Mai 2018 – mit dem alten Wohnmobil über den Autoput nach Griechenland und über Albanien an der Küste zurück

Tag 1 – Ab in den Süden – wir kommen gerade mal bis Bad Reichenhall

Es ist Mittwoch, und dank akribischer Vorbereitung und einem perfekten Plan verlassen wir kurz vor 16 Uhr Göppingen. Unbegreiflich wie wir das geschafft haben. Glücklich düsen wir los.

Aber Geschichte wiederholt sich, müssen wir schmerzlich erfahren, im Kleinen genauso wie im Großen.

Wir vertrauen dem Navi und stehen von Göppingen bis Kuchen im Stau. Ich werfe alle guten Vorsätze über Bord und versuche über Schleichwege den Stau zu umfahren. Ergebnis – wir schaffen die ersten 50 km in 90 Minuten. Prost Mahlzeit. Geläutert folge ich ab sofort den Anweisungen meines Garmin-Camper-Navi und finde mich auf dem mittleren Ring in München wieder. Stadtdurchquerung im Schneckentempo. Love it.

Kaum aus der Stadt raus läuft es wie am Schnürchen. Aber wir haben schon zu viel Zeit verloren und erreichen nach 5 Stunden und 340 km Bad Reichenhall. Auch geschichtsträchtig die Region hier. Unheimlich irgendwie.

Auf dem Campingplatz Staufeneck begrüßen uns 2 riesige Hunde und nette Menschen, auch noch um kurz vor 22 Uhr. Und hier gibts auch noch Bier und Jägermeister. Der Urlaub kann beginnen.

Tag 2 – Langeweile auf dem Autoput – von Bad Reichenhall bis nach Serbien

Vatertag! Vor 30 Jahren sind wir mit dem Leiterwagen aufs Esslinger Jägerhaus gelaufen. Heute sitze ich nach 720 km und 10 Stunden auf dem Autoput auf dem Camping Zasavica kurz vor den Toren Belgrads und trinke ein Bier mit meiner Frau.

Den Tag haben wir klassisch gestartet. Einstimmung auf Griechenland mit My Big Fat Greek Wedding.

Wir stehen schön – zwischen zwei Flüssen:

Kurz nach 9 Uhr geht es los. Und wir fahren und fahren und fahren. Monotonie pur. Die einzige Abwechslung sind Tankstops und kurze Pausen. American Diner auf der Autobahn in Österreich. Grotesk.

Der Autoput zieht sich, wir durchqueren Österreich, Slowenien, Kroatien. Überall sieht es gleich aus. Wir fahren konstant mit 100 km/h die Autobahn entlang:

Topfeben und schnurgerade. Wie mit dem Lineal gezogen. Sozialismus funktioniert doch, denke ich heimlich;

Mal im Regen:

Mal mit einer Kurve:

Es ist das langweiligste was man sich vorstellen kann. Zudem ist das Auto so laut, dass keine Unterhaltung oder gar Musik hören möglich ist. Stumpf beobachte ich den Kilometerzähler und schalte am Navi immer zwischen Reisedaten und POI hin und her. Ich ermittle im Kopf den Durchschnittsverbrauch. 12,7 Liter bis Grenze Österreich, danach dann 14,6 Liter. Woran das wohl liegen mag? Christina wandert durch das Womo, legt sich hin, steht wieder auf, geht zum Kühlschrank, setzt sich wieder. Ich beobachte sie wie einen Tiger im Zoogehege. Wahrscheinlich kann ich morgen ihre Spuren auf dem Teppich verfolgen.

Endlich wieder eine Grenze! Aktion. Pässe zeigen, runterschalten, andere Autos und den Motorradfahrer beobachten. Der Motorradfahrer schiebt seine BMW. Stück für Stück, Auto für Auto arbeiten wir uns parallel vorwärts. Stop and Go. Mal schiebt er auf der rechten Seite, mal auf der linken. Rechts geht es besser. Keine Ahnung warum. Vielleicht passiert ja was, das Motorrad ist ja so groß für diesen schmächtigen Franzosen. Aber sie will nicht umfallen. Alles so langweilig. Ich fühle mich erbärmlich.

Irgendwann ist gut und wir landen auf dem Camping Zasavica. Wir ärgern uns noch, weil es über 10 km von der Autobahn ist. Aber wir werden entschädigt.

Toller Platz. Alles neu. Freundliche Menschen. Sanitäranlagen in typischem serbischen pseudochic.

Wir packen Tisch und Stühle aus und kochen, zum ersten Mal in diesem Jahr. Perfekt.

Tag 3 – von Zasavica über Kragujevac bis vor die Tore von Skopje

Das war mal eine ruhige Nacht. Absolute Stille um uns rum. Wir frühstücken, duschen und packen zusammen und bezahlen. 22 Euro überraschen mich dann doch für das serbische Hinterland. Es geht durch Belgrad über die Stadtautobahn Richtung Kragujevac, wo ich vor 8 Jahren zum ersten Mal ein Projekt für Fiat hatte: Umbau der alten Zastava – Fabrik zur Fabrik für den Fiat 500 XL. Wir vermissen die EU, absolute Hilflosigkeit schleicht sich ein. Wir sind offline. Datenroaming außerhalb der EU: 10 MB für 1 Euro sind uns dann doch zu viel.
Außer den hohen Mobilgebühren hat sich in knapp 6 Jahren, seit ich nicht mehr hier war, viel verändert. Es gibt keine alten Zastavas mehr auf der Straße, das Land hat Wohlstand entwickelt. Kragujevac ist über eine 4 spurige Schnellstraße an die Autobahn angebunden. Aber in Kragujevac ist alles beim Alten.

Das Kreuz mit dem Jesus gibt es noch:

FAS – Fiat Serbia gibt es noch:

Das Hotel Andjelika gibt es noch:

Den Pink Panther und Sopska Salad und Pommes gibt es noch:

Damit hätten wir das dann auch erledigt. Schnell noch Medikamente kaufen. Meine Augen spielen verrückt. Pollenallergie, zum ersten Mal im Leben. Das Zeugs kostet hier maximal 1/3 wie bei uns. Und Diclo gibt es in 100er Einheit. Paradiesische Zustände. Könnte den ganzen Laden kaufen.

Wir fahren weiter Richtung Süden.
Die Ebene wir enger und es wird wieder hügelig und saftig grün. Richtig schön hier. Es erinnert an Südtirol. Tolle Landschaft. Aber wir wollen ja nach Griechenland, wir wollen ans Meer!

An der Grenze von Serbien nach Mazedonien haben wir Glück. Nur 2 Autos vor uns. Das geht ruckzuck. Leider haben wir vergessen, dass es ja auch noch eine Einreise nach Mazedonien gibt. Wir fahren durch die Schranke und vor uns 2 Spuren, in jeder bestimmt 50 Autos.

Rechts neben uns liegen die Nerven blank. Der 50jährige Exsoldat in seinem roten Sharan neben uns flucht und hupt. Dem Wahnsinn nahe. Wir schließen erst mal die Türen ab. Er schlägt die Räder ein und beobachtet die Grenzkabinen. Auf einmal schießt er mit quietschenden Reifen los. Eine neue Kabine wurde eröffnet! Darauf hat er nur gewartet. Er rast drauf zu. Aber ist nicht schnell genug. Auch andere, stärker motorisierte oder besser positionierte Autos haben die Situation, im Gegensatz zu uns, verstanden und schießen wie eine Schar Piranhas auf ihr Opfer zu. Sie zerren daran, bis eine Ordnung hergestellt ist. Das geht bemerkenswert schnell. Der rote Sharan steht verzweifelt daneben. Alleine zwischen zwei Reihen. Mit Aggression gefüllt bis unter die wenigen, zu einem paramilitärischem Kurzhaarschnitt geformten Haarspitzen. Irgendjemand erkennt die Gefahr für uns alle und lässt ihn sich in die Schlange einreihen. Danke. Wir schließen die Türen wieder auf. Wahre Helden sind stille Helden. Ein silberner Audi A6 versucht es anders. Er schleicht sich von hinten an und will sich in die Reihe drängen. Am Steuer eine junge Frau, auf dem Beifahrersitz ein älterer Mann der wohl Anweisungen gibt. Der Skoda Yeti – Fahrer findet das mal garnicht lustig und bremst den Audi aus. Er steigt aus, der Beifahrer des Audi steigt aus. Eskalation. Endlich! Schlägerei an der Grenze nach Mazedonien! Ich setze auf den Yeti – Fahrer. Leider steigt auch die junge Frau aus, entschuldigt sich. Schlichtet. Schade für uns, wieder nix los und Pech für die Beiden. Inzwischen wurden sie von 2 Autos überholt. Survival of the fittest!

An ersten Rastplatz halten wir an und suchen ein freies WLAN. Das ist praktisch hier. Wir loggen uns ein und suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Auswahl gibt es nicht. Genau ein Platz auf unserer Route. Wir fahren nach Skopje – Campingplatz Bellevue. Unterwegs zahlen wir Maut. Bar und in Euro. Einmal 2 Euro und dann noch 1 Euro. Jeder Abschnitt wird separat bezahlt. Komisches System, aber sinnvoll in einem Land wo die Autobahnen auch von Fahrradfahrern und Fußgängern benutz werden und man auch gerne mal rückwärts fährt.

Der Campingplatz Bellevue ist an ein Hotel angeschlossen. Ich watschele zur Rezeption. Der Mann will Euro. 25,50 um genau zu sein. Ich zücke meine Kreditkarte. Er schaut mich fragend an und wir einigen uns auf 20 Euro in bar. Ich zahle mit einem 50 Euro – Schein und bekomme eine Rolle 2 Euro – Stücke zurück. Praktisch, denke ich, in einem Land wo die Autobahn in 2 Euro – Abschnitte unterteilt ist.

Wir kreisen über den Platz. Eigentlich ganz praktisch. Immer sternförmig sind 4 Plätze angeordnet. Leider passen da nur sehr kurze Camper drauf. Heute sind hier nur große neue Womos. Wir sind das bei weitem älteste Womo am Platz und ergattern den letzten freien Stern. Auch ganz für uns alleine.

Tag 4 – von Skopje bis an das ägäische Meer

Ups – schon ist es 9 Uhr am Samstag dem 12.Mai 2018. Wir haben lange geschlafen. Verwunderlich, denn uns trennen nur 20 Meter Rasen und eine Mauer von der Autobahn nach Skopje. Und morgens müssen da anscheinend ganz schön viele Menschen hin. Ein Summen und Rauschen wie im Bienenschwarm. Ein Blick nach draußen – der Platz ist leergefegt.

Wir scheinen einen anderen Reiserhythmus zu haben. Kommen als letzte, gehen als letzte. Griechenland ist heute unser Ziel. Chalkidiki – der mittlere Finger. Keine 400 km mehr.

Zurück auf der mazedonischen Autobahn tuckern wir in 2 Euro und 2,50 Euro !!! -Abschnitten Richtung Griechenland. Zum Glück habe ich meine Geldrolle. Es geht durch sehr schöne Landschaften und vorbei an Ikonen-Händlern. Uns ist langweilig. Zum ersten Mal machen wir das Radio an. Wenn ich mal wüsste wie der Sendersuchlauf an dem Ding funktioniert. Die Taste um das Kontroll-Panel abzumachen habe ich jedenfalls schnell gefunden. Nach unzähligem manuellem weitertippen fahren wir beschwingt von mazedonischen? oder griechischen? Klängen weiter. Vor der Grenze verpassen wir die letzte Ausfahrt zum tanken. Macht nix. Full stop, Rückwärtsgang und 300 Meter zurückstoßen. Haben wir hier so gelernt.

An der Tankstelle wieder nur lauter nette Menschen. Ich habe Kontrollverlust. Kaufe Zigaretten, Cola, Wasser, alles was der Laden hergibt. Im Schnäppchenrausch. Keine Ahnung wie der Wechselkurs ist. Wird schon günstig sein. Wir hätten uns auch besser vorbereiten können.

Die Grenze ist unspektakulär.

Ausfahrt, Einfahrt und schon sind wir in Griechenland und schnell auch im Moloch der Stadtumfahrung von Thessaloniki. Schön ist anders. Gutes Wetter ist auch anders. Konsequent halten wir auf die dunklen Wolken zu. Kurzer Check bei Wetter.de. Alles wird gut.

Wir fahren die Ostseite des Fingers entlang, Berg- und Talfahrt, immer wieder Stichstrassen zu den Stränden, wo das Meer aus der Ferne türkis schimmert. Unser Ziel ist Kalamitsi.

Am Camping Thalatta buchen wir uns ein. Vorderste Reihe, direkt am Strand. Juhu – wir freuen uns und fahren auf den Platz ein. Verzweifelt suche ich den Stellplatz 61. Finde ihn nicht. Erste Reihe komplett belegt!? Dann wird klar, es ist die 1.Reihe nach den 2 Reihen mit festen Zelten und Wohnwagen die frei für Camper ist. Selten zuvor so etwas hässliches wie dieses Ensemble gesehen.

Wir fahren wieder zurück zur Rezeption, holen unsere Ausweise ab und landen nach 5 km kurz vor 19 Uhr auf dem Camping Katerina. Einfacher Platz, vom Meer durch eine schmale Promenade getrennt. Wir stehen am Meer und sind erstmal angekommen in Griechenland.

