen haben.

Mit zwei Café und zwei Rucolino, dem Ischia-Amaro, den wir zuhause unbedingt selbermachen wollen, beschließen wir den Abend.

Waren ja auch immerhin 35 Stockwerke heute.

Tag 14 – Arrivederci Ischia

Plitsch platsch, plitsch platsch. Es hat die ganze Nacht geregnet. Wir sind früh wach. Aufgeregt. Abreisetag. Fähre geht ja schon um 11:30 Uhr.

Aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Nur mit Badehose bekleidet räume ich die letzten Utensilien nach innen und kurble die Markise ein.

Ein Sprung ins Meer, Aussendusche, trockene Klamotten anziehen. Wir sind fertig. Es ist 8:45 Uhr. Die Rezeption öffnet allerdings erst um 9 Uhr. Tolle Gelegenheit meinen Wohnmobil-Regenschirm einzuweihen. Ich stolziere über den Platz, nur um festzustellen, dass meiner der kleinste und langweiligste ist. Es ist Dynamik eingekehrt auf unserem Platz. Überall wuselt es von Menschen mit Schirmen, die hektisch ihre Vorzelte kontrollieren und prüfen ob die schön säuberlich zusammengefalteten Tische und Stühle auch trocken geblieben sind.

Punkt 9 Uhr stehe ich vor der Rezeption und begleiche meinen Obulus. 36 Euro / Nacht plus italienische Phantasie-Tourismusabgabe. „Ganz schön viel für Nachsaison“ denke ich, zumal die Duschen ja extra bezahlt werden müssen.

Irgendwie schaffen wir es den Stellplatz ohne Blessuren und Schrammen an Fahrzeug und Menschen zu verlassen und starten nach Ischia Porto.

Auf einmal, während wir die Serpentinen nach Barano hochfahren, ertönt ein riesiger Aufschrei neben mir. „Riechst Du das auch, da gibts doch nicht, hier riechst nach Gülle!“ Ich öffne das Fenster, „könnte von draußen kommen.“ sage ich. „Nein, das ist hier drin, das Wohnmobil stinkt!“ Wir halten an. Wie ein Spürhund untersucht Christina den Innenraum. Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Wir fahren weiter Richtung Hafen und halten an der ersten Stelle, wo wir das Grauwasser halblegal ablassen können. Und siehe da, Problem gelöst. Es riecht wieder nach Veilchen und wir fahren vergnügt weiter.

Um 9:45 Uhr stehen wir pünktlich am Hafen, so wie wir es auf der Herfahrt gelernt haben. Der Einweiser lacht und winkt uns an den wartenden Autos vorbei. Wir sollen um 11 Uhr wieder kommen. Der kennt uns nicht. 10:45 Uhr sind wir wieder da und reihen uns pflichtbewusst ein. Allerdings ist die Fähre, die da steht von der falschen Reederei. Wo ist den unsere? Wir stehen natürlich in der falschen Schlange. Der Einweiser wird so langsam sauer auf uns. Gebieterisch weißt er uns an, sofort die Schlange zu verlassen und weiter zu fahren. Jetzt wird auch klar warum, unsere Fähre hat sich nämlich hinter der anderen versteckt.

Leider sind es andere Matrosen als das letzte mal, so dass wir erstmal erklären müssen, dass wir nicht rückwärts sondern schräg vorwärts auffahren müssen. Das gelingt mit einem gemeinsamen Blick auf die Motorradbühne. Er hat sofort verstanden. Wahrscheinlich tragen wir seit 11 Tagen zum Vergnügen der Vereinigung der Matrosen bei, die sich jeden Abend treffen und über die dümmsten Autofahrer und Passagiere lustige Geschichten und Anekdoten erzählen. Wir stehen momentan sicher auf Platz 1. Der Rekord könnte für die Ewigkeit sein.

Alles geht gut und wir genießen die Überfahrt. Möwen begleiten uns. Interessant, die gleiten tatsächlich nur. Müssen keinen Flügelschlag machen, werden vom Schiff mitgezogen.

Mit unserer neuen Technik kommen wir auch prima wieder von der Fähre runter. Ganz schräg und rückwärts. Wobei wir drei Matrosen für uns beanspruchen. Einer vorne und zwei hinten. Es muss sich rumgesprochen haben, sonst würden die uns hier nie soviel Aufmerksamkeit gönnen.

Nach 300 Metern direkt der erste Halt. Wir brauchen unbedingt die leckeren Kringel und die leckere Pizza von der Hinfahrt wieder. Die Bäckerei am Hafen von Pozzuoli ist eine Sensation. Immer voll, immer frisch.

Wir machen uns auf in die Toskana ans Meer, nach Capalbio. Immer schön die A1 Richtung Norden entlang und dann bei Rom am Meer weiter. 360 km, 4 Stunden. Und der Plan geht auf. Trotz Stau in Rom und einem kleinen Missgeschick mit der Motorradbühne geht es immer der Sonne entgegen.

Als ich zum tanken angehalten habe, habe ich nochmal die Spanngurte kontrolliert. War sehr zufrieden, alles war fest. Nur am hinteren Teil ist mir aufgefallen, dass ich den Gurt über die Verkabelung angebracht hatte und diese jetzt gequetscht wird. Kein großes Ding für Findikus Dirk. „Der hintere Gurt ist ja nur zur Absicherung da“, bin ich mir sicher. „Habe ich ja auch ganz am Schluss erst hingemacht.“ Fluchs unter das Wohnmobil gekrochen und den Gurt gelöst. Das ganze Womo wackelt, ein riesiger Schlag, die Bühne mitsamt Roller hängt wieder unten und schwebt in der Luft. „Ups, hätte Physik mal nicht in der 12.Klasse abwählen sollen“. Ich schreie wild um Hilfe. Der Tankwart eilt herbei und ich bitte ihn die Bühne anzuheben, während ich drunter liege und versuche den Spanngurt wieder einzufädeln. Nach 5 Minuten geht ihm die Kraft aus, meine Nerven liegen blank. Sein Kollege lamentiert oder kommentiert lautstark aus sicherer Entfernung. Kriege den Gurt nicht eingefädelt, meine Hände zittern wie Espenlaub. Christina schläft im Womo und bekommt von alledem zum Glück nichts mit. In der Sekunde habe ich einen Geistesblitz! Ich hole einen Stützbock, gebe ihn dem Tankwart, hebe die Bühne hoch und er schiebt den Bock unter das Gestänge der Bühne. Juhu das klappt. Ich fädle in Ruhe ein, ziehe fest, Christina schläft, die Fahrt geht weiter.

Später fragt sie mich, was da so gerumpelt hätte auf der Fahrt. Ob sie sich das nur eingebildet hätte. „Kleines Problem mit der Motorradbühne, alles wieder gut“, antworte ich.

Kurz vor 6 sind wir angekommen am Campeggio Di Capalbio, haben uns eingerichtet und springen nochmal ins Meer.

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Wohnmobil – Wochenende im Allgäu – Lechbruck am See

Freitag – willkommen im schönen Allgäu

Nach unserem letzten Erlebnis haben wir die Campingplatz-Auswahl komplett umgestellt. Wir suchen nicht mehr nach schönen Plätzen, sondern gehen strikt nach Bewertungen und Sternen vor. Gesagt getan, wir landen auf dem Camping Via Claudia. Selbstverständlich haben wir einen Komfortplatz reserviert. Es soll ja nichts schief gehen.

Hier ist der Kunde König. Wir checken bei wohlorganisierten und freundlichen Menschen ein und erhalten umfangreiches Dokumentationsmaterial über den Campingplatz, das Allgäu, Vouchers, alles was das Herz begehrt.

Ruck Zuck haben wir unser Mobil geparkt und aufgebaut, auf unserem riesigen Komfortplatz.

Und da dies ein Komfortplatz ist, mussten wir zu Hause auch gar kein Wasser tanken. Bestimmt haben wir deutlich weniger Spritverbrauch gehabt. Das mit dem Wasser können wir hier erledigen. Eine perfekte Gelegenheit, um den neu angeschafften Zauberschlauch, den ich schon so lange haben wollte, auszuprobieren. Das Fernsehen verspricht nicht zu viel. Er ist großartig.

Schade nur, dass die Komfortplätze so weit vom See entfernt sind. Wir müssen bestimmt 500 m laufen.

Belohnt werden wir allerdings durch einen wirklich schönen Stausee, der zum Baden einlädt.

Zum Glück stehen wir nicht am See, flüstern wir uns leise zu. Hier wimmelt es ja von Kindern. Wir erinnern uns an alte Zeiten und empfinden tiefstes Mitleid mit den überforderten Eltern.

Überfordert sind wir heute auch mit kochen. Aber nicht so wichtig, denn auf einem so tollen Platz gibt es bestimmt auch ein tolles Restaurant. Wir ignorieren die negativen Bewertungen bei Google und sind auf das Schlimmste vorbereitet. Wir werden nicht enttäuscht. Google hat Recht. Hier müssen wir nicht mehr her. So nett die Leute auch sind, so schlecht ist das Essen und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Samstag ist Badetag

Es ist bestes Wetter im Allgäu. Und wir sind zum entspannen hier. Wir verbringen den gesamten Tag am See, der vormittags lecker klar und nachmittags eklig aufgewühlt und trübe ist.

Als wir es nicht mehr aushalten in der Hitze, schwingen wir uns auf den Roller und erkunden die nähere Umgebung. Weit kommen wir nicht. Wir bleiben hängen, na wo wohl? Na klar im Eiscafé Venezia!

Das ist ganz nett und lecker hier. Uns geht es gut. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich ein Handelsvertreter mit seinen zwei Kindern zu uns an den Tisch setzt und anfängt uns zu beeindrucken. Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Job.

Fluchtartig verlassen wir das Lokal und landen am Bootsverleih am See. Hier ist es schön. Und ein bisschen wie in der Pfalz. Die Weißweinschorle wird in großen Gläsern serviert.

Uns gefällt es an diesem Ort. Eine Mischung aus Einheimischen und Touristen hat sich hier gefunden um den Abend zu genießen.

Sonntag ist schon wieder Badetag

Jahrhundert-Sommer. Wir sind so dankbar. Versteh einer die Leute die über die Hitze klagen. Wir genießen es.

Was wir nicht genossen haben sind unsere Nachbarn auf den Komfort-Stellplätzen. Anscheinend haben sich mehrere Familien hier verabredet um mit ihrer Horde von Kindern Kanu zu fahren. Die stehen natürlich direkt um uns rum. Wir sind eingekreist. Helikoptereltern. Aber ganz coole.

Aber was soll es, es ist Sommer. Wir legen uns an den See und chillen bis 15:00 Uhr.

Oops, da war doch was. Wir hätten eigentlich bis 12:00 Uhr Check out gehabt und sind einfach stehen geblieben. Irgendwie hatten wir das den ganzen Tag im Hinterkopf aber wohl wissend verdrängt. Da haben wir aber die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht.

An unserem Wohnmobil prangert ein riesiges Schild auf dem steht das wir uns unverzüglich mit der Rezeption in Verbindung setzen sollen. Ein Blick auf mein Handy verrät, dass ich unzählige verpasste Anrufe und E-Mails hatte. Alle vom Campingplatz.

Der aufgebaute Druck ist enorm. Panisch packen wir alles zusammen. In Windeseile, so schnell wie noch nie. Vollkommen verschwitzt rollen wir zur Rezeption um Abbitte zu leisten.

Aber dort ist das gar kein Thema. Eine kurze Entschuldigung genügt, und wir sind ausgecheckt auf diesem Luxus – Campingplatz. Schön war’s. Gefällt uns.

Fast ein Wohnmobil – Wochenende am Illmensee bei Pfullendorf

Freitag – das Grauen hat einen Namen

Hoffnungsfroh starten wir am frühen Nachmittag nach Pfullendorf. Diesmal ist alles geplant und sogar reserviert. Es geht zum Illmensee. Dort soll es schön sein.

Angekommen am Camping Seewiese ist davon aber nicht zu sehen. Irgendwie ist das alles sehr improvisiert und in die Jahre gekommen hier.

Wir stellen unser Womo ab und erkunden See und Campingplatz. Don’t like. Der See ist ein Tümpel und der Platz viel zu voll. Die sanitären Einrichtungen sind die schlimmsten, die wir je erlebt haben.

Unsere Stimmung ist am Tiefpunkt. Wir holen Pizza und Pommes beim örtlichen Pizzaservice, der fest in indischer Hand ist, und spülen alles mit Prosecco herunter. Deprimiert gehen wir früh ins Bett.

Samstag – nichts wie weg hier

Wir sind früh wach und packen schnell zusammen – nichts wie weg hier. Das war ein kurzes Vergnügen. Wir schwören uns zukünftig besser zu planen und die Plätze sorgfältiger raus zu suchen.

Auf der Rückfahrt kommen wir in Trochtelfingen bei Alb Gold Nudeln vorbei und halten spontan an.

Das ist überraschend nett hier. Restaurant, Kräutergarten, Verkauf.

Wir essen erst mal zu Mittag. Extrem leckere Kässpätzle mit Salat bei bestem Wetter.

Im Anschluss dann ein Spaziergang durch den Kräutergarten. Coole Sache. Im Kopf gestalten wir unseren Garten um.

Zum Glück haben wir hier noch angehalten. Depressionen vertrieben.

Wohnmobil – Wochenende in Rülzheim (Pfalz)

Freitag – eigentlich wollten wir ja nach Philippsburg

Von langer Hand haben wir uns Campingplätze an Baggerseen in der Pfalz raus gesucht. Nachdem wir uns im Vorfeld nicht entscheiden konnten sind wir dann spontan nach Philippsburg gefahren, da steht ja auch das Kernkraftwerk.

Was eine grandiose Kombination. Anscheinend denken dass auch viele andere, denn der Platz war komplett belegt. Hilft ja nichts, wir sind mobil und fahren weiter nach Rülzheim. Dort soll es das Mobydick Bad geben, direkt an einem Baggersee gelegen.

Auf dem Camping am Moby Dick tauchen wir in die sagenhafte Welt des Dauercampings ein. Schon an der Rezeption mit angeschlossenem Miniverkauf wird das klar. Hier gibt es nur das Notwendigste. Alkohol in jeder Konstellation. Perfekt. Kaufe direkt Bier und Jägermeister.

Samstag – Sonne tanken am Baggersee

Den Samstag genießen wir am Badesee Rülzheim, der ist direkt ums Eck und eine kleine Sensation mit Sandstrand.

Sensationell sind auch die Maßeinheiten in der Pfalz. Die Weissherbstschorle wird in 0,5 Liter Plastikbechern ausgeschenkt. Dazu gibt es Pommes satt. Der Badesee-Kiosk besticht durch seine reichhaltiges Angebot. Es gibt alles was das Herz begehrt, hauptsache es ist frittiert.

Später düsen wir mit dem Roller zum Eiscafé Venezia. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Wir entscheiden uns gegen den politisch unkorrekt Eisbecher und genießen den späten Nachmittag bei Eis Kaffee und Prosecco.

Sonntag – wir sind illegal auf dem Platz

Es ist heiß am Sonntag. Wir genießen den Tag wieder Badesee und bleiben illegal auf dem Campingplatz stehen. Gezahlt haben wir ja schon.

Am Baggersee kommen wir uns vor wie in einer Russendisko. Irgendwo muss hier in der Nähe ein Nest sein.

Mai 2018 – mit dem alten Wohnmobil über den Autoput nach Griechenland und über Albanien an der Küste zurück

Tag 1 – Ab in den Süden – wir kommen gerade mal bis Bad Reichenhall

Es ist Mittwoch, und dank akribischer Vorbereitung und einem perfekten Plan verlassen wir kurz vor 16 Uhr Göppingen. Unbegreiflich wie wir das geschafft haben. Glücklich düsen wir los.

Aber Geschichte wiederholt sich, müssen wir schmerzlich erfahren, im Kleinen genauso wie im Großen.

Wir vertrauen dem Navi und stehen von Göppingen bis Kuchen im Stau. Ich werfe alle guten Vorsätze über Bord und versuche über Schleichwege den Stau zu umfahren. Ergebnis – wir schaffen die ersten 50 km in 90 Minuten. Prost Mahlzeit. Geläutert folge ich ab sofort den Anweisungen meines Garmin-Camper-Navi und finde mich auf dem mittleren Ring in München wieder. Stadtdurchquerung im Schneckentempo. Love it.

Kaum aus der Stadt raus läuft es wie am Schnürchen. Aber wir haben schon zu viel Zeit verloren und erreichen nach 5 Stunden und 340 km Bad Reichenhall. Auch geschichtsträchtig die Region hier. Unheimlich irgendwie.

Auf dem Campingplatz Staufeneck begrüßen uns 2 riesige Hunde und nette Menschen, auch noch um kurz vor 22 Uhr. Und hier gibts auch noch Bier und Jägermeister. Der Urlaub kann beginnen.

Tag 2 – Langeweile auf dem Autoput – von Bad Reichenhall bis nach Serbien

Vatertag! Vor 30 Jahren sind wir mit dem Leiterwagen aufs Esslinger Jägerhaus gelaufen. Heute sitze ich nach 720 km und 10 Stunden auf dem Autoput auf dem Camping Zasavica kurz vor den Toren Belgrads und trinke ein Bier mit meiner Frau.

Den Tag haben wir klassisch gestartet. Einstimmung auf Griechenland mit My Big Fat Greek Wedding.

Wir stehen schön – zwischen zwei Flüssen:

Kurz nach 9 Uhr geht es los. Und wir fahren und fahren und fahren. Monotonie pur. Die einzige Abwechslung sind Tankstops und kurze Pausen. American Diner auf der Autobahn in Österreich. Grotesk.

Der Autoput zieht sich, wir durchqueren Österreich, Slowenien, Kroatien. Überall sieht es gleich aus. Wir fahren konstant mit 100 km/h die Autobahn entlang:

Topfeben und schnurgerade. Wie mit dem Lineal gezogen. Sozialismus funktioniert doch, denke ich heimlich;

Mal im Regen:

Mal mit einer Kurve:

Es ist das langweiligste was man sich vorstellen kann. Zudem ist das Auto so laut, dass keine Unterhaltung oder gar Musik hören möglich ist. Stumpf beobachte ich den Kilometerzähler und schalte am Navi immer zwischen Reisedaten und POI hin und her. Ich ermittle im Kopf den Durchschnittsverbrauch. 12,7 Liter bis Grenze Österreich, danach dann 14,6 Liter. Woran das wohl liegen mag? Christina wandert durch das Womo, legt sich hin, steht wieder auf, geht zum Kühlschrank, setzt sich wieder. Ich beobachte sie wie einen Tiger im Zoogehege. Wahrscheinlich kann ich morgen ihre Spuren auf dem Teppich verfolgen.

Endlich wieder eine Grenze! Aktion. Pässe zeigen, runterschalten, andere Autos und den Motorradfahrer beobachten. Der Motorradfahrer schiebt seine BMW. Stück für Stück, Auto für Auto arbeiten wir uns parallel vorwärts. Stop and Go. Mal schiebt er auf der rechten Seite, mal auf der linken. Rechts geht es besser. Keine Ahnung warum. Vielleicht passiert ja was, das Motorrad ist ja so groß für diesen schmächtigen Franzosen. Aber sie will nicht umfallen. Alles so langweilig. Ich fühle mich erbärmlich.

Irgendwann ist gut und wir landen auf dem Camping Zasavica. Wir ärgern uns noch, weil es über 10 km von der Autobahn ist. Aber wir werden entschädigt.

Toller Platz. Alles neu. Freundliche Menschen. Sanitäranlagen in typischem serbischen pseudochic.

Wir packen Tisch und Stühle aus und kochen, zum ersten Mal in diesem Jahr. Perfekt.

Tag 3 – von Zasavica über Kragujevac bis vor die Tore von Skopje

Das war mal eine ruhige Nacht. Absolute Stille um uns rum. Wir frühstücken, duschen und packen zusammen und bezahlen. 22 Euro überraschen mich dann doch für das serbische Hinterland. Es geht durch Belgrad über die Stadtautobahn Richtung Kragujevac, wo ich vor 8 Jahren zum ersten Mal ein Projekt für Fiat hatte: Umbau der alten Zastava – Fabrik zur Fabrik für den Fiat 500 XL. Wir vermissen die EU, absolute Hilflosigkeit schleicht sich ein. Wir sind offline. Datenroaming außerhalb der EU: 10 MB für 1 Euro sind uns dann doch zu viel.
Außer den hohen Mobilgebühren hat sich in knapp 6 Jahren, seit ich nicht mehr hier war, viel verändert. Es gibt keine alten Zastavas mehr auf der Straße, das Land hat Wohlstand entwickelt. Kragujevac ist über eine 4 spurige Schnellstraße an die Autobahn angebunden. Aber in Kragujevac ist alles beim Alten.

Das Kreuz mit dem Jesus gibt es noch:

FAS – Fiat Serbia gibt es noch:

Das Hotel Andjelika gibt es noch:

Den Pink Panther und Sopska Salad und Pommes gibt es noch:

Damit hätten wir das dann auch erledigt. Schnell noch Medikamente kaufen. Meine Augen spielen verrückt. Pollenallergie, zum ersten Mal im Leben. Das Zeugs kostet hier maximal 1/3 wie bei uns. Und Diclo gibt es in 100er Einheit. Paradiesische Zustände. Könnte den ganzen Laden kaufen.

Wir fahren weiter Richtung Süden.
Die Ebene wir enger und es wird wieder hügelig und saftig grün. Richtig schön hier. Es erinnert an Südtirol. Tolle Landschaft. Aber wir wollen ja nach Griechenland, wir wollen ans Meer!

An der Grenze von Serbien nach Mazedonien haben wir Glück. Nur 2 Autos vor uns. Das geht ruckzuck. Leider haben wir vergessen, dass es ja auch noch eine Einreise nach Mazedonien gibt. Wir fahren durch die Schranke und vor uns 2 Spuren, in jeder bestimmt 50 Autos.

Rechts neben uns liegen die Nerven blank. Der 50jährige Exsoldat in seinem roten Sharan neben uns flucht und hupt. Dem Wahnsinn nahe. Wir schließen erst mal die Türen ab. Er schlägt die Räder ein und beobachtet die Grenzkabinen. Auf einmal schießt er mit quietschenden Reifen los. Eine neue Kabine wurde eröffnet! Darauf hat er nur gewartet. Er rast drauf zu. Aber ist nicht schnell genug. Auch andere, stärker motorisierte oder besser positionierte Autos haben die Situation, im Gegensatz zu uns, verstanden und schießen wie eine Schar Piranhas auf ihr Opfer zu. Sie zerren daran, bis eine Ordnung hergestellt ist. Das geht bemerkenswert schnell. Der rote Sharan steht verzweifelt daneben. Alleine zwischen zwei Reihen. Mit Aggression gefüllt bis unter die wenigen, zu einem paramilitärischem Kurzhaarschnitt geformten Haarspitzen. Irgendjemand erkennt die Gefahr für uns alle und lässt ihn sich in die Schlange einreihen. Danke. Wir schließen die Türen wieder auf. Wahre Helden sind stille Helden. Ein silberner Audi A6 versucht es anders. Er schleicht sich von hinten an und will sich in die Reihe drängen. Am Steuer eine junge Frau, auf dem Beifahrersitz ein älterer Mann der wohl Anweisungen gibt. Der Skoda Yeti – Fahrer findet das mal garnicht lustig und bremst den Audi aus. Er steigt aus, der Beifahrer des Audi steigt aus. Eskalation. Endlich! Schlägerei an der Grenze nach Mazedonien! Ich setze auf den Yeti – Fahrer. Leider steigt auch die junge Frau aus, entschuldigt sich. Schlichtet. Schade für uns, wieder nix los und Pech für die Beiden. Inzwischen wurden sie von 2 Autos überholt. Survival of the fittest!

An ersten Rastplatz halten wir an und suchen ein freies WLAN. Das ist praktisch hier. Wir loggen uns ein und suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Auswahl gibt es nicht. Genau ein Platz auf unserer Route. Wir fahren nach Skopje – Campingplatz Bellevue. Unterwegs zahlen wir Maut. Bar und in Euro. Einmal 2 Euro und dann noch 1 Euro. Jeder Abschnitt wird separat bezahlt. Komisches System, aber sinnvoll in einem Land wo die Autobahnen auch von Fahrradfahrern und Fußgängern benutz werden und man auch gerne mal rückwärts fährt.

Der Campingplatz Bellevue ist an ein Hotel angeschlossen. Ich watschele zur Rezeption. Der Mann will Euro. 25,50 um genau zu sein. Ich zücke meine Kreditkarte. Er schaut mich fragend an und wir einigen uns auf 20 Euro in bar. Ich zahle mit einem 50 Euro – Schein und bekomme eine Rolle 2 Euro – Stücke zurück. Praktisch, denke ich, in einem Land wo die Autobahn in 2 Euro – Abschnitte unterteilt ist.

Wir kreisen über den Platz. Eigentlich ganz praktisch. Immer sternförmig sind 4 Plätze angeordnet. Leider passen da nur sehr kurze Camper drauf. Heute sind hier nur große neue Womos. Wir sind das bei weitem älteste Womo am Platz und ergattern den letzten freien Stern. Auch ganz für uns alleine.