War ja ein Katzensprung – 2.030 km bei einem Schnitt von 78 km/h.

Tag 5 – Muttertag in der Nähe von Kalamitsi

Sonntag – Muttertag. Um es vorwegzunehmen, genauso wie den Vatertag interessiert das keines unserer 3 Kinder.

Wir sind sehr früh wach. Ab 7 Uhr turnt Christina durch das Wohnmobil und ist in Aktion. Sie kocht sich sogar ein Ei. Eigentlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich mich auch zu beeilen habe. Ich deute die Zeichen aber falsch und schaue Guardians of the galaxy an. Kurz vor Ende des Films mache ich aus. Der soziale Druck wird zu groß als auch noch das Wasser ausgeht.

Habe ich gestern Abend bei der Anreise tatsächlich vergessen den Tank zu füllen. Zum Glück habe ich eine 10 Liter – Giesskanne dabei. Ich laufe 12 mal die 80 Meter stoisch hin in her und schon ist der Tank wieder halb voll.

Um 10 Uhr liegen wir am Strand. Blöderweise liegt mein Kindle zuhause im Schrank. Wo ist wohl der nächste Elektrofachmarkt? Oder soll ich das spiegelnde IPad benutzen? Existentielle Fragen ohne Antworten. Es ist frisch im Wind, das Meer aber verhältnismäßig warm.

Einmal springen wir rein. Das reicht dann aber auch.

Zurück am Womo kochen wir. Es ist kalt – wir stehen den ganzen Tag im Schatten und im Wind. Verstehe immer noch nicht, weshalb ich nicht in die Sonne stehen durfte. Hatte der Campingplatz-Wächter gestern aber ausdrücklich verboten. Die Plätze dort sind leer, es sind außer uns ja auch nur 4 Camper hier. 3 davon stehen im Schatten. Ich verstehe die Griechen nicht.

Nach einem schnellen Mittagessen – inzwischen und dank unserer Plastikboxen verwerten wir sogar die Reste vom Vorabend – packen wir uns dick ein und schwingen uns auf den Roller.

Endlich wieder fahren! Easy Rider mit 50ccm. Wir fahren kleine Küstenstraßen entlang, über Stock und Stein, vorbei an Ziegen und Kühen und entdecken total schöne Buchten und stille Orte.

Im Sommer ist sicher die Hölle los, heute sind wir alleine. Jetzt erschließt sich uns auch, weshalb die Leute so von dieser Region schwärmen.

In der Taverna Zorbas sitzen wir direkt auf dem Strand und genießen die warmen Sonnenstrahlen bei unserem ersten griechischen Bier. Spätestens seit König Otto gibt es ja eine Bierbrautradition in Griechenland. Gefährliches Halbwissen.

Nach 40 km Motocross mit der guten alten Piaggio Sfera sind wir wieder zurück im Wind- und Schattenloch. Haben uns erkältet.

Unser Entschluss steht fest. Wir suchen uns morgen ein netteres Plätzchen.

Abends dann wieder kochen und eine Runde Rumikub bis die Sonne untergeht. Dazu die Standardflasche Jelen, dem besten Bier Serbiens.

Nach einem Becher Wick MediNait, was für ein großartigeres Teufelszeug, und 10 Minuten Ein Goldfisch an der Leine fallen wir in den Schlaf der Gerechten.

Tag 6 – von Kalamitsi nach Toroni ins Paradies

Irgendwie sind wir noch nicht im Urlaubsmodus. Schlag 7 Uhr sind wir wach. Draußen ist es windstill. Hoffnung keimt auf – vielleicht können wir ja doch noch hier bleiben. Im Womo neben uns ist der Papagei auch schon wach und trällert seine Weisen. Ein älteres Paar, das schon über 32 mal in Griechenland war, steht schon länger mit dem großen 3 achsigen Frankia hier – das Grass unter deren Womo ist deutlich höher als drumrum. Hinten auf dem Heck klebt ein riesiges Foto von den Zweien mit dem Papagei in der Mitte. Ob der wohl weiß wo er ist? Und dass er in einer Dreierbeziehung steckt?

Der Wind kommt auf und wir entscheiden uns zu fahren. Irgendwohin wo es schön ist, einfach in eine Bucht stellen und baden.

Wir verlassen den Campingplatz und fahren Richtung Toroni. Gute Entscheidung. Kaum erklimmen wir die Hügel hinter Kalamitsi wird es richtig schön.

Wir schlängeln uns durch die Berge und das Örtchen Toroni. Hier laufen die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren, aber alles ist noch geschlossen.

Als wir aus dem Ort rausfahren entdecken wir das Paradies und stellen uns zu den 5 anderen Womos dazu und packen den Sonnenschirm aus. Wie alle anderen auch ignorieren wir die Höhenbeschrönkung auf 2 Meter und fahren neben dem Tor auf den Strand ein. So haben wir uns das eigentlich von Anfang an vorgestellt.

Die tschechische Großfamilie neben uns ist mit 2 Womos und Anhönger unterwegs. Sehr süß – ganz junge Familie mit ca. 1 jährigem Sohn und vermutlich die Eltern mit 2 weiteren Töchtern. Die haben alles dabei was das Männerherz begehrt – 2 riesige Strandbuggys auf den Höngern und ein motorbetriebenes Surfbrett. Die sind permanent in Aktion, fahren mit den Buggy’s zum Wasser holen und beschäftigen den jüngsten Spross der Familie, der permanent ins Wasser krabbelt. Als der junge Familienvater mit dem Board ins Wasser geht erbebt der Strand vom Klang des offenen 2 Takters. Großartig, bin neidisch.

Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns von der romantischen Vorstellung frei zu stehen, wir brauchen Infrastruktur und wollen auch mal mehrere Tage an einem Ort bleiben.

Weiter geht es an der Küste entlang und nach einer Stichstrasse ans Meer hinunter schauen wir zwei Plätze an. Camping Areti und Camping Stavros. Beide toll, und bei beiden sind Plätze am Meer frei.

Panik macht sich breit – wir haben keine Lebensmittel mehr und wer weiß schon, ob wir auf den Plätzen alles bekommen. Wir fahren die Stichstrasse zurück auf den Berg und in die nächste Ortschaft zum Supermarkt. Der Spirituosenschrank wird für uns aufgeschlossen und wir sind die Sensation des Tages, als wir 6 Flaschen Prosecco entnehmen. 145 Euro ärmer und voll gepackt mit Essen und Getränken fahren wir zurück und entscheiden uns für den Camping Stavros.

Wir packen unser komplettes Equipment aus und gehen kurz ins Meer und dann griechisch Essen. Lecker hier. Nur 40km vom vorherigen Platz.

Verstehe einer das Trio mit dem Frankia – Wohnmobil!?

Tag 7 – Strandtag und erfolglose Detektei

Es ist Dienstag und wieder sind wir sehr früh wach. Dösen aber bis nach 9 Uhr weiter und frühstücken trotz bestem Wetter drinnen.

Strandtag. Das Glück ist ja so nahe, wir stehen 15 Meter vom Meer entfernt.

Getrübt wird unser Glück durch ein wassertropfendes Wohnmobil. Das begleitet uns seit Tagen und heute gehe ich auf Ursachenforschung. Freundliche Menschen aus meiner Fiat Ducato 280/290 Wohnmobil Gruppe versuchen mir aus der Ferne zu helfen. Auf deren Anraten habe ich das Ablassventil der Therme und das Rückkopplungsventil geprüft. Fehlanzeige. Dafür habe ich das halbe Womo demontiert und fühle mich jetzt wie Dr. House. Erstmal alles denkbare ausschließen, den Fehler einkreisen. Es gibt 3 Löcher mit Schläuchen hinter der rechten Hinterachse und aus dem dritten Loch, am nächsten dem Innenraum tritt Wasser auf.

Wir detektieren, dass es erst nach einiger Zeit auftritt, nachdem wir den Wasserhahn der Spüle oder des Bads betätigt haben. Umgerichteter Dinge montiere ich die ganzen Holzeinbauten wieder zusammen. Habe alles außer dem Bad und dem Unterboden demontiert was Kreuzschlitzschrauben hatte.

Egal. Uns hält nix auf. Gehen wir eben wieder an den Strand. Ich trinke Rotwein, den wir versehentlich mitgenommen haben (dachten es sei Prosecco) und lese „Einführung in die (System-) Theorie der Beratung“. Schwerer Soff. Schwerer Kopf. Wo ist mein Kindl? Jack Reacher?

Griechenland ist Hundeland. Das war uns garnicht so offensichtlich bewusst, wobei man ja immer wieder von Menschen hört die einen griechischen Hund gerettet haben. Überall streunen Hunde durch die Straßen. Die sehen aber alle erschöpft und nicht sehr glücklich aus. Auch auf dem Platz hier gibt es einen alten Hund mit der Größe eines Kalbs, der sich von Parzelle zu Parzelle schleppt.

Gestern wurde uns vom Koch eine vegetarische Hauptspeise, grüne Bohnen, versprochen. Wann immer ich den Kellner heute sehe sind „grüne Bohnen“ das zentrale Thema. Zwangsläufig, dem geschickt aufgebauten sozialen Druck folgend, gegen wir abends wieder in die Camping-Platz Taverne. Wie sich herausstellt heißt sie Afros, bedeutet wohl Gischt. Seltsam – das Meer ist richtig ruhig hier. Kaum sitzen wir, kommt, wie schon gestern, eine bestimmt 75 jährige sehr resolute Österreicherin mit ihrem „wahrscheinlich“ Sohn eingelaufen. Nettes Paar. Ein herzliches „Mahlzeit“ erhellt die Terrasse und den halben Platz. Ohne Bestellung werden Getränke und Essen in sagenhafter Geschwindigkeit dargereicht und verspeist. Wir beobachten und schlürfen unseren Frappé, eines der wahrscheinlich besten Dinge an Griechenland.

Auch der Kalbshund watschelt herbei und kniet devot vor der älteren Dame und wartet sehnsüchtig auf Zärtlichkeiten. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Jetzt ist auch klar wessen hood das hier ist.

Und schon werden auch die sagenumwobenen Bohnen serviert.

Der lauwarme Eintopf mit Karotten, Tomaten, Kartoffeln und Bohnen stößt auf geteiltes Interesse. Tapfer essen wir auf und versuchen den Blickkontakt zum Kellner zu vermeiden. Geschickt entziehen wir uns weiteren Vorschlägen für den morgigen Abend durch Bezahlung an der Bar. Morgen kochen wir dann mal lieber wieder selbst.

Tag 8 – Hilfe ein Unwetter und die Bulgaren kommen!

Mittwoch 16. Mai 2018. Die Sonne begrüßt uns morgens mit ihren lieblichen Strahlen. Das wird ein perfekter Strandtag heute. Ab 11 Uhr liegen wir am Meer. Die Stille wird nur durch die kläglichen Versuche eines Bulgaren seinen Jet-Ski zum laufen zu bringen, unterbrochen. Der Campingplatz gerät langsam aber sicher in Aufruhr. Als wir Mittagessen schwebt eine Abgaswolke über den Platz. Scheint zu fett eingestellt. Die Gäste formieren sich nach einer guten Stunde. Ich stehe mit einem Stift bereit, die Anti-Jet-Ski-Petition zu unterzeichnen. Irgendwann gibt der arme Kerl auf. Wie ärgerlich, hat er das Ding ja auf dem Hänger auch hierher transportiert. Und was soll er mit seiner Zeit jetzt überhaupt anfangen?

Wir chillen weiter am Strand. Mir wird langweilig, brauche Lektüre. Mein Kindle fehlt so sehr. Mit meinem iPad setze ich mich vor die Campingplatz-Taverne. Hier gibts Wifi! Ich lade mir die Kindle-App und ein Jack Reacher Buch runter. Lieber Jack Reacher mit Spiegelung als gar kein Jack Reacher. Früher war mal garnix besser, da hätte ich jetzt eine deutsche Buchhandlung suchen müssen.

Zurück am Strand lese ich gespannt „Underground“. Die israelische Liste wird von Reacher neu interpretiert. Besser als McGuyver!

Eine Regenfront zieht auf und wir packen alles zusammen.

Leider verläuft das Unwetter unspektakulär und zieht schnell weiter. Das Meer ist aber glasklar danach und wir springen direkt wieder rein.

Damit wäre dann auch bewiesen, dass das Iphone inzwischen tatsächlich wasserfest ist. Danke Apple!

Den Abend verbringen wir mit Rumikub, und Pasta. Als es dunkel wird und wir gemütlich Support Your Local Sheriff anschauen bricht die Hölle über uns herein. Zwei bulgarische Großfamilien mit riesigen Womos fahren ein, rangieren 30 Minuten, und stellen sich versetzt auf die Plätze quer hinter uns. Die Kinder packen die Räder aus und fahren wild bimmelnd über den Campingplatz. Das wird ein Spaß. Einen Jet-Ski haben die natürlich auch dabei.

Tag 9 – Nachbarschaftsbeobachtungen

Es ist 8 Uhr und wir werden sanft durch ein rhythmisches TokTokTok, TokTokTok, … gepaart mit dem Rasseln einer Fahrradklingel geweckt. Ein süßer bulgarischer Fratz fährt den Pflasterweg hinter uns auf und ab. Langsam aber sicher paaren sich die anderen 3 Jungs dazu und im Nu hat der Campingplatz um uns rum gute Laune und startet gemeinsam in den Tag.

Wir sind jetzt lange genug bei Stavros um den Platz und seine Bewohner ein wenig näher unter die Lupe zu nehmen. Vorneweg, wir haben keinerlei Idee was wir hier pro Tag bezahlen. Bin mal gespannt. Ich habe mir ja zum ersten Mal eine magische ACSI – Karte gekauft um in den Genuss der tollen Vergünstigungen zu kommen, bisher aber jeden angeschlossenen Campingplatz gekonnt ignoriert.

Bei Stavros ist es schön.

Scheint ein Familienbetrieb zu sein, der Besitzer ist mit seinen Gästen alt geworden. Er muss zufrieden sein, parkt doch ein Porsche Cayenne neben der Taverne. Der Kerl und die Crew sprechen gutes Deutsch, sicher den österreichischen und deutschen Langzeitgästen geschuldet.

Die Österreicher, die heute mit Womo und Wohnwagen ankamen kommen jedenfalls seit über 30 Jahren hierher. Es war wichtig, dass dies direkt alle wissen, insbesondere um sich die Position gegenüber den Bulgaren am Strand zu sichern.

Die Insassen der zwei bulgarischen Womos leben übrigens eine klare Rollen- und Geschlechtertrennung. 3 Frauen, 3 Männer, 4 Jungs. Und alle reden sehr laut. Die Frauen liegen am Strand, die Kinder spielen am Strand, die Männer ziehen mit grimmigem Blick über den Campingplatz und fahren abwechselnd Jetski.

Manchmal dürfen die Jungs mit. Die Frauen hingegen putzen und kochen. Ich schaue fasziniert und eingeschüchtert zu. Jeder ist irgendwie für sich. Wie auch die junge bulgarische Frau mit ihrem neuen Hightech-Van neben uns, die komplett in sich gekehrt die Tage alleine verbringt. Den Blick stoisch nach vorne gerichtet. Macht ihr Ding. Wir spekulieren über eine Leiche im Van, einen griechischen Freund, … wozu braucht die denn auch 2 Fahrräder?

Am Strand trainiert ein deutscher Mann seinen Hund. Apportieren aus dem Wasser. Bestimmt für die Entenjagd, hier rennt der Hund einem Stoffknäuel hinterher und hat Spaß dabei erst loszurennen, wenn sein Herr und Meister das Go gibt. Hunde sind sowas von dämlich. Dämlich auch, dass der Hundebesitzer später versucht seinen Roller in Gang zu bringen, dabei aber nach stundenlangen Gurgeln inkl. Starterspray, kläglich scheitert. Er stand kurz vor dem Platzverweis; ich hatte auch schon wieder meinen Stift für die nächste Petition gezückt.

Die Welt bei Stavros ist in Ordnung – beschaulich und ruhig. Auch die Schwalben lieben diese Atmosphäre und beobachten die Camper aus ihrem Nest heraus beim Geschirrspülen.

Das wirft wieder die alte Frage von Douglas Adams auf. Mäuse habe ich noch keine gesehen.

Neben 2 jungen Familien mit neuen Kindern und neuen Bullies – toll, dass es diese Elternzeiturlaube gibt – stehen noch 2 Luxusmobile auf dem Platz. Best Ager 60 plus, die es geschafft haben und es auch zeigen. Nochmal zwei Nummern mehr als das Pärchen mit Papagei. Auf dem Morelo – Wohnmobilpalast prangt hinten die Aufschrift „Wenn nicht jetzt wann dann“. Das Concorde – Schiff ist unbeschriftet, wirft aber aufgrund seiner Größe einen mächtigen Schatten auf den halben Platz. „Früher hatten wir das Größere, aber das war hier so unpraktisch.“ Wenigstens könnte ich ihm mit meiner grünen Gießkanne aushelfen. Bin auch im 3. Campingjahr noch Stolz auf meine umfassende Ausrüstung.

Hinsichtlich der großen Schiffe bin ich hin und her gerissen zwischen Faszination, Unverständnis, Belächeln und Neid. Nicht unser Ding, aber am Ende des Tages sehr coole Sache. Muss man sich mal ernsthaft damit beschäftigen.

Der Shop auf dem Platz hat alles was das Herz begehrt. Dumm nur, dass man nicht alles lesen kann. Autan heißt auch auf griechisch Autan, und wir brauchen es heute.

Stechmückenalarm. Wir flüchten ins Auto , schauen was griechisches an – Mamma Mia! – und stellen fest, dass es am Ende des Tages überall gleich ist. Allerdings fehlt irgendwie La Dolce Vita.

Tag 10 – Mit dem Roller nach Neos Marmaras

Auch bulgarische Kinder müssen mal zur Ruhe kommen. Es ist still am Morgen. Aber was ist das für ein komisches Geräusch neben unserem Wohnmobil. Irgendetwas nestelt im verborgenen rum und gibt seltsame Keuchlaute von sich. Langsam werde ich wach und nehme im Halbschlaf ein vertrautes TockTockTock wahr. Hammerschläge auf Heringe. Ein Blick auf die Uhr und aus dem Fenster zeigen mir, dass unser Wiener Nachbar noch vor 8 Uhr sein Vorzelt aufbaut und dazu das Material aus seinem, vor unserem Schlafbereich geparkten Auto rauskramt. Die Nachbarsjungs hören das selbstverständlich auch, so dass wir schon kurz nach 8 Uhr wieder unsere Spielstrassenroutine genießen können. Fehlt nur eine Eimer mit Malkreide.

Wir genießen den Tag am Strand und bereiten uns mental auf den Rollerausflug nach Neos Marmaras vor. Wir brauchen Lebensmittel und haben die Hoffnung etwas leckeres zu essen zu finden.

Unseren frühaufstehenden Nachbarn, der ja seit 30 Jahren hier im Urlaub ist, befrage ich nach der besten Route -„kann man die kleine Küstenstraße weiterfahren?“ Er berät sich mit seinem Kompagnon und sie selbst sind schon lange dort nichtmehr entlang gefahren, sich aber einig, „dass das mit dem Roller schon klappt“. Freundliche Menschen. Man hilft sich. Das setzte ich dann gleich selbst in die Tat um, als ein verzweifelter Mann uns kurz vor Abfahrt auf dem Platz besucht. Christina war gerade dabei zu erzählen, sie sei auf dem Weg zum Wifi-Spot von einem Mann verfolgt worden, und sie konnte sich gerade noch durch ein fingiertes Telefonat retten. Jetzt steht er vor uns und identifiziert sich als der Mensch mit dem defekten Roller (heimlich denke ich, dass ich ihn gestern verwechselt habe, dachte der Hundedompteur hätte das Rollerproblem) und fragt nach einer 8er Nuss. Da ist er beim bestausgerüsteten Wohnmobil im 3.Jahr genau an der richtigen Adresse. Ich überlasse ihm meine komplette Werkzeugbox. Inklusive 8er Nüsse und Akkuschrauber. Fühle mich gut.

Wir schwingen uns auf den Roller und fahren die bezaubernde schmale Küstenstraße entlang. Überall glitzert das Meer und kleine Buchten laden zum Baden ein.

Das ist ein richtig schöner Flecken Natur hier. Neos Marmaras hingegen entpuppt sich – zumindest in der Vorsaison – als hässliches Entchen. Das erinnert alles eher an halbsozialistische Urlaubsidylle denn an ehemaliges Fischerdorf.

Es fällt uns schwer einen netten Platz mit einer netten Bar zu finden. Wir entscheiden uns für was italienisches und bestellen Frappé und Kringel. Beides gut, Bedienung nett, aber muss man auch nicht nochmal hin.

Wir brauchen Obst und Gemüse – aber hier gibt es nirgends einen Stand mit frischen Sachen. Später im Supermarkt ein ähnliches Bild – sehr eingeschränkte Auswahl. Dafür viel Käse. Ich nehme einen salzigen weißen Kuhmilchkäse mit, könnte gut zu Sopksa – Salat verarbeitet werden.

Die Fahrt zurück am Meer entschädigt für das komische Dorf. Traumhafte Landschaft. Saftig grün. Das gefällt uns.

Nach einem Ausflug zu Pommes, Tomaten/Gurkensalat und Tzatziki gepaart mit einem 1/2 Liter Weißwein in unserer Campingplatz-Taverne spielen wir Rommé im Schein unserer Batterielampe und 2er mickriger Teelichter. Ich bin klar im Vorteil und genieße es.

Gegen 23 Uhr treffen noch österreichische Gäste mit Wohnwägen ein. Ein lautstarkes „seit 700km warte ich auf ein Bier“ lässt darauf schließen, dass die durchgefahren sind. Immer wieder faszinierend zu sehen, wie Menschen in diesen Situationen zum Mittelpunkt der Welt werden und ihre normalen Verhaltensmuster über Bord werfen. Lautstark wird vorgefahren, abgekoppelt, diskutiert und der hell erleuchtete Wohnwagen mit dem Mover die letzten 300 Meter über den Platz bugsiert. Schneckentempo. Uns bleibt genug Zeit die blaue und blinkende LED-Beleuchtung auf dem Dach und unter dem Boden zu bestaunen. Gefällt mir. Hat was von Star Trek. Die Enterprise wird mit dem Traktorstrahl ins Dock gezogen. Das zweite Gespann wartet brav und fährt dann zielgerichtet ein.

Tag 11 – Dinner am Strand

Samstag ist Strandtag. Ein Tag mit Jack Reacher in New York und mit planschen in der Ägäis.

Samstag ist auch Waschtag. Das gilt auch für uns. Allerdings ist für Christina auch jeder andere beliebige Tag Waschtag, es muss sich nur die Gelegenheit bieten. Und die haben wir hier auf dem Campingplatz Stavros zur Genüge. Sage und schreibe drei Waschmaschinen stehen parat, eine davon ist seit 4 Tagen jeden Abend von uns besetzt.

Wir waschen alles. Handtücher, Bettwäsche, Kleider, Geschirrtücher, Strandtücher. Hauptsache das Ding wird jeden Abend irgendwie voll. Die Frau an der Rezeption lacht schon, wenn sie mich mit dem 5 Euro Schein winken sieht. Wir sind ein gutes Team. Ich sage nur 60 oder 40 und schon wählt sie das dementsprechende Programm und füllt das Pulver ein. 90 Minuten später schwelgen wir dann wieder in sauberer Wäsche. Schmutzig ist hier nur das, was wir am Körper tragen. Andere Camper werden angestachelt von unserer vorgeschobenen Reinlichkeit und fragen mich nach dem genauen Prozedere des Waschvorgangs. Gerne stehe ich auch hier mit Rat und Tat zur Seite und verweise auf die Signalwirkung einer im Wind wehenden 5 Euro – Note.

Praktisch dabei ist, dass man bei derselben Frau für 4 Euro auch zwei Frappé bestellen kann. Während wir diese und das Wifi genießen, machen wir uns Gedanken über den weiteren Reiseverlauf. Montag wollen wir weiter. Auch nach intensiver Recherche und Abwägung von Alternativen kommen wir zu keinem Entschluss. Erst noch die griechische Küste erkunden, oder eventuell nach Korfu oder südliches Albanien, oder an den Ohridsee, und dort dann in welches Land?

Fragen über Fragen und heute gibts keine Antworten. Ich glaube wir machen das dann spontan.

Spontan entscheiden wir uns auch dafür heute auf dem Strand zu Abend zu essen.

Wir packen unseren Tisch und die Stühle ans Meer und genießen italienische Pasta bei griechischem Sonnenuntergang. Sehr schön.

Tag 12 – von Bulgaren umzingelt

Morgen geht es ja weiter, von daher wollen wir am heutigen Sonntag einfach nochmal relaxen und dann zusammenpacken. Der Blick aus dem Womo verheißt nichts gutes. Vor unserem Strandzugang haben es sich die bulgarischen Kinder, die sich über Nacht rätselhafter Weise auch noch vermehrt haben, schön gemacht. Sie spielen sinnbefreit aber lautstark mit einem kleinen gelben Plastikball. Unsere zwei Schirme, die wir zur Markierung unseres Hoods am Strand stehen gelassen haben, dienen als Torpfosten. Wobei der tiefere Sinn des Spiels anscheinend darin besteht, die Pfosten zu treffen.Ausgerüstet mit Handtüchern, Liege, Luftmatratze schreiten wir auf den Strand um unser Territorium zurückzuerobern. Erst dort sehen wir das gesamte Ausmaß – die Bulgaren haben den kompletten Strandabschnitt vor unserem Womo okkupiert.

Das muss ein sehr besonderer Platz sein, oder wir verfügen über magische Anziehungskräfte, denn der restliche Strand ist menschenleer.

Wir machen gute Miene zum bösen Spiel, platzieren uns mittenrein und erfreuen uns an dem Spaß, den die Kinder im Wasser haben und schauen mal, wer den längeren Atem hat.