Tag 4 – von Skopje bis an das ägäische Meer

Ups – schon ist es 9 Uhr am Samstag dem 12.Mai 2018. Wir haben lange geschlafen. Verwunderlich, denn uns trennen nur 20 Meter Rasen und eine Mauer von der Autobahn nach Skopje. Und morgens müssen da anscheinend ganz schön viele Menschen hin. Ein Summen und Rauschen wie im Bienenschwarm. Ein Blick nach draußen – der Platz ist leergefegt.

Wir scheinen einen anderen Reiserhythmus zu haben. Kommen als letzte, gehen als letzte. Griechenland ist heute unser Ziel. Chalkidiki – der mittlere Finger. Keine 400 km mehr.

Zurück auf der mazedonischen Autobahn tuckern wir in 2 Euro und 2,50 Euro !!! -Abschnitten Richtung Griechenland. Zum Glück habe ich meine Geldrolle. Es geht durch sehr schöne Landschaften und vorbei an Ikonen-Händlern. Uns ist langweilig. Zum ersten Mal machen wir das Radio an. Wenn ich mal wüsste wie der Sendersuchlauf an dem Ding funktioniert. Die Taste um das Kontroll-Panel abzumachen habe ich jedenfalls schnell gefunden. Nach unzähligem manuellem weitertippen fahren wir beschwingt von mazedonischen? oder griechischen? Klängen weiter. Vor der Grenze verpassen wir die letzte Ausfahrt zum tanken. Macht nix. Full stop, Rückwärtsgang und 300 Meter zurückstoßen. Haben wir hier so gelernt.

An der Tankstelle wieder nur lauter nette Menschen. Ich habe Kontrollverlust. Kaufe Zigaretten, Cola, Wasser, alles was der Laden hergibt. Im Schnäppchenrausch. Keine Ahnung wie der Wechselkurs ist. Wird schon günstig sein. Wir hätten uns auch besser vorbereiten können.

Die Grenze ist unspektakulär.

Ausfahrt, Einfahrt und schon sind wir in Griechenland und schnell auch im Moloch der Stadtumfahrung von Thessaloniki. Schön ist anders. Gutes Wetter ist auch anders. Konsequent halten wir auf die dunklen Wolken zu. Kurzer Check bei Wetter.de. Alles wird gut.

Wir fahren die Ostseite des Fingers entlang, Berg- und Talfahrt, immer wieder Stichstrassen zu den Stränden, wo das Meer aus der Ferne türkis schimmert. Unser Ziel ist Kalamitsi.

Am Camping Thalatta buchen wir uns ein. Vorderste Reihe, direkt am Strand. Juhu – wir freuen uns und fahren auf den Platz ein. Verzweifelt suche ich den Stellplatz 61. Finde ihn nicht. Erste Reihe komplett belegt!? Dann wird klar, es ist die 1.Reihe nach den 2 Reihen mit festen Zelten und Wohnwagen die frei für Camper ist. Selten zuvor so etwas hässliches wie dieses Ensemble gesehen.

Wir fahren wieder zurück zur Rezeption, holen unsere Ausweise ab und landen nach 5 km kurz vor 19 Uhr auf dem Camping Katerina. Einfacher Platz, vom Meer durch eine schmale Promenade getrennt. Wir stehen am Meer und sind erstmal angekommen in Griechenland.

War ja ein Katzensprung – 2.030 km bei einem Schnitt von 78 km/h.

Tag 5 – Muttertag in der Nähe von Kalamitsi

Sonntag – Muttertag. Um es vorwegzunehmen, genauso wie den Vatertag interessiert das keines unserer 3 Kinder.

Wir sind sehr früh wach. Ab 7 Uhr turnt Christina durch das Wohnmobil und ist in Aktion. Sie kocht sich sogar ein Ei. Eigentlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich mich auch zu beeilen habe. Ich deute die Zeichen aber falsch und schaue Guardians of the galaxy an. Kurz vor Ende des Films mache ich aus. Der soziale Druck wird zu groß als auch noch das Wasser ausgeht.

Habe ich gestern Abend bei der Anreise tatsächlich vergessen den Tank zu füllen. Zum Glück habe ich eine 10 Liter – Giesskanne dabei. Ich laufe 12 mal die 80 Meter stoisch hin in her und schon ist der Tank wieder halb voll.

Um 10 Uhr liegen wir am Strand. Blöderweise liegt mein Kindle zuhause im Schrank. Wo ist wohl der nächste Elektrofachmarkt? Oder soll ich das spiegelnde IPad benutzen? Existentielle Fragen ohne Antworten. Es ist frisch im Wind, das Meer aber verhältnismäßig warm.

Einmal springen wir rein. Das reicht dann aber auch.

Zurück am Womo kochen wir. Es ist kalt – wir stehen den ganzen Tag im Schatten und im Wind. Verstehe immer noch nicht, weshalb ich nicht in die Sonne stehen durfte. Hatte der Campingplatz-Wächter gestern aber ausdrücklich verboten. Die Plätze dort sind leer, es sind außer uns ja auch nur 4 Camper hier. 3 davon stehen im Schatten. Ich verstehe die Griechen nicht.

Nach einem schnellen Mittagessen – inzwischen und dank unserer Plastikboxen verwerten wir sogar die Reste vom Vorabend – packen wir uns dick ein und schwingen uns auf den Roller.

Endlich wieder fahren! Easy Rider mit 50ccm. Wir fahren kleine Küstenstraßen entlang, über Stock und Stein, vorbei an Ziegen und Kühen und entdecken total schöne Buchten und stille Orte.

Im Sommer ist sicher die Hölle los, heute sind wir alleine. Jetzt erschließt sich uns auch, weshalb die Leute so von dieser Region schwärmen.

In der Taverna Zorbas sitzen wir direkt auf dem Strand und genießen die warmen Sonnenstrahlen bei unserem ersten griechischen Bier. Spätestens seit König Otto gibt es ja eine Bierbrautradition in Griechenland. Gefährliches Halbwissen.

Nach 40 km Motocross mit der guten alten Piaggio Sfera sind wir wieder zurück im Wind- und Schattenloch. Haben uns erkältet.

Unser Entschluss steht fest. Wir suchen uns morgen ein netteres Plätzchen.

Abends dann wieder kochen und eine Runde Rumikub bis die Sonne untergeht. Dazu die Standardflasche Jelen, dem besten Bier Serbiens.

Nach einem Becher Wick MediNait, was für ein großartigeres Teufelszeug, und 10 Minuten Ein Goldfisch an der Leine fallen wir in den Schlaf der Gerechten.

Tag 6 – von Kalamitsi nach Toroni ins Paradies

Irgendwie sind wir noch nicht im Urlaubsmodus. Schlag 7 Uhr sind wir wach. Draußen ist es windstill. Hoffnung keimt auf – vielleicht können wir ja doch noch hier bleiben. Im Womo neben uns ist der Papagei auch schon wach und trällert seine Weisen. Ein älteres Paar, das schon über 32 mal in Griechenland war, steht schon länger mit dem großen 3 achsigen Frankia hier – das Grass unter deren Womo ist deutlich höher als drumrum. Hinten auf dem Heck klebt ein riesiges Foto von den Zweien mit dem Papagei in der Mitte. Ob der wohl weiß wo er ist? Und dass er in einer Dreierbeziehung steckt?

Der Wind kommt auf und wir entscheiden uns zu fahren. Irgendwohin wo es schön ist, einfach in eine Bucht stellen und baden.

Wir verlassen den Campingplatz und fahren Richtung Toroni. Gute Entscheidung. Kaum erklimmen wir die Hügel hinter Kalamitsi wird es richtig schön.

Wir schlängeln uns durch die Berge und das Örtchen Toroni. Hier laufen die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren, aber alles ist noch geschlossen.

Als wir aus dem Ort rausfahren entdecken wir das Paradies und stellen uns zu den 5 anderen Womos dazu und packen den Sonnenschirm aus. Wie alle anderen auch ignorieren wir die Höhenbeschrönkung auf 2 Meter und fahren neben dem Tor auf den Strand ein. So haben wir uns das eigentlich von Anfang an vorgestellt.

Die tschechische Großfamilie neben uns ist mit 2 Womos und Anhönger unterwegs. Sehr süß – ganz junge Familie mit ca. 1 jährigem Sohn und vermutlich die Eltern mit 2 weiteren Töchtern. Die haben alles dabei was das Männerherz begehrt – 2 riesige Strandbuggys auf den Höngern und ein motorbetriebenes Surfbrett. Die sind permanent in Aktion, fahren mit den Buggy’s zum Wasser holen und beschäftigen den jüngsten Spross der Familie, der permanent ins Wasser krabbelt. Als der junge Familienvater mit dem Board ins Wasser geht erbebt der Strand vom Klang des offenen 2 Takters. Großartig, bin neidisch.

Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns von der romantischen Vorstellung frei zu stehen, wir brauchen Infrastruktur und wollen auch mal mehrere Tage an einem Ort bleiben.

Weiter geht es an der Küste entlang und nach einer Stichstrasse ans Meer hinunter schauen wir zwei Plätze an. Camping Areti und Camping Stavros. Beide toll, und bei beiden sind Plätze am Meer frei.

Panik macht sich breit – wir haben keine Lebensmittel mehr und wer weiß schon, ob wir auf den Plätzen alles bekommen. Wir fahren die Stichstrasse zurück auf den Berg und in die nächste Ortschaft zum Supermarkt. Der Spirituosenschrank wird für uns aufgeschlossen und wir sind die Sensation des Tages, als wir 6 Flaschen Prosecco entnehmen. 145 Euro ärmer und voll gepackt mit Essen und Getränken fahren wir zurück und entscheiden uns für den Camping Stavros.

Wir packen unser komplettes Equipment aus und gehen kurz ins Meer und dann griechisch Essen. Lecker hier. Nur 40km vom vorherigen Platz.

Verstehe einer das Trio mit dem Frankia – Wohnmobil!?

Tag 7 – Strandtag und erfolglose Detektei

Es ist Dienstag und wieder sind wir sehr früh wach. Dösen aber bis nach 9 Uhr weiter und frühstücken trotz bestem Wetter drinnen.

Strandtag. Das Glück ist ja so nahe, wir stehen 15 Meter vom Meer entfernt.

Getrübt wird unser Glück durch ein wassertropfendes Wohnmobil. Das begleitet uns seit Tagen und heute gehe ich auf Ursachenforschung. Freundliche Menschen aus meiner Fiat Ducato 280/290 Wohnmobil Gruppe versuchen mir aus der Ferne zu helfen. Auf deren Anraten habe ich das Ablassventil der Therme und das Rückkopplungsventil geprüft. Fehlanzeige. Dafür habe ich das halbe Womo demontiert und fühle mich jetzt wie Dr. House. Erstmal alles denkbare ausschließen, den Fehler einkreisen. Es gibt 3 Löcher mit Schläuchen hinter der rechten Hinterachse und aus dem dritten Loch, am nächsten dem Innenraum tritt Wasser auf.

Wir detektieren, dass es erst nach einiger Zeit auftritt, nachdem wir den Wasserhahn der Spüle oder des Bads betätigt haben. Umgerichteter Dinge montiere ich die ganzen Holzeinbauten wieder zusammen. Habe alles außer dem Bad und dem Unterboden demontiert was Kreuzschlitzschrauben hatte.

Egal. Uns hält nix auf. Gehen wir eben wieder an den Strand. Ich trinke Rotwein, den wir versehentlich mitgenommen haben (dachten es sei Prosecco) und lese „Einführung in die (System-) Theorie der Beratung“. Schwerer Soff. Schwerer Kopf. Wo ist mein Kindl? Jack Reacher?

Griechenland ist Hundeland. Das war uns garnicht so offensichtlich bewusst, wobei man ja immer wieder von Menschen hört die einen griechischen Hund gerettet haben. Überall streunen Hunde durch die Straßen. Die sehen aber alle erschöpft und nicht sehr glücklich aus. Auch auf dem Platz hier gibt es einen alten Hund mit der Größe eines Kalbs, der sich von Parzelle zu Parzelle schleppt.

Gestern wurde uns vom Koch eine vegetarische Hauptspeise, grüne Bohnen, versprochen. Wann immer ich den Kellner heute sehe sind „grüne Bohnen“ das zentrale Thema. Zwangsläufig, dem geschickt aufgebauten sozialen Druck folgend, gegen wir abends wieder in die Camping-Platz Taverne. Wie sich herausstellt heißt sie Afros, bedeutet wohl Gischt. Seltsam – das Meer ist richtig ruhig hier. Kaum sitzen wir, kommt, wie schon gestern, eine bestimmt 75 jährige sehr resolute Österreicherin mit ihrem „wahrscheinlich“ Sohn eingelaufen. Nettes Paar. Ein herzliches „Mahlzeit“ erhellt die Terrasse und den halben Platz. Ohne Bestellung werden Getränke und Essen in sagenhafter Geschwindigkeit dargereicht und verspeist. Wir beobachten und schlürfen unseren Frappé, eines der wahrscheinlich besten Dinge an Griechenland.

Auch der Kalbshund watschelt herbei und kniet devot vor der älteren Dame und wartet sehnsüchtig auf Zärtlichkeiten. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Jetzt ist auch klar wessen hood das hier ist.

Und schon werden auch die sagenumwobenen Bohnen serviert.

Der lauwarme Eintopf mit Karotten, Tomaten, Kartoffeln und Bohnen stößt auf geteiltes Interesse. Tapfer essen wir auf und versuchen den Blickkontakt zum Kellner zu vermeiden. Geschickt entziehen wir uns weiteren Vorschlägen für den morgigen Abend durch Bezahlung an der Bar. Morgen kochen wir dann mal lieber wieder selbst.

Tag 8 – Hilfe ein Unwetter und die Bulgaren kommen!

Mittwoch 16. Mai 2018. Die Sonne begrüßt uns morgens mit ihren lieblichen Strahlen. Das wird ein perfekter Strandtag heute. Ab 11 Uhr liegen wir am Meer. Die Stille wird nur durch die kläglichen Versuche eines Bulgaren seinen Jet-Ski zum laufen zu bringen, unterbrochen. Der Campingplatz gerät langsam aber sicher in Aufruhr. Als wir Mittagessen schwebt eine Abgaswolke über den Platz. Scheint zu fett eingestellt. Die Gäste formieren sich nach einer guten Stunde. Ich stehe mit einem Stift bereit, die Anti-Jet-Ski-Petition zu unterzeichnen. Irgendwann gibt der arme Kerl auf. Wie ärgerlich, hat er das Ding ja auf dem Hänger auch hierher transportiert. Und was soll er mit seiner Zeit jetzt überhaupt anfangen?

Wir chillen weiter am Strand. Mir wird langweilig, brauche Lektüre. Mein Kindle fehlt so sehr. Mit meinem iPad setze ich mich vor die Campingplatz-Taverne. Hier gibts Wifi! Ich lade mir die Kindle-App und ein Jack Reacher Buch runter. Lieber Jack Reacher mit Spiegelung als gar kein Jack Reacher. Früher war mal garnix besser, da hätte ich jetzt eine deutsche Buchhandlung suchen müssen.

Zurück am Strand lese ich gespannt „Underground“. Die israelische Liste wird von Reacher neu interpretiert. Besser als McGuyver!

Eine Regenfront zieht auf und wir packen alles zusammen.

Leider verläuft das Unwetter unspektakulär und zieht schnell weiter. Das Meer ist aber glasklar danach und wir springen direkt wieder rein.

Damit wäre dann auch bewiesen, dass das Iphone inzwischen tatsächlich wasserfest ist. Danke Apple!

Den Abend verbringen wir mit Rumikub, und Pasta. Als es dunkel wird und wir gemütlich Support Your Local Sheriff anschauen bricht die Hölle über uns herein. Zwei bulgarische Großfamilien mit riesigen Womos fahren ein, rangieren 30 Minuten, und stellen sich versetzt auf die Plätze quer hinter uns. Die Kinder packen die Räder aus und fahren wild bimmelnd über den Campingplatz. Das wird ein Spaß. Einen Jet-Ski haben die natürlich auch dabei.

Tag 9 – Nachbarschaftsbeobachtungen

Es ist 8 Uhr und wir werden sanft durch ein rhythmisches TokTokTok, TokTokTok, … gepaart mit dem Rasseln einer Fahrradklingel geweckt. Ein süßer bulgarischer Fratz fährt den Pflasterweg hinter uns auf und ab. Langsam aber sicher paaren sich die anderen 3 Jungs dazu und im Nu hat der Campingplatz um uns rum gute Laune und startet gemeinsam in den Tag.

Wir sind jetzt lange genug bei Stavros um den Platz und seine Bewohner ein wenig näher unter die Lupe zu nehmen. Vorneweg, wir haben keinerlei Idee was wir hier pro Tag bezahlen. Bin mal gespannt. Ich habe mir ja zum ersten Mal eine magische ACSI – Karte gekauft um in den Genuss der tollen Vergünstigungen zu kommen, bisher aber jeden angeschlossenen Campingplatz gekonnt ignoriert.

Bei Stavros ist es schön.

Scheint ein Familienbetrieb zu sein, der Besitzer ist mit seinen Gästen alt geworden. Er muss zufrieden sein, parkt doch ein Porsche Cayenne neben der Taverne. Der Kerl und die Crew sprechen gutes Deutsch, sicher den österreichischen und deutschen Langzeitgästen geschuldet.

Die Österreicher, die heute mit Womo und Wohnwagen ankamen kommen jedenfalls seit über 30 Jahren hierher. Es war wichtig, dass dies direkt alle wissen, insbesondere um sich die Position gegenüber den Bulgaren am Strand zu sichern.

Die Insassen der zwei bulgarischen Womos leben übrigens eine klare Rollen- und Geschlechtertrennung. 3 Frauen, 3 Männer, 4 Jungs. Und alle reden sehr laut. Die Frauen liegen am Strand, die Kinder spielen am Strand, die Männer ziehen mit grimmigem Blick über den Campingplatz und fahren abwechselnd Jetski.

Manchmal dürfen die Jungs mit. Die Frauen hingegen putzen und kochen. Ich schaue fasziniert und eingeschüchtert zu. Jeder ist irgendwie für sich. Wie auch die junge bulgarische Frau mit ihrem neuen Hightech-Van neben uns, die komplett in sich gekehrt die Tage alleine verbringt. Den Blick stoisch nach vorne gerichtet. Macht ihr Ding. Wir spekulieren über eine Leiche im Van, einen griechischen Freund, … wozu braucht die denn auch 2 Fahrräder?

Am Strand trainiert ein deutscher Mann seinen Hund. Apportieren aus dem Wasser. Bestimmt für die Entenjagd, hier rennt der Hund einem Stoffknäuel hinterher und hat Spaß dabei erst loszurennen, wenn sein Herr und Meister das Go gibt. Hunde sind sowas von dämlich. Dämlich auch, dass der Hundebesitzer später versucht seinen Roller in Gang zu bringen, dabei aber nach stundenlangen Gurgeln inkl. Starterspray, kläglich scheitert. Er stand kurz vor dem Platzverweis; ich hatte auch schon wieder meinen Stift für die nächste Petition gezückt.

Die Welt bei Stavros ist in Ordnung – beschaulich und ruhig. Auch die Schwalben lieben diese Atmosphäre und beobachten die Camper aus ihrem Nest heraus beim Geschirrspülen.

Das wirft wieder die alte Frage von Douglas Adams auf. Mäuse habe ich noch keine gesehen.

Neben 2 jungen Familien mit neuen Kindern und neuen Bullies – toll, dass es diese Elternzeiturlaube gibt – stehen noch 2 Luxusmobile auf dem Platz. Best Ager 60 plus, die es geschafft haben und es auch zeigen. Nochmal zwei Nummern mehr als das Pärchen mit Papagei. Auf dem Morelo – Wohnmobilpalast prangt hinten die Aufschrift „Wenn nicht jetzt wann dann“. Das Concorde – Schiff ist unbeschriftet, wirft aber aufgrund seiner Größe einen mächtigen Schatten auf den halben Platz. „Früher hatten wir das Größere, aber das war hier so unpraktisch.“ Wenigstens könnte ich ihm mit meiner grünen Gießkanne aushelfen. Bin auch im 3. Campingjahr noch Stolz auf meine umfassende Ausrüstung.

Hinsichtlich der großen Schiffe bin ich hin und her gerissen zwischen Faszination, Unverständnis, Belächeln und Neid. Nicht unser Ding, aber am Ende des Tages sehr coole Sache. Muss man sich mal ernsthaft damit beschäftigen.

Der Shop auf dem Platz hat alles was das Herz begehrt. Dumm nur, dass man nicht alles lesen kann. Autan heißt auch auf griechisch Autan, und wir brauchen es heute.

Stechmückenalarm. Wir flüchten ins Auto , schauen was griechisches an – Mamma Mia! – und stellen fest, dass es am Ende des Tages überall gleich ist. Allerdings fehlt irgendwie La Dolce Vita.

Tag 10 – Mit dem Roller nach Neos Marmaras

Auch bulgarische Kinder müssen mal zur Ruhe kommen. Es ist still am Morgen. Aber was ist das für ein komisches Geräusch neben unserem Wohnmobil. Irgendetwas nestelt im verborgenen rum und gibt seltsame Keuchlaute von sich. Langsam werde ich wach und nehme im Halbschlaf ein vertrautes TockTockTock wahr. Hammerschläge auf Heringe. Ein Blick auf die Uhr und aus dem Fenster zeigen mir, dass unser Wiener Nachbar noch vor 8 Uhr sein Vorzelt aufbaut und dazu das Material aus seinem, vor unserem Schlafbereich geparkten Auto rauskramt. Die Nachbarsjungs hören das selbstverständlich auch, so dass wir schon kurz nach 8 Uhr wieder unsere Spielstrassenroutine genießen können. Fehlt nur eine Eimer mit Malkreide.

Wir genießen den Tag am Strand und bereiten uns mental auf den Rollerausflug nach Neos Marmaras vor. Wir brauchen Lebensmittel und haben die Hoffnung etwas leckeres zu essen zu finden.

Unseren frühaufstehenden Nachbarn, der ja seit 30 Jahren hier im Urlaub ist, befrage ich nach der besten Route -„kann man die kleine Küstenstraße weiterfahren?“ Er berät sich mit seinem Kompagnon und sie selbst sind schon lange dort nichtmehr entlang gefahren, sich aber einig, „dass das mit dem Roller schon klappt“. Freundliche Menschen. Man hilft sich. Das setzte ich dann gleich selbst in die Tat um, als ein verzweifelter Mann uns kurz vor Abfahrt auf dem Platz besucht. Christina war gerade dabei zu erzählen, sie sei auf dem Weg zum Wifi-Spot von einem Mann verfolgt worden, und sie konnte sich gerade noch durch ein fingiertes Telefonat retten. Jetzt steht er vor uns und identifiziert sich als der Mensch mit dem defekten Roller (heimlich denke ich, dass ich ihn gestern verwechselt habe, dachte der Hundedompteur hätte das Rollerproblem) und fragt nach einer 8er Nuss. Da ist er beim bestausgerüsteten Wohnmobil im 3.Jahr genau an der richtigen Adresse. Ich überlasse ihm meine komplette Werkzeugbox. Inklusive 8er Nüsse und Akkuschrauber. Fühle mich gut.

Wir schwingen uns auf den Roller und fahren die bezaubernde schmale Küstenstraße entlang. Überall glitzert das Meer und kleine Buchten laden zum Baden ein.

Das ist ein richtig schöner Flecken Natur hier. Neos Marmaras hingegen entpuppt sich – zumindest in der Vorsaison – als hässliches Entchen. Das erinnert alles eher an halbsozialistische Urlaubsidylle denn an ehemaliges Fischerdorf.

Es fällt uns schwer einen netten Platz mit einer netten Bar zu finden. Wir entscheiden uns für was italienisches und bestellen Frappé und Kringel. Beides gut, Bedienung nett, aber muss man auch nicht nochmal hin.

Wir brauchen Obst und Gemüse – aber hier gibt es nirgends einen Stand mit frischen Sachen. Später im Supermarkt ein ähnliches Bild – sehr eingeschränkte Auswahl. Dafür viel Käse. Ich nehme einen salzigen weißen Kuhmilchkäse mit, könnte gut zu Sopksa – Salat verarbeitet werden.

Die Fahrt zurück am Meer entschädigt für das komische Dorf. Traumhafte Landschaft. Saftig grün. Das gefällt uns.

Nach einem Ausflug zu Pommes, Tomaten/Gurkensalat und Tzatziki gepaart mit einem 1/2 Liter Weißwein in unserer Campingplatz-Taverne spielen wir Rommé im Schein unserer Batterielampe und 2er mickriger Teelichter. Ich bin klar im Vorteil und genieße es.

Gegen 23 Uhr treffen noch österreichische Gäste mit Wohnwägen ein. Ein lautstarkes „seit 700km warte ich auf ein Bier“ lässt darauf schließen, dass die durchgefahren sind. Immer wieder faszinierend zu sehen, wie Menschen in diesen Situationen zum Mittelpunkt der Welt werden und ihre normalen Verhaltensmuster über Bord werfen. Lautstark wird vorgefahren, abgekoppelt, diskutiert und der hell erleuchtete Wohnwagen mit dem Mover die letzten 300 Meter über den Platz bugsiert. Schneckentempo. Uns bleibt genug Zeit die blaue und blinkende LED-Beleuchtung auf dem Dach und unter dem Boden zu bestaunen. Gefällt mir. Hat was von Star Trek. Die Enterprise wird mit dem Traktorstrahl ins Dock gezogen. Das zweite Gespann wartet brav und fährt dann zielgerichtet ein.