Einen langen Atem hat auch der Nachbar mit seinem Roller. Inzwischen hat er die Kerze gewechselt, neue Batterie gekauft, den Vergaser mehrfach aus- und wieder eingebaut. Verzweifelt gurgelt er, kurz springst an, geht dann wieder aus. Um ihn rum immer wieder 3-4 Leute mit guten Tips. Meine Diagnose ist ja, dass der Vergaser Luft zieht. Das sage ich ihm auch mehrfach, ohne jedoch in der Lage zu sein weiter technische Hilfe geben zu können. Aushelfen kann ich ihm dann natürlich doch, als bestausgerüstetes Wohnmobil aller Zeiten im dritten Jahr. Selbstverständlich habe ich ein Batterieladegerät dabei. Fühle mich gut.

Auf einem meiner Streifzüge durch den Campingplatz – Supermarkt entdecke ich Olivenöl und Schnaps mit handgeschriebenen Etiketten und schlage direkt zu. Alles selbst gemacht, und wenn nicht auch egal, ich nehme alle vorrätigen 2 Literflaschen Öl und eine Flasche Schnaps. Ich muss ein guter Kunde sein. 1 Liter Öl gibts gratis dazu.

Uns packt am Nachmittag der Lagerkoller, wie jedesmal wenn wir weiterreisen wollen. Da ist das Camperleben dann nur noch sehr eingeschränkt entspannt und wir verfallen in panisches und hektisches aufräumen, packen und verstauen. Unsere österreichischen Nachbarn amüsieren sich, bereden mit uns die weitere Fahrt – wenn wir mal wüssten wo es hingeht – und gehen dann tip-top gestylt und parfümiert zum Essen. Um 19 Uhr sind wir dann reisefertig und folgen den netten Österreichern ein letztes mal zu Afros, wo wir freundlich winkend von unseren Nachbarn begrüßt werden.

Ein letztes Mal genießen wir unsere vegetarische griechische Essenswahl, das läuft inzwischen ohne Bestellung, und fallen dann in Vorfreude in einen tiefes Wachkoma.

Tag 13 – von der Ägäis nach Albanien ans ionische Meer

Es ist Abreisetag und ich bin ab 6 Uhr wach. Es ist jedesmal dasselbe, ich bin aufgeregt und freue mich auf die Weiterreise. Den österreichischen Nachbarn hatte ich gestern noch gesagt, wir hätten keine Eile, würden es ruhig angehen. Pustekuchen – ich bin im Reisefieber. Trotzdem döse ich noch eine gute Stunde im Halbschlaf vor mich hin. Dann ist aber auch gut, Christina geht es nämlich genauso. Punkt 9 Uhr füllen wir unsere Wasservorräte auf und starten Richtung Thessaloniki.

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Die Strecke ist ermüdend und langweilig, einziger Lichtblick ist ein Lidl – Supermarkt, in dem wir vergeblich nach Fanta Zero suchen, dafür aber Mozzarella und grünen Spargel finden. Mit diesem Einkauf sind wir endlich im echten Camperleben angekommen – vor der Tür reihen sich die deutschen Womos, innen spricht man deutsch. Autofahren in Griechenland ist seltsam, insbesondere, dass der rechte Fahrstreifen auf den 3 spurigen Autobahnen nicht benutzt wird. Komisch, mir aber egal, der rechte Streifen ist frei und gehört mir. Ich nutze ihn konsequent als Überholspur. Kurz hinter der Stadt stoppen wir zum tanken und halten Lagebesprechung.

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Wir kommen zu dem Schluss, das wir genug von Griechenland haben und entscheiden uns Richtung Albanien weiterzufahren, einmal quer durch das Landesinnere von Griechenland. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, ist dass wir uns mit unserem alten 75 PS Saugdiesel bis auf über 1000 Höhenmeter hinaufquälen wo sich eine riesige Hochebene vor uns erstreckt. Hier scheint auch die Zentrale der griechischen Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen zu sein. Riesige Kraftwerke verschandeln als Fremdkörper die Landschaft.

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Die Stromleitungen gehen in alle Himmelsrichtungen ab. Maut zahlen wir nach Fahrzeughöhe und in Euro und in bar. Meine Kreditkarte wird ungläubig zurückgewiesen. Vielleicht sind wir ja zufällig in Mazedonien gelandet? Kann nicht sein, die Abschnitte hier sind nicht in 2 Euro, sondern in 6 Euro Einheiten unterteilt. Griechenland ist Hundeland, auch hier auf dem Autobahnparkplatz. Wir picknicken und 2 Hunde markieren ihr Revier. Der Parkplatz bietet noch einen ganz besonderen Service. Einen Frau hält permanent die Toiletten sauber, ein Mann mit Warnweste hält permanent den Rastplatz sauber. Penibel pickt er jedes Stück Fremdkörper vom Asphalt auf. Wir beobachten, wie er kreisförmig die Straße entlangwandert.

Bei Ioannina biegen wir von der Autobahn ab und fahren auf der Landstraße Richtung albanische Grenze. An dieser angekommen werden wir mit einer Neuigkeit in der Grenzabwicklung konfrontiert. Man muss sowohl bei der Ausreise aus der EU, wie auch bei der Einreise nach Albanien aussteigen und zum Schalter gehen. Sachen gibts.Die Berg- und Talfahrt geht weiter und wir begegnen unzähligen Kühen und Ziegen auf unserer Straße und durchqueren wunderschöne Landschaften. Das ist atemberaubend schön.

Unser Womo müffelt, die ganze heutige Fahrt schon. Wir verdächtigen die Kühlbox und halten Sie deshalb die ganze Fahrt geschlossen. Getränke werden warm serviert. In Himara angekommen heben wir Bargeld ab und stürmen in den ersten Supermarkt. Und siehe da – es gibt Aranciata Zero. Danke Albanien! Es war in ganz Griechenland nicht aufzutreiben.

Nach 560 km ergattern wir auf dem Camping Kranea den letzten Platz. Genau gegenüber der Toilettenanlage ist er gelegen und wir fahren vorwärts ein. Das gefällt uns nicht. Wir manövrieren 10 Minuten auf dem Platz zur Belustigung aller anderer Gäste und schaffen es nicht rückwärts einzuparken. Um dem Zorn der Mitcamper zu entkommen entscheiden wir uns wieder auszufahren und zu fliehen. Der supernette und servile Inhaber stoppt uns und gibt mir gekonnt Einparkhilfe. Keine 2 Minuten später stehen wir an Ort und Stelle.

Zwischen deutschen und österreichischen Fahrzeugen. Es gefällt uns nicht. Dafür identifizieren wir die Geruchsbelästigung – es ist der grüne Spargel, der modrig stinkt. Ab in die Mülltonne – adieu Spargelzeit.Unser Besuch in der Campingplatz- Taverne gestaltet sich schwierig. Alle Tische belegt. Wir setzen uns an die Bar, betrinken uns und warten auf einen freien Tisch. Bierzeltatmosphäre.

Wir wagen ein Experiment- Pasta. War keine gute Idee. Die viel zu scharfen Spaghetti Alio Olio spülen wir mit unserem ersten Raki der Reise runter. Schmeckt gut und hilft. Das deutsche Ehepaar beobachten wir interessiert. Die schaffen es in einer Stunde kein Wort miteinander zu wechseln. Der Hund auf dem Schoß der blondierten Frau bekommt jedenfalls mehr Aufmerksamkeit als der gegenübersitzende Mann. Könnte sein, dass der Hund ein gebrochenes Bein hat, den Boden berührt er auf jeden Fall nicht.

Tag 14 – Über Berg und Tal die albanische Küste entlang

Wir hatten die beste Nacht der Reise, hier auf diesem scheußlichen Fleckchen Erde. Da der Strand sehr schön weiß schimmert und das Wetter prima ist, überlegen wir uns trotzdem noch eine Nacht zu bleiben. Nach einem Besuch der sanitären Anlagen erübrigt sich dieser Gedanke – es ist alles sauber, da es einen für die Reinhaltung abgestellten Mitarbeiter gibt, aber dafür kommt das Wasser auch nur tröpfchenweise aus der Dusche. Es ist kaum möglich sich den Schaum vom Körper zu spülen. An Haare waschen ist garnicht zu denken. Ältere Österreicher sind wirklich nett. Das ist eine Erkenntnis dieser Reise. Mit unserem Nachbarn versöhnen wir uns nach unserer gestrigen Einparkorgie und tauschen uns über Reiseziele und Womo- Technik aus. Die machen seit Anfang Mai Urlaub in Albanien und sind auch begeistert. Die ungläubigen Kommentare ihrer Freunde vor der Abfahrt haben sie gekonnt ignoriert. Wir ignorieren ihren Tipp zu einer Stadt im Landesinneren, mit Häusern wie Schwalbennestern. Kultur? Wir wollen Strand! Uns sagen sie, steht noch eine tolle Fahrt bevor. Und da sollen sie Recht behalten. Die albanische Küstenstraße schlängelt sich in Berg- und Talfahrt bis nach Vlora.

Es geht vom Meeresspiegel bis auf 1000 Meter und wieder zurück.

Unterwegs werden wir von der Polizei angehalten und angewiesen an den Rand zu fahren und zu warten. Wir spekulieren auf den Staatspräsidenten. Es scheint aber die Tour Albania zu sein. Die Ausreißer sind durch, und die Verfolgergruppe wird vom grünen Trikot, gefolgt von Helfern und dem gelben Trikot angeführt. Die haben noch knapp 1.000 Höhenmeter vor sich.

Mittags halten wir in Vlora an und essen Pizza und Salat. Sehr lecker hier. Wir beobachten dabei, wie ein älterer Porsche Cayenne vorfährt. Zwei junge Frauen steigen aus und gehen in die Stadt. Zwei junge Männer steigen aus und öffnen die Motorhaube. Mit einem parat liegenden Wasserschlauch füllen sie immer wieder literweise Wasser in das Kühlsystem. Für alle um uns rum anscheinend ein alltäglicher Vorfall. Nach getaner Arbeit brausen sie zu viert wieder los. Vollgas, als wäre nix passiert. Interessant auch, dass die pärchenweise Sitzen. Das Prinzenpaar vorne, das Paar aus dem Fußvolk hinten. Gemäß den landestypischen Gepflogenheiten parken wir wie immer vorschriftsmäßig.

Weiter geht es. Wir spekulieren mit einer Passage nach Italien und fahren zum Fährhafen. Die Fahrt dauert nur 4 Stunden nach Brindisi. Es ist wie überall an diesen Häfen, sofort kommt ein Wichtigtuer und springt vor das Auto, er könne alles organisieren und kennt sich aus. Leider nur eine Fähre pro Tag und wir sind zu spät für heute. Pech für ihn und Pech für uns. Muss Karma sein. Wir fahren nach Norden und peilen den Platz Pa Emer an, den wir vor 2 Jahren schon besucht haben. Beim obligatorischen Stopp am Supermarkt entdecken wir das Ungemach. Unser Roller hängt schief auf dem Träger, die Verankerungen des Querträgers sind gebrochen, die Aluhaut des Womos ist leicht eingedrückt und die Farbe abgekratzt. Die letzten Kilometer müssen zu viel gewesen sein, habe ich auch die eine andere Bodenwelle ob der vielen Eindrücke, übersehen. Das ist worst case, so kommen wir nicht heim. Notdürftig wird der Roller fixiert und das lose Stück Metall mit Gafa Tape fixiert.

Nach 6 Stunden und 200 km sind wir am Zwischenziel angekommen. Der Besitzer kennt uns noch, das ist ein gutes Gefühl. Bestes Wetter, ein toller Stellplatz und warmes Wasser lassen den Trägerbruch in den Hintergrund treten.

Wir treffen auch alte Bekannte wieder. Das Pärchen mit Hund ist ebenfalls hier. Der Hund kann immer noch nicht laufen, die zwei sind immer noch konversationslos. Vielleicht sind die ja stumm? Ich überprüfe den Mann, indem ich ihn in ein belangloses Gespräch verwickle. Nein. Er kann sprechen.

Abends versammeln sich alle am Wifi Spot des Platzes mit grandiosem Blick über das Meer. Motor-Paraglider inklusive.

Alle reden, skypen; nur das Pärchen wieder nicht. Bin gespannt wie das weitergeht.

Tag 15 – Die große albanische Reparatur und der große Regen

Der Tag beginnt blendend. Es ist bestes Wetter in Albanien. Hurtig packen wir unsere Strandutensilien aus und stellen uns auf einen entspannten Badetag ein.

Um die Mittagszeit kommen die Wolken und es wird diesig. Auch nicht schlecht, das ist perfekt für die Reparatur der Motorradbühne. Ich packe die Werkzeugkiste des bestausgerüsteten Wohnmobils im dritten Jahr aus und inspiziere den Schaden. Da hilft nur schweißen. Auf der linken Seite muss das Rohr neu verschweißt werden, auf der rechten Seite die Grundplatte am Träger selbst verstärkt werden. Der Plan ist, das linke Teil abzuschrauben und in der Stadt schweißen zu lassen, und rechts zu hoffen, dass es bis nachhause hält.

Erstmal alles abmontieren. Ich habe ja alles dabei. Denke ich. Leider habe ich keinen großen Imbus dabei und muss kapitulieren. Aber das ist natürlich die Chance für einen albanischen Imbussatz! Christina schaut die Oberen Zehntausend und ich düse mit dem Roller die 10 km zur nächsten Siedlung. Praktisch – ich stoße gleich aufs Industriegebiet und finde sofort einen Werkzeughändler.