Tag 11 – Dinner am Strand

Samstag ist Strandtag. Ein Tag mit Jack Reacher in New York und mit planschen in der Ägäis.

Samstag ist auch Waschtag. Das gilt auch für uns. Allerdings ist für Christina auch jeder andere beliebige Tag Waschtag, es muss sich nur die Gelegenheit bieten. Und die haben wir hier auf dem Campingplatz Stavros zur Genüge. Sage und schreibe drei Waschmaschinen stehen parat, eine davon ist seit 4 Tagen jeden Abend von uns besetzt.

Wir waschen alles. Handtücher, Bettwäsche, Kleider, Geschirrtücher, Strandtücher. Hauptsache das Ding wird jeden Abend irgendwie voll. Die Frau an der Rezeption lacht schon, wenn sie mich mit dem 5 Euro Schein winken sieht. Wir sind ein gutes Team. Ich sage nur 60 oder 40 und schon wählt sie das dementsprechende Programm und füllt das Pulver ein. 90 Minuten später schwelgen wir dann wieder in sauberer Wäsche. Schmutzig ist hier nur das, was wir am Körper tragen. Andere Camper werden angestachelt von unserer vorgeschobenen Reinlichkeit und fragen mich nach dem genauen Prozedere des Waschvorgangs. Gerne stehe ich auch hier mit Rat und Tat zur Seite und verweise auf die Signalwirkung einer im Wind wehenden 5 Euro – Note.

Praktisch dabei ist, dass man bei derselben Frau für 4 Euro auch zwei Frappé bestellen kann. Während wir diese und das Wifi genießen, machen wir uns Gedanken über den weiteren Reiseverlauf. Montag wollen wir weiter. Auch nach intensiver Recherche und Abwägung von Alternativen kommen wir zu keinem Entschluss. Erst noch die griechische Küste erkunden, oder eventuell nach Korfu oder südliches Albanien, oder an den Ohridsee, und dort dann in welches Land?

Fragen über Fragen und heute gibts keine Antworten. Ich glaube wir machen das dann spontan.

Spontan entscheiden wir uns auch dafür heute auf dem Strand zu Abend zu essen.

Wir packen unseren Tisch und die Stühle ans Meer und genießen italienische Pasta bei griechischem Sonnenuntergang. Sehr schön.

Tag 12 – von Bulgaren umzingelt

Morgen geht es ja weiter, von daher wollen wir am heutigen Sonntag einfach nochmal relaxen und dann zusammenpacken. Der Blick aus dem Womo verheißt nichts gutes. Vor unserem Strandzugang haben es sich die bulgarischen Kinder, die sich über Nacht rätselhafter Weise auch noch vermehrt haben, schön gemacht. Sie spielen sinnbefreit aber lautstark mit einem kleinen gelben Plastikball. Unsere zwei Schirme, die wir zur Markierung unseres Hoods am Strand stehen gelassen haben, dienen als Torpfosten. Wobei der tiefere Sinn des Spiels anscheinend darin besteht, die Pfosten zu treffen.Ausgerüstet mit Handtüchern, Liege, Luftmatratze schreiten wir auf den Strand um unser Territorium zurückzuerobern. Erst dort sehen wir das gesamte Ausmaß – die Bulgaren haben den kompletten Strandabschnitt vor unserem Womo okkupiert.

Das muss ein sehr besonderer Platz sein, oder wir verfügen über magische Anziehungskräfte, denn der restliche Strand ist menschenleer.

Wir machen gute Miene zum bösen Spiel, platzieren uns mittenrein und erfreuen uns an dem Spaß, den die Kinder im Wasser haben und schauen mal, wer den längeren Atem hat.

Einen langen Atem hat auch der Nachbar mit seinem Roller. Inzwischen hat er die Kerze gewechselt, neue Batterie gekauft, den Vergaser mehrfach aus- und wieder eingebaut. Verzweifelt gurgelt er, kurz springst an, geht dann wieder aus. Um ihn rum immer wieder 3-4 Leute mit guten Tips. Meine Diagnose ist ja, dass der Vergaser Luft zieht. Das sage ich ihm auch mehrfach, ohne jedoch in der Lage zu sein weiter technische Hilfe geben zu können. Aushelfen kann ich ihm dann natürlich doch, als bestausgerüstetes Wohnmobil aller Zeiten im dritten Jahr. Selbstverständlich habe ich ein Batterieladegerät dabei. Fühle mich gut.

Auf einem meiner Streifzüge durch den Campingplatz – Supermarkt entdecke ich Olivenöl und Schnaps mit handgeschriebenen Etiketten und schlage direkt zu. Alles selbst gemacht, und wenn nicht auch egal, ich nehme alle vorrätigen 2 Literflaschen Öl und eine Flasche Schnaps. Ich muss ein guter Kunde sein. 1 Liter Öl gibts gratis dazu.

Uns packt am Nachmittag der Lagerkoller, wie jedesmal wenn wir weiterreisen wollen. Da ist das Camperleben dann nur noch sehr eingeschränkt entspannt und wir verfallen in panisches und hektisches aufräumen, packen und verstauen. Unsere österreichischen Nachbarn amüsieren sich, bereden mit uns die weitere Fahrt – wenn wir mal wüssten wo es hingeht – und gehen dann tip-top gestylt und parfümiert zum Essen. Um 19 Uhr sind wir dann reisefertig und folgen den netten Österreichern ein letztes mal zu Afros, wo wir freundlich winkend von unseren Nachbarn begrüßt werden.

Ein letztes Mal genießen wir unsere vegetarische griechische Essenswahl, das läuft inzwischen ohne Bestellung, und fallen dann in Vorfreude in einen tiefes Wachkoma.

Tag 13 – von der Ägäis nach Albanien ans ionische Meer

Es ist Abreisetag und ich bin ab 6 Uhr wach. Es ist jedesmal dasselbe, ich bin aufgeregt und freue mich auf die Weiterreise. Den österreichischen Nachbarn hatte ich gestern noch gesagt, wir hätten keine Eile, würden es ruhig angehen. Pustekuchen – ich bin im Reisefieber. Trotzdem döse ich noch eine gute Stunde im Halbschlaf vor mich hin. Dann ist aber auch gut, Christina geht es nämlich genauso. Punkt 9 Uhr füllen wir unsere Wasservorräte auf und starten Richtung Thessaloniki.

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Die Strecke ist ermüdend und langweilig, einziger Lichtblick ist ein Lidl – Supermarkt, in dem wir vergeblich nach Fanta Zero suchen, dafür aber Mozzarella und grünen Spargel finden. Mit diesem Einkauf sind wir endlich im echten Camperleben angekommen – vor der Tür reihen sich die deutschen Womos, innen spricht man deutsch. Autofahren in Griechenland ist seltsam, insbesondere, dass der rechte Fahrstreifen auf den 3 spurigen Autobahnen nicht benutzt wird. Komisch, mir aber egal, der rechte Streifen ist frei und gehört mir. Ich nutze ihn konsequent als Überholspur. Kurz hinter der Stadt stoppen wir zum tanken und halten Lagebesprechung.

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Wir kommen zu dem Schluss, das wir genug von Griechenland haben und entscheiden uns Richtung Albanien weiterzufahren, einmal quer durch das Landesinnere von Griechenland. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, ist dass wir uns mit unserem alten 75 PS Saugdiesel bis auf über 1000 Höhenmeter hinaufquälen wo sich eine riesige Hochebene vor uns erstreckt. Hier scheint auch die Zentrale der griechischen Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen zu sein. Riesige Kraftwerke verschandeln als Fremdkörper die Landschaft.

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Die Stromleitungen gehen in alle Himmelsrichtungen ab. Maut zahlen wir nach Fahrzeughöhe und in Euro und in bar. Meine Kreditkarte wird ungläubig zurückgewiesen. Vielleicht sind wir ja zufällig in Mazedonien gelandet? Kann nicht sein, die Abschnitte hier sind nicht in 2 Euro, sondern in 6 Euro Einheiten unterteilt. Griechenland ist Hundeland, auch hier auf dem Autobahnparkplatz. Wir picknicken und 2 Hunde markieren ihr Revier. Der Parkplatz bietet noch einen ganz besonderen Service. Einen Frau hält permanent die Toiletten sauber, ein Mann mit Warnweste hält permanent den Rastplatz sauber. Penibel pickt er jedes Stück Fremdkörper vom Asphalt auf. Wir beobachten, wie er kreisförmig die Straße entlangwandert.

Bei Ioannina biegen wir von der Autobahn ab und fahren auf der Landstraße Richtung albanische Grenze. An dieser angekommen werden wir mit einer Neuigkeit in der Grenzabwicklung konfrontiert. Man muss sowohl bei der Ausreise aus der EU, wie auch bei der Einreise nach Albanien aussteigen und zum Schalter gehen. Sachen gibts.Die Berg- und Talfahrt geht weiter und wir begegnen unzähligen Kühen und Ziegen auf unserer Straße und durchqueren wunderschöne Landschaften. Das ist atemberaubend schön.

Unser Womo müffelt, die ganze heutige Fahrt schon. Wir verdächtigen die Kühlbox und halten Sie deshalb die ganze Fahrt geschlossen. Getränke werden warm serviert. In Himara angekommen heben wir Bargeld ab und stürmen in den ersten Supermarkt. Und siehe da – es gibt Aranciata Zero. Danke Albanien! Es war in ganz Griechenland nicht aufzutreiben.

Nach 560 km ergattern wir auf dem Camping Kranea den letzten Platz. Genau gegenüber der Toilettenanlage ist er gelegen und wir fahren vorwärts ein. Das gefällt uns nicht. Wir manövrieren 10 Minuten auf dem Platz zur Belustigung aller anderer Gäste und schaffen es nicht rückwärts einzuparken. Um dem Zorn der Mitcamper zu entkommen entscheiden wir uns wieder auszufahren und zu fliehen. Der supernette und servile Inhaber stoppt uns und gibt mir gekonnt Einparkhilfe. Keine 2 Minuten später stehen wir an Ort und Stelle.

Zwischen deutschen und österreichischen Fahrzeugen. Es gefällt uns nicht. Dafür identifizieren wir die Geruchsbelästigung – es ist der grüne Spargel, der modrig stinkt. Ab in die Mülltonne – adieu Spargelzeit.Unser Besuch in der Campingplatz- Taverne gestaltet sich schwierig. Alle Tische belegt. Wir setzen uns an die Bar, betrinken uns und warten auf einen freien Tisch. Bierzeltatmosphäre.

Wir wagen ein Experiment- Pasta. War keine gute Idee. Die viel zu scharfen Spaghetti Alio Olio spülen wir mit unserem ersten Raki der Reise runter. Schmeckt gut und hilft. Das deutsche Ehepaar beobachten wir interessiert. Die schaffen es in einer Stunde kein Wort miteinander zu wechseln. Der Hund auf dem Schoß der blondierten Frau bekommt jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als der gegenübersitzende Mann. Könnte sein, dass der Hund ein gebrochenes Bein hat, den Boden berührt er auf jeden Fall nicht.

Tag 14 – Über Berg und Tal die albanische Küste entlang

Wir hatten die beste Nacht der Reise, hier auf diesem scheußlichen Fleckchen Erde. Da der Strand sehr schön weiß schimmert und das Wetter prima ist, überlegen wir uns trotzdem noch eine Nacht zu bleiben. Nach einem Besuch der sanitären Anlagen erübrigt sich dieser Gedanke – es ist alles sauber, da es einen für die Reinhaltung abgestellten Mitarbeiter gibt, aber dafür kommt das Wasser auch nur tröpfchenweise aus der Dusche. Es ist kaum möglich sich den Schaum vom Körper zu spülen. An Haare waschen ist garnicht zu denken. Ältere Österreicher sind wirklich nett. Das ist eine Erkenntnis dieser Reise. Mit unserem Nachbarn versöhnen wir uns nach unserer gestrigen Einparkorgie und tauschen uns über Reiseziele und Womo- Technik aus. Die machen seit Anfang Mai Urlaub in Albanien und sind auch begeistert. Die ungläubigen Kommentare ihrer Freunde vor der Abfahrt haben sie gekonnt ignoriert. Wir ignorieren ihren Tipp zu einer Stadt im Landesinneren, mit Häusern wie Schwalbennestern. Kultur? Wir wollen Strand! Uns sagen sie, steht noch eine tolle Fahrt bevor. Und da sollen sie Recht behalten. Die albanische Küstenstraße schlängelt sich in Berg- und Talfahrt bis nach Vlora.

Es geht vom Meeresspiegel bis auf 1000 Meter und wieder zurück.

Unterwegs werden wir von der Polizei angehalten und angewiesen an den Rand zu fahren und zu warten. Wir spekulieren auf den Staatspräsidenten. Es scheint aber die Tour Albania zu sein. Die Ausreißer sind durch, und die Verfolgergruppe wird vom grünen Trikot, gefolgt von Helfern und dem gelben Trikot angeführt. Die haben noch knapp 1.000 Höhenmeter vor sich.

Mittags halten wir in Vlora an und essen Pizza und Salat. Sehr lecker hier. Wir beobachten dabei, wie ein älterer Porsche Cayenne vorfährt. Zwei junge Frauen steigen aus und gehen in die Stadt. Zwei junge Männer steigen aus und öffnen die Motorhaube. Mit einem parat liegenden Wasserschlauch füllen sie immer wieder literweise Wasser in das Kühlsystem. Für alle um uns rum anscheinend ein alltäglicher Vorfall. Nach getaner Arbeit brausen sie zu viert wieder los. Vollgas, als wäre nix passiert. Interessant auch, dass die pärchenweise Sitzen. Das Prinzenpaar vorne, das Paar aus dem Fußvolk hinten. Gemäß den landestypischen Gepflogenheiten parken wir wie immer vorschriftsmäßig.

Weiter geht es. Wir spekulieren mit einer Passage nach Italien und fahren zum Fährhafen. Die Fahrt dauert nur 4 Stunden nach Brindisi. Es ist wie überall an diesen Häfen, sofort kommt ein Wichtigtuer und springt vor das Auto, er könne alles organisieren und kennt sich aus. Leider nur eine Fähre pro Tag und wir sind zu spät für heute. Pech für ihn und Pech für uns. Muss Karma sein. Wir fahren nach Norden und peilen den Platz Pa Emer an, den wir vor 2 Jahren schon besucht haben. Beim obligatorischen Stopp am Supermarkt entdecken wir das Ungemach. Unser Roller hängt schief auf dem Träger, die Verankerungen des Querträgers sind gebrochen, die Aluhaut des Womos ist leicht eingedrückt und die Farbe abgekratzt. Die letzten Kilometer müssen zu viel gewesen sein, habe ich auch die eine andere Bodenwelle ob der vielen Eindrücke, übersehen. Das ist worst case, so kommen wir nicht heim. Notdürftig wird der Roller fixiert und das lose Stück Metall mit Gafa Tape fixiert.

Nach 6 Stunden und 200 km sind wir am Zwischenziel angekommen. Der Besitzer kennt uns noch, das ist ein gutes Gefühl. Bestes Wetter, ein toller Stellplatz und warmes Wasser lassen den Trägerbruch in den Hintergrund treten.

Wir treffen auch alte Bekannte wieder. Das Pärchen mit Hund ist ebenfalls hier. Der Hund kann immer noch nicht laufen, die zwei sind immer noch konversationslos. Vielleicht sind die ja stumm? Ich überprüfe den Mann, indem ich ihn in ein belangloses Gespräch verwickle. Nein. Er kann sprechen.

Abends versammeln sich alle am Wifi Spot des Platzes mit grandiosem Blick über das Meer. Motor-Paraglider inklusive.

Alle reden, skypen; nur das Pärchen wieder nicht. Bin gespannt wie das weitergeht.

Tag 15 – Die große albanische Reparatur und der große Regen

Der Tag beginnt blendend. Es ist bestes Wetter in Albanien. Hurtig packen wir unsere Strandutensilien aus und stellen uns auf einen entspannten Badetag ein.

Um die Mittagszeit kommen die Wolken und es wird diesig. Auch nicht schlecht, das ist perfekt für die Reparatur der Motorradbühne. Ich packe die Werkzeugkiste des bestausgerüsteten Wohnmobils im dritten Jahr aus und inspiziere den Schaden. Da hilft nur schweißen. Auf der linken Seite muss das Rohr neu verschweißt werden, auf der rechten Seite die Grundplatte am Träger selbst verstärkt werden. Der Plan ist, das linke Teil abzuschrauben und in der Stadt schweißen zu lassen, und rechts zu hoffen, dass es bis nachhause hält.

Erstmal alles abmontieren. Ich habe ja alles dabei. Denke ich. Leider habe ich keinen großen Imbus dabei und muss kapitulieren. Aber das ist natürlich die Chance für einen albanischen Imbussatz! Christina schaut die Oberen Zehntausend und ich düse mit dem Roller die 10 km zur nächsten Siedlung. Praktisch – ich stoße gleich aufs Industriegebiet und finde sofort einen Werkzeughändler.

1900 Lek später fahre ich mit dem teuersten vorrätigen Imbussatz – der Verkäufer sprach von dem professionellen Satz -zurück zum Campingplatz. Ruckzuck ist der Träger demontiert und ich begebe mich auf die Suche nach einer kompetenten Fachwerkstatt der Schweisserei- Technik. Im Industriegebiet werde ich fündig, allerdings wird vermutet es handele sich um Alu, das können sie nicht schweißen. Ich werde in die nächste Stadt, nach Kavaje verwiesen. In Kavaje fahre ich über die Hauptstraße ein, und traue meinen Augen nicht. Sitzt da ein Typ und schweißt an Aluminiumtöpfen rum. Ich freue mich, halte an, zeige ihm mein Anliegen und werde aufs übelste beschimpft. Was er mir wahrscheinlich sagen will „ich löte nur, fahr du weiter zu den Werkstätten in diese Richtung“. Ich verstehe allerdings „du Vollidiot, sprichst unsere Sprache nicht und willst jetzt, dass ich dir helfe. Verschwinde zum Bazar“. Jedenfalls habe ich Angst, es ist unheimlich. Genau in dem Moment setzt der große Regen ein.

Sturzbachartig ergießt sich die nasse Pracht. Die Kanalisation ist heillos überfordert. Ich stehe bei dem Typ unter dem Dach, den Motor lasse ich laufen damit ich jederzeit flüchten kann. Irgendwann in den 10 Minuten Dauerregen stelle ich den Motor ab und wir rauchen einträchtig eine Zigarette. Wenn ich länger hier wäre, könnte sich daraus eine echte Männerfreundschaft entwickeln. Aber ich muss weiter und fahre einfach immer gerade aus, durch das kleine Städtchen.

An der Ausfallstrasse entdecke ich eine Mercedes-Werkstatt. Wenn die vielen Sterne und Formel1 – Bilder mal kein gutes Zeichen sind.

Sofort werde ich von Mechanikern und Kunden umschart. Was will der seltsame Typ auf seinem komischen Roller von uns? Aluschweissen? Kein Problem! Ich soll Café trinken gehen. Sagt’s, setzt sich in sein Auto und ist weg.

5 Minuten – es läuft. Da fahre ich doch mal tanken. Wild hupend bremst mich ein Auto aus. Einer der Kunden der Werkstatt. Er gibt mir seine Visitenkarte. Wenn es irgendwelche Probleme gibt, dann soll ich ihn anrufen. Total nett, aber hat der schonmal was von Roaming gehört?

Nach 10 Minuten bin ich zurück an der Werkstatt, nach weiteren 20 Minuten habe ich im Café nebenan neue Freundschaften geschlossen, nach weiteren 40 Minuten habe ich alle meine Zigaretten aufgeraucht und die 3 Mechaniker jeweils in eine A – und eine B – Klasse die auf dem Boden liegenden Motoren eingebaut. Unfassbar was die da leisten. Parallel versuchen wir zu kommunizieren und sie machen sich lustig über mich und mein Vertrauen in albanische Zeitangaben. 10 Minuten später dann wildes Hupen, mein Teil ist wieder da. War doch kein Alu, deshalb haben sie es direkt mal kaputt geschweißt, dafür dann aber ein neues, exakt passendes Rohr aus Edelstahl aufgesetzt.

Fluchs wird noch ein Loch gebohrt und ich bin 1300 Lek ärmer und um eine tolle Erfahrung und ein repariertes Teil meiner Motorradbühne reicher. Die Welt ist gut. Und ich darf jetzt auch noch 20 km mit dem Roller durch die Gegend fahren. Guter Tag.

Am Platz angekommen verbaue ich das Teil gleich. Es passt perfekt.

Was ein Erfolg! Aber es ist jetzt auch 18 Uhr. Christina war auch erfolgreich, 2 Filme gesehen und eine Flasche Prosecco geleert.

Der Himmel wird schwarz. Starker Wind zieht auf. Wir sichern unser Zeugs und fahren die Markise ein. Besser ist es – es fängt stark an zu regnen.

Uns egal, wir kochen und essen im Womo und genießen das Prasseln des Regens auf dem Dach. Beim anschließenden Rommee- Spiel hat Christina eine unglaubliche Glückssträhne und schlägt mich, mit einer Serie von famosen Handspielen, überlegen. Das genießt sie offensichtlich sehr.

Tag 16 – Invasion der deutschsprachigen Best Ager und legefrische albanische Eier von Tante Emma

Es hat die ganze Nacht geregnet. Aber als wir gegen 7 Uhr aufwachen hat sich die Welt geändert. Strahlender Sonnenschein dringt durch die Fliegengitter. Viel zu früh zum aufstehen. Wir legen Notting Hill ein und schlummern mit Julia Roberts und Hugh Grant als Hintergrundkulisse weiter.

Den Vormittag verbringen wir zusammen mit Jack Reacher am Strand. Alleine, es sind ja nicht so viele Camper hier.

Viele verbringen nur eine Nacht hier und ziehen dann weiter. Dafür ist dieser Ort aber eindeutig zu schade. Hier bei Pa emer kann man chillen und zur Ruhe kommen. Eine kleine und einfache Oase. Ich sehe auch das schweigende Pärchen wieder, allerdings jeden einzeln mit einer Rolle weißem Papier in der Hand.

Seltsam, der Hund kommt nicht vorbei. Seltsam auch, dass die Menschen ein perfekt ausgestattetes und hochmodernes Womo fahren, und dann trotzdem mit den weißen und entwürdigenden Rollen über den Platz schlurfen.

Um die Mittagszeit kommt Aktivität auf. Die Deutschen, Österreicher und Schweizer kommen. Hektische Betriebsamkeit, im Nu sind alle Plätze am Meer voll. Es herrscht regelrecht eine Rangelei um die Plätze. Die Gäste sind, bis auf ganz wenige Ausnahmen 60plus und mit der Ursprünglichkeit des Platzes und des Landes ein wenig überfordert. „So eine Straße zum Platz ist eine Zumutung“, „die albanischen Autobahnen sind eine einzige Katastrophe“, „wieso gibt es kein Wasser am Stellplatz“. Das Highlight sind die nur teilweise funktionierenden Steckdosen am Platz. Für die meisten ist es unvorstellbar einen Anschluss zu teilen. Unserem neuen schweizer Nachbarn, der mit seinem riesigen carthago- Wohnmobil seinen kompletten Stellplatz zuparkt, biete ich direkt unsere Stromverteilung an. Unglaublich fragte er, ob er das tatsächlich dürfe. „Ja, selbstverständlich, warum nicht?“ Ich fühle mich gut.

Das ist ein nettes Ehepaar, er erinnert ein wenig an den Almöhi von Heidi. Jedenfalls haben die schlechten Straßen auch sein Womo beschädigt und er verbringt den halben Tag unter dem Fahrzeug und repariert die elektrische Trittstufe. Cool, er hebt den LKW einfach mit der Hubstütze an. Das erspart den Wagenheber. Ich bin begeistert von diesen großen Womos.

Neben seinen Best-Ager-Gästen ist auch der Inhaber leicht überfordert. Normalerweise nimmt man sich auf seiner Terrasse die Getränke aus dem Kühlschrank, nimmt sich Gläser aus dem Haus und bezahlt dann später. Heute ändern sich die Regeln. Die Menschen wollen bedient werden. Hektisch rennt er zwischen den Tischen hin und her, verteilt Getränke und schenkt ein. Nebenher dann noch neue Gäste empfangen und Plätze zuweisen bzw. vorschlagen. Lustig mit anzusehen, wie dieser immerzu coole und desinteressierte Typ auf einmal ins Schwitzen kommt.

Wir genießen eine Flasche mazedonischen Riesling und schauen gebannt zu, während wir verzweifelt versuchen am einzigen Hotspot des Platzes online zu gehen. Das erinnert an die Zeit mit den 64k-Modems. Aber wir haben ja auch Zeit. Und es lässt sich hier auch aushalten.

Zurück am Platz prüfen wir die Vorräte. Es fehlen lebenswichtige Dinge wie Cola Zero und Eier. Ich freue mich. Endlich wieder Roller fahren, wenn auch nur den knappen Kilometer zum nächsten Tante Emma Laden. Die bedient mich dann auch, gemeinsam mit einem jungen Mädchen. Alles da, nur keine Eier. Kein Problem ich soll eine Minute warten. Das Mädchen verschwindet und nach einer albanischen Minute kommt sie mit einem Eimer voller frischer Eier zurück. Tante Emma nimmt jedes meiner 6 Eier und legte sich mir einzeln in die Hand, damit ich spüre, dass diese alle noch warm sind. Sensation.

Die Menschen sind so herzlich und freundlich in dieser Region.

Am Abend kochen wir wieder draußen und spielen Karten bis die Sonne im Meer untergeht und uns die Kälte ins Womo treibt.

Die Glückssträhne von Christina hat sich seit gestern allerdings signifikant abgeschwächt. Schauen wir mal wie es da so weitergeht.

Tag 17 – Albanische Marktwirtschaft für Anfänger

Der Campingplatz ist voll, der Strand ist leer. Verstehe einer die Wohnmobilisten. Da fahren die bis zu 2.000 km hierher und sitzen dann auf ihren Campingstühlen an ihren Campingtischen vor ihren Campingmobilen.

Das Meer wird aus sicherer Distanz betrachtet, maximal der Hund geht ins Wasser. Das gibt wahrscheinlich Sicherheit oder ist Ausdruck einer langjährigen Campingerfahrung. Wir sind erst im dritten Jahr und lernen jeden Tag dazu. Wobei – heute ist nicht so ein Tag, wir legen uns den ganzen Tag an den Strand.

Verzweifelt versuche ich das schweigende Trio zu finden. Stumm ist er ja nicht, wie ich detektiert hatte. Verschwunden. Heimlich abgereist. Schade, der Vorsprung wird für uns dann zu groß, wir werden sie auf dem Weg nach Norden nicht mehr einholen und das Geheimnisse um diese Dreiecksbeziehung niemals lüften können.

Für Jack Reacher ist mir kein Weg zu weit. Kein Anstieg zu hoch. Mittags erklimmen wir den Hausberg und nutzen den Wifi Spot. Mittags ist eine gute Zeit, da ist die Lodge leer, wir haben die volle Bandbreite.

Amazon sei Dank, in Windeseile bin ich 10 Euro los und kann damit auf meinem spiegelnden iPad das nächste große Abenteuer erleben. Bin gespannt, er trommelt sein altes Team zusammen.

Jeden Tag kommt eine Frau mit Kind und Schubkarre an den Strand und verkauft Gemüse. Das ist ein Bombengeschäft am heutigen Tag. Die Camper stehen Schlange. Erstaunlich wie schnell und behende der eine oder die andere reagieren können, aus ihren Campingstühlen aufspringen und zur Schubkarre eilen. So auch wir. Ich sichere mir für 500 Lek ein paar Tomaten, Paprika, Kartoffeln und eine Honigmelone. Verkaufstechnisch raffiniert bekomme ich noch eine Zwiebel und einen Pfirsich geschenkt. Albanische Kundenbindung am Strand at its best. Nach dem ersten Ansturm ist Ruhe im Schatten angesagt.

Nachmittags beginnt wieder die Anreisephase. Das nervt. Hektik pur. Heute sind es die Franzosen, die überfallartig den Platz für sich einnehmen. La Grande Nation. Eine der Damen ist besonders pfiffig mit ihrer Kurzhaarfrisur. „Bitte schneiden Sie genau so, wie auf diesem Bild, aber in schwarz“ wird sie ihrem französischen Land-Coiffeur gesagt haben und freudig und hoffnungsfroh ein Bild von Pink überreicht haben. Leider danebengegangen. Damit ist klar, die Franzosen sind auch nicht anders als wir Deutschen und alle andren Nationen; missglückte Pink-Frisuren bei Frauen über 40 beobachte ich seit Jahren in allen Ländern der Welt.

Wir flüchten und machen uns zu Fuß auf ins Dorf. Im Supermarket kaufen wir albanischen Chardonnay und Riesling – das gibt es wirklich – und eine Packung Henna – Farbe. Die sind perfekt sortiert hier.

Wit schlendern weiter zum Dorf-Café und bestellen Cappuccino. Ein Lachen. Es gibt nur Café. Können wir den mit Milch haben. Ein Lachen. Es gibt nur Espresso schwarz. Auch gut, wir nehmen zwei und beobachten die jungen albanischen Männer bei ihren Wichtigkeits-Ritualen und weitere französische Wohnmobile die Richtung Campingplatz unterwegs sind.

Genug gesehen, wir marschieren die staubige Straße zurück und erspähen einen blauen Verkaufswagen. Da ist Gemüse drin. Sehr viel Gemüse. Wir haben zwar alles, aber müssen trotzdem kaufen.

Wie ein Magnet zieht uns der blaue Wagen an. Das Gemüse und die Auswahl kommt uns seltsam vertraut vor. Wir kaufen 1 Kilo Tomaten und 2 riesige Zucchini. Dafür zahlen wir 100 Lek. Phänomenal günstig für uns, erschreckend was die Kaufkraft im Land betrifft. Jetzt wird auch klar, dass die Frau mit ihrer Schubkarre tatsächlich ein Bombengeschäft macht. Albanische Marktwirtschaft leicht gemacht. Verfünffachung des Preises auf 500 Meter. Arbitrage für Anfänger. Es sei ihr absolut gegönnt. Die Menschen hier sind tatsächlich sehr arm. Beschämend, wenn der eine oder andere Mitcamper dann noch zu feilschen anfängt. Jeder wie er will.

Zurück am Platz kochen wir wieder draußen und genießen den fantastischen Sonnenuntergang.

Beim anschließenden obligatorischen Rommee zeigt sich, dass sich die Glückssträhne von Christina ins Gegenteil gedreht hat. Sie macht gute Miene zu bösem Spiel. Morgen wendet sich das Blatt bestimmt wieder.

Tag 18 – schwäbische Game Changer – vom Rentner- zum Kinderparadies

Um 4 Uhr bin ich wach an diesem herrlichen Samstagmorgen und beobachte das Meer aus dem Heck-Fenster. Es dämmert schon leicht. Als einziges Wohnmobil haben wir uns ja falsch herum positioniert. Heck Richtung Meer. Sehr zum Unverständnis unserer Mitcamper, aber genau für diese Augenblicke wie jetzt. Aber vielleicht müssen wir das ja auch noch lernen, wie auch das tagelange Stillsitzen vor dem Wohnmobil und den Verzicht auf Meerwasserkontakt. Es dämmert schon leicht. Das muss ein Zeichen sein so früh wach zu sein. Vielleicht hätten wir heute doch schon weiterfahren sollen, so wie es Christina vorgeschlagen hatte.

Beim Frühstück entscheiden wir uns heute nochmal einen Strandtag einzulegen und morgen dann früh weiter in den Norden zu fahren.

Um 10 Uhr liegen wir am Strand, die Sonne sticht herunter. Das Wasser ist sehr flach und lauwarm. Badewannenfeeling am Mittelmeer. Pink wagt sich aus ihrem bequemen französischen – sicher Decathlon, wie unsere auch – Campingstuhl und inspiziert grazil den Strand. Ganz trending mit großflächiger weißer Sonnenbrille. Ihr Mann ist sicher Gitarrist, erkennbar an dem Rolling Stones T-Shirt – Sticky Fingers – und dem schmächtigen, jahrelangem Drogenmissbrauch geschuldeten, ausgemergeltem Körper. Selbstgestochene Tattoos zieren seinen gräulichen Körper.

Schon gestern haben wir die Vorinsel erkundet und wurden nach 10 Minuten jäh vom Vater des Campingplatzbesitzers vertrieben.

Seltsamer Kauz dieser Vater. Wir vermuteten Demenz. Unser Schweizer Nachbar klärt Christina auf. Er sei einfach nur ein böser alter Mann. Das klingt für uns plausibel und einleuchtend, zumal unsere schweizer Nachbarn sehr sehr freundlich sind und zudem die einzigen Gäste außer uns, die auch den Strand und das Meer nutzen. Der Mann muss Recht haben.

Wir dösen vor uns hin, auf einmal erklingt ein helles Leuten. Undefinierbar. Ich schaue auf, vor meinen Augen zieht ein älteres Pärchen mit einem Hund vorbei. An seinem Halsband bimmelt eine Hundeglocke. Die erste Hundeglocke meines Lebens. Dafür müsste ich 50 Jahre alt werden.

Und dann passiert es ganz unverhofft. klassischer Game Changer. 2 schwäbische VW – Busse fahren ein und packen aus. 2 Pärchen mit 4 Kindern. Auf einmal ist Leben am Strand. Endlich. Unfassbar, was die so alles aus diesen kleinen Autos ziehen. Die Best Ager drum herum staunen, als zum krönenden Abschluss ein Baldachin am Strand aufgebaut wird.

Das verheißt nichts gutes. Auf einmal wird aus dem Rentnerpardies das Kinderparadies.

Uns gefällt es, wir ziehen morgen aber auch weiter. Wir verstauen unsere Ausrüstung. Darin sind wir ja supergeübt. Sorge bereitet nur der Roller. Hoffentlich hält die provisorische Konstruktion und die albanische Schweißnaht.

Nach nachmittäglichen Schwächen beim Romee – Spiel erlangt Christina am frühen Abend auf wundersame Weise ihre alte Spielstärke zurück und schlägt mich vernichtend mit einer fulminanten und noch nie dagewesene Serie von Handpielen.

Auf Anraten unseres Nachbarn laufen wir heute die 50 Meter zum nächsten Restaurant. Villa Barbaut! Das soll lecker sein, albanische und italienische Küche. Crossover quasi. Und es lohnt sich. Hätten wir das mal früher gewusst.

Tag 19 – von Albanien bis an die Westküste von Dubrovnik – Pleiten, Pech und Pannen

Abreisetag, Sonntag 6 Uhr. Wie üblich sind wir vor Vorfreude früh wach. Leider aber auch zu früh. Eve und der letzte Gentleman helfen uns die Zeit zu vertreiben. Zusammenpacken müssen wir ja nicht mehr, haben wir alles gestern schon erledigt. Schnelles Frühstück, schnelles Duschen, schnelles Zahlen. 18 Euro die Nacht. Ich habe keine Euro, nur Lek. Der Eurobetrag muss in Lek per Taschenrechner umgerechnet werden. Seltsam, da läuft irgendwas schief.

Schief läuft dann auch unser Weg auf die Schnellstraße. Wir finden die Auffahrt nicht, fahren immer wieder in Sackgassen.

Nach 30 Minuten verzweifelter Erkundung der Gewerbemischgebiete in Kavaja sind wir endlich fündig geworden und rauschen Richtung Dürres davon. Der Verkehr ist perfekt, alles ruhig – zügig und schnell sind wir an der Abfahrt Richtung Shkodar bei Vore angelangt.

Dabei fahren wir Zickzack auf der rechten Spur, um den riesigen Schlaglöchern zu entgehen. Sinn macht es dabei sich am Vordermann zu orientieren. Wie Slalomfahrer fahren wir hintereinander her und umschiffen die Stangen. Manchmal klappt es auch nicht, dann gibts einen mächtigen Schlag. Besorgte Blick in den Rückspiegel – ist der Roller noch da?

Aufgrund einer Brückensanierung schlägt mir mein Campernavi eine Umleitung vor. Dankbar folge ich den Anweisungen und der schmalen Straße. Ich halte mich rechts am maximalen Rand der Straße, als mir ein albanischer Range Rover Sport, bekanntlich ja nur ein Land Rover Discovery mit anderer Karosserie, auf meiner Spur mit hoher Geschwindigkeit entgegenkommt, er will den Schlaglöchern auf seiner Seite ausweichen. Zwei Möglichkeiten habe ich. Augen zu und durch oder Vollbremsung. Ich entscheide mich für Augen zu und durch. Falsche Entscheidung. Es gibt eine riesigen Schlag. Ein Blick in den Spiegel zeigt nichts, weil da nichts zum reinschauen ist. Der Spiegel hängt lose herunter.

Beide Trägerarme sind gebrochen. Full Stop. Ich steige aus. Der Albaner stößt zurück. Steigt aus. Mein Alter, verspiegelte Sonnenbrille, Bürstenhaarschnitt, 10 cm kleiner als ich. Angriff ist die beste Verteidigung, denke ich und gehe auf ihn zu. Wild fuchtelnd mit meinem abgebrochenen Spiegel in der Hand. „Why do you drive on my side of the road“ brülle ich ihn an. Es wirkt. Er tut so als ob er nichts verstehe und inspiziert den Schaden. Ein Augenzeuge steht mit großen Augen in der Einfahrt zu einem Logistikhof. Sicher hinter einem geschlossenen Tor. Inzwischen hat sich ein Stau gebildet, weil der dämliche Typ nach dem Zurückstoßen genau neben mir gehalten hat. Wir blockieren die ganze Straße. Wildes Hupen und Gestikulieren. Der Albaner setzt sich in sein Auto, rollt weg. Ich merke wie er kurz zögert und überlegt, ob er den Fall jetzt klären soll, entscheidet sich dann aber für die Flucht und gibt Vollgas. Feigling. Ich habe kurzen Blickkontakt zu meinem Augenzeugen. Wir verstehen uns und zucken beide mit den Schultern.

Weiter geht es ohne linken Außenspiegel. Da merkt man dann erstmal wozu der gut ist. Wir werden schon irgendwo einen auftreiben, es gibt ja genug Schrottplätze entlang der Straße. Nach 10 km halten wir direkt beim ersten an. Fehlanzeige. Weiter geht es. 5 km später rausche ich an einer LKW -Werkstatt vorbei. Christina schreit „halt an, da gehen wir hin“. Ich wende und fahre in die Einfahrt. Sonntag scheint hier Werktag zu sein.

Vor mir eine Zugmaschine an der komplett verölte Mechaniker die Hinterreifen wechseln. Aufgebockt ist das Teil mit einem mobilen Wagenheber. Inzwischen habe ich keine Berührungsängste mehr und trete an die Jungs ran. Einer gibt sich als Anführer zu erkennen. Ihm ist klar, wir brauchen Hilfe. Ich frage ihn „Chef?“, er antwortet „Mini- Chef!“ Das ist genau mein Mann. Ich zeige ihm den Schaden. Schnell wird klar, er hat keinen Spiegel da, kann es aber notdürftig reparieren für die Fahrt nach „Germania“. Gesagt getan, er holt Schrauben und Werkzeug und dängelt alles wieder zusammen. Wir sind begeistert. Mehrfach klopfe ich ihm auf die Schulter. Das gefällt ihm. Auf die Frage, was er dafür haben wolle antwortet er mit einer generösen Geste. Für so eine Kleinigkeit nimmt er kein Geld. Geht garnicht sagen wir und ich gebe ihm 500 Lek oder umgerechnet 10 Café. Er freut sich, wir freuen uns, seine Kollegen freuen sich, und gegenseitig zuwinkend verlassen wir den Ort des Geschehens.

Weiter geht es Richtung montenegrinische Grenze. Auf einmal stehen wir vor ihr, der Grenze, haben aber noch ganz schön viel Lek in der Tasche und die letzte Tankstelle verpasst. Also wieder 5 km retour und tanken. Immer noch Geld übrig. Ich kaufe 2 Liter 2 Taktöl. Immer noch Geld übrig. Ich nehme den Taschenrechner des Kassierers und teile meinen Lek -Betrag durch Marlboro-Schachteln und 0,5 Literflaschen Cola Zero. Es sind exakt 15 Schachteln und 7 Flaschen!

An der Grenze – Ausreise Albanien -schnüffelt der Drogenhund die Autos ab. Das kann hier, trotz weniger Wagen ewig dauern.

Praktisch so ein Womo. Christina geht in die Küche und schneidet Tomaten, Paprika, Mozarella und Parmesan auf. Argwöhnisch werde ich in der Zwischenzeit von von einigen uniformierten Polizisten beobachtet. Einer davon zeigt mit seiner Hand auf unser Womo, auf den Alkoven. Ich denke ist der Alkoven beschädigt oder erklärt er den anderen jetzt, dass man darin schlafen kann?

Christina reicht mir den Teller nach vorne. Ich beuge mich nach hinten. Da erschallt ein freundliches „Mahlzeit“ am Seitenfenster. Es ist der Erklärpolizist, der sich unbemerkt angeschlichen hat. Ich drehe mich mit dem Teller in der Hand um und biete direkt einen Leckerbissen an. „Nein Danke“ erschallt es. Ich denke, „der spricht mal gut deutsch und warum hat der überhaupt das Wort POLIZEI auf seiner Uniform stehen“, während er zur Fahrertür marschiert. Es klärt sich auf.

Er ist Teil eines Frontex-Einsatzes und für 2 Monate hier in Albanien im Einsatz. Es könnte schlimmere Einsatzgebiete geben, als hier 30 km vom schönsten Mittelmeer entfernt stationiert zu sein. Hoffentlich hat er ein Auto oder Motorrad zur Verfügung. Schnell werden wir uns einig, dass Albanien ein tolles Land mit netten Menschen ist und ihm sei klar geworden, dass man das Bild das man mit Albanern in Deutschland im Kopf hat, neu zeichnen muss.

Leider müssen wir dann aber auch weiter und winkend verabschieden wir uns von diesem freundlichen Polizisten. Wir hatten vergessen zu fragen wo er herkommt, tippen aber auf Brandenburg oder Berlin, fragen uns aber welche EU-Aussengrenze bei diesem Einsatz gemeint sein könnte.

Er bleibt noch, für uns geht es weiter durch die Bucht von Kotor, wo wir mit der Fähre übersetzen. Noch 1 h wollen wir fahren und uns dann einen netten Platz suchen.

Es geht Richtung Dubrovnik und wir passieren die Grenze nach Kroatien. EU – gelobtes Land. Endlich können wir unsere mobilen Endgeräte wieder nutzen. Die Landschaft hier ist wieder atemberaubend, die Strecke an der Küste entlang eine der schönsten Landstraßen überhaupt. Immer wieder prüfen wir Campingplätze über Google und schauen uns diese an.

Aber keiner gefällt uns so richtig. Nicht am Meer gelegen, oder ein riesiger wohlorganisierter Komplex, wie der Platz in Dubrovnik. An der Westküste von Dubrovnik werden wir fündig. Ein Kleinod in mitten einer großen Bucht. Der Camping Banja ist ein naturbelassener Olivenhain, betrieben von einem älteren Ehepaar, welches idyllisch inmitten von Gemüsebeeten in der kleinen Ortschaft lebt.

Wir bauen auf, springen ins kühle Nass, kochen ein schnelles Abendessen und freuen uns bei albanischem Wein darüber, dass unser Roller die Tortur schadlos überstanden hat.

Das war dann heute doch sehr anstrengende 320 km in 9 Stunden und wir sind hundemüde. Bevor wir erschöpft ins Bett fallen hat Christina komischerweise noch ausreichend Kraft mich zu einer Partie Rommee herauszufordern. Ihre Siegesserie hält ungebrochen.

Tag 20 – Deutsche und Bulgaren sind gleich – Game Changer in Kroatien

Unser erster Tag in Kroatien beginnt grandios. Wir schlafen bis 7:30 Uhr und im Womo ist es schon angenehm warm. Das wird ein heisser Tag heute. Wir chillen mit Captain Kirk und dem Khan. Frühstück, wie immer, im Bett. Blick aufs Meer. Das vorletzte albanische Ei muss dran glauben. Sowas gelbes habe ich noch nie gesehen.

Ab 11 Uhr liegen wir am kleinen Strand und genießen das süße Nichtstun. Wir sind alleine, keine Menschenseele um uns rum. So soll es sein, deshalb sind wir hier. Ruhe, Stille, Abgeschiedenheit!

Ich gehe zurück zum Womo und baue das neue Sonnensegel auf. Premiere – heute kann nix mehr schief gehen.

Als ich das Essen zubereite kommt Christina aufgeregt zurück vom leeren Strand. Genau neben uns hätten sich 2 Leute hingelegt, obwohl der Strand komplett leer sei. So schlimm wird es schon nicht sein, denke ich. Wir sind ja einiges von den Bulgaren aus Griechenland gewöhnt.

Wir essen lecker Salat. Leider bin ich viel zu gierig und beiße mir mitten auf die Zunge. Denke mir nichts böses.

Nichts böses denke ich auch, als wir wieder zum Strand laufen. Aber tatsächlich – da liegt eine Frau am leeren Strand direkt bei unseren Handtüchern. Ihre Füsse dort wo mein Kopf wäre. Bin sprachlos und ringe mich zu „ do you speak english or german?“ durch. Sie antwortet „german“. War ja klar, zu dumm um „deutsch“ zu sagen. Ich frage sie „ist das hier ein Spaß, oder warum liegst du genau hier, wo der ganze Strand leer ist“?

Ihr hängt ihr schlauchartige weißer Busen aus dem Bikini, ich würge. Sie antwortet „hier gibts Schatten!“ Alles klar, gewonnen. Wir nehmen unser Zeugs und unseren eigen Schatten mit und legen uns 10 Meter weiter. Das war der erste Beweis, das es nicht die Nationalität, sondern die Menschen sind. Sorry allen Bulgaren.

Der zweite Beweis folgt sogleich. Wir chillen am Strand, plötzlich rauscht ein deutsches Womo mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei und biegt auf den Campingplatz ein. Alle anderen fahren hier Schritttempo. Mir schwant böses, als ich wegen meiner blutenden Zunge – Christina diagnostiziert eine tiefe Fleischwunde – zurück zum Womo laufe. Es war klar. Die stehen direkt neben uns. Und zwar face to face. Der gewählte Platz ist scheisse, der gesamte Campingplatz eine leere Oase, und jetzt stehen die genau dort. Schauen uns auf die Teller, wir müssen jedes scheiss Wort von denen anhören. Deutsche eben. Sorry an die Bulgaren.

Mit Gin versuche ich die Blutung zu stoppen und den Frust zu ertränken.

Zurück am Platz spielen wir Rommee – keine Frage wer gewinnt – stellen die Bluetooth-Box an und ich lasse Queen, die Lieblingsmusik von Christina, laut ertönen. Das wird die genauso nerven wie so viele andere auch. Denkst Du,

Das ist der Game Changer. Die Nachbarin ist auch Queen – Fan, hat sogar ein Queen-Tattoo und sucht uns heim. Christina hat eine gleichgesinnte getroffen. Gespräch unter Experten. Ich geh duschen und bin froh über das schützende Sonnensegel. Denke mir „trotzdem scheisse geparkt!“

Zu guter letzt beisse ich mir beim Abendessen ein zweites mal auf Zunge. Selbe Stelle, selbe Schmerzen, nur mehr Blut.

Tag 21 – ab in den Norden nach Srima

Heute ist Weiterreisetag. Der Platz ist zwar wundervoll, aber unsere Nachbarn zerstören durch ihre unverschämte Stellplatzwahl das Idyll. Außerdem wollen wir noch eine Zwischenetappe am Meer einlegen. Irgendwo weiter im Norden, damit die Heimfahrt auch in 2 Tagen zu bewältigen ist.

Check Out im Mehrgenerationenhaus. Die Großmutter humpelt mit ihrem Gehfrei über den Hof.

Während ich bei ihrer (bestimmt) Schwiegertochter 20 Euro/Nacht bezahle wünscht sie nur mehrmals einen schönen Tag. Ich erwidere freundlich. Toller Platz zum Leben hier, nette Menschen.

Wir fahren los, die Küste entlang. Es ist wenig Verkehr und sehr beeindruckend. Die einsam entgegenkommenden Wohnmobile werden freundlich mit einer lässigen Handgeste gegrüßt.

Die kurze Durchfahrt durch Bosnien Herzegovina nutzen wir zum Auffüllen der Zigsrettenvorräte. Kaufe 4 Stangen rote Marlboro, billiger kann es ja nicht mehr werden. Wobei ich keinerlei Idee habe wieviel Geld ich hier gerade ausgebe. Irgendwann, mit all diesen Wechselkursen, gibt man auf. Ich bin dankbar für den Euro!

Wir schmuggeln unsere Zigaretten in die EU und erreichen dann die Tiefebene bei Opuzen. Hier reihen sich die Gemüsestände aneinander. Vor 2 Jahren haben wir hier 50 Euro liegen lassen, unter anderem auch für selbstgemachte Saft. Den haben wir dann später, als wir wieder zuhause waren entsorgt. Untrinkbares Zuckerwasser war das.

Diesmal sind wir klüger und wählen 1 kg Zwiebeln und 1 kg Tomaten, die verdächtig belgisch aussehen. Dafür will die junge Frau 4 Euro. Gewohnt an albanische Preise sehr ich sie erstaunt an. „This is not true? You are joking!“ stammle ich. Doch, doch, so soll es sein. Immerhin ja 2 Kilo. Ich gebe klein bei und gewinne doch – auf meine 5 Euro kann sie nur 2 Euro rausgeben. Fühle mich trotzdem verarscht.

Weiter geht es weg von den schönen Küstenstraßen und rauf auf die Autobahn. Ab jetzt sind wir wieder in der Zivilisation. Stoisch rollen wir über die neue Fahrbahn. Unfassbar langweilig. Kurz halten wir an um zu essen und unser Grauwasser in der Kanalisation des Rasthofs verschwinden zu lassen.

Aber ein weiteres Highlight dieser Reise folgt sogleich. Irgendwo im Niemandsland auf der kroatischen A1 hat unser tapfere Fiat Ducato die 200.000 km Grenze erreicht. Was für ein Ereignis. Bei 40 km/h feiern wir frenetisch und ausgelassen auf der Autobahn.