1900 Lek später fahre ich mit dem teuersten vorrätigen Imbussatz – der Verkäufer sprach von dem professionellen Satz -zurück zum Campingplatz. Ruckzuck ist der Träger demontiert und ich begebe mich auf die Suche nach einer kompetenten Fachwerkstatt der Schweisserei- Technik. Im Industriegebiet werde ich fündig, allerdings wird vermutet es handele sich um Alu, das können sie nicht schweißen. Ich werde in die nächste Stadt, nach Kavaje verwiesen. In Kavaje fahre ich über die Hauptstraße ein, und traue meinen Augen nicht. Sitzt da ein Typ und schweißt an Aluminiumtöpfen rum. Ich freue mich, halte an, zeige ihm mein Anliegen und werde aufs übelste beschimpft. Was er mir wahrscheinlich sagen will „ich löte nur, fahr du weiter zu den Werkstätten in diese Richtung“. Ich verstehe allerdings „du Vollidiot, sprichst unsere Sprache nicht und willst jetzt, dass ich dir helfe. Verschwinde zum Bazar“. Jedenfalls habe ich Angst, es ist unheimlich. Genau in dem Moment setzt der große Regen ein.

Sturzbachartig ergießt sich die nasse Pracht. Die Kanalisation ist heillos überfordert. Ich stehe bei dem Typ unter dem Dach, den Motor lasse ich laufen damit ich jederzeit flüchten kann. Irgendwann in den 10 Minuten Dauerregen stelle ich den Motor ab und wir rauchen einträchtig eine Zigarette. Wenn ich länger hier wäre, könnte sich daraus eine echte Männerfreundschaft entwickeln. Aber ich muss weiter und fahre einfach immer gerade aus, durch das kleine Städtchen.

An der Ausfallstrasse entdecke ich eine Mercedes-Werkstatt. Wenn die vielen Sterne und Formel1 – Bilder mal kein gutes Zeichen sind.

Sofort werde ich von Mechanikern und Kunden umschart. Was will der seltsame Typ auf seinem komischen Roller von uns? Aluschweissen? Kein Problem! Ich soll Café trinken gehen. Sagt’s, setzt sich in sein Auto und ist weg.

5 Minuten – es läuft. Da fahre ich doch mal tanken. Wild hupend bremst mich ein Auto aus. Einer der Kunden der Werkstatt. Er gibt mir seine Visitenkarte. Wenn es irgendwelche Probleme gibt, dann soll ich ihn anrufen. Total nett, aber hat der schonmal was von Roaming gehört?

Nach 10 Minuten bin ich zurück an der Werkstatt, nach weiteren 20 Minuten habe ich im Café nebenan neue Freundschaften geschlossen, nach weiteren 40 Minuten habe ich alle meine Zigaretten aufgeraucht und die 3 Mechaniker jeweils in eine A – und eine B – Klasse die auf dem Boden liegenden Motoren eingebaut. Unfassbar was die da leisten. Parallel versuchen wir zu kommunizieren und sie machen sich lustig über mich und mein Vertrauen in albanische Zeitangaben. 10 Minuten später dann wildes Hupen, mein Teil ist wieder da. War doch kein Alu, deshalb haben sie es direkt mal kaputt geschweißt, dafür dann aber ein neues, exakt passendes Rohr aus Edelstahl aufgesetzt.

Fluchs wird noch ein Loch gebohrt und ich bin 1300 Lek ärmer und um eine tolle Erfahrung und ein repariertes Teil meiner Motorradbühne reicher. Die Welt ist gut. Und ich darf jetzt auch noch 20 km mit dem Roller durch die Gegend fahren. Guter Tag.

Am Platz angekommen verbaue ich das Teil gleich. Es passt perfekt.

Was ein Erfolg! Aber es ist jetzt auch 18 Uhr. Christina war auch erfolgreich, 2 Filme gesehen und eine Flasche Prosecco geleert.

Der Himmel wird schwarz. Starker Wind zieht auf. Wir sichern unser Zeugs und fahren die Markise ein. Besser ist es – es fängt stark an zu regnen.

Uns egal, wir kochen und essen im Womo und genießen das Prasseln des Regens auf dem Dach. Beim anschließenden Rommee- Spiel hat Christina eine unglaubliche Glückssträhne und schlägt mich, mit einer Serie von famosen Handspielen, überlegen. Das genießt sie offensichtlich sehr.

Tag 16 – Invasion der deutschsprachigen Best Ager und legefrische albanische Eier von Tante Emma

Es hat die ganze Nacht geregnet. Aber als wir gegen 7 Uhr aufwachen hat sich die Welt geändert. Strahlender Sonnenschein dringt durch die Fliegengitter. Viel zu früh zum aufstehen. Wir legen Notting Hill ein und schlummern mit Julia Roberts und Hugh Grant als Hintergrundkulisse weiter.

Den Vormittag verbringen wir zusammen mit Jack Reacher am Strand. Alleine, es sind ja nicht so viele Camper hier.

Viele verbringen nur eine Nacht hier und ziehen dann weiter. Dafür ist dieser Ort aber eindeutig zu schade. Hier bei Pa emer kann man chillen und zur Ruhe kommen. Eine kleine und einfache Oase. Ich sehe auch das schweigende Pärchen wieder, allerdings jeden einzeln mit einer Rolle weißem Papier in der Hand.

Seltsam, der Hund kommt nicht vorbei. Seltsam auch, dass die Menschen ein perfekt ausgestattetes und hochmodernes Womo fahren, und dann trotzdem mit den weißen und entwürdigenden Rollen über den Platz schlurfen.

Um die Mittagszeit kommt Aktivität auf. Die Deutschen, Österreicher und Schweizer kommen. Hektische Betriebsamkeit, im Nu sind alle Plätze am Meer voll. Es herrscht regelrecht eine Rangelei um die Plätze. Die Gäste sind, bis auf ganz wenige Ausnahmen 60plus und mit der Ursprünglichkeit des Platzes und des Landes ein wenig überfordert. „So eine Straße zum Platz ist eine Zumutung“, „die albanischen Autobahnen sind eine einzige Katastrophe“, „wieso gibt es kein Wasser am Stellplatz“. Das Highlight sind die nur teilweise funktionierenden Steckdosen am Platz. Für die meisten ist es unvorstellbar einen Anschluss zu teilen. Unserem neuen schweizer Nachbarn, der mit seinem riesigen carthago- Wohnmobil seinen kompletten Stellplatz zuparkt, biete ich direkt unsere Stromverteilung an. Unglaublich fragte er, ob er das tatsächlich dürfe. „Ja, selbstverständlich, warum nicht?“ Ich fühle mich gut.

Das ist ein nettes Ehepaar, er erinnert ein wenig an den Almöhi von Heidi. Jedenfalls haben die schlechten Straßen auch sein Womo beschädigt und er verbringt den halben Tag unter dem Fahrzeug und repariert die elektrische Trittstufe. Cool, er hebt den LKW einfach mit der Hubstütze an. Das erspart den Wagenheber. Ich bin begeistert von diesen großen Womos.

Neben seinen Best-Ager-Gästen ist auch der Inhaber leicht überfordert. Normalerweise nimmt man sich auf seiner Terrasse die Getränke aus dem Kühlschrank, nimmt sich Gläser aus dem Haus und bezahlt dann später. Heute ändern sich die Regeln. Die Menschen wollen bedient werden. Hektisch rennt er zwischen den Tischen hin und her, verteilt Getränke und schenkt ein. Nebenher dann noch neue Gäste empfangen und Plätze zuweisen bzw. vorschlagen. Lustig mit anzusehen, wie dieser immerzu coole und desinteressierte Typ auf einmal ins Schwitzen kommt.

Wir genießen eine Flasche mazedonischen Riesling und schauen gebannt zu, während wir verzweifelt versuchen am einzigen Hotspot des Platzes online zu gehen. Das erinnert an die Zeit mit den 64k-Modems. Aber wir haben ja auch Zeit. Und es lässt sich hier auch aushalten.

Zurück am Platz prüfen wir die Vorräte. Es fehlen lebenswichtige Dinge wie Cola Zero und Eier. Ich freue mich. Endlich wieder Roller fahren, wenn auch nur den knappen Kilometer zum nächsten Tante Emma Laden. Die bedient mich dann auch, gemeinsam mit einem jungen Mädchen. Alles da, nur keine Eier. Kein Problem ich soll eine Minute warten. Das Mädchen verschwindet und nach einer albanischen Minute kommt sie mit einem Eimer voller frischer Eier zurück. Tante Emma nimmt jedes meiner 6 Eier und legte sich mir einzeln in die Hand, damit ich spüre, dass diese alle noch warm sind. Sensation.

Die Menschen sind so herzlich und freundlich in dieser Region.

Am Abend kochen wir wieder draußen und spielen Karten bis die Sonne im Meer untergeht und uns die Kälte ins Womo treibt.

Die Glückssträhne von Christina hat sich seit gestern allerdings signifikant abgeschwächt. Schauen wir mal wie es da so weitergeht.

Tag 17 – Albanische Marktwirtschaft für Anfänger

Der Campingplatz ist voll, der Strand ist leer. Verstehe einer die Wohnmobilisten. Da fahren die bis zu 2.000 km hierher und sitzen dann auf ihren Campingstühlen an ihren Campingtischen vor ihren Campingmobilen.

Das Meer wird aus sicherer Distanz betrachtet, maximal der Hund geht ins Wasser. Das gibt wahrscheinlich Sicherheit oder ist Ausdruck einer langjährigen Campingerfahrung. Wir sind erst im dritten Jahr und lernen jeden Tag dazu. Wobei – heute ist nicht so ein Tag, wir legen uns den ganzen Tag an den Strand.

Verzweifelt versuche ich das schweigende Trio zu finden. Stumm ist er ja nicht, wie ich detektiert hatte. Verschwunden. Heimlich abgereist. Schade, der Vorsprung wird für uns dann zu groß, wir werden sie auf dem Weg nach Norden nicht mehr einholen und das Geheimnisse um diese Dreiecksbeziehung niemals lüften können.

Für Jack Reacher ist mir kein Weg zu weit. Kein Anstieg zu hoch. Mittags erklimmen wir den Hausberg und nutzen den Wifi Spot. Mittags ist eine gute Zeit, da ist die Lodge leer, wir haben die volle Bandbreite.

Amazon sei Dank, in Windeseile bin ich 10 Euro los und kann damit auf meinem spiegelnden iPad das nächste große Abenteuer erleben. Bin gespannt, er trommelt sein altes Team zusammen.

Jeden Tag kommt eine Frau mit Kind und Schubkarre an den Strand und verkauft Gemüse. Das ist ein Bombengeschäft am heutigen Tag. Die Camper stehen Schlange. Erstaunlich wie schnell und behende der eine oder die andere reagieren können, aus ihren Campingstühlen aufspringen und zur Schubkarre eilen. So auch wir. Ich sichere mir für 500 Lek ein paar Tomaten, Paprika, Kartoffeln und eine Honigmelone. Verkaufstechnisch raffiniert bekomme ich noch eine Zwiebel und einen Pfirsich geschenkt. Albanische Kundenbindung am Strand at its best. Nach dem ersten Ansturm ist Ruhe im Schatten angesagt.

Nachmittags beginnt wieder die Anreisephase. Das nervt. Hektik pur. Heute sind es die Franzosen, die überfallartig den Platz für sich einnehmen. La Grande Nation. Eine der Damen ist besonders pfiffig mit ihrer Kurzhaarfrisur. „Bitte schneiden Sie genau so, wie auf diesem Bild, aber in schwarz“ wird sie ihrem französischen Land-Coiffeur gesagt haben und freudig und hoffnungsfroh ein Bild von Pink überreicht haben. Leider danebengegangen. Damit ist klar, die Franzosen sind auch nicht anders als wir Deutschen und alle andren Nationen; missglückte Pink-Frisuren bei Frauen über 40 beobachte ich seit Jahren in allen Ländern der Welt.

Wir flüchten und machen uns zu Fuß auf ins Dorf. Im Supermarket kaufen wir albanischen Chardonnay und Riesling – das gibt es wirklich – und eine Packung Henna – Farbe. Die sind perfekt sortiert hier.

Wit schlendern weiter zum Dorf-Café und bestellen Cappuccino. Ein Lachen. Es gibt nur Café. Können wir den mit Milch haben. Ein Lachen. Es gibt nur Espresso schwarz. Auch gut, wir nehmen zwei und beobachten die jungen albanischen Männer bei ihren Wichtigkeits-Ritualen und weitere französische Wohnmobile die Richtung Campingplatz unterwegs sind.

Genug gesehen, wir marschieren die staubige Straße zurück und erspähen einen blauen Verkaufswagen. Da ist Gemüse drin. Sehr viel Gemüse. Wir haben zwar alles, aber müssen trotzdem kaufen.