Bei Sibenik verlassen wir das monotone grau und fahren Richtung Vodice. Kurz noch Lebensmittel fassen. Wir entscheiden uns gegen Lidl und für Interspar. Um unserer lokalen Verbundenheit Ausdruck zu verleihen und ein Zeichen gegen das LEH-Oligopol zu setzen, kaufen wir nur lokale Weine, Spirituosen, Käse und Backwaren. Praktisch, das ist auch billiger. Nur der grüne Spargel, an dem wir minutenlang schnüffeln, kommt wahrscheinlich aus Italien. Die anderen Einkäufer sehen uns pikiert an, wie wir unsere Nasen an den Spargel halten. Vielleicht vermuten die Klebstoffreste, vielleicht schaffen wir gerade einen Trend! Die haben bestimmt noch nie Spargel bei Lidl in Griechenland gekauft!

Spontan entscheiden wir uns am Meer entlang zu fahren, durch das Örtchen Srima hindurch. Gute Entscheidung. Wir fahren an Ferienhäusern und kleinen Pensionen vorbei, eine Einwohnerstrasse am Strand entlang und trauen unseren Augen nicht. Direkt zwischen zwei Ferienhäusern liegt ein Garten und ein kleiner Campingplatz. Das Kamp Roko. Ein älteres österreichisches Ehepaar belegt mit dem Wohnwagen die erste Reihe. Wir positionieren uns eine Ebene höher in Reihe 2. Das Meer fest im Blick.

Hier bleiben wir 2 oder 3 Nächte. Packen nochmal das gesamte Equipment aus und springen sofort ins Meer.

Beim abendlichen Rommee – Spiel hält uns der leichte Regen nicht auf, mein gutes Blatt dafür aber Christina. Ihre Siegesserie ist beendet.

Tag 22 – hot, hot, hot in Srima

Mein ganzer Körper juckt. Ich wache auf und taste nach dem Handy. Es ist 4:00 Uhr. Ich bin von Kopf bis Fuß übersät mit Schnaken-Stichen. Ich habe die Worte von Christina von gestern Abend noch im Kopf „hier gibt es keine Schnaken“. Denkste. Aber wie ich sehe geht es ihr keinen Deut besser. Recht so. Ich krame das Fenistil heraus und betreibe Erstversorgung. Im Anschluss versiegele ich meinen Körper mit Autan-Spray. Christina will leiden und verzichtet auf das Fenistil. Selber Schuld. An Schlaf ist vor erst nicht zu denken. Wir lauschen dem Summen der Schnaken und versuchen unsere Körper mit den Bettdecken vor dem Eindringlingen zu schützen. Es gelingt, wir schlafen bis 8:30 Uhr durch. Wach werden wir dieses Mal von der unsagbaren Hitze. Es hat bestimmt schon 28 °C.

Wir sind gelähmt, verrichten nur die überlebensnotwendigen Grundfunktionen und schleppen uns die 30 m ins Meer. Herrlich kühl und klar hier in Srima .

Wahrscheinlich haben wir einen Hitzestich, denn wir entscheiden uns in der sengenden Mittagshitze mit dem Roller in die Stadt zu fahren. Wozu habe ich den denn sonst auch von der Motorrad-Bühne runter geholt?

Vodice soll ja angeblich Party-Hochburg hier sein. In der Vorsaison kann man das nur erahnen. Jedenfalls wird die Stadt beherrscht von Souvenirshops und Bars.

Uns ist es zu heiß. Die Helme die wir vorschriftsmäßig tragen dienen auch nicht unbedingt zur Abkühlung. Ich kann Motorradfahrer immer weniger verstehen.

Wir suchen Abkühlung unter unserem Sonnensegel. Das ist nur bedingt möglich. Es hat deutlich über 30 °C.

Selbst das Essen ist eine Qual. Unsere österreichischen Nachbarn sind sehr freundlich. Wie schon gesagt, ältere Österreich scheinen sehr nett zu sein. Lustiges allerdings, dass der Mann immer kroatische Wörter benutzt. So wird er wahrscheinlich seine Verbundenheit mit diesem Land und seine Kenntnisse über dieses Land kund tun. Es erinnert ein wenig an die Wichtigtuer, die in Deutschland beim Italiener auf Italienisch bestellen. Meistens schauen dann die albanischen Kellner hilfesuchend in die Runde. So geht es ihm mit mir auch. Ich verstehe kein Wort.

Zurück am Strand suchen wir Schutz unter den spärlichen Bäumen und gehen im 15 Minuten Takt ins Wasser. Gin Tonic sorgt für zusätzliche Linderung.

Jack Reacher beendet sein Abenteuer. Er hat es doch tatsächlich geschafft, alle Bösen zu eliminieren und sein Team beieinander zu halten. Respekt.

Das hier ist ein schöner Ort in der Vorsaison. Hier gibt es alles. Bäcker, Supermärkte, Bars, Restaurants. Trotzdem geht es für uns morgen weiter, wir wollen am Freitag wieder zu Hause sein.

Tag 23 – von der kroatischen Sonne in den österreichischen Regen

Heute probieren wir mal etwas Neues aus. Einen ganz neuen Reiserhythmus -solange wie möglich den Tag am Strand genießen und dann erst am frühen Nachmittag weiterfahren. Es ist am heutigen Donnerstag ja auch die letzte Gelegenheit das Meer zu nutzen. Gesagt, getan. Ab 10 Uhr liegen wir am Strand.

In Etappen räumen wir das Womo ein. Baden, Aussenküche, Baden, Heckgarage, Baden, usw. Das klappt erstaunlich gut. Ist entspannend.

Mittags düse ich mit dem Roller zum nächsten Imbiss. „Was haben Sie vegetarisches da?“ Die junge Frau schaut mich an wie den Mann im Mond und ringt sich zu Pommes und der Möglichkeit Sandwiches ohne Schinken zu machen durch. Prima. Das nehmen wir. Um mich rum lauter Menschen die Hackfleisch in Blätterteig mampfen. Kroatien ist Fleischland.

Ich zahle die 2 Nächte -300 Kuna. Schon wieder 20 Euro/Nacht – das muss ein europaweiter Einheitspreis zu dieser Jahreszeit sein – und wir verfrachten den Roller auf die Motorradbühne. Dank einer neuen Verzurrtechnik hält der jetzt bombenfest. Ich verspanne den Gepäckträger mit den Ösen am Boden, so wie alle anderen auch. Hätte ich auch mal früher so machen können.

Unsere Nachbarn haben Zuwachs erhalten. Ein weiteres österreichisches Rentnerpaar baut den Wohnwagen auf und richtet sich häuslich ein. Die lassen es allerdings ruhig angehen.

Um 14 Uhr haben wir genug Sonne getankt und das Meer genossen. Wir stehen in den Startlöchern. Just in dem Moment kommen wir mit allen Nachbarn ins Gespräch. Die Österreicher bleiben für 3 ganze Monate hier. Sie konnten sich früher nie vorstellen immer an einem Platz zu sein, jetzt ist es aber eben so, man wird ja nicht jünger. Das ältere sächsische Ehepaar mit seinem VW LT und der MZ auf dem Motorradträger macht schon immer Camping, man hätte in der DDR ja keine andere Möglichkeit, und war auch schon in Griechenland und Albanien und überall unterwegs, und konnte sich früher nie vorstellen immer an einem Platz zu sein, jetzt ist es aber eben so, man wird ja nicht jünger. Um diese Erkenntnis bereichert sehen wir unserer Zukunft gelassen entgegen und starten um 14:30 Uhr Richtung Villach. Wir werden aufs herzlichste verabschiedet, deutsche und österreichische Camper winken uns hinterher. Schön wars.
Vor uns liegen 450 km monotone Autobahnfahrt, unterbrochen nur durch eine kurze Passage Landstraße und ein spektakuläres, 150 km andauerndes Wettrennen mit einem polnischen Reisebus. Schlussendlich entscheide ich es knapp für mich. Vor der Grenze tauschen wir unser übrig gebliebenes kroatisches Geld in Diesel, Cola Zero, Vignetten und Zigaretten um.

Diesmal muss ich den Taschenrechner nicht selbst bedienen. Der freundliche Tankwart übernimmt das für mich. Da kann der Albaner noch was lernen.

Zielstrebig steuern wir den Karawankentunnel an. Es ist bewölkt, aber warm und trocken. Kaum sind wir aus dem Tunnel draußen, geht die Welt unter. Platzregen. Enorme Wassermassen auf der Straße. Mit 50 km/h schleichen wir auf der österreichischen Autobahn bis zum Campingplatz Ossiachersee. Ich steige im Dunkeln aus und Lande direkt in einer 20 cm tiefen Pfütze. Es regnet immer noch stark. Aber hier wird es endlich wahr. Ich kann meine magische ACSI Karte zum ersten Mal nutzen. Mogelpackung denke ich. Die in Frage kommenden Plätze sind im hintersten Eck, wo sowieso keiner stehen will. Uns egal, wir übernachten ja nur. Ich fahre auf den zugewiesenen Platz ein, es gibt nur eine Parkposition, und denke – aus diesem Sumpf komme ich nie weder raus. Inzwischen ist es 21:30 Uhr und was interessieren uns heute unsere Probleme von morgen. Da machen wir doch lieber mal Bestandsaufnahme von unseren Fremdwährungsgeschäften.

Heute jedenfalls gehen uns Schnaps und Zigaretten nicht aus.

Tag 24 – Hindernisparcours vom Ossiander See bis Göppingen

Es hat die ganze Nacht geregnet, aber als wir aufwachen strahlt die Sonne vom Himmel und es ist angenehm warm hier am Ossiacher See auf diesem modernen Platz.

Mit großer Erwartung packen wir unsere weißen Bademäntel aus und watscheln durch dem sumpfigen Morast zum Waschhaus. So heißt das hier. Am Gardasee hieß es ja Spa. Schau mer mal. Ich betrete die Duschkabine und das Licht geht an. Praktisch denke ich, ökologisch. Ich trete unter die Dusche und betätige den großen Knopf. Das Wasser geht an, das Licht geht aus. Ich trete einen Schritt zurück. Das Licht geht an, das Wasser geht aus. So ist das anscheinend in einem Waschhaus. Licht und Wasser gibt es nur getrennt. Die Timer sind parallel auf 8 Sekunden eingestellt. Wer braucht schon Licht zum duschen! Mit meinem Rücken lehne ich mich gegen den großen Knopf und überliste den 8 Sekunden-Timer so gut es geht. Das gelingt nur bedingt. Zum Glück sieht mich keiner, wie ich mich hier verrenke. Das fühlt sich erbärmlich an und sieht sicher auch erbärmlich und erniedrigend aus. Ich verfluche den Idioten, der sich in dieser wasserreichen Gegend das Wassersparprogramm für den Campingplatz ausgedacht hat. Ich sehne mich nach Albanien zurück.

Um uns rum Aufbruchstimmung und auch wir sitzen um 9:30 Uhr abfahrbereit im Auto. Rückwärtsgang rein und ab dafür. Das Womo bewegt sich nicht. Die Reifen drehen durch. Wir stecken fest. Ich versuche aufzuschaukeln, was nur dazu führt, dass wir uns noch tiefer eingraben.

Die Prophezeiung von gestern ist wahr geworden. Da kommen wir nie raus.

Ich schnappe mir zwei starke Jungs von der Rezeption. Siegessicher geleiten mich diese Kärntner Naturburschen zum Womo. Den schieben wir einfach raus. Aber auch das gelingt nicht. 3 ungünstig verteilte Tonnen sind zu viel, auch wenn man zusätzlich noch Bretter drunter legt.

„Ich hole den Traktor“, die erste gute Idee. 5 Minuten später ist der Kerl mit einem Aufsitzrasenmöher zurück. Ich schmunzle, aber ein Versuch ist es wert. Inzwischen haben sich auch Schaulustige eingefunden. Wie bei einem Verkehrsunfall. Alles schauen, keiner hilft. Der Rasenmäher macht Donuts auf den Asphalt, es riecht nach verbranntem Gummi. Wir bewegen uns nicht, bis Christina noch weitere Gäste zum schieben animiert und auch selbst Hand anlegt. Der Wagen bewegt sich, wir sind frei.

Allgemeines Abklatschen und große Freude über das gemeinsam bestandene Abenteuer. Wir setzen uns in Position und starten wieder. Nichts geht. Die Reifen drehen wieder durch. Klar, wir stehen ja noch auf dem nassen Rasen und das komplette Profil der Reifen ist voller Matsch. Ich hole wieder die Jungs und mit Hilfe neuer Helfer schieben wir das Womo dann schlussendlich auf den Asphalt. Es ist von oben bis unten voller Lehm.
Zum Glück muss ich es außen nicht selber waschen. Da wartet ja schon meine Waschcrew Philipp und Simon von Feelgoodmedia drauf. Im Gegenzug durften die am heiligen Ostersonntag unser Haus für den Videodreh von MONE BLAK nutzen. Bin ich froh um diesen Deal.

Ich zahle an der Rezeption und habe sage und schreibe einen Vorteil von 11 Euro mit meiner Campingcar von ACSI. Mit den österreichischen Phantasiegebühren für alle möglichen Touristenabgaben wird aus 17 Euro Platzgebühr aber schnell ein Gesamtbetrag von 24 Euro. Habe den Eindruck, dass die mich hier nicht mehr sehen wollen. Mein Defizit mit der Campingkarte beträgt jetzt nur noch knapp 6 Euro.

Endlich frei fährt es sich auch ganz unbeschwert und dynamisch. An der Tunnel-Mautstelle auf der Tauernautobahn dümpelt ein Wagen vor mir her. Ich hupe den Wagen weg, er hat sich verfahren und hält mich auf. Kann wohl nicht mit Karte zahlen. Er muss zurück stoßen. Fühle mich siegessicher, kann durch schnelles Zahlen Boden gut machen. Zu spät entdecke ich die Breitenbeschränkung auf 2 Meter an diesem Terminal und will mir keine Blöße geben. Ich stoße nicht zurück! Ich nicht! Vorsicht fahre ich ein, und schon macht es ein vertrautes Geräusch. Ein lauter Schlag, gefolgt von einem lauten Knacks. Der provisorisch reparierte Außenspiegel ist erneut gebrochen und wird nur noch durch die Gummimanschetten zusammengehalten.

Egal, mich hält nichts auf. Ich habe immer noch einen Vorsprung und genug Gafa-Tape dabei. Gekonnt verfehle ich die nächste Parkmöglichkeit und dümple 20 km mit Tempo 80 über die Autobahn. Bei der zweiten Gelegenheit bin ich dann aufmerksamer und wir kleben den Spiegel mit einer halben Rolle Tape fest. Das hält bombensicher. War ja auch eh kaputt.

Zielstrebig fahren wir Richtung Grenze bei Salzburg. Nichtsahnend. Heute ist ja kein Rückreisetag und wir hatten bisher noch keinen Stau auf der Reise. Denkste. 3 km vor der Grenze fahren wir in den Stau und quälen uns gute 30 Minuten bis zur Wurzel des Übels.

Die Deutschen haben doch tatsächlich Grenzkontrollen eingeführt. Fahrbahn verengt, riesiges Kontrollzelt aufgebaut, zwei Spuren sind frei. Hallo! Schengener Abkommen! Die Polizisten schauen in jedes Auto, ziehen den Hass der Fahrer auf sich und werden aus den offenen Fenstern angepöbelt. Der vor mir fahrende Rentner droht mit dem Zeigefinger. Kontrolliert wird natürlich keiner. Das Kontrollzelt ist leer, bis auf die rauchenden Polizisten. Wer hier einreisen will braucht nur ein Wohnmobil.
So ein Drama beim Grenzübertritt schaffen nicht mal die Albaner. Hier sollte die Frontex mal ernsthaft über Hilfe nachdenken. Wie wird das erst morgen, am Hauptreisetag sein?

Zur Mittagszeit sind wir am Chiemsee und lassen uns durch Siri zum nächsten italienischen Restaurant führen. Im Fischer am See gibt es lecker Essen, nur nichts italienisches. Die sind bekannt für ihre Fischspezialitäten. Sagt der Name ja auch irgendwie. Haben wir wohl übersehen. Wir essen Salat und Obazda.

Problemlos umfahren wir München und machen spontan noch einen Abstecher ins Campingparadies, den Freistaat in Sulzemoos. Toll, wir können hier Abwasser und Toilette entsorgen.

So sauber sind wir noch nie nach Hause gekommen. Der Laden selbst – mein zweiter Besuch – enttäuscht auf ganzer Linie. Außer Zusatz für die Chemietoilette und unfreundliches Personal finde ich nichts spannendes. Nicht mal unterschiedliche Anglerwesten haben die im Sortiment.

Weiter gehts auf der A8 und bei Ulm entscheiden wir uns für die B10 nach Göppingen. Falsche Entscheidung. Wie immer. Die Straße ist teilweise gesperrt und wir fahren die Umgehung. Inzwischen sind wir aber so tiefenentspannt, dass uns auch das nicht mehr aus der Ruhe bringt. Um 19:30 Uhr sind wir nach knapp 4.500 km wieder zu Hause.

Den Abend und unsere Reise beschließen wir dann doch noch italienisch, bei da Pasquale in Göppingen. Endlich Spaghetti, Pizza und leckeren Wein.

Die Wohnmobil – Routen 2017


2017 ist das italienische Jahr.

Im März eine Woche Turin ohne Womo zum Championsleague – Spiel Turin gegen Porto.

An Ostern spontan an den Lago Maggiore, der Sonne entgegen.

Über Pfingsten dann 2 Wochen in der Toskana am Meer und an der Adria.

Im September gute 3 Wochen Rundreise – Sizilien hin und zurück.

Im Oktober dann eine Woche mit dem Flieger nach Ischia.

Im November ein Wochenende in Bologna zu Queen & Adam Lambert.

Sommer 2017 – mit dem Wohnmobil unterwegs – Roadtrip nach Sizilien und zurück

Tag 1 – Get the party started! Italien – wir kommen mal wieder, im Kriechgang über den San Bernadino

Es ist verrückt – je länger wir Wohnmobilurlaub machen, umso professioneller läuft die Vorbereitung ab. Es ist Mittwoch 17:30 Uhr und wir starten nach 10 Minuten Vorbereitung.  Praktisch so ein Womo, da ist ja schon alles drin 😀

Nach 20 Minuten schon Stau auf der A8 bei Gruibingen. Egal wir sind ja locals und kennen uns aus. Wir fahren einfach über Wiesensteig und dann wieder auf die Autobahn. Dachten wir. Ich dachte auch ich sei schlauer als das Garmin-Camper-Navi und es zeige mir die falsche Route an. Nach weiteren 30 Minuten haben wir den Stau umfahren und Wiesensteig, Westerheim, Laichingen und zahlreiche romantische Täler in unseren näheren Umgebung entdeckt. Italien fest im Blick.

Phantastisch – wir sind alleine auf der Strasse und können die Kraft der 75 Pferdestärken endlich mal hemmungslos am San Bernadino ausnutzen.
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Im 3. Gang wuchte ich bei gut 50 km/h die 3 Tonnen über den Berg!

Um Mitternacht sind wir bei Mailand und stellen uns auf einen Autobahnparkplatz. Genug für heute. 470 km mit einem Durchschnitt von 79 km/h. 

https://www.tripadvisor.it/Restaurant_Review-g1078146-d12637328-Reviews-Autogrill_Villoresi_Ovest-Lainate_Province_of_Milan_Lombardy.html

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Wir stehen weit weg von den LKWs. Es ist ruhig. Wir trinken und rauchen. Dann zischt und schnaubt es – ein Kühl-LKW entdeckt den Platz neben uns für sich. Schön für ihn – schlecht für uns, sein Motor läuft die ganze Nacht. Unser Womo vibriert leise im Takt seines 6 Zylinders. Dafür heizt sich unser Kühlschrank auf – irgendwas mit der Elektrik bei 12V stimmt nicht. Gaszündung funktioniert auch nicht. Bei der ergebnislosen Fehleranalyse bemerken wir, dass im Womo doch nicht immer alles drin ist. Die Milch fehlt. 

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Tag 2 – Augen zu und durch – auf nach Capalbio unserem ersten Zwischenziel und einem unserer Lieblingsorte

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So stelle ich mir eine Nacht auf einer Kreuzfahrt in der Innenkabine nähe Motorraum vor. Schwül, stickig, laut. Es fehlt nur der Wellengang.
7:30 Uhr, der LKW ist immer noch da, er kühlt immer noch. Über Nacht hat er Artgenossen angezogen. Einträchtig wummern sie vor sich hin, wie Wale die sich über ihre Tageserlebnisse mit sonorern Tönen austauschen.

Die Architektur der Raststätte ist klasse.  Das gäbe es in Deutschland nicht, reine Verschwendung für uns. Hat ja keinerlei Funktion:

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Wir haben Capalbio fest im Blick, unser erstes Zwischenziel und fahren was das gute alte Hymercamp hergibt. Am Ende des Tages erhöhen wir den Schnitt auf sagenhafte 85 km/h, heute also sogar über 90 km/h. Brav gemacht. 

Zwischenstopp im Nirwana. 

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War bestimmt lustig mit anzuhören wie ein Deutscher in radebrecherischem italienisch der vietnamesischen Café – Besitzerin erklärt, dass er ein vegetarisches Sandwich wünscht. 

Um 15:40 stehen wir 5 km vor dem Ziel vor dem wohlbekannten Punto Supermercato. Da war doch was! Richtig – schon wieder auf die Mittagspause reingefallen. Zum dritten Mal in 2 Jahren. Dann eben keine Lebensmittel.

Am wohlbekannte Camping-Platz geht alles ganz schnell. Er ist leer – wir haben freie Platzwahl. Die Frau an der Rezeption erkennt mich wieder. Hätte mich auch gewundert nach dem Chaos an Pfingsten.  Wie alte Freunde verstehen wir uns wortlos. 

http://www.ilcampeggiodicapalbio.it/index.php

Wir stehen in der 1.Reihe. Hat nur 20 Minuten gedauert einzuparken. Fraglich allerdings, ob wir aus dem Sand jemals wieder raus kommen werden. We will see on Sunday.

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Gleich mal ins Meer gehüpft. Und gleich nochmal.

Am Abend dann im wahrscheinlich schönsten Ort der Welt mit Verdure, Pasta, Vino und noch viel mehr.

https://www.facebook.com/RossoEVinoAllaDogana/

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Tag 3 – Ruhetag in der südlichen Toskana – Capalbio Mare und der Tarot Garten von Niki de Saint Phalle

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Leise prasselt der Regen durch das Schilfdach auf das Wohnmobil. Die Zugketten der Stranddusche schlagen im Wind gegen die Brausestange. Das Meer braust im Hintergrund, die Wellen schlagen gegen den Strand. Es ist 8:30 Uhr und ein frischer Wind sorgt für Gänsehaut.
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Der Blick auf den Strand entschädigt für das Wetter. Die Wetterprognose sagt Sonne ab 14 Uhr voraus. Wir entscheiden uns zu bleiben. Wollen heute Abend ja nochmal lecker essen am wahrscheinlich schönsten Ort der Welt.

Ob das was wird? Die Tai Chi – Gruppe jedenfalls verlässt den Strand. Der gut sortierte Camper hat natürlich immer einen Regenschirm dabei:

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Ich vertreibe mir die Zeit mit Fußpflege. Bemerkenswert wieviel Hornhaut man so hat. 

Die Wetterprognose hat sich geirrt. Schon um 12 Uhr kommt die Sonne raus und wir stürzen uns in die Fluten. 

Heute steht noch mehr auf dem Programm. Wir brauchen Cola Zero und wollen nochmal zu Niki de Saint Phalle in den Tarot Garten. Eine gute Gelegenheit endlich mal wieder den Roller zu benutzen.

http://ilgiardinodeitarocchi.it/de/
Und dieses Jahr – man glaubt es kaum hat sich was verändert. 

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Das Ship of tolerance ist da! Gute Sache. Wahljahr. Fuck AFD.

Im Tarot- Garten hat sich auch was verändert. Überall barcodes zum scannen. Juhu, die Digitalisierung ist da. Scanne aber nix. Keine Lust. Die sollten besser mal ebeacon verwenden, dann bin ich auch dabei. Dafür der Garten jedesmal wieder schön.

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Wir verbringen einen weiteren wundervollen Abend im wahrscheinlich schönsten Ort der Welt im Rosso e Vino alla Dogana.

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Tag 4 – Ab in den Süden ins Cilento – durch den Regen am Vesuv vorbei

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Wir reisen weiter. Genug vom Sand, genug von den Ameisen. Ich habe eine komplette Dose Ameisenstreu verwendet. Alle Reifen umkringelt. Effekt gleich Null. Ameisen im Bad. Ameisenstrassen bis hoch zum Alkoven. Bedeutet wir haben gleich das nächste Problem. Das Auto ist nicht dicht. Egal, wir haben noch Spray aus der Dose. Das wirkt wenigsten gegen die Ameisen.

Wie durch ein Wunder gräbt sich der alte Fiat aus dem Sand und wir starten um 10:30 Uhr. Wir wollen bis hinter Neapel fahren.
Rom lassen wir links liegen und düsen die Autobahn hinunter. Das Wetter wird immer schlechter.
Uns hält nix auf. Zur Stärkung Autobahnpizza. Jedesmal wieder grandios.
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Wir sehen den Vesuv nicht. Alles von Wolken verhangen. Kurz vor Salerno geht dann die Welt unter. Um uns rum lauter Autos die mit Warnblinker fahren. Verwirrt mich total. Wie soll ich denn erkennen, wenn einer steht?
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Ätzendes Wetter. Wir entscheiden weiter zu fahren ins Cilento. Da muss es toll sein und wir hoffen auf besseres Wetter. Ausserdem ist irgendwann auch gut – über 500 km in dem dröhnenden Womo reichen aus. Über eine Bundesstrasse geht es ans Meer, schöne Landschaft, Mittelgebirge. Könnte auch Westerheim und Wiesensteig sein.

An der Küste entlang. Richtung Sapri. Traumhaft. Pittoresk, wie man auch überall lesen kann. Hier kann man sicher nix falsch machen. Am ersten Campingplatz biegen wir zielstrebig ab, wir sind da. 18 Uhr – Luft raus.
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Und wieder rein gefallen. Hätten den Platz mal anschauen sollen. Nur Dauercamper, die ihre Sieben Sachen zusammmen packen. WLan – Fehlanzeige. Gefällt uns nicht.

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https://www.facebook.com/europaunitasolemare/

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Der Supermercato wird extra für mich aufgeschlossen. Ich kaufe die letzten 3 Brötchen und die letzten 6 Flaschen Wasser.
Stimmung erst mal im Keller. Prosecco – Schorle hilft.

Jetzt erst mal duschen. Mit unseren weißen Bademänteln stehen wir verwirrt an der Dusche, es gibt keine Armaturen. Zum Glück hilft uns ein junges Mädchen weiter. Natürlich brauchen wir einen Chip, der die Dusche von außen in Gang setzt. Es ist dabei immer die Temperatur richtig, die der Campingplatz-Chef für alle festlegt. Hätte man uns beim Check in auch gleich sagen können. Als ich im Bademantel an der Rezeption erscheine  ist auch direkt alles klar. Wir verstehen uns wortlos.

Wo ich schon mal da bin, habe ich für 20 Uhr einen Tisch im Restaurant reserviert. Das Essen entschädigt dann tatsächlich.

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Klasse Location – im Hintergrund spielt Spanien gg Italien. Wahrscheinlich WM – Quali. Spanien deutlich überlegen, führen 1:0. Hier alles ruhig. Echte Tifosi habe ich mir anders vorgestellt. Jetzt 2:0 – keine Reaktion hier. Enttäuschend.

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Wir zahlen. Sind überrascht. Alles zusammen 29 Euro. Was eine Ansage. Und so lecker. Gestern haben wir das dreifache bezahlt.
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Tag 5 – An der Küste Basilicatas entlang nach Scalea – türkisblaues Meer und versteckte Buchten

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Wir starten früh. Um 10:30 Uhr und 37 Euro später sind wir auf der Strasse, auf der Suche nach einem schönen Platz für 3 Nächte. Ab Mittwoch haben wir bis Sonntag eine Wohnung über Airbnb gebucht. Unser nächstes Zwischenziel ist Scilla.
Wir fahren die SS18 Richtung Süden. Vergiss die Amalfi-Küste, hier ist es mal so richtig schön.
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Tolle Buchten, tolle Vegetation, wunderschöne Küstenstrassen, das Meer schimmert in blau und violett. Bei Maratea wacht Jesus über uns. Sind wir eigentlich in Rio? Das Wetter zwingt uns immer weiter zu fahren. Es regnet. Leider.

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Wir fahren durch Scalea, ein Touristenort, leergefegt, obwohl es Sonntag ist. Nach den Schluchten weiter im Norden ist es hier weitläufiger, schwarzer Kieselstrand. Wir halten und inspizieren die Möglichkeiten. 

Das ist gut hier. Wir bleiben. Einkaufen müssen wir noch. Erst Supermercato und dann Ökobauer. Wir kaufen Rote Auberginen – noch nie gesehen. Macht nix. Mit unserer Eataly – Tasche sind wir voll dabei. Da passt auch noch Weißwein,  Käse, Tomaten und sonstwas rein.

Wir entscheiden uns für Campeggio Lao, die haben eine Piratenflagge! Wir sind fast alleine und richten uns ein.

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Leider haben wir ganz unbemerkt noch fremde Passagiere mitgenommen. Dachten eigentlich das Problem in der Toskana schon gelöst zu haben. Weit gefehlt. Der ganze Alkoven voller kleiner Ameisen. Unter der Matratze feiern die anscheinend ein Fest. 

Wir räumen die Karre leer und sprayen und wischen was das Zeug hält. Gesund kann das nicht sein. Kopfschmerzen, tauber Gaumen. Wenns hilft!

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Das Wetter ist unberechenbar – jeden Augenblick kann es regnen. Coole Stimmung.

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Es stürmt, das Meer ist eine Sensation. Surfer und mutig müsste man sein. Wir trauen uns nicht ins Wasser. Die Wellen sind bestimmt 3 Meter hoch.


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Wo entleere ich hier eigentlich die Chemie-Toilette und muss ich da auch 50 Cent für 2 Minuten einwerfen wie in der Dusche? Finde nichts. Nichts ausgeschildert. Wenn die es so wollen, dann eben in die normale Toilette.
Ich bin ferig und höre „no, no, no“. Tja – leider zu spät. Er sagt „besser vorher fragen“. Ich denke „besser vorher sagen und ausschildern und zum richtigen Zeitpunkt da sein“. Habe trotzdem ein schlechtes Gewissen.
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Tag 6 – Chillen am Strand von Scalea – Wellen und azurblaues Meer soweit das Auge reicht

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Die Nacht war kalt. Sehr kalt. Hätten mal nicht alle Fenster offen lassen sollen. 7 Uhr – bin stocksteif vor Kälte, kann mich nicht bewegen. Alles ruhig hier, die Wogen hören wir im Hintergrund. Erstmal warten bis es wärmer wird. Und dann ab an das Meer.

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Neben uns am Strand eine Mutter mit ihrem Sohn. Eindeutig eine Russin, italienisch mit Akzent. Lustig anzuhören. Das Kind schreit, die Mutter schreit zurück. Das Kind weint, die Mutter schreit noch lauter. Russia meets Italy. Fatale Kombination für den Knirps.

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Hot. Hot. Hot.
Bewaffnet mit 20 Cent – Münzen geht es unter die Aussendusche. Fast schon schottische oder schwäbische Verhältnisse hier.

Wir dösen am Strand und wachen durch ein wiehern auf. Vor uns drei Cowboys auf ihren Pferden. Auch noch nie gesehen. Sie reiten in den Campingplatz und dann wieder raus und von dannen. Wahrscheinlich nur mal das Revier abstecken.
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Keinen Steinwurf von uns entfernt fliesst ein Fluss ins Meer. Grossartiges Gefühl wenn Süss- und Salzwasser sich treffen. Zum Glück haben wir die Luftmatratze dabei. Ein Heidenspass ist das, sich über 300 Meter ins Meer treiben zu lassen.

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Juhu, ich darf Roller fahren. Wir haben kein Aranciata Zero. Das ist die Gelegenheit. Düse in die Stadt, überhole rechts und links. Glücklich sein ist so einfach. Zurück am Platz – die Zigarettenfrage. Oh mein Gott, dann muss ich wohl nochmal los. Ich opfere mich und schwing mich nochmals auf das blaue Spassmobil.
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Tag 7 – letzter Tag am Strand bei Scalea – endlich sind wir im Camping – Alltag angekommen

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Das Camper -Leben hat uns eingeholt. Zeit und Raum spielen plötzlich keine Rolle mehr. Sanitäre Einrichtungen sind perfekt, solange Süsswasser aus den Brausen fliesst.
Wir starten mit einem Eddie Murphy – Special in den sonnigen Tag. Das Goldene Kind und der Prinz aus Zamunda entführen uns in die perfekte Welt und lassen uns an das Gute im Menschen glauben.
Gegen Mittag machen wir uns auf zum Strand. Das Meer ist türkis und blau und zum ersten mal ruhig.
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Im Hintergrund wird ein Boot geslippt. Spannend – da fährt ein Raupenbagger ins Meer und lässt das Boot ab. Pfiffig.
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Es ist zu heiß, wir haben Hunger. Gegen 14 Uhr kramen wir die Essensreste aus dem Womo zusammen und essen zu mittag. Anstrengend so ein Leben.
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Zurück am Strand erwartet mich Jack Reacher. Gestern auf den Kindl runtergeladen. Grossartige Erfindung! Stelle mir natürlich Tom Cruise als Protagonist vor und freue mich schon auf klare Wertvorstellungen und unmissverständliche Taten.
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Das Buch – der 1.Band der Reihe ist eine Sensation. Jack ist zufällig Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Im Nirgendwo. Opfer sein Bruder, John!, den er seit 7 Jahren nicht mehr gesehen hat. Alles nah an der Realität.

Über die Berge zieht es bedrohlich schwarz an die Küste. Wir packen alles zusammen und sitzen im Dunkeln unter freiem Himmel und warten auf den Regen. Zum Abschluss des ersten richtig entspannten Camper-Tags noch eine Partie Rommee. Wir einigen uns aus ein Unentschieden. Eddie Murphy liegt doch falsch! Morgen gehts nach Scilla.

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Tag 8 – an der Küste Kalabriens entlang – die atemberaubende SS18 von Scalea bis Scilla

 

Die ganze Mühe war umsonst. Es hat garnicht geregnet. Umso früher kommen wir aber los. Kurz nach 10 Uhr sind wir abfahrbereit. Vor Vorfreude war ich aber schon um 6:30 Uhr wach und habe erstmal My Big Fat Greek Wedding angeschaut. Immer wieder lustig was man mit Glasreiniger so alles anstellen kann.

Es sind gute 200 km die vor uns liegen. Es geht immer die Küste entlang. Ein Ort schöner als der andere. Links die Berge und rechts das in allen Blautönen schimmernde Meer. Vorbei an Diamante und Amantea geht es nach Pizzo. Hier wurde das berühmte Tartuffo – Eis erfunden. Wir fahren in den Ort, ignorieren den Hinweis, dass LKW links abbiegen sollen und schlängeln uns durch die Gassen. Behände wie mit einem Fiat 600. Am Ortsausgang parken wir und steigen ans Meer hinab.

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Es ist kurz vor 1 Uhr – Mittagessen an der Strandpromenade von Pizzo. Wir warten ewig auf die Bedienung. Es hat sich aber gelohnt. Die besten Spaghetti Pommodoro auf dieser Reise.

http://www.pizzocalabro.it/Ristoranti/ristorante_pizzeria_la_ruota.htm

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Satt und zufrieden suchen wir das berühmte Eiscafé und finden es. Geschlossen. Auch gut, dann eben heute Abend Granita in Scilla.

Nach dem Aufstieg zum Parkplatz entdecken wir eine Öllache unter dem Womo. Komisch. Ganz hinten rechts. Wie soll das denn da her kommen? 

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Mir schwant übles. Am Abend zuvor hatte ich Öl aufgefüllt und den Kanister wieder im Heckstaufach untergebracht. Bestimmt nicht richtig verschlossen. Spitze, bei 30 Grad in der Sonne den Roller runtermachen und nachschauen.

Tatsächlich – es sind min. 3 Liter Öl ausgelaufen. Der Teppich ist vollgesogen, zum Glück lag es unten. Scheiss Öl aus Ulm. Liqui Moli ist nicht mal in der Lage eine Verpackung zu benutzen, die wieder schließt. Ganz abgesehen davon, dass schon das Nachfüllen ein Rotz war, da es keinen Trichter gab.

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Noch 100 km bis zum Ziel – Rocco, unser Airbnb – Host wartet in Scilla auf uns.

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https://www.bedandbreakfast.eu/bed-and-breakfast-it/scilla/gemma-del-sud/2621213/

Wir cruisen durch das schöne Kalabrien und fahren in Scilla auf die Piazza San Rocco ein. Polizei, Menschenmassen, überall parken Autos. Quetschen und durch und warten auf Rocco, unseren Host. 

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Es ist Gottesdienst. Alles voll. Hier kommen  wir nie raus. Rocco kommt und wir folgen seinem Scooter. Wie durch ein Wunder ergattern wir einen Parkplatz und beziehen unser Domizil.

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Wenig später kommen Emma und Marco, sind aus Volterra gekommen. 900 km in 9 Stunden. Lächerlicher Schnitt mit dem BMW. Marco ist mehr auf der Bremse als auf dem Gas gestanden.

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Und ab ans Meer. Marco fährt. Christina ist unzufrieden. Zu italienisch. Anscheinend wohl nur innerorts. Versucht seinen Schnitt zu verbessern.

Am Strand dann zuerst Granita Fragola con Panna. Liebe es. 

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Danach rein in die Fluten. Glasklares Wasser. Trocknen in der untergehenden Sonne:

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Zum Abendessen machen wir uns zu Fuß auf. Wir haben vergessen, dass es in der Innenstadt keine Restaurants gibt, es spielt sich alles am Strand ab hier. Vom letzten Besuch wissen wir aber, dass es noch eins am Ortseingang gibt. In Flip Flops quälen wir uns den Berg nach oben.

Wir sind die einzigen Gäste in einem weiß gekacheltem etwas. Bestimmt Platz für 150 Personen. Verzweifelt versuchen uns die netten Kellner von einem Menü zu überzeugen. Schwierig, wenn man Vegetarier ist. Am Ende einigen wir uns auf hausgemachte Nudeln alla Norma, Salat, Bruschetta und gegrillte Auberginen. Skurrile Situation. Der Kellner spricht mit mir als Patron, ich schaue Marco an, er übersetzt ins Deutsche, ich antworte dem Kellner in Italienisch. Sehr leckeres Essen. 

Zurück in unsere Zwei-Raumwohnung legen wir noch die Bad- und Toilettenregeln fest und gehen schlafen. Zum Glück gibt es eine Klimaanlage. Wir schlafen bei gepflegten 21 Grad Celsius. Emma und Marco haben es lieber warm. Auf dem nächtlichen Gang zur Toilette durch ihr Zimmer bekommt man einen Hitzeschlag.

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Tag 9 – Hang Loose in Scilla – Chillen am Strand mit Blick auf Sizilien, Stromboli und Lipari – schwimmen mit Flamingos und Schwänen

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Es ist 5:50 Uhr – ich bin hellwach, die Klimaanlage brummt. 20 Grad im Zimmer, Eiseskälte. Erst mal abschalten das Ding. Irgendjemand muss es heute Nacht kälter gestellt haben. Würde jetzt gerne Tee machen. Geht nicht, da liegen ja Emma und Marco. Langeweile. IPad und Netflix helfen. So, 7:30 Uhr, es reicht. Gehe in das Wozi, die beiden schlafen. Klappere mit Töpfen, setze Wasser auf. Keine Reaktion. Süße unschuldige Kinder, wie die da so auf dem Rücken liegend schlafen.

Laufe durch das morgendliche Scilla, Blick immer auf Sizilien und hole Kaffee und Tee aus dem Womo. Zurück in der Wohnung sorge ich für gute Stimmung. Alle sind wach, der Tag kann beginnen.  

Ich habe einen freien Parkplatz direkt vor dem Appartement gefunden. Ich fahre durch die engen Gassen, Marco weißt mich ein. Würde die LKW-Führerscheinprüfung mit links bestehen.

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Ich bekomme die Haustür nicht auf. Heute morgen habe ich auch schon 5 Minuten dran rumgerüttelt. Jetzt muss Marco ran. Klappt auch nicht. Wir ziehen, drücken, fummeln. Nix geht. Verzweifelt rufe ich Emma an. Just in dem Moment macht es Klick und das Ding ist offen.

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Ums Eck gibt es Frühstück in der Bar Bellavista mit einem grandiosen Blick über die Straße von Messina und perfektem Cappuccino und Cornetti.


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Mit dem Auto geht es runter an den Strand. An unseren Lieblingsplatz direkt unterhalb der Stadt. Glasklares Wasser und kleiner Kiesel machen den Platz perfekt. Außerdem gibt es lecker Granita und Pizza. 

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Wir wollen Aufmerksamkeit. Blasen unseren Flamingo am Kompressor auf und erobern das Meer, nur um festzustellen, dass ein dreifach so großer weißer Schwan uns die Schau stiehlt.

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Mittagessen dann in unserem Lido bei Francesco. Es ist perfekt hier. 20 Euro für 4 Liegen und 2 Schirme. Nette Menschen, leckeres Essen.

https://www.facebook.com/Lido-Francesco-Scilla-142957203707/.

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Zum Abschluss spielen wir Rommee mit den Kindern, bringen es Marco bei. Er gewinnt. Anfängerglück. Habe ihn gewinnen lassen.

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Nach dem Strand ist vor dem Strand. Weil es einfach so schön ist schlängeln wir uns abends wieder die Serpentinen hinunter zur Gelateria – Pizzeria San Francesco, nur 10 Meter vom Strand entfernt. Ganz ursprünglicher Laden, hat sich seit 4 Jahren nix geändert.

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Nicht ganz. Es gibt doch was neues. Auf einmal haben die Kekse mit ihrem Namen drauf. Coppa Nettuno – 4,50 Euro. Kompletter Abend zu viert – Vorspeise, Pizza, Bier, Wein, Eis – 65 Euro. Willkommen in Kalabrien!
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Tag 10 – Scilla mare und Granita Fragola con Panne am Morgen und mittags durch das regnerische Reggio Calabria 

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Die Fernsteuerung der Klimaanlage ist verschwunden, Wasser ist ausgegangen.  Eine höllische Nacht. Heiß, stickig, dem verdursten nahe. Trotzdem bis kurz nach 8 Uhr geschlafen.

Wir holen die restlichen Vorräte aus dem Womo und frühstücken Rühreier und Tomaten in der Wohnung.
Die Wetterapp sagt für heute Regen voraus. Das hat bisher noch nie gestimmt und deshalb ignoriert. Wir gehen ans Meer und schwimmen mit den Flamingos.

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Dieser Platz ist tatsächlich magisch. Die Piazza mit der Skylla – Skulptur, der Blick auf die Vulkane und Sizilien, der Stadtstrand und das klare Meer.

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Mittagessen dann wieder in der Gelateria – Pizzeria San Francesco mit einem Wirt wie aus einem Fellini-Film.

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Es schmeckt. Heute morgen um 11 Uhr direkt schon wieder Granita und nach dem Essen natürlich auch wieder.

Pech gehabt. Manchmal hat die App dann wohl doch Recht. Es regnet. Macht uns ja nix aus. Es gibt nur falsche Kleidung. 

Mit dem Auto fahren wir nach Reggio Calabria – nur 20 Minuten entfernt und schlendern durch den Regen und die leeren Gassen. Reine Beschäftigungstheraphie.

Dafür entdecken wir das heimliche zweite Standbein der Ebersbacher Malerdynastie auf der Prachtstraße. Der Juniorchef genießt den Augenblick:

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Ho Fame. Wir snacken typisches italienisches Fastfood in leergefegten Straßen und genießen die Ruhe. Die Angestellten tuscheln über uns. Verrückte Deutsche!

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Ein Zwischenstopp bei einer der berühmtesten Eisdielen der Welt darf nicht fehlen. Es gibt ja auch sonst nichts zu tun hier bei dem Wetter.

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Aus reiner Langeweile fahren wir die berühmten Rolltreppen hoch und runter. Jede zweite ist außer Funktion, Lustigerweise machen die Rolltreppen eine Stunde Mittagspause. Wahrscheinlich schlafen sie. 

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Es ist noch früh, nix zu tun, wir nehmen einen Aperitiv im b’art cafe – die dazugehörige Pinakothek lassen wir links liegen. So langweilig ist uns dann doch nicht. 

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Zum Abendessen geht es zurück nach Scilla, ins Fischerviertel Chianalea. Filmkulisse hier. Unglaublich.

Unter den vielen Möglichkeiten entscheiden wir uns wieder für die Piratenflagge. Traditionelles Fischrestaurant. Auch die Pasta ist sehr lecker im Ristorante il Pirata. Wenigstens haben wir einen Fischesser dabei. Danke Marco.

Großartiger Blick von der Terasse ist hier inklusive.

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Auf dem Rückweg treffen wir unseren Vermieter Rocco. Er lädt uns zu Amaro ein und wir unterhalten uns mit Händen und Füßen. Ein unfassbar netter Mensch.

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Tag 11 – Sprung von der Klippe und Granita satt in Scilla

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Der letzte Tag in Scilla bricht um 5:50 Uhr an. Das kann nicht sein. Irgendwann muss man auch mal länger schlafen können. Wir drehen uns nochmal um – plötzlich ist es kurz vor 10 Uhr. Juhu!

Heute nochmal Strand bis zum Abwinken. Im Lido Francesco werden wir wie alte Bekannte begrüßt. Bekommen gleich 4 Café an den Platz gebracht. Das ist einfach wirklich sehr nett und freundlich hier, alles ohne Chichi und trotzdem oder gerade deswegen perfekt für uns.

Es gibt erst mal Granita satt:

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Dieser Becher der Gelateria San Francesco ist einer der Gründe für uns hier zu sein. Absolut verwunderlich, dass es Granita bei uns nicht gibt. Wäre mal eine Geschäftsidee.  Komisch – hier heißen irgendwie alle Francesco. Vielleicht liegt es ja am Namen.

Seit Tagen wollen wir von der Klippe springen. Emma und ich wagen es. Unglaubliche Höhe. Bestimmt 2 Meter. Kein Wunder, dass Marco da vom sicheren Strand aus zuschaut. Könnten natürlich gefährliche Meeresungetüme auf uns warten.

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Wir verabschieden uns aus Scilla mit Pizza und Gelato und nehmen uns fest vor bald wiederzukommen.
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Morgen geht es weiter nach Sizilien.

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Tag 12 – Auf nach Sizilien – wie wir Taormina links und Syrakus rechts liegen lassen

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Um 6:50 Uhr ist die Nacht endgültig zu Ende. Seit 1 Stunde überlegen wir hin und her ob wir Emma und Marco wecken oder nicht. Jetzt ist Schluss. Ich mache Kaffee und Tee, röste altes Brot in der Pfanne an und klappere mit allen Töpfen die es gibt. Nach 5 Minuten sind alle wach.

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Wir frühstücken, duschen, packen. Um 8:30 Uhr sind wir startklar. Nach uns die Sinflut. Emma und Marco besuchen Oma und Cousine in Roggiano, wollen dann weiter und sich mit Wohnwagen-Freunden am Gardasee treffen. Versteh einer die Jugend. Denen liegt die Welt oder zumindest Italien zu Füssen, und dann Gardasee. Jedenfalls war es sehr schön mit den Beiden. Neue Erfahrung auch für uns. Urlaub mit Tochter und Freund. Sind mal auf Urlaub mit RoKo gespannt…
Wir wollen nach Syrakus auf Sizilien und auf Kultur machen. Auch nicht besser. Das muss so toll sein mit all dem alten Zeugs.
Es gibt einen kurzen Abschied und wir quetschen uns mit 7 Metern durch Scillas Gassen.
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Wir kommen genau 100 Meter weit. Da ruft es „mein Freund, mein Freund“. Wir halten an und ich sehe denn netten mindestens 70 jährigen Deutsch-Italiener wieder, der mir gestern Abend seine Lebensgeschichte in 20 Minuten erzählt hatte, als ich am Auto nach einer Bikini-Hose suchte. Kommt aus Esslingen und will nur noch Urlaub in Scilla machen, niemals wieder dort hin ziehen. Verkehrte Welt. Mir gehts andersrum. Total süss, wir freuen uns beide uns wieder zu sehen und verabschieden uns herzlich.
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Ab auf die Fähre. Geht alles ganz geschmeidig. 52 Euro und 20 Minuten später sind wir im gelobten Land. Es ist noch richtig früh.

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Bin ich froh, dass ich das Dach vor dem Urlaub noch mit dem Hochdruckreiniger gesäubert habe.

Wir fahren von Messina in den Süden. Taormina kennen wir schon und lassen diesen tollen Ort erst mal links liegen. Wir wollen ja Kultur. Verzweifelt suchen wir in und um Syrakus herum nach einem Campingplatz. Wir finden nichts, treiben immer weiter nach Süden ab, finden nichts.
Dann eben doch keine Kultur. Uns doch egal. Können wir auch nachlesen. Wir fahren ganz in den Süden von Europa und landen im Caming di Vita Vera

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Der ist ganzjährig geöffnet – das Thema haben wir mal definitiv unterschätzt – und wir werden supernett empfangen. Okay – wir sind auch Gäste Nr.5 an diesem Septembertag.

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Neu und spannend für uns
– wir haben eine eigene Dusche und Toilette. Luxuscamping in Sizilien.

Alles aufbauen und dann ab ins Meer. Ins ionische. Großartig – nach 4 Tagen im Appartment endlich wieder frei!
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Tag 13 – Am wahrscheinlichsten südlichsten Campingplatz Italiens in Marina di Modica den Sturm überstehen

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Das war eine anstrengend Nacht. Zuerst stickig und heiss, dass man kaum Luft bekommen hat und ab 3 Uhr dann Regen und Wind. Im Halbschlaf neheme ich ohrenbetäubenden Lärm war und denke ich zuerst Christina räumt den Wäscheständer wegen des Regens rein, bis mir klar wurde, dass die Markise im Wind klappert. Schlafrunken sichere ich das Gestänge und räume zusammen. An echten Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Frühstücken ist angesagt. Eier fehlen, das war klar. Aber wo ist der Espressokocher? Finde nur das alte Stück, bei dem der Siebeinsatz fehlt. Wie Schuppen fällt es mir von den Augen – den habe ich im Appartment in Scilla vergessen. Christina dreht durch, ein Morgen ohne Kaffee ist undenkbar. Ich koche Wasser und bastel aus 2 Papiereinsätzen für die Chemietoilette einen Filter. Es hält so halbwegs – der Morgen ist gerettet.