Wie ein Magnet zieht uns der blaue Wagen an. Das Gemüse und die Auswahl kommt uns seltsam vertraut vor. Wir kaufen 1 Kilo Tomaten und 2 riesige Zucchini. Dafür zahlen wir 100 Lek. Phänomenal günstig für uns, erschreckend was die Kaufkraft im Land betrifft. Jetzt wird auch klar, dass die Frau mit ihrer Schubkarre tatsächlich ein Bombengeschäft macht. Albanische Marktwirtschaft leicht gemacht. Verfünffachung des Preises auf 500 Meter. Arbitrage für Anfänger. Es sei ihr absolut gegönnt. Die Menschen hier sind tatsächlich sehr arm. Beschämend, wenn der eine oder andere Mitcamper dann noch zu feilschen anfängt. Jeder wie er will.

Zurück am Platz kochen wir wieder draußen und genießen den fantastischen Sonnenuntergang.

Beim anschließenden obligatorischen Rommee zeigt sich, dass sich die Glückssträhne von Christina ins Gegenteil gedreht hat. Sie macht gute Miene zu bösem Spiel. Morgen wendet sich das Blatt bestimmt wieder.

Tag 18 – schwäbische Game Changer – vom Rentner- zum Kinderparadies

Um 4 Uhr bin ich wach an diesem herrlichen Samstagmorgen und beobachte das Meer aus dem Heck-Fenster. Es dämmert schon leicht. Als einziges Wohnmobil haben wir uns ja falsch herum positioniert. Heck Richtung Meer. Sehr zum Unverständnis unserer Mitcamper, aber genau für diese Augenblicke wie jetzt. Aber vielleicht müssen wir das ja auch noch lernen, wie auch das tagelange Stillsitzen vor dem Wohnmobil und den Verzicht auf Meerwasserkontakt. Es dämmert schon leicht. Das muss ein Zeichen sein so früh wach zu sein. Vielleicht hätten wir heute doch schon weiterfahren sollen, so wie es Christina vorgeschlagen hatte.

Beim Frühstück entscheiden wir uns heute nochmal einen Strandtag einzulegen und morgen dann früh weiter in den Norden zu fahren.

Um 10 Uhr liegen wir am Strand, die Sonne sticht herunter. Das Wasser ist sehr flach und lauwarm. Badewannenfeeling am Mittelmeer. Pink wagt sich aus ihrem bequemen französischen – sicher Decathlon, wie unsere auch – Campingstuhl und inspiziert grazil den Strand. Ganz trending mit großflächiger weißer Sonnenbrille. Ihr Mann ist sicher Gitarrist, erkennbar an dem Rolling Stones T-Shirt – Sticky Fingers – und dem schmächtigen, jahrelangem Drogenmissbrauch geschuldeten, ausgemergeltem Körper. Selbstgestochene Tattoos zieren seinen gräulichen Körper.

Schon gestern haben wir die Vorinsel erkundet und wurden nach 10 Minuten jäh vom Vater des Campingplatzbesitzers vertrieben.

Seltsamer Kauz dieser Vater. Wir vermuteten Demenz. Unser Schweizer Nachbar klärt Christina auf. Er sei einfach nur ein böser alter Mann. Das klingt für uns plausibel und einleuchtend, zumal unsere schweizer Nachbarn sehr sehr freundlich sind und zudem die einzigen Gäste außer uns, die auch den Strand und das Meer nutzen. Der Mann muss Recht haben.

Wir dösen vor uns hin, auf einmal erklingt ein helles Leuten. Undefinierbar. Ich schaue auf, vor meinen Augen zieht ein älteres Pärchen mit einem Hund vorbei. An seinem Halsband bimmelt eine Hundeglocke. Die erste Hundeglocke meines Lebens. Dafür müsste ich 50 Jahre alt werden.

Und dann passiert es ganz unverhofft. klassischer Game Changer. 2 schwäbische VW – Busse fahren ein und packen aus. 2 Pärchen mit 4 Kindern. Auf einmal ist Leben am Strand. Endlich. Unfassbar, was die so alles aus diesen kleinen Autos ziehen. Die Best Ager drum herum staunen, als zum krönenden Abschluss ein Baldachin am Strand aufgebaut wird.

Das verheißt nichts gutes. Auf einmal wird aus dem Rentnerpardies das Kinderparadies.

Uns gefällt es, wir ziehen morgen aber auch weiter. Wir verstauen unsere Ausrüstung. Darin sind wir ja supergeübt. Sorge bereitet nur der Roller. Hoffentlich hält die provisorische Konstruktion und die albanische Schweißnaht.

Nach nachmittäglichen Schwächen beim Romee – Spiel erlangt Christina am frühen Abend auf wundersame Weise ihre alte Spielstärke zurück und schlägt mich vernichtend mit einer fulminanten und noch nie dagewesene Serie von Handpielen.

Auf Anraten unseres Nachbarn laufen wir heute die 50 Meter zum nächsten Restaurant. Villa Barbaut! Das soll lecker sein, albanische und italienische Küche. Crossover quasi. Und es lohnt sich. Hätten wir das mal früher gewusst.

Tag 19 – von Albanien bis an die Westküste von Dubrovnik – Pleiten, Pech und Pannen

Abreisetag, Sonntag 6 Uhr. Wie üblich sind wir vor Vorfreude früh wach. Leider aber auch zu früh. Eve und der letzte Gentleman helfen uns die Zeit zu vertreiben. Zusammenpacken müssen wir ja nicht mehr, haben wir alles gestern schon erledigt. Schnelles Frühstück, schnelles Duschen, schnelles Zahlen. 18 Euro die Nacht. Ich habe keine Euro, nur Lek. Der Eurobetrag muss in Lek per Taschenrechner umgerechnet werden. Seltsam, da läuft irgendwas schief.

Schief läuft dann auch unser Weg auf die Schnellstraße. Wir finden die Auffahrt nicht, fahren immer wieder in Sackgassen.

Nach 30 Minuten verzweifelter Erkundung der Gewerbemischgebiete in Kavaja sind wir endlich fündig geworden und rauschen Richtung Dürres davon. Der Verkehr ist perfekt, alles ruhig – zügig und schnell sind wir an der Abfahrt Richtung Shkodar bei Vore angelangt.

Dabei fahren wir Zickzack auf der rechten Spur, um den riesigen Schlaglöchern zu entgehen. Sinn macht es dabei sich am Vordermann zu orientieren. Wie Slalomfahrer fahren wir hintereinander her und umschiffen die Stangen. Manchmal klappt es auch nicht, dann gibts einen mächtigen Schlag. Besorgte Blick in den Rückspiegel – ist der Roller noch da?

Aufgrund einer Brückensanierung schlägt mir mein Campernavi eine Umleitung vor. Dankbar folge ich den Anweisungen und der schmalen Straße. Ich halte mich rechts am maximalen Rand der Straße, als mir ein albanischer Range Rover Sport, bekanntlich ja nur ein Land Rover Discovery mit anderer Karosserie, auf meiner Spur mit hoher Geschwindigkeit entgegenkommt, er will den Schlaglöchern auf seiner Seite ausweichen. Zwei Möglichkeiten habe ich. Augen zu und durch oder Vollbremsung. Ich entscheide mich für Augen zu und durch. Falsche Entscheidung. Es gibt eine riesigen Schlag. Ein Blick in den Spiegel zeigt nichts, weil da nichts zum reinschauen ist. Der Spiegel hängt lose herunter.

Beide Trägerarme sind gebrochen. Full Stop. Ich steige aus. Der Albaner stößt zurück. Steigt aus. Mein Alter, verspiegelte Sonnenbrille, Bürstenhaarschnitt, 10 cm kleiner als ich. Angriff ist die beste Verteidigung, denke ich und gehe auf ihn zu. Wild fuchtelnd mit meinem abgebrochenen Spiegel in der Hand. „Why do you drive on my side of the road“ brülle ich ihn an. Es wirkt. Er tut so als ob er nichts verstehe und inspiziert den Schaden. Ein Augenzeuge steht mit großen Augen in der Einfahrt zu einem Logistikhof. Sicher hinter einem geschlossenen Tor. Inzwischen hat sich ein Stau gebildet, weil der dämliche Typ nach dem Zurückstoßen genau neben mir gehalten hat. Wir blockieren die ganze Straße. Wildes Hupen und Gestikulieren. Der Albaner setzt sich in sein Auto, rollt weg. Ich merke wie er kurz zögert und überlegt, ob er den Fall jetzt klären soll, entscheidet sich dann aber für die Flucht und gibt Vollgas. Feigling. Ich habe kurzen Blickkontakt zu meinem Augenzeugen. Wir verstehen uns und zucken beide mit den Schultern.

Weiter geht es ohne linken Außenspiegel. Da merkt man dann erstmal wozu der gut ist. Wir werden schon irgendwo einen auftreiben, es gibt ja genug Schrottplätze entlang der Straße. Nach 10 km halten wir direkt beim ersten an. Fehlanzeige. Weiter geht es. 5 km später rausche ich an einer LKW -Werkstatt vorbei. Christina schreit „halt an, da gehen wir hin“. Ich wende und fahre in die Einfahrt. Sonntag scheint hier Werktag zu sein.

Vor mir eine Zugmaschine an der komplett verölte Mechaniker die Hinterreifen wechseln. Aufgebockt ist das Teil mit einem mobilen Wagenheber. Inzwischen habe ich keine Berührungsängste mehr und trete an die Jungs ran. Einer gibt sich als Anführer zu erkennen. Ihm ist klar, wir brauchen Hilfe. Ich frage ihn „Chef?“, er antwortet „Mini- Chef!“ Das ist genau mein Mann. Ich zeige ihm den Schaden. Schnell wird klar, er hat keinen Spiegel da, kann es aber notdürftig reparieren für die Fahrt nach „Germania“. Gesagt getan, er holt Schrauben und Werkzeug und dängelt alles wieder zusammen. Wir sind begeistert. Mehrfach klopfe ich ihm auf die Schulter. Das gefällt ihm. Auf die Frage, was er dafür haben wolle antwortet er mit einer generösen Geste. Für so eine Kleinigkeit nimmt er kein Geld. Geht garnicht sagen wir und ich gebe ihm 500 Lek oder umgerechnet 10 Café. Er freut sich, wir freuen uns, seine Kollegen freuen sich, und gegenseitig zuwinkend verlassen wir den Ort des Geschehens.

Weiter geht es Richtung montenegrinische Grenze. Auf einmal stehen wir vor ihr, der Grenze, haben aber noch ganz schön viel Lek in der Tasche und die letzte Tankstelle verpasst. Also wieder 5 km retour und tanken. Immer noch Geld übrig. Ich kaufe 2 Liter 2 Taktöl. Immer noch Geld übrig. Ich nehme den Taschenrechner des Kassierers und teile meinen Lek -Betrag durch Marlboro-Schachteln und 0,5 Literflaschen Cola Zero. Es sind exakt 15 Schachteln und 7 Flaschen!

An der Grenze – Ausreise Albanien -schnüffelt der Drogenhund die Autos ab. Das kann hier, trotz weniger Wagen ewig dauern.

Praktisch so ein Womo. Christina geht in die Küche und schneidet Tomaten, Paprika, Mozarella und Parmesan auf. Argwöhnisch werde ich in der Zwischenzeit von von einigen uniformierten Polizisten beobachtet. Einer davon zeigt mit seiner Hand auf unser Womo, auf den Alkoven. Ich denke ist der Alkoven beschädigt oder erklärt er den anderen jetzt, dass man darin schlafen kann?

Christina reicht mir den Teller nach vorne. Ich beuge mich nach hinten. Da erschallt ein freundliches „Mahlzeit“ am Seitenfenster. Es ist der Erklärpolizist, der sich unbemerkt angeschlichen hat. Ich drehe mich mit dem Teller in der Hand um und biete direkt einen Leckerbissen an. „Nein Danke“ erschallt es. Ich denke, „der spricht mal gut deutsch und warum hat der überhaupt das Wort POLIZEI auf seiner Uniform stehen“, während er zur Fahrertür marschiert. Es klärt sich auf.

Er ist Teil eines Frontex-Einsatzes und für 2 Monate hier in Albanien im Einsatz. Es könnte schlimmere Einsatzgebiete geben, als hier 30 km vom schönsten Mittelmeer entfernt stationiert zu sein. Hoffentlich hat er ein Auto oder Motorrad zur Verfügung. Schnell werden wir uns einig, dass Albanien ein tolles Land mit netten Menschen ist und ihm sei klar geworden, dass man das Bild das man mit Albanern in Deutschland im Kopf hat, neu zeichnen muss.

Leider müssen wir dann aber auch weiter und winkend verabschieden wir uns von diesem freundlichen Polizisten. Wir hatten vergessen zu fragen wo er herkommt, tippen aber auf Brandenburg oder Berlin, fragen uns aber welche EU-Aussengrenze bei diesem Einsatz gemeint sein könnte.

Er bleibt noch, für uns geht es weiter durch die Bucht von Kotor, wo wir mit der Fähre übersetzen. Noch 1 h wollen wir fahren und uns dann einen netten Platz suchen.

Es geht Richtung Dubrovnik und wir passieren die Grenze nach Kroatien. EU – gelobtes Land. Endlich können wir unsere mobilen Endgeräte wieder nutzen. Die Landschaft hier ist wieder atemberaubend, die Strecke an der Küste entlang eine der schönsten Landstraßen überhaupt. Immer wieder prüfen wir Campingplätze über Google und schauen uns diese an.