Zum Glück vertreibt der Sturm die Wolken. Um 13 Uhr wagen wir uns raus.
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Ist toll anzusehen. Aber das war es dann auch. Wir sind ja extra nicht an die Nordsee gefahren. Gegen 14 Uhr ist der Wind dann auch so stark, dass wir Markise und weiteres flugfähiges Zubehör sichern.

Wir brauchen Zigaretten und trotzen dem Wind. Direkt im Ort ist alles geschlossen. Montag. Bleibt uns nichts übrig, als mit dem Roller die 7 km nach Pozzallo zu fahren. Juhu, endlich wieder italienisch fühlen. Auf dem Corso lassen wir es uns erst mal gut gehen. In der Bar Cappello gibts Granita und Eis und Café.

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Komisches Gefühl auf Sizilien, man wartet ständig auf den Paten und beobachtet argwöhnisch das Verhalten der Menschen um einen rum. Jeder könnte ja potentiell zur familia gehören.

Wir cruisen mit dem Roller durch due Stadt. Komisch – so richtig windig ist es nur an unserem Strand.
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Suchen einen supermercato. Brauchen ja Eier und einen neuen Kaffeekocher oder zumindest Filtereinsatz für den defekten Espressokocher.

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Perfekt. Alles bekommen. Über die vierspurige SP66 geht es zurück. Immer hart gegen den Wind. Unsere Sfera gibt alles – mit 50 km/h trotzen wir den Naturgewalten und kämpfen uns durch Sandverwerfungen. Endlich ist klar wie sich sandstrahlen im Gesicht anfühlt.

Am Platz angekommen packen wir alles zusammen. Es tröpfelt, das Wetter wie an der Nordsee. 

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Wir ziehen warmes Zeugs an und öffnen die Prosecco- Flasche. Morgen fahren wir weiter.
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Tag 14 – Die Flucht vor dem schlechten Wetter und die verzweifelte Suche nach einem Campingplatz – einmal quer über die Insel


Um 8:30 Uhr haben wir schon alles gepackt und sind abfahrbereit. Das Wetter ist besser, wir wollen die südliche Küste entlang nach Agrigento.


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Wir fahren die Nebenstrassen am Meer entlang. Alles sehr trist und traurig. Kein schöner Fleck zu finden.
Bei Vittoria wissen wir endlich live und in Farbe wo unser Gemüse herkommt.

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Wir verabschieden uns von der Vorstellung sizilianischer Ökobauern, die per Hand unsere Tomaten ernten, nachdem wir kilometerlang an Gewächshäusern und Müllbergen vorbeigefahren sind.

Ein paar Kilometer weiter sehen wir, dass Agrarwirtschaft und Schwerindustrie prima harmonieren.

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Uns egal. Wir müssen tanken und Gemüse ist unser Fleisch. Ausserdem sind wir zum baden hier.
Blöd nur, dass wir direkt in die Wolkenfront fahren und die Scheibe schon Tropfen abbekommen hat. Zum Glück gibts die Wetterapp. In Cefalu soll es schön und sonnig sein. Wir disponieren um und wuchten unser Womo quer durch Sizilien über das Gebirge. Hier gibt es nichts. Nur Brücken. Die ganze Strasse ist auf Stelzen gebaut. Entweder alle anderen machen was falsch, oder der Autobahnbauer besitzt ein Stelzenfachgeschäft. Unglaublich, sogar Brücken die Brücken kreuzen. Auf Stelzen!

Wir erreichen den anvisierten Campingplatz vor den Toren der Stadt. Toller Platz, tiptop. Aber wo ist das Meer? Ganz am Ende, ganz unten, Steine, riesige Brandung. Gefällt uns nicht, wir ziehen nassgeschwitzt vom Aufstieg vom Meer, weiter. Ist ja erst 13 Uhr. Wir fahren mit dem Womo durch Cefalu durch. Spannend. Und dann weiter die komplette Küstenstrasse entlang, halten immer wieder und nichts gefällt uns. Dafür essen wir in der Keramikhochburg Siziliens lecker Granita in der  Bar il baronetto

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Habe noch nie so viele Läden mit bunt bemalten Tellern und Figuren gesehen. Das müssen Millionen sein hier inSanto Stefano di Camastra.

Kein Strand, zu viel Brandung, nicht am Meer gelegen. So sieht es heute an der Nordküste aus. Sizilien ist keine Campinginsel, denken wir.

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Fündig werden wir schlussendlich zwischen Patti und Falcone. So weit wollten wir garnicht fahren. Die Gegend kennen wir ja auch schon. Cefalu oder Palermo können wir jetzt vergessen,

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Wir landen um 18 Uhr auf dem Camping Villaggio Marinello und sind einfach nur froh da zu sein. Guter Kompromiss. Riesig, aber leer. Wir stehen am Meer und sind auch sofort nach dem sagenhaft schnellen Aufbau rein gesprungen.
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Tag 15 – Sonne satt am einsamen Strand – nackt in den Wellen baden, wer hätte sowas schönes hier erwartet

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Die juckenden Stiche an unseren Beinen und die Hitze des Morgens wecken uns auf. Die Sonne steht über dem Meer und knallt unbarmherzig in unser Schlafzimmer. Dafür haben wir ja Meerblick und abends dann schön Schatten. Endlich wieder Camping – Normalität.
Zur Dusche ist es eine Weltreise. In unseren weissen Bademänteln lustwandeln wir über den gesamten Platz, ziehen neidische Blicke auf uns. Schon im zweiten Campingjahr sind wir das wahrscheinlich am besten ausgestattete Womo Bj.1991.
Wir wollen ans Meer. Direkt am Platz beginnt ein Naturschutzgebiet. Irgendwo muss da auch eine Grotte sein im Riserva Naturale Laghetti di Marinello.

Wir laufen 200 Meter am Strand entlang und entdecken das Paradies. Nach 500 Metern sind wir alleine, der Strand, die ganze Welt gehört uns.

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Ein großartiger Platz. Über uns, in geschätzt 70 Meter Höhe, trohnt schützend ein Kloster. Wir spekulieren, ob die Sünder sich hier früher mit einem beherzten Sprung reinwaschen konnten. Was man eben nicht so alles macht um dem Fegefeuer zu entgehen.
Wir geniessen Meer und Sonne und baden nackt in den Fluten. Freiheit pur. Immer wieder ziehen Pärchen an uns vorbei, suchen einen schönen Platz. Jedesmal schlingen wir die Handtücher um uns. Alles verläuf sich in der Weite des Strands. Ganz unbemerkt liegen nach einer Weile in 75 Meter Respektsabstand links und rechts 2 ältere Herren neben uns. Haben wir garnicht mitbekommen. Der eine zieht sich aus und stolziert freudig geschwollen ins Meer.
Zeit für uns zu gehen, jetzt wo sich auch die Wasser- und Zigarettenvorräte dem Ende zuneigen.
Ausserdem hat auch Jack Reacher seine Mission erfolgreich beendet.
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Wir hatten heute noch kein Granita und haben keine Zigaretten mehr. Endlich wieder Sfera fahren. Wir düsen in die angrenzende Stadt, nach Oliveri, und wählen die zentralste Bar aus.
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Zwei Cafe und zwei Granite con Panna später sind wir uns einig, dass dies das beste Granita dieser Reise war und wir kommen morgen auf jeden Fall wieder in die Gelateria Orchidea, auch schon um zu sehen ob die fünf Männer immer noch da sitzen. 

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Haben sich doch tatsächlich 30min lang angeschwiegen. Müssen schon lange miteinander verheiratet sein.

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Tag 16 – endlich wieder ein geregeltes Leben für den Camping-Autisten – Rituale schaffen Vertrauen

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Die Nacht war unruhig. Um 1:30 Uhr schrecken wir auf, es riecht verbrannt. Vertrauter Geruch von unserer letzten Sizilien- Reise. Damals sassen wir nachts auf gepackten Koffern, unser Ferienort stand in Flammen. Und jetzt schon wieder? Sizilien brennt? Ich öffne die Luke und sehe unsere belgischen Nachbarn am Grill zündeln. Was ein Kasper. Hege kurz den Gedanken das Ding zu löschen, falle aber wieder in ein Wachkoma. Zum Glück schlafe ich nicht wirklich. 2:30 Uhr – die Belgier sind endlich im Zelt, ich höre vertrautes Trommeln auf dem Dach. Nix wie raus, der Regen kommt! Ich sichere die Untensilien und verstaue alles unter der Markise. Döse weiter. Der Regen kommt nicht. Plötzlich juckt es an den Beinen, gestern leider nichts dazu gelernt. Schon wieder aufstehen. Hole das Autan, reibe Christina und mich ein. Bestialischer Geruch im Womo. Lege mich wieder hin. Nichts zu machen – 3 Uhr, jetzt bin ich wach. Mir ist langweilig. Christina tut so als würde sie schlafen.
Schaue erst mal Eve und der letzte Gentleman zu Ende. Normalerweise klappt das. Heute nicht. 3:45 Uhr. Star Trek – Time. Benedict Cumberbatch als Khan will seine alte Besatzung befreien. Einer der besten Filme aus der Reihe. Star Trek hilft. Um 9:45 Uhr wachen ich auf.
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Unser Motto heute – never change a good day. Aber Stop, irgendwas ist anders. Zum ersten Mal überhaupt kümmert sich Christina um das Frühstück und bruzzelt gutgelaunt Rühreier. Ihre Nacht scheint leichter gewesen zu sein als meine. Egal – den Tag merken wir uns.
Vor unserem Womo ist gleich der Strandweg. Ich beobachte die Menschen, die vorbei ziehen. Eine jüngere deutsche Frau blickt wohlwollend auf unser Ensemble und sagt zu ihrem Begleiter „Schau, die haben aber auch alles dabei!“ – ich liebe es. Wie gesagt, und das schon im zweiten Campingjahr – bestausgestattes Womo Bj.91.
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Autisten – wir gehen wieder an den Strand. Gleiche Stelle, gleicher Weg, gleiche Ausstattung. Gleich schön. Einziger Unterschied – wir nehmen Nahrung und ausreichend Zigaretten und Wasser mit, und wir werfen einen Blick in die Grotte. 

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Ist eher ein Tunnel – vielleicht ist die Grotte ja ganz woanders?

Das Kloster ist immer noch da. Ein Glück. Müssen deutlich mehr als 70 Meter Höhe sein. 

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Es hat sich herausgestellt, dass es eine Wallfahrtskirche in Tindari ist. Waren wir auch schon. Mit so nem griechischen Amphietheater. Damals hat Christina Kaktusfrüchte direkt vom Strauch gegessen und danach 6 Monate gebraucht um die Stacheln aus dem Mund zu bekommen und den Eiter in den Griff zu bekommen.

Die Spanner sind auch wieder am Strand. Diesmal aber an anderer, interessanterer Stelle. Wir sind frei, geniessen Wetter und Meer solange bis die Sonne hinter der Kirche verschwindet und wir im Schatten liegen.

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Zurück am Platz. Maximaler Supergau. Links von uns eine deutsche Familie im T4 – Bus mit kleinen Kindern, die die ganze Zeit reden. Rechts von uns Italiener im T6 – Bus, die die ganze Zeit über Lautsprecher telefonieren. Der gesamte Platz ist frei. Wie die Motten das Licht suchen die weissen VW-Busse unser Hymercamp.
Genervt schwingen wir uns auf den Roller. Granita und Cafe reichen da nicht aus. Wir trinken noch Campari-Spritz und vergessen für einen Moment das drohende Ungemach.
Zurück am Platz – es hat sich nichts geändert. Telefon von rechts. Simon und Jakob von links.

Wir gehen duschen. Toilette entsorgen. Kommen zurück. Von rechts Ruhe. Links Baby-Geschrei. Wir kontern mit unserer Spotify-Cure-Playlist und kochen im Freien, klappern mit den Töpfen.

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Vorsorglich noch ein FaceTime – Anruf nach Hause. Damit sind beide Seiten bedient.
Aber es geht noch besser. 20:30 Uhr, das Essen ist vorbei. Wir haben leer getrunken. Ist ja noch ne Flasche Weisswein im Kühlschrank. Hektische Suche führt zu keinem Ergebnis. Hilft nichts – Kühlschrank und Kühlbox sind leer. Kein Problem. Schwinge mich auf den Roller. Lasse ihn erst mal vor dem T4 warm laufen. Fahre das ganze Kaff ab. Alle supermercatos sind geschlossen. In eine Bar traue ich mich nicht rein. Sieht dann doch zu sehr nach Alkoholmissbrauch aus. Zurück am Platz sorge ich mit kurzen Gasstössen für gute Nachbarschaft.

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Tag 17 – Riserva Naturale Laghetti di Marinello – planschen in der eigenen Bucht

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Heute Nacht waren wir nur einmal wach. Haben ja dazugelernt. Großflächig Autan verwendet. Nur mein linker Arm wurde vergessen. Fürchterliches Jucken waren die Folge und eine Nachbehandlung mitten in der Nacht. Die Biester finden jede frei Stelle.

Der Morgen beginnt ganz entspannt mit der Fortsetzung des Star Trek Films. Kirk opfert sich, Männerfreundschaften mit Vulkaniern entstehen. Ich mag den neuen Spock nicht.

Alkohol, wir brauchen Alkohol. Und Wasser. Mit dem Roller gehts zum einkaufen. Raumwunder. Selbst die Wasserflaschen passen auf das Trittbrett. Der Alkohol ist sicher unter dem Sitz verstaut. Zigaretten haben wir vorsorglich auch noch gekauft. Sowas wie gestern Abend darf uns nicht mehr passieren.

Mit dem Gefühl der Sicherheit watscheln wir ins Naturschutzgebiet und sind heute mutig. An den Felsen entlang tasten wir uns zur nächsten Bucht entlang. Wir sind alleine. Our Hood.

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Irgendwann gesellen sich wieder die zwei Spanner zu uns. Alle 30 Minuten laufen die den Strand hoch und runter. Business as usual. 

Als die Sonne hinter der Klippe verschwindet kämpfen wir uns wieder durch die Wogen zurück.

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Auf dem Rückweg treffen wir allerlei seltsame Gestalten. Eine Frau setzt das im heimischen Hallenbad gelernte Wassergymnastik-Programm mit einer lila Poolnudel im Meer um. Einfach so für sich alleine. Wo die wohl herkommt?

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Zurück am Platz ist unser rechter Nachbar schon wieder am telefonieren. Mit Lautsprecher. Er schreit ständig „Tindari, Tindari“ ins Telefon. Hat er gestern schon gemacht. Muss jedem erzählen wo er gerade ist. Ein Hektiker vor dem Herrn.

Wir düsen wieder in unser Lieblingscafé, dort wo es das wahrscheinlich beste Granita Fragola con Panna der Welt gibt. Es sind auch immer dieselben Menschen hier. Fast schon Heimat.

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Dabei soll es nicht bleiben. Der Campari – Spritz hat uns gestern schon in wohlige Stimmung versetzt, warum also nicht auch heute. 

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Zurück am Platz setzen wir die tägliche weisse Karavane in Gang. Zwei Camper in Bademänteln und einem Fäkalientrolly drehen ihre Runde. Erst Entsorgung. Dann Duschen.
Wir beenden den Abend mit einem „Best of Queen“ und Weisswein an Spaghetti Pomodoro zubereitet in der Aussenküche. Ich glaube ich gründe eine Camper-Partei. Frei Fahrt und Stellplätze für alle Camper. Und Bier. Und Wein. Und Zigaretten. Und Entsorgungsstationen. Und warme Duschen. Und Brötchenservice.

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Tag 18 – bei 35 Grad Celsius – Mitte September – vor dem Spanner auf der Flucht

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Durchgeschlafen. Danke Autan. Schon morgens ist es knalle heiß im Wohnmobil. Das wird sicher spannend heute, es soll 37 Grad geben. Wir packen unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg in die Einsamkeit. Habe mich in der Distanz leicht verschätzt. Es sind 2,5 km die wir durch das Naturschutzgebiet zurücklegen, bis wir an unserer Bucht sind. Und das mit Essen und Trinken und Strandutensilien auf dem Rücken. Bestimmt 15kg. Im Prinzip machen wir also Aktivurlaub!

Leider heute besetzt. Das junge Pärchen muss dort geschlafen haben. Auch cool. Zudem hat ein Boot festgemacht. Die Leute sind angezogen. Spießer.

Wir wandern weiter bis ans Ende der Möglichkeiten mit Flip Flops und sind alleine.
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Jack Reacher ist heute auch wieder dabei. Habe es nicht mehr ausgehalten und den 2.Band runtergeladen. Sieht nicht mehr aus wie Tom Cruise in meiner Vorstellung, ist fast 2 Meter groß. Eine weitere Illusion ist geraubt.

Das Wasser ist ganz flach und bei der Hitze ist es eine Wohltat nackt im Meer zu liegen und sich abzukühlen. Immer wieder rein, raus, Jack Reacher, Zigarette, kaltes Cola Zero. Phantastisch. Bis zu dem Zeitpunkt wo einer unserer beiden Freunde es sich in unserer Bucht gemütlich macht.

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Wenn ich Jack Reacher wäre, dann wüsste ich was ich mit meinem Schirmständer und dessen Kopf und seiner dämlichen blauen Mütze anstellen würde. So bleibt es bei meiner und schlussendlich auch seiner Phantasie.

Ist trotzdem ein schöner Ort, wir planschen weiter und sind dankbar über den Schatten der Felswand bis es dann doch zu kühl wird. Wir kämpfen uns wieder 1 km durch einsame Buchten zurück und legen uns in die Sonne. Keine 10 Minuten später läuft die blaue Mütze an uns vorbei und verzieht sich. Hat der ein Glück, dass mein Vorname nicht Jack ist.

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Heute ist alles später, weil so heiß. Erst um 17:30 Uhr genießen wir unser Granita. Und weil es so gut aussieht und wir es in Pizzo verpasst haben, gibts gleich noch ein Tartufo hinterher. Die Bedienung, inzwischen eine gute Freundin, konnte ich damit überraschen. Sie hat nur mit dem Campari-Spritz gerechnet.

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Es dämmert als wir wieder zurück fahren. Kurzer Zwischenstopp noch am Supermarkt. Wir brauchen Spüli. 

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Wenn ich schon mal da bin, dann nehme ich doch gleich noch ein 10er – Pack Campari Soda, Prosecco und Basilikum mit.
Nach der weissen Karavane zähle ich meine verbleibenden T-Shirts. Das wird nicht reichen. Müssen doch waschen. Christina freut sich. Endlich. Mit der Laterne bewaffnet dackeln wir zur Waschmaschine. Ein riesen Ding. Da passt noch mehr rein. Und es kostet 5 Euro. Wir haben nur 4,50 dabei. Wieder zurück zum Womo – viel mehr Wäsche und Geld holen. Alles drin, auch schon das Waschmittel. Maschine nimmt keine 2 Euromünzen. Auf zur Rezeption und wechseln. Die Frau deutet auf das Waschmittel in meiner Hand „no, no, no“. Gibt mir zu verstehen, dass es wie bei uns zuhause ist, die Maschine dosiert selbst. Wenn die mal wüsste. Jetzt wird’s dafür bestimmt sauber.
Wieder zurück am Womo kochen wir draußen im Dunkeln. Irgendwie haben wir hier keine Kraft abends noch essen zu gehen.

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Tag 19 – Sonntags ist am Strand mal garnichts los – dafür Abendessen mit dem Bischof von Patti

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Der Morgen beginnt früh für mich 6:45 Uhr. Erstickungsgefahr. Es ist warm und stickig. Leise summt der Ventilator und bläst die Luft überall hin, nur nicht Richtung Bett. Christina schläft den Schlaf der Gerechten, ich bin hellwach. Die Sonne geht auf und die Wäsche wedelt sanft im Wind.

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Der perfekte Tag um mit den Eisprinzen / Blades of Glory in den Tag zu starten. Nach Anchorman2 der wahrscheinlich beste Film mit dem großen Will Ferrell.

Morgen geht es wieder zurück aufs Festland. Deshalb heute nochmal das komplette Autistenprogramm. 

Am Strand sind wir komplett alleine. Es soll nachmittags auch zuziehen. Wir genießen es nochmal mit Blick auf Lipari und Stromboli.

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Jack Reacher hat, wie auch schon im 1.Band, Sex mit der weiblichen Protagonistin. Kann niemals Tom Cruise sein.

In der Gelateria Orchidea essen wir später dann wieder dieses köstliche Granita und zur Belohnung für den aktionsreichen Tag noch ein ausgesprochen leckeres Eis.
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Anscheinend haben wir an den Tagen zuvor den Campari leer getrunken. Auch egal, dann eben Campari-Soda mit Prosecco. Der Nachmittag ist gerettet.

Leicht angedüdelt geht es mit dem Roller zurück zum Womo. Die Weiterreise muss vorbereitet werden. In Windeseile wird abgebaut, das Zeugs in der Heckgarage (besser Heckloch) verstaut, der Roller hochgewuchtet und vertäut. Wir haben noch was vor. Wollen wenigstens einmal auf Sizilien essen gehen.
Aber jetzt erstmal die weisse Karawane starten. Ganz seltsam hier. Ausser uns trägt keiner Bademäntel. Habe auch noch nie jemand sein Chemieklo entleeren sehen. Alles keine waschechten Camper, so wie wir, denken wir.
Kurz vor 20 Uhr starten wir ins 200 Meter entfernte Restaurant La Ruota.
Alles leer, für 8 Personen ist ein grosser Tisch eingedeckt. Unser Tisch ist direkt daneben. Ich habe lautes Kindergeschrei im Kopf und Angst.
Plötzlich erfüllt eine schwere Aura die Terasse, ein Geistlicher mit rosafarbenem Pileolus betritt die Bühne, umschwärmt von servilen Gläubigen. Christina sagt sofort – ein Kardinal, kenne ich aus Dornenvögel. Ich sage, der Dorfpfarrer, der sich einem Ghetto-Rapper gleich, ein grosses silbernes Kreuz um den Hals gehängt hat. Google hilft. Danke. Es ist Guglielmo Giombanco, der Bischof von Patti, des diekt angrenzenden Bistum Patti. Ich traue mich nicht. Christina ist das Fegefeuer egal und schießt ein Bild, während ich im bagno bin.

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Der gute Mann ist dieses Jahr ernannt worden und tingelt jetzt wahrscheinlich durch die Gemeinden. Sitzt am Tisch mit 5 Pfarrern und 2 Weltlichen und bespricht bestimmt die anstehende Gemeindereform. Sind ja alle nicht mehr die Jüngsten. Viel Glück und Erfolg dabei!

Die Jungs essen 5 Gänge und lassen zum Schluss ihr Tartufo mit Amaro Montenegro übergießen. Hatten sicher einen  schweren Tag. Ist ja Sonntag.
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Tag 20 – on the road again – einmal quer über den Stiefel zum Camping Onda Azzurra – auf der Suche nach Petra, der freundlichen Transsexuellen

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Heute geht es weiter. Ich bin um 6 Uhr wach. Aufgeregt. Schlafe dann seelig bis 8:30 Uhr weiter und Träume von der Fahrt durch Kalabrien.

Um 10:30 Uhr haben wir alles erledigt, Wasser ver- und entsorgt, Toilette gereinigt, bezahlt. Haben sogar ADAC Rabatt bekommen. Muss mir so ne ASCI -Karte holen, wir haben 180 Euro für 6 Nächte bezahlt.

Zum Abschied gibts nochmal Granita. Unser Wohnmobil parken wir mitten im Stadtzentrum. Sind ja inzwischen gute Bekannte. Die Bedienung war erstaunt uns so früh zu sehen. Wahrscheinlich hatte sie Angst, dass wir Campari bestellen. 

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Gerade als wir starten wollen, werden wir von einer älteren Dame angesprochen. Sie sind aus Göppingen? Ich auch! Lustig. Wir haben sogar gemeinsame Bekannte. Auch sie ist seit 50 Jahren in Deutschland und will auf keinen Fall mehr nach Italien zurück. Ihre Schwester, die sich dazugesellt, hat es anders gemacht. Sie ging wieder zurück und bereut es sehr.

Wir werden uns wiedersehen. Die Welt ist ein Dorf.

Wir fahren nach Messina zur Fähre. Ich verzweifle erst einmal an dem Self-Service-Automat, bin aber zu cool um an einen Schalter zu gehen. Dann verzweifel ich an der italienischen Fähr-Dienstleistungsgesellschaft. Wo ist sie denn? Keine da. Wir warten 40 Minuten.

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Endlich gehts weiter. Als ich das Womo von oben sehe wird mir klar, dass ich daheim wieder aufs Dach muss. Komplett verdreckt. 

Wir fahren heute Autobahn. Die wunderbare A3 durch atemberaubende Landschaften bis hinter Cosenza, um dann an die ionische Küste zu gelangen. Unterwegs erklimmen wir fast 700 Meter Höhe und verfahren uns auf den Straßen ans Meer. Unser Glück. Am Straßenrand entdecken wir einen Verschlag mit Peperoni. 