Aber keiner gefällt uns so richtig. Nicht am Meer gelegen, oder ein riesiger wohlorganisierter Komplex, wie der Platz in Dubrovnik. An der Westküste von Dubrovnik werden wir fündig. Ein Kleinod in mitten einer großen Bucht. Der Camping Banja ist ein naturbelassener Olivenhain, betrieben von einem älteren Ehepaar, welches idyllisch inmitten von Gemüsebeeten in der kleinen Ortschaft lebt.

Wir bauen auf, springen ins kühle Nass, kochen ein schnelles Abendessen und freuen uns bei albanischem Wein darüber, dass unser Roller die Tortur schadlos überstanden hat.

Das war dann heute doch sehr anstrengende 320 km in 9 Stunden und wir sind hundemüde. Bevor wir erschöpft ins Bett fallen hat Christina komischerweise noch ausreichend Kraft mich zu einer Partie Rommee herauszufordern. Ihre Siegesserie hält ungebrochen.

Tag 20 – Deutsche und Bulgaren sind gleich – Game Changer in Kroatien

Unser erster Tag in Kroatien beginnt grandios. Wir schlafen bis 7:30 Uhr und im Womo ist es schon angenehm warm. Das wird ein heisser Tag heute. Wir chillen mit Captain Kirk und dem Khan. Frühstück, wie immer, im Bett. Blick aufs Meer. Das vorletzte albanische Ei muss dran glauben. Sowas gelbes habe ich noch nie gesehen.

Ab 11 Uhr liegen wir am kleinen Strand und genießen das süße Nichtstun. Wir sind alleine, keine Menschenseele um uns rum. So soll es sein, deshalb sind wir hier. Ruhe, Stille, Abgeschiedenheit!

Ich gehe zurück zum Womo und baue das neue Sonnensegel auf. Premiere – heute kann nix mehr schief gehen.

Als ich das Essen zubereite kommt Christina aufgeregt zurück vom leeren Strand. Genau neben uns hätten sich 2 Leute hingelegt, obwohl der Strand komplett leer sei. So schlimm wird es schon nicht sein, denke ich. Wir sind ja einiges von den Bulgaren aus Griechenland gewöhnt.

Wir essen lecker Salat. Leider bin ich viel zu gierig und beiße mir mitten auf die Zunge. Denke mir nichts böses.

Nichts böses denke ich auch, als wir wieder zum Strand laufen. Aber tatsächlich – da liegt eine Frau am leeren Strand direkt bei unseren Handtüchern. Ihre Füsse dort wo mein Kopf wäre. Bin sprachlos und ringe mich zu „ do you speak english or german?“ durch. Sie antwortet „german“. War ja klar, zu dumm um „deutsch“ zu sagen. Ich frage sie „ist das hier ein Spaß, oder warum liegst du genau hier, wo der ganze Strand leer ist“?

Ihr hängt ihr schlauchartige weißer Busen aus dem Bikini, ich würge. Sie antwortet „hier gibts Schatten!“ Alles klar, gewonnen. Wir nehmen unser Zeugs und unseren eigen Schatten mit und legen uns 10 Meter weiter. Das war der erste Beweis, das es nicht die Nationalität, sondern die Menschen sind. Sorry allen Bulgaren.

Der zweite Beweis folgt sogleich. Wir chillen am Strand, plötzlich rauscht ein deutsches Womo mit Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei und biegt auf den Campingplatz ein. Alle anderen fahren hier Schritttempo. Mir schwant böses, als ich wegen meiner blutenden Zunge – Christina diagnostiziert eine tiefe Fleischwunde – zurück zum Womo laufe. Es war klar. Die stehen direkt neben uns. Und zwar face to face. Der gewählte Platz ist scheisse, der gesamte Campingplatz eine leere Oase, und jetzt stehen die genau dort. Schauen uns auf die Teller, wir müssen jedes scheiss Wort von denen anhören. Deutsche eben. Sorry an die Bulgaren.

Mit Gin versuche ich die Blutung zu stoppen und den Frust zu ertränken.

Zurück am Platz spielen wir Rommee – keine Frage wer gewinnt – stellen die Bluetooth-Box an und ich lasse Queen, die Lieblingsmusik von Christina, laut ertönen. Das wird die genauso nerven wie so viele andere auch. Denkst Du,

Das ist der Game Changer. Die Nachbarin ist auch Queen – Fan, hat sogar ein Queen-Tattoo und sucht uns heim. Christina hat eine gleichgesinnte getroffen. Gespräch unter Experten. Ich geh duschen und bin froh über das schützende Sonnensegel. Denke mir „trotzdem scheisse geparkt!“

Zu guter letzt beisse ich mir beim Abendessen ein zweites mal auf Zunge. Selbe Stelle, selbe Schmerzen, nur mehr Blut.

Tag 21 – ab in den Norden nach Srima

Heute ist Weiterreisetag. Der Platz ist zwar wundervoll, aber unsere Nachbarn zerstören durch ihre unverschämte Stellplatzwahl das Idyll. Außerdem wollen wir noch eine Zwischenetappe am Meer einlegen. Irgendwo weiter im Norden, damit die Heimfahrt auch in 2 Tagen zu bewältigen ist.

Check Out im Mehrgenerationenhaus. Die Großmutter humpelt mit ihrem Gehfrei über den Hof.

Während ich bei ihrer (bestimmt) Schwiegertochter 20 Euro/Nacht bezahle wünscht sie nur mehrmals einen schönen Tag. Ich erwidere freundlich. Toller Platz zum Leben hier, nette Menschen.

Wir fahren los, die Küste entlang. Es ist wenig Verkehr und sehr beeindruckend. Die einsam entgegenkommenden Wohnmobile werden freundlich mit einer lässigen Handgeste gegrüßt.

Die kurze Durchfahrt durch Bosnien Herzegovina nutzen wir zum Auffüllen der Zigsrettenvorräte. Kaufe 4 Stangen rote Marlboro, billiger kann es ja nicht mehr werden. Wobei ich keinerlei Idee habe wieviel Geld ich hier gerade ausgebe. Irgendwann, mit all diesen Wechselkursen, gibt man auf. Ich bin dankbar für den Euro!

Wir schmuggeln unsere Zigaretten in die EU und erreichen dann die Tiefebene bei Opuzen. Hier reihen sich die Gemüsestände aneinander. Vor 2 Jahren haben wir hier 50 Euro liegen lassen, unter anderem auch für selbstgemachte Saft. Den haben wir dann später, als wir wieder zuhause waren entsorgt. Untrinkbares Zuckerwasser war das.

Diesmal sind wir klüger und wählen 1 kg Zwiebeln und 1 kg Tomaten, die verdächtig belgisch aussehen. Dafür will die junge Frau 4 Euro. Gewohnt an albanische Preise sehr ich sie erstaunt an. „This is not true? You are joking!“ stammle ich. Doch, doch, so soll es sein. Immerhin ja 2 Kilo. Ich gebe klein bei und gewinne doch – auf meine 5 Euro kann sie nur 2 Euro rausgeben. Fühle mich trotzdem verarscht.

Weiter geht es weg von den schönen Küstenstraßen und rauf auf die Autobahn. Ab jetzt sind wir wieder in der Zivilisation. Stoisch rollen wir über die neue Fahrbahn. Unfassbar langweilig. Kurz halten wir an um zu essen und unser Grauwasser in der Kanalisation des Rasthofs verschwinden zu lassen.

Aber ein weiteres Highlight dieser Reise folgt sogleich. Irgendwo im Niemandsland auf der kroatischen A1 hat unser tapfere Fiat Ducato die 200.000 km Grenze erreicht. Was für ein Ereignis. Bei 40 km/h feiern wir frenetisch und ausgelassen auf der Autobahn.

Bei Sibenik verlassen wir das monotone grau und fahren Richtung Vodice. Kurz noch Lebensmittel fassen. Wir entscheiden uns gegen Lidl und für Interspar. Um unserer lokalen Verbundenheit Ausdruck zu verleihen und ein Zeichen gegen das LEH-Oligopol zu setzen, kaufen wir nur lokale Weine, Spirituosen, Käse und Backwaren. Praktisch, das ist auch billiger. Nur der grüne Spargel, an dem wir minutenlang schnüffeln, kommt wahrscheinlich aus Italien. Die anderen Einkäufer sehen uns pikiert an, wie wir unsere Nasen an den Spargel halten. Vielleicht vermuten die Klebstoffreste, vielleicht schaffen wir gerade einen Trend! Die haben bestimmt noch nie Spargel bei Lidl in Griechenland gekauft!

Spontan entscheiden wir uns am Meer entlang zu fahren, durch das Örtchen Srima hindurch. Gute Entscheidung. Wir fahren an Ferienhäusern und kleinen Pensionen vorbei, eine Einwohnerstrasse am Strand entlang und trauen unseren Augen nicht. Direkt zwischen zwei Ferienhäusern liegt ein Garten und ein kleiner Campingplatz. Das Kamp Roko. Ein älteres österreichisches Ehepaar belegt mit dem Wohnwagen die erste Reihe. Wir positionieren uns eine Ebene höher in Reihe 2. Das Meer fest im Blick.

Hier bleiben wir 2 oder 3 Nächte. Packen nochmal das gesamte Equipment aus und springen sofort ins Meer.

Beim abendlichen Rommee – Spiel hält uns der leichte Regen nicht auf, mein gutes Blatt dafür aber Christina. Ihre Siegesserie ist beendet.

Tag 22 – hot, hot, hot in Srima

Mein ganzer Körper juckt. Ich wache auf und taste nach dem Handy. Es ist 4:00 Uhr. Ich bin von Kopf bis Fuß übersät mit Schnaken-Stichen. Ich habe die Worte von Christina von gestern Abend noch im Kopf „hier gibt es keine Schnaken“. Denkste. Aber wie ich sehe geht es ihr keinen Deut besser. Recht so. Ich krame das Fenistil heraus und betreibe Erstversorgung. Im Anschluss versiegele ich meinen Körper mit Autan-Spray. Christina will leiden und verzichtet auf das Fenistil. Selber Schuld. An Schlaf ist vor erst nicht zu denken. Wir lauschen dem Summen der Schnaken und versuchen unsere Körper mit den Bettdecken vor dem Eindringlingen zu schützen. Es gelingt, wir schlafen bis 8:30 Uhr durch. Wach werden wir dieses Mal von der unsagbaren Hitze. Es hat bestimmt schon 28 °C.

Wir sind gelähmt, verrichten nur die überlebensnotwendigen Grundfunktionen und schleppen uns die 30 m ins Meer. Herrlich kühl und klar hier in Srima .

Wahrscheinlich haben wir einen Hitzestich, denn wir entscheiden uns in der sengenden Mittagshitze mit dem Roller in die Stadt zu fahren. Wozu habe ich den denn sonst auch von der Motorrad-Bühne runter geholt?

Vodice soll ja angeblich Party-Hochburg hier sein. In der Vorsaison kann man das nur erahnen. Jedenfalls wird die Stadt beherrscht von Souvenirshops und Bars.

Uns ist es zu heiß. Die Helme die wir vorschriftsmäßig tragen dienen auch nicht unbedingt zur Abkühlung. Ich kann Motorradfahrer immer weniger verstehen.

Wir suchen Abkühlung unter unserem Sonnensegel. Das ist nur bedingt möglich. Es hat deutlich über 30 °C.

Selbst das Essen ist eine Qual. Unsere österreichischen Nachbarn sind sehr freundlich. Wie schon gesagt, ältere Österreich scheinen sehr nett zu sein. Lustiges allerdings, dass der Mann immer kroatische Wörter benutzt. So wird er wahrscheinlich seine Verbundenheit mit diesem Land und seine Kenntnisse über dieses Land kund tun. Es erinnert ein wenig an die Wichtigtuer, die in Deutschland beim Italiener auf Italienisch bestellen. Meistens schauen dann die albanischen Kellner hilfesuchend in die Runde. So geht es ihm mit mir auch. Ich verstehe kein Wort.

Zurück am Strand suchen wir Schutz unter den spärlichen Bäumen und gehen im 15 Minuten Takt ins Wasser. Gin Tonic sorgt für zusätzliche Linderung.

Jack Reacher beendet sein Abenteuer. Er hat es doch tatsächlich geschafft, alle Bösen zu eliminieren und sein Team beieinander zu halten. Respekt.

Das hier ist ein schöner Ort in der Vorsaison. Hier gibt es alles. Bäcker, Supermärkte, Bars, Restaurants. Trotzdem geht es für uns morgen weiter, wir wollen am Freitag wieder zu Hause sein.

Tag 23 – von der kroatischen Sonne in den österreichischen Regen

Heute probieren wir mal etwas Neues aus. Einen ganz neuen Reiserhythmus -solange wie möglich den Tag am Strand genießen und dann erst am frühen Nachmittag weiterfahren. Es ist am heutigen Donnerstag ja auch die letzte Gelegenheit das Meer zu nutzen. Gesagt, getan. Ab 10 Uhr liegen wir am Strand.

In Etappen räumen wir das Womo ein. Baden, Aussenküche, Baden, Heckgarage, Baden, usw. Das klappt erstaunlich gut. Ist entspannend.

Mittags düse ich mit dem Roller zum nächsten Imbiss. „Was haben Sie vegetarisches da?“ Die junge Frau schaut mich an wie den Mann im Mond und ringt sich zu Pommes und der Möglichkeit Sandwiches ohne Schinken zu machen durch. Prima. Das nehmen wir. Um mich rum lauter Menschen die Hackfleisch in Blätterteig mampfen. Kroatien ist Fleischland.