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Ich halte sofort an und schlage zu. Zwei mal pepperoni picante lungo und zweimal dolce lungo und zweimal picante eingelegt für in Summe 30 Euro. Wir haben Peperoni bis in alle Ewigkeit gekauft. Der Bauer das Geschäft der Woche gemacht.

Es geht weiter, vorbei an Feldern mit Zitronen und Granatäpfeln. Traumhaft.

Unser Ziel den Campingplatz Onda Azzurra erreichen wir gegen 18 Uhr und ergattern den letzen Platz. Wir tauchen in eine andere Welt ein.  Deutsches Paralleluniversum für unter 15 Euro / Nacht. Werden sofort zum Oktoberfest am Donnerstag eingeladen. Wir sind gespannt, ob wir die Menschen aus der großartigen ARD – Dokumentation treffen. Besonders gern wollen wir mit Petra, der guten Seele des Platzes, am Strand Tai Chi praktizieren.

Wir haben eine Campingplatz – Karte erhalten und mit 60 Euro Bargeld aufgeladen. Musste Bargeld sein. Damit können wir hier alles bezahlen. Nur damit. Genial. Schattenwährung. Geldwäsche. Umgerechnet in echtes Geld haben wir heute das günstigste Abendessen des Jahres genossen.

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Leider von Petra keine Spur. Wir hoffen auf den nächsten Tag.

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Tag 21 – Deutschland, du hast uns wieder – ein Tag auf dem Camping Onda Azzurra

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Es ist 4 Uhr – ich schrecke hoch. Hundegebell überall. Es rummst und scheppert um uns rum. Und es ist kalt. Ich google das Wetter. Eigentlich war ja Bari heute unser Ziel, weil angeblich warm, aber jetzt ist das Wetter dort schlecht. Wir können bleiben und staunen. Seelig schlafe ich weiter.

Nachsaison ist Hauptsaison. Zumindest in Onda Azzur. Es ist tatsächlich voll und als wir in unseren weissen Bademänteln zur ersten wirklich warmen Dusche seit 20 Tagen marschieren, werden wir gar nicht komisch angeschaut und überall mit einem freundlichen „Guten Morgen“ gegrüsst. Herrlich. Wir sind durchschaut und angekommen und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Alles ist top gepflegt und lecker hier.

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Und hier stehen sie also, die mittelgroßen Wohnmobile. Die 100.000 Euro und deutlich darüber Klasse. Die Concords, Morelos, Niesmann&Bischoffs, die großen Hymer und wie sie alle heißen. Oft einen Smart oder eine A-Klasse auf dem Anhänger dabei. Große Wohnwagen mit Cayennes oder M-Klasse als Zugfahrzeug.  Hier versammeln sie sich um ihr La Dolce Vita zu genießen bei unter 15 Euro / Nacht und einem rundum sorglos Paket. Hier muss keiner mehr raus und man spricht deutsch.

Und wir Camping-Anfänger stehen mit unserem alten Gefährt mittendrin. Ein bischen verloren zwischen all den Riesen. 
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Uns hilft der Gedanke, dass unser Hymer den Alterdurchschnitt bei den Womos deutlich steigert und wir ihn bei den Campern deutlich senken. Das wir sowas noch erleben dürfen. Hier wäre „junge Dame“ und „junger Herr“ nicht nur als nette Floskel zu verstehen.

Das ionische Meer hat uns wieder. Ein leichter Wind kühlt einen am weitläufigen und leeren Sandstrand ab. Fast schon zu kühl nach der Wärme auf Sizilien.

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Wir chillen am Strand – Jack Reacher muss ja noch die Nazi-Milizen stoppen – und warten immer noch auf Petra.

Ho fame!

Wo soviel Sonne ist, da muss auch Schatten sein. Das wird unmissverständlich klar, als wir nach einem anstrengenden Strandvormittag hoffnungsfroh an der Campingplatz – Bar ankommen. Geistig hatten wir uns auf Panini und Pommes Frites eingestellt. Wir stehen vor einem heruntergelassen Rolladen. Chiuso. Kein Hinweis wann sich das ändern soll. Zu faul zum selber machen laufen wir 300 Meter den Strand entlang und landen am Lido Aurora. Stoffservietten. Meiner Schwiegermutter würde das gefallen. Auch nicht schlecht. 

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Das Essen um Klassen besser als gestern Abend. Der Wein dafür ungenießbar. Sauer. Wir sind Wirkungstrinker und nehmen große Schlücke. Hat sich gelohnt. Die 300 Meter Rückweg kommen uns wie 3 km vor. 
Die Wolken kommen. Es zieht vom Land aufs Meer hinaus. Hektisch packen wir zusammen. Angst vor dem Regen. Aber er kommt nicht. Dafür kommt Kill the boss. Sehr sehr lustiger Film.  Großartige  Besetzung. 

Der schlechte Wein hat uns runter gezogen. Vielleicht ist es auch die Uhrzeit. Wir gehen an die Bar. Offen, zum Glück, und wir sind wahrscheinlich die Ersten, die hier Campari Spritz trinken.

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Petra fehlt immer noch. Wahrscheinlich zu früh im Jahr für die Überwinterer an diesem schönen aber einfachen und einsamen Stück Deutschland mitten in Italien.
Nach unserer täglichen Abendprozession, die schon fast religiösen Charakter hat (ich hoffe mein Freund, der Bischof von Patti sieht es mir nach, beenden wir den Tag ganz entspannt mit Queen, Pasta und Prosecco vor unserem Womo.
So ähnlich wie alle anderen um uns rum. Onda Azzurra – our hood! Morgen müssen wir leider weiter.

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Tag 22 – die Flucht vor dem Regen – 650 km in 9 Stunden bis nach Ancona – Weltrekord

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Wie immer wenn es weiter geht bin ich aufgeregt und früh wach. 5 Uhr. Vielleicht liegt es auch an den 30 Stichen die meinen Körper überziehen. Das muss ein Fest für die Viecher gewesen sein. Wir hatten gestern noch grosszügig mit Produkten der chemischen Industrie hantiert. War – trotz schwarzem Mückenteppich auf dem Tisch – wohl ein Tropfen auf den heissen Stein.
Um 6 Uhr halte ich es nicht mehr aus und werfe die Kiste an. James Garner in Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe . Einer meiner Lieblingsfilme. Um 7:30 Uhr ist dann der Morgen für alle vorbei. Es wird gepackt, um 9:30 Uhr verlassen wir diesen Ort glückseeliger „Best-Ager-Plus-Camper“. Wir sind froh, es gab während unseres Aufenthalts keinen Todesfall.

Wir fahren am ionischen Meer entlang Richtung Bari. Bestes Wetter. An einer Tankstelle füllen wir Diesel auf und kaufen von den unfassbar alten und zahnlosen Betreibern des angrenzenden Cafes selbstgemachten Weisswein und die beste Foccacia aller Zeiten.
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Extrem viel Fett, Olivenöl – einfach perfekt. Komische Stimmung um 11 Uhr vormittags hier, mit all den Männern in Jagdkleidung die Bier trinken. Wir sind eingeschüchtert aber selbstbewusst.
Auf dem Weg zur Autobahn in den Norden halten wir uns an unser Garmin-Camper-Navi. Wird schon richtig sein, wenn wir hier durch Oliven- und Mandarinenhaine hindurchfahren.
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Als wir vor einem „Durchfahrt Verboten“ – Schild stehen, ignorieren wir alle Hinweise. Der kleine Traktor vor uns mit dem 14jährigen Fahrer fährt ja schliesslich auch durch. An jeder Kreuzung neue Schilder, wir fahren trotzdem weiter und kommen zu einer eingestürzten Brücke. Der Traktor kämpft sich links durch das ausgetrocknete Flussbett hindurch. Wir mit durchdrehenden Vorderrädern und aufsetzender Rollerbühne hinterher. Ist eben doch ein Offroad-Wohnmobil.

Zum Glück sind wir dem idiotischen Navi gefolgt. Wir stehen auf einmal vor einer Olivenöl-Mühle. Wir kratzen unser letzes Bargeld zusammen – 24 Euro. Der freundliche Mann hat Erbarmen und gibt uns 5 Liter dafür. Danke.

Endlich sind wir wieder auf der Autobahn – die A14 quer durch Apulien nach Bari. Wir kämpfen uns mit unseren 75 PS den Anstieg hinauf und landen im Regen und Wind. Wir schaffen keine 100 km/h, so stark bläst es. Die LKWs nehmen uns als Verkehrshinderniss wahr.
Ich freue mich über meine neuen Wischer. Funktionieren perfekt. Bis zu dem Moment, als der Wind einen Wischer erfasst und aus der Halterung reisst. Full Stop auf der A14. Gelbe Warnweste an, Wischer suchen. Ein 40 Tonner hat ihn gefunden. Ich halte nur noch Einzelteile in der Hand und repariere professionell mit Klebeband. Alles dabei im bestausgestatteten Womo Bj.91.

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An der nächsten Tankstelle kaufe ich einen neuen Wischer. Praktisch, die gibts hier auch einzeln für 16 Euro. Ärgert mich trotzdem, da ich jetzt zwei unterschiedliche habe. Ich beobachte welcher besser funktioniert. Bin der Meinung der Alte!

Zum Glück haben wir den zweitklassigen Wischer dran. Es regnet ohne Ende. Wir fahren und fahren. Letztes mögliches Ziel ist südlich von Ancona. Weiter können wir nicht mehr. Zu laut, zu anstrengend. Wir haben Glück.

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Hier hat es schon geregnet und die Sonne scheint bei niedriger Temperatur auf dem Camping Bellamare.

Wieder mal verkehrte Welt hier. Pseudochic mit Extrakosten für warmes Wasser und Internet. Dafür Pool und Restaurant. Verstehe das nicht. Der Süden ist einfach entspannter. Wir prozessieren zur Dusche und das zugeteilte Wasser reicht gerade mal zum Haarewaschen. Auch hier kennt der Betreiber die korrekte Wassermenge und -temperatur anscheinend besser als seine Gäste.

Im Restaurant setzt sich der Kitsch fort. Türkise Vespa im Speiseraum. Was macht die da? Die sollte doch auf der Strasse sein! Doppelter Kitsch, annähernd doppelter Preis im Vergleich zu Kalabrien. Schmeckt trotzdem gut.

Wir watscheln zurück zum Womo und zittern uns in den Schlaf.
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Tag 23 – zum Abschluss an den Gardasee – langsame Aklimatisierung an die Zivilisation

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Das war mal eine richtig kalte Nacht. Und die Stechmücken hier im Naturschutzgebiet Riviera del Conero sind deutlich grösser als in Kalabrien. 6 Uhr. Ich bin steif gefroren. Schleppe mich zur Heizung, höchste Stufe, schliesse alle Luken. Warten bis es warm wird. Christina schläft, oder tut so. Der erste Teil der neuen Star Trek – Reihe vertreibt die Zeit. Ich mag den neuen Spock immer noch nicht.
Nicht dran zu denken raus zu gehen. Es könnte überfrierende Nässe haben. Frühstück drinnen. Irgendwann müssen wir raus. Christina hat einen Womo-Koller. Komisch, 12 qm sind ihr zu eng. Sie reisst alle Luken auf. Die Wärme strömt herein. Sonne, herrlich – wie man sich täuschen kann.
Auf zum limitierten Duschen. Verstehe es immer noch nicht. Würde lieber mehr Geld für die Übernachtung zahlen.
Wir legen uns ein letztes mal an den Strand. Die Adria. Weisse Kiesel, echt schön hier. Leider zu kalt für einen letzten Sprung  ins Meer.
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Jack Reacher beendet sein Abenteuer. Wobei, bei ihm ist das Alltag. Schiesst dem Übeltäter aus 1.200 Meter in den Kopf, rettet San Franzisko, überlässt die weibliche Protagonistin einem anderen. Nicht, dass er sich vorher noch leidenschaftlich mit ihr vereint hätte.
Wir ziehen weiter und entscheiden uns nach 1 h Fahrt für etwas total verrücktes. Gardasee, 5 Sterne Camping, 2 Nächte. Waren wir noch nie, wollten wir auch nie. Aber alle schwärmen davon.

Es ist so langweilig auf der Autobahn. Fahre  was das Zeug hält. 103 km/h, linke Spur. Der Stau ist hinter mir. Mir egal.

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Nach 4 Stunden endlich runter von der Autobahn, am See entlang nach Lazise. Vorbei an Waterworld, Movieworld, Gardaworld, sonstwasworld. Achterbahnen, Wasserrutschen, wie in Rust.

Wir treffen ein, auf dem Camping Piani di Clodia. Stehen direkt im Schatten. Neben uns ein 7,5 to Concorde – Wohnmobil. Wir werden mit dem Golfwagen über den Platz gefahren. Hilfe, wir brauchen eine Karte. Schnell wird klar, das hier ist gut organisiert und fest in deutscher Hand. Das haben wir so noch nie gesehen. Onda Azzurra, hier kannst Du was lernen.
Wir suchen uns einen tollen Platz mit Seeblick aus und richten uns zum letzten mal komplett ein.

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Lustig, dass Emma mit Marco letzte Woche auch hier war, auf der Rückfahrt von Roggiano. Die Spießer.
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Tag 24 – ein Tag 5 Sterne – Camping am Gardasee – ein Tag mit Menschen in Fahrradfahrerfunktionsbekleidung

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3 Uhr. Erstickungsgefahr. Es ist heiß im Wohnmobil. Habe die Heizung wohl zu stark aufgedreht gestern Abend. Heizung aus, Luken auf. Luft – eine Wohltat. So muss sich ein Apnoe-Taucher nach dem Wiederaufstieg fühlen. Wir sind wach, lauschen den Wellen und einem seltsamen Kratzgeräusch. Kratz, Kratz,…,Kratz, Kratz. Ausgesprochen unangenehm – können es nicht orten. Zum Glück habe ich wegen der Kälte im Jogging geschlafen. Unbedacht steige ich ohne Waffe aus dem Womo. Blitzfix erkenne ich, dass sich ein Ast im Wind bewegt und am Dach kratzt. Hätte ja auch ein Tier hier in dieser Wildnis sein können. Leider habe ich keine Säge zur Hand. Die liegt in der Heckgarage, im bestausgerüsteten Womo Bj.91. Wir müssen mit dem Kratzen leben. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Gute Uhrzeit für einen Film. Ein Präsident für alle Fälle, mit Jack Lemmon und James Garner. Ich liebe diese beiden Schauspieler seit meiner Kindheit.

Um 8 Uhr wachen wir wieder auf. Eiskalt. Hätte die Heizung nicht ausschalten sollen. An das Ding. Maximum. Alle Luken wieder zu. Irgendwie ist das die falsche Jahreszeit für Camping am Gardasee. Bis es warm wird vertreiben wir uns die Zeit mit Tom Hanks und Bruce Dern in Meine teuflischen Nachbarn. Bruce Dern hat in fast all meinen Lieblingsfilmen eine Nebenrolle gespielt. Grossartiger Schauspieler.

Duschen ist angesagt. Wobei man hier nicht vom Sanitärbereich spricht, sondern vom Spa. So ist das auch bei 5 Sternen. Es gibt alles was das Herz begehrt inkl. Regenwalddusche. Und es sieht schön aus.

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Später laufen wir an den See. Schön hier. Haben wohl extra Sand aufgeschüttet. Ist aber trotzdem nur ein See. Ein Spaßvogel füttert Enten und Schwäne. Das wars für uns. Nach den Erfahrungen mit der Entenkrätze am Bodensee wollen wir nicht mehr im Entenkot baden. Jack Reacher müsste man sein.

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Den Roller haben wir nicht umsonst von der Bühne gewuchtet. Wir fahre in die nächste Ortschaft, nach Lazise, gespannt was uns da so erwartet.
Wir trinken Cafe und essen einen Snack in der Bar Gelateria Al Porto dal 1977 und beobachten und staunen.
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Es ist ein nettes Touristen – Städtchen mit den üblichen Ramschläden. Und es ist voller Menschen mit Fahrrädern und komischer Kleidung. Funktionsfahrradbekleidung. Das ist etwas, was eigentlich nicht jeder tragen kann. Da es hier aber alle tun, scheint das keine Rolle zu spielen. 150kg bei 170cm auf einem Kettler-Aluminiumdamenfahrrad, da ist man mit Quickstep-Jacke, Giro-Helm und Mavic-Hose auf alle Eventualitäten vorbereitet. Ästhetik im Alltag. Nebenher trottet der angeleinte Hund. Dabei gilt „size matters“. Noch nie so viele Hunde auf einmal gesehen wie in Lazise. Bestimmt gibts hier irgendwo auch eine Hundeschule. Jedenfalls fühlt sich unser Roller wohl hier.

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Wahlwochende. Auch am Gardasee Zeichen setzen. FCK AFD. 

Wir düsen mit dem Roller zurück und entspannen am Pool. Gepflegt und lecker. 5 Sterne-Camping eben.

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Wir suchen uns einen Platz weit weg vom Kinderbereich aus und springen in das kalte Nass. Ungeheizt. Schlecht um diese Jahreszeit. Was wir bei unserer Platzwahl übersehen hatten, waren die Menschen links von uns. Wir sind uns unschlüssig, hier könnten die Eltern Cousin und Cousine oder Bruder und Schwester sein. Der Mann sitzt Stunden am Beckenrand und springt immer wieder mit einem Riesenplatscher ins Wasser. Die Zwillingsschwestern bestaunen ihn. Ihm egal, wenn wir nass werden. Uns nicht egal, dass er den schlimmsten Fussnagelpilz aller Zeiten an allen Zehen hat. Damit hat sich das Thema Pool für uns erledigt. Mich juckt es jetzt zwischen den Zehen. Muss sofort desinfizieren.

An unserem Platz angekommen schlägt uns die Sonne mit voller Kraft ihre Faust ins Gesicht. Wir haben direkte Sonneneinstrahlung und werden gegrillt. Wieder mal nicht richtig nachgedacht bei der Ausrichtung des Womo. Wir hängen die Strandtücher an die Markise. Endlich Schatten und endlich Ruhe vor der Hannoveraner Familie links von uns, die seit den frühen Morgenstunden damit beschäftigt ist, ihren Wohnwagen akribisch zu putzen. Wahrscheinlich werden sie ihn jedesmal in den Auslieferzustand zurückversetzen. Verrückte Camperwelt.

Wir genehmigen uns erst mal einen Apero.

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Verstehe immer noch nicht, wie man an diesem See seinen Urlaub verbringen kann. Habe einen weiteren Band von Jack Reacher runtergeladen. Vielleicht wird es damit klarer. Der hat ja auch immer so einfache Antworten auf enorm komplexe Fragestellungen.

Den letzten Abend unser Italienrundreise verbringen wir standesgemäß vor dem Wohnmobil und kochen ein letztes Mal in unserer Aussenküche. Guter Kauf. 

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Tag 25 – auf Homers Spuren – die Odyssee nach Hause – 12 Stunden für 530 km

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Heute geht es nach Hause. 530 km. Das sollte doch in 7 Stunden machbar sein. So der Plan. 

Wir sind entspannt. Haben auch noch nichts gepackt. Alles easy – wir haben Zeit. Wir frühstücken gemütlich im Wohnmobil, räumen die Sachen zusammen, nutzen die Spülmaschine auf unserem fünf Sterne Campingplatz. Ich liebe es, wenn die anderen abspülen und ich die Spülmaschine ausräume. Ein letztes Mal unter die Regenwalddusche. Das Auschecken geht ganz schnell, ich hatte Sorge dass es zum Stau kommt. Also doch kein Rückreise-Samstag heute, juhu! Wir sind entspannt. 10:30 Uhr, die Sonne und wir lachen.

Wir fahren am See entlang Richtung Autobahn, wollen auf die vierspurige Schnellstraße abbiegen, Panik! Hier steht alles. Kein Weiterkommen. Wir haben ja Zeit, und fahren Landstraße bis zum nächsten Autobahn-Anschluss. Hier ist es nicht viel besser.

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Geschenkt die 20 Minuten Stau. Wir haben ja Zeit. Es läuft auf der Autobahn. Stoisch mit 110 km/h brausen wir Richtung Brenner und gehen bei Bozen noch mal italienisch einkaufen. Vorräte auffüllen. Leider ist der Supermarkt-Parkplatz nicht für große Wohnmobile ausgelegt. 

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Macht nix. Bin inzwischen Profi ihm Ein- und Ausparken mit Spiegeln. Die Rückfahrkamera von Garmin funktioniert immer nur dann, wenn ich sie nicht brauche. Komisches Ding. Vielleicht muss ich doch ein Verlängerungskabel für den Sender benutzen. 

Geschickt und raffiniert verladen wir die Lebensmittel über das Heckfenster und starten dann in den Norden. 

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Es sind keine 400km mehr. Navi sagt 17:30 Uhr sind wir zu Hause, die freundliche Autobahn-Gesellschaft informiert uns darüber, dass es 8 km Stau auf der Autobahn gibt. Irgendwo vor oder hinter Brixen. Wir haben Zeit und sind entspannt. Fahren auf der Schnellstraße Richtung Brenner. Schön zu fahren, immer neben oder unter der Autobahn her. Dort sehen wir keinen Stau. Den Stau haben wir. 

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Irgendwie hatten noch mehr die Idee keine Autobahn zu nutzen. Es zieht sich unendlich, wir sind immer noch bestens gelaunt. Nach drei Wochen Urlaub kann einem so etwas nichts mehr anhaben. 

Auf einmal schreit Christina auf, „ich habe heißes Öl auf den Beinen!“ Wir halten sofort an. Aus dem Motorraum tropft irgend eine heiße Flüssigkeit in die Fahrgastzelle rein. Es ist 16:30 Uhr, Samstag und wir stehen irgendwo auf der Schnellstraße Richtung Brenner. Der ganze Fußraum ist nass. Gelassene Panik.

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Ich kontrolliere alle Flüssigkeiten, google, krabble mit dem Handy als Taschenlampe unter dem Auto rum und komme zu dem Schluss, dass es Kühlflüssigkeit sein muss, die aus der Heizung austritt. Kann eh nichts machen, da das ganze Werkzeug in der Heckgarage ist. Dann eben erst mal das Panorama und den Schnee bestaunen.

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Ich fühle die Kühlflüssigkeit mit dem Wasser auf, das wir vor 3 Stunden gekauft haben und weiter geht’s. Immer ein Auge auf die Wasserquelle unter dem Armaturenbrett. Es bleibt trocken, solange ich nur mit niedriger Drehzahl fahre. Berg hoch wird es zu einer Fontäne.

Wir passieren den Brenner. Für das Outlet haben wir keine Zeiten und auch keine Lust mehr. Scheint aber beliebte zu sein. Für uns bedeutet es weitere 30 Minuten Stau. 

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Unser Entschluss steht, wir fahren keine Autobahn, wollen den Brenner auf der anderen Seite auch auf Staatsstrassen runter fahren. Die österreichische Autobahngesellschaft macht uns einen Strich durch die Rechnung. Landstraße ist gesperrt. Das ist toll. Wir fahren wieder direkt in den Stau. Und zwar so richtig in den Superstau. 

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Christina googelt den Verkehr und liest fürchterliches. Dieses Wochenende wurde als schlimmstes Stauwochenende des Jahres am Brenner vorhergesagt. Die Autobahn wird erneuert und die Landstraße ist gesperrt. Und wir sind mittendrin. Das hilft jetzt auch nichts mehr. Mein Navi hat es inzwischen auch schon gemerkt. Prognostizierte Ankunftszeit ist jetzt 22:54 Uhr. Prost, Mahlzeit. 

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Sind ja nur noch 300 km. Wir kämpfen uns weiter durch den Stau, beobachten die tropfende Heizung und verkrampfen immer mehr. Und tatsächlich es liegt einzig und allein daran, dass die Autobahn von drei auf zwei Spuren reduziert wird. Was ein Wahnsinn. Jetzt läuft es wieder wie geschmiert. Wir tuckern den Fernpass hoch, sind ein Verkehrshindernis. Wann immer ich Vollgas gebe startet die Fontäne. 

Für den krönenden kulinarischen Abschluss unserer Reise halten wir noch am Rastplatz Allgäuer Tor an. Vergeblich suchen wir nach Kässpätzle.?Wir entscheiden uns für Pommes und Salat. Ein Hochgenuss bei Ufta-Ufta-Folkloremusik im Hintergrund.

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Weiter gehts, illegal durch die Umweltzone in Ulm (als ob die hier und heute ein Feinstaubproblem hätten) und weiter die B10 nach Göppingen. Wenigstens hier haben wir Glück, endlich mal kein Stau auf der B10. Gut, es ist auch Nacht und die Straßen sind leergefegt. Aber das ist uns auch noch nie passiert. Die Laune steigert das aber auch nicht mehr.
Um 22:40 Uhr sind wir dann schließlich Zuhause. Da hat sich das Navi dann aber erheblich geirrt. Wir haben mindestens 1 Stunde netto wieder rein gefahren. Vielleicht wusste es auch einfach das wir noch mal essen gehen und hat das gleich mitgerechnet.

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Wir haben genug und sind nur noch im Stande die verderblichen Lebensmittel auszuräumen, eine Flasche Prosecco aufzumachen, Campari in die Gläser zu giessen und uns darüber zu freuen, dass unser Haus so sauber und aufgeräumt ist wie selten zuvor. Danke Emma und Rosalie ❤️.