Ich zahle die 2 Nächte -300 Kuna. Schon wieder 20 Euro/Nacht – das muss ein europaweiter Einheitspreis zu dieser Jahreszeit sein – und wir verfrachten den Roller auf die Motorradbühne. Dank einer neuen Verzurrtechnik hält der jetzt bombenfest. Ich verspanne den Gepäckträger mit den Ösen am Boden, so wie alle anderen auch. Hätte ich auch mal früher so machen können.

Unsere Nachbarn haben Zuwachs erhalten. Ein weiteres österreichisches Rentnerpaar baut den Wohnwagen auf und richtet sich häuslich ein. Die lassen es allerdings ruhig angehen.

Um 14 Uhr haben wir genug Sonne getankt und das Meer genossen. Wir stehen in den Startlöchern. Just in dem Moment kommen wir mit allen Nachbarn ins Gespräch. Die Österreicher bleiben für 3 ganze Monate hier. Sie konnten sich früher nie vorstellen immer an einem Platz zu sein, jetzt ist es aber eben so, man wird ja nicht jünger. Das ältere sächsische Ehepaar mit seinem VW LT und der MZ auf dem Motorradträger macht schon immer Camping, man hätte in der DDR ja keine andere Möglichkeit, und war auch schon in Griechenland und Albanien und überall unterwegs, und konnte sich früher nie vorstellen immer an einem Platz zu sein, jetzt ist es aber eben so, man wird ja nicht jünger. Um diese Erkenntnis bereichert sehen wir unserer Zukunft gelassen entgegen und starten um 14:30 Uhr Richtung Villach. Wir werden aufs herzlichste verabschiedet, deutsche und österreichische Camper winken uns hinterher. Schön wars.
Vor uns liegen 450 km monotone Autobahnfahrt, unterbrochen nur durch eine kurze Passage Landstraße und ein spektakuläres, 150 km andauerndes Wettrennen mit einem polnischen Reisebus. Schlussendlich entscheide ich es knapp für mich. Vor der Grenze tauschen wir unser übrig gebliebenes kroatisches Geld in Diesel, Cola Zero, Vignetten und Zigaretten um.

Diesmal muss ich den Taschenrechner nicht selbst bedienen. Der freundliche Tankwart übernimmt das für mich. Da kann der Albaner noch was lernen.

Zielstrebig steuern wir den Karawankentunnel an. Es ist bewölkt, aber warm und trocken. Kaum sind wir aus dem Tunnel draußen, geht die Welt unter. Platzregen. Enorme Wassermassen auf der Straße. Mit 50 km/h schleichen wir auf der österreichischen Autobahn bis zum Campingplatz Ossiachersee. Ich steige im Dunkeln aus und Lande direkt in einer 20 cm tiefen Pfütze. Es regnet immer noch stark. Aber hier wird es endlich wahr. Ich kann meine magische ACSI Karte zum ersten Mal nutzen. Mogelpackung denke ich. Die in Frage kommenden Plätze sind im hintersten Eck, wo sowieso keiner stehen will. Uns egal, wir übernachten ja nur. Ich fahre auf den zugewiesenen Platz ein, es gibt nur eine Parkposition, und denke – aus diesem Sumpf komme ich nie weder raus. Inzwischen ist es 21:30 Uhr und was interessieren uns heute unsere Probleme von morgen. Da machen wir doch lieber mal Bestandsaufnahme von unseren Fremdwährungsgeschäften.

Heute jedenfalls gehen uns Schnaps und Zigaretten nicht aus.

Tag 24 – Hindernisparcours vom Ossiander See bis Göppingen

Es hat die ganze Nacht geregnet, aber als wir aufwachen strahlt die Sonne vom Himmel und es ist angenehm warm hier am Ossiacher See auf diesem modernen Platz.

Mit großer Erwartung packen wir unsere weißen Bademäntel aus und watscheln durch dem sumpfigen Morast zum Waschhaus. So heißt das hier. Am Gardasee hieß es ja Spa. Schau mer mal. Ich betrete die Duschkabine und das Licht geht an. Praktisch denke ich, ökologisch. Ich trete unter die Dusche und betätige den großen Knopf. Das Wasser geht an, das Licht geht aus. Ich trete einen Schritt zurück. Das Licht geht an, das Wasser geht aus. So ist das anscheinend in einem Waschhaus. Licht und Wasser gibt es nur getrennt. Die Timer sind parallel auf 8 Sekunden eingestellt. Wer braucht schon Licht zum duschen! Mit meinem Rücken lehne ich mich gegen den großen Knopf und überliste den 8 Sekunden-Timer so gut es geht. Das gelingt nur bedingt. Zum Glück sieht mich keiner, wie ich mich hier verrenke. Das fühlt sich erbärmlich an und sieht sicher auch erbärmlich und erniedrigend aus. Ich verfluche den Idioten, der sich in dieser wasserreichen Gegend das Wassersparprogramm für den Campingplatz ausgedacht hat. Ich sehne mich nach Albanien zurück.

Um uns rum Aufbruchstimmung und auch wir sitzen um 9:30 Uhr abfahrbereit im Auto. Rückwärtsgang rein und ab dafür. Das Womo bewegt sich nicht. Die Reifen drehen durch. Wir stecken fest. Ich versuche aufzuschaukeln, was nur dazu führt, dass wir uns noch tiefer eingraben.

Die Prophezeiung von gestern ist wahr geworden. Da kommen wir nie raus.

Ich schnappe mir zwei starke Jungs von der Rezeption. Siegessicher geleiten mich diese Kärntner Naturburschen zum Womo. Den schieben wir einfach raus. Aber auch das gelingt nicht. 3 ungünstig verteilte Tonnen sind zu viel, auch wenn man zusätzlich noch Bretter drunter legt.

„Ich hole den Traktor“, die erste gute Idee. 5 Minuten später ist der Kerl mit einem Aufsitzrasenmöher zurück. Ich schmunzle, aber ein Versuch ist es wert. Inzwischen haben sich auch Schaulustige eingefunden. Wie bei einem Verkehrsunfall. Alles schauen, keiner hilft. Der Rasenmäher macht Donuts auf den Asphalt, es riecht nach verbranntem Gummi. Wir bewegen uns nicht, bis Christina noch weitere Gäste zum schieben animiert und auch selbst Hand anlegt. Der Wagen bewegt sich, wir sind frei.

Allgemeines Abklatschen und große Freude über das gemeinsam bestandene Abenteuer. Wir setzen uns in Position und starten wieder. Nichts geht. Die Reifen drehen wieder durch. Klar, wir stehen ja noch auf dem nassen Rasen und das komplette Profil der Reifen ist voller Matsch. Ich hole wieder die Jungs und mit Hilfe neuer Helfer schieben wir das Womo dann schlussendlich auf den Asphalt. Es ist von oben bis unten voller Lehm.
Zum Glück muss ich es außen nicht selber waschen. Da wartet ja schon meine Waschcrew Philipp und Simon von Feelgoodmedia drauf. Im Gegenzug durften die am heiligen Ostersonntag unser Haus für den Videodreh von MONE BLAK nutzen. Bin ich froh um diesen Deal.

Ich zahle an der Rezeption und habe sage und schreibe einen Vorteil von 11 Euro mit meiner Campingcar von ACSI. Mit den österreichischen Phantasiegebühren für alle möglichen Touristenabgaben wird aus 17 Euro Platzgebühr aber schnell ein Gesamtbetrag von 24 Euro. Habe den Eindruck, dass die mich hier nicht mehr sehen wollen. Mein Defizit mit der Campingkarte beträgt jetzt nur noch knapp 6 Euro.

Endlich frei fährt es sich auch ganz unbeschwert und dynamisch. An der Tunnel-Mautstelle auf der Tauernautobahn dümpelt ein Wagen vor mir her. Ich hupe den Wagen weg, er hat sich verfahren und hält mich auf. Kann wohl nicht mit Karte zahlen. Er muss zurück stoßen. Fühle mich siegessicher, kann durch schnelles Zahlen Boden gut machen. Zu spät entdecke ich die Breitenbeschränkung auf 2 Meter an diesem Terminal und will mir keine Blöße geben. Ich stoße nicht zurück! Ich nicht! Vorsicht fahre ich ein, und schon macht es ein vertrautes Geräusch. Ein lauter Schlag, gefolgt von einem lauten Knacks. Der provisorisch reparierte Außenspiegel ist erneut gebrochen und wird nur noch durch die Gummimanschetten zusammengehalten.

Egal, mich hält nichts auf. Ich habe immer noch einen Vorsprung und genug Gafa-Tape dabei. Gekonnt verfehle ich die nächste Parkmöglichkeit und dümple 20 km mit Tempo 80 über die Autobahn. Bei der zweiten Gelegenheit bin ich dann aufmerksamer und wir kleben den Spiegel mit einer halben Rolle Tape fest. Das hält bombensicher. War ja auch eh kaputt.

Zielstrebig fahren wir Richtung Grenze bei Salzburg. Nichtsahnend. Heute ist ja kein Rückreisetag und wir hatten bisher noch keinen Stau auf der Reise. Denkste. 3 km vor der Grenze fahren wir in den Stau und quälen uns gute 30 Minuten bis zur Wurzel des Übels.

Die Deutschen haben doch tatsächlich Grenzkontrollen eingeführt. Fahrbahn verengt, riesiges Kontrollzelt aufgebaut, zwei Spuren sind frei. Hallo! Schengener Abkommen! Die Polizisten schauen in jedes Auto, ziehen den Hass der Fahrer auf sich und werden aus den offenen Fenstern angepöbelt. Der vor mir fahrende Rentner droht mit dem Zeigefinger. Kontrolliert wird natürlich keiner. Das Kontrollzelt ist leer, bis auf die rauchenden Polizisten. Wer hier einreisen will braucht nur ein Wohnmobil.
So ein Drama beim Grenzübertritt schaffen nicht mal die Albaner. Hier sollte die Frontex mal ernsthaft über Hilfe nachdenken. Wie wird das erst morgen, am Hauptreisetag sein?

Zur Mittagszeit sind wir am Chiemsee und lassen uns durch Siri zum nächsten italienischen Restaurant führen. Im Fischer am See gibt es lecker Essen, nur nichts italienisches. Die sind bekannt für ihre Fischspezialitäten. Sagt der Name ja auch irgendwie. Haben wir wohl übersehen. Wir essen Salat und Obazda.

Problemlos umfahren wir München und machen spontan noch einen Abstecher ins Campingparadies, den Freistaat in Sulzemoos. Toll, wir können hier Abwasser und Toilette entsorgen.

So sauber sind wir noch nie nach Hause gekommen. Der Laden selbst – mein zweiter Besuch – enttäuscht auf ganzer Linie. Außer Zusatz für die Chemietoilette und unfreundliches Personal finde ich nichts spannendes. Nicht mal unterschiedliche Anglerwesten haben die im Sortiment.

Weiter gehts auf der A8 und bei Ulm entscheiden wir uns für die B10 nach Göppingen. Falsche Entscheidung. Wie immer. Die Straße ist teilweise gesperrt und wir fahren die Umgehung. Inzwischen sind wir aber so tiefenentspannt, dass uns auch das nicht mehr aus der Ruhe bringt. Um 19:30 Uhr sind wir nach knapp 4.500 km wieder zu Hause.

Den Abend und unsere Reise beschließen wir dann doch noch italienisch, bei da Pasquale in Göppingen. Endlich Spaghetti, Pizza und leckeren Wein.

15 Kommentare zu „Mai 2018 – mit dem alten Wohnmobil über den Autoput nach Griechenland und über Albanien an der Küste zurück“

  1. Da werden Erinnerungen wach, vier Jungs und zwei Mädels mit alten Rot Kreuz VW Bus drei Wochen Griechenland unsicher gemacht 😉 35 Jahre ist das jetzt her…….Super geschrieben, kurz weilig , schee 🙂

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  2. Gratuliere zu dem Bericht. Ist einer der nettesten den ich jemals gelesen habe.
    Griechenland und Türkei habe ich zwischen 1975 und 1979 unsicher gemacht, mit T1, T2 und Kastenente. Und eine meiner ersten Womoreisen wird mich wieder dorthin führen.
    In Göppingen bin ich übrigens aufgewachsen, Mörike-Grundschule und HoGy.

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      1. Ich weiss, es ist unhöflich bei Frauen danach zu fragen: Jahrgang? Das HoGy habe ich persönlich in sehr schlechter Erinnerung, Ende der 60er, Anfang der 70er war das eine selbsternannte Eliteschule, fürchterlich! Bin Jahrgang 1956.

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  3. Das stimmt nur bedingt. Wir hatten die ersten Mädchen bei uns, allerdings keinen Jahrgang sondern nur die sechs Girls, die als zweite Fremdsprache Russisch hatten. Da war das HoGy Pionier. Und die Aufregung über die paar Mädels vergesse ich nie 🙂

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  4. Hahaha, selten so einen launigen Reisebericht gelesen, klasse. Solltest schriftstellerisch tätig werden, wenn´s sonst nicht geht. Alles Gute un vielen Dank Manfred aus Hamm

